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3. Januar 2013

Gertlers Online-Schnellkurs Wissenschaftliches Arbeiten


Der Kollege Martin Gertler (RFH Köln, Utrecht) hat auf der Plattform Iversity.org einen "Schnellkurs zum wissenschaftlichen Arbeiten" zum Selbststudium mit Video-Vorlesungen, FAQ, Handouts und Literatur zur Verfügung gestellt. Das Einführungsvideo ist auf YouTube zu sehen, der gesamte Kurs kostenlos nach Registrierung bei Inversity zugänglich.



29. Juni 2012

Qualitative Interviews -- Transkripte & Co.

In einer Abschlussarbeit selbst empirische Daten erheben und untersuchen -- das ist echtes Forschen und (leider) in vielen Fächern selten der Fall. Vor allem bei Bachelor-Arbeiten, denn eigentlich ist die Bearbeitungszeit viel zu kurz. Eine Studentin der Verwaltungswissenschaften will es aber wagen und hat in einem Landkreisamt gute,praktische Forschungsobjekte. Nun grübelt sie aber über diese Fragen:
  1. Wie geht man in der Bachelorarbeit genau mit selbst angelegten Onlineumfragen um (Belege etc.)? > Antwort: "Selbst forschen: Umfragen, Interviews, Dokumente auswerten und belegen" (28.6.12)
  2. Wie geht man mit Materialien aus der Verwaltung um (Reden, die von Mitarbeitern gehalten wurden etc.; Ausdrucke, die nicht mehr wirklich zugeordnet werden können; Kopien etc.)? > Antwort: "Graue Literatur und interne Dokumente" (29.6.12)
  3. Wenn man jemanden interviewt, wie macht man dann genau den Beleg?
Der Antwort sei vorausgeschickt:
  • Es führt kein Weg daran vorbei, das mit dem Betreuer detailliert zu besprechen. Persönliche Vorstellungen und Vorlieben, wie empirische Daten und Methoden zu dokumentieren sind, variieren erheblich. 
  • Gerade bei BA-Arbeiten sind viele Betreuer willens, pragmatisch Ansprüche herunterzuschrauben und Kompromisse bei einigen Dokumentationsstandards einzugehen, um die Belastung bei der extrem kurzen Bearbeitungszeit zu senken. Siehe dazu auch den Blogbeitrag:  "Bachelor- und Masterarbeiten: der kleine, große Unterschied" (28.12.10)
  • Lesen Sie im Detail nach, was Handbücher und Ratgeber zum wissenschaftlichen Arbeiten und zur empirischen Sozialforschung dazu sagen.

Qualitative Interviews -- Transkripte & Co.

Frage 3. Wenn man jemanden interviewt, wie macht man dann genau den Beleg?

Zunächst einmal: Qualitative Interviews müssen im Methodenteil erläutert werden -- wie quantitative Befragungen auch. Warum und nach welchen Kriterien wurde wer ausgewählt? Sind die Befragten Akteure/Handelnde/Entscheider, Betroffene, Experten? Wie haben Sie sie angesprochen? Wie wurden die Fragen entwickelt? Wie wurden die Antworten ausgewertet? usw. Irgendwo muss eine Liste der Interviewpartner erscheinen. Im Anhang können Kurzbiographien der Befragten eingefügt werden - oder eine Kurzbeschreibung deren Stellung (z.B.: Sachbearbeiter mit Zuständigkeit für X).

Im Hauptteil werden Sie in der Regel mit wörtlichen Zitaten arbeiten, mal länger, mal kürzer, dann auch mit Zusammenfassungen. Wörtliche Zitate sind vor allem dann geeignet, wenn der Befragte etwas sehr zugespitzt und plakativ ausdrückt, seine persönliche Einschätzung oder Meinung ausdrückt. Reine Faktenaussagen sollte man eher zusammenfassen.

Im Quellenverzeichnis sollte die Liste der Interviews in einer eigenen Rubrik erscheinen. Der Langbeleg enthält Informationen zum Namen des Befragten, zu seiner Position/Funktion, zu Ort, Zeitpunkt und Dauer des Interviews.

Auf diese Angabe bezieht sich dann auch der Quellenbeleg im Haupttext (z.B. als Kurzbeleg "Interview Schulze, 2012"). Handelt es sich nicht um formale Interviews, sondern eher Gesprächsnotizen, ein Telefonat oder eine Email, ist die Belegweise "Schulze, persönliche Kommunikation, 20. Juni 2012" inzwischen üblich.

Im Idealfall dokumentieren Sie das gesamte Interview im Anhang in Form eines Transkripts. Ein Transkript ist die wörtliche Niederschrift der Ton- (oder gar Video-) Aufzeichnung -- wenn Sie denn eine gemacht haben.

Es ist auch möglich, Interviews nur mit einem Notizbuch zu führen. Diese Art Aufzeichnung ist natürlich nicht so genau; und sie verlangt etwas Übung -- Sie können ja nicht nur schreiben, Sie müssen auch das Gespräch führen; und wer kein Steno kann, ist möglicherweise sehr langsam beim Notieren. Aber nicht jeder Interviewpartner erlaubt eine Bandaufzeichnung. Manchmal stört sie die Gesprächsatmosphäre.

Ein simples "Abtippen" ist Transkription nicht. Sie können ein Gespräch mit allem, was dazugehört, nicht 100-prozentig in Textform wiedergeben. Bei den nichtverbalen Aussagen und Reaktionen, beim Gesprächskontext usw. ist das klar. Aber selbst das Gesagte erscheint bei vielen Transkripten nicht ganz so, wie es tatsächlich gesagt wurde.

Bei manchen Transkripten ist es nur eine sinngemäße Zusammenfassung. Bei anderen ist das Gesprächsprotokoll zwar wörtlich, aber sprachlich "geglättet": Nur wenige Menschen sprechen druckreif. Die im mündlichen Verkehr üblichen Stummelsätze, grammatisch chaotischen Bandwurmsätze, Verhaspelungen und Versprecher, die im Gespräch gar nicht weiter auffallen, sind bei einer penibel wörtlichen Niederschrift hinterher ein Graus: nämlich schlicht unlesbar!

Manche Wissenschaftler haben an der genauen sprachlichen Ausdrucksweise ein großes Interesse, Sprachforscher, Psychologen und Soziologen etwa. Da zählen auch die "Ähs" und "Mmmhs" und das Gestammel. In einer verwaltungswissenschaftlichen Abschlussarbeit ist das wahrscheinlich nicht so, da geht es um andere "Inhalte".

Sie werden sich also bei der Transkription eher darum bemühen, die Sätze möglichst nah an der wörtlichen Aussage, aber dennoch lesbar ins Schriftliche zu übertragen. Aus unvollständigen werden vollständige Sätze, Versprecher werden beseitigt usw. Das ist dann aber alles schon Interpretation -- oder um es ganz krass auszudrücken, Sie sind dabei, die Wirklichkeit zu verfälschen, zumindest zu verändern, Sie greifen in die Aussagen direkt ein. Machen Sie sich also klar, welche Entscheidungen Sie bei einer Transkription fällen müssen, welchen Regeln Sie folgen. Wichtige Hinweise dazu gibt das kleine "Praxisbuch Transkription" von Dresing und Pehl.

Transkription ist enorm zeitaufwändig und mühsam, sie erfordert äußerste Konzentration und penibles Redigieren und ständiges Überprüfen. Inzwischen gibt es Software (siehe dazu ebenfalls das "Praxisbuch"), aber der Computer nimmt Ihnen die Arbeit nicht vollständig ab. Für ein einzelnes Interview, das eine Stunde dauert, kann der Transkriptionsaufwand - je nach Methode - schon eine oder mehrere Tage in Anspruch nehmen.

Braucht man ein vollständiges Transkript? Die Frage hat zwei Seiten:
  • erstens die nach der eigenen Auswertung des Gesprächs, 
  • zweitens die nach der Dokumentation in der Abschlussarbeit.
Bei der eigenen Auswertung mag es ausreichen, die Aufzeichnung mehrfach abzuhören und dann die wertvoll erscheinenden Auszüge (also das, was Sie wörtlich zitieren wollen) zu transkribieren. Den Rest fassen Sie zusammen (am besten mit Notieren des Zeitzählers). Merken Sie später, dass Sie noch einmal zurück zur Aufzeichnung müssen, ist das ja kein Problem.

Dies gilt für "normale" Interviewauswertung. Wenn Sie anderes vorhaben -- z.B. eine formale und quantitative Inhaltsanalyse --, werden Sie dagegen ein Voll-Transkript benötigen. Wenn Sie sehr viele Interviews führen, fällt es schwer, die Übersicht über die Inhalte zu behalten. Nutzen Sie in einem solchen Fall z.B. Citavi oder eine andere mit Literaturverwaltung gekoppelte Wissensmanagement-Software, in der Sie Ihre Notizen und Zusammenfassungen komfortabel speichern und im Volltext suchen können.

Bei der Dokumentation müssen Sie mit dem Betreuer sprechen. Bei einer Bachelor-Arbeit gibt es nur 8-12 Wochen Bearbeitungszeit. So sollten Sie den Betreuer fragen, ob er auf vollständigen Transkripten besteht, die im Anhang abgedruckt werden müssen.


Meine persönliche Auffassung ist: Das muss nicht unbedingt sein, und der Zeitaufwand geht klar zu Lasten aller anderen Aufgaben, die bei einer Thesis zu erledigen sind. Wenn wir Studenten bei einer kurzen BA-Thesis dazu ermutigen wollen, selbst zu forschen, dann geht das nur unter eingeschränkten Ansprüchen. Allein die Vorbereitung, Terminvereinbarung, Durchführung, inhaltliche Auswertung von Interviews, Autorisierung (s.u.) der Zitate und das "Einbauen" in den Text kostet viel Zeit. Wenn ein Student von 8 Wochen BA-Bearbeitungszeit eine Woche netto nur mit Transkribieren beschäftigt ist, ist das arbeitsökonomisch fragwürdig.

Bei einer Master-Arbeit mit längerer Bearbeitungszeit ist der höhere Aufwand eher gerechtfertigt. Ich hatte auch schon Master-Studenten, die unbedingt Volltranskripte erstellen wollten -- weil sie in ihrer Literatur selbst von Transkripten anderer als Quellen profitiert haben und nun ihrerseits einen Beitrag zur Fortentwicklung des Themengebiets leisten wollten. Ehrenhaft.

Als Letztes: In der Regel wollen Interviewpartner das Transkript lesen und autorisieren, manchmal auch nachkorrigieren. Zumindest die Passagen, mit denen sie  tatsächlich zitiert werden.

Ob Sie das anbieten oder darauf eingehen, ist Ihre Entscheidung. Sie müssen sich mit dem Gesprächspartner auf Spielregeln verständigen, und zwar vorher! Es kann zwar sein, dass der Gesprächspartner einige zugespitzte Aussagen wieder "kassiert". Dann müssen Sie möglicherweise verhandeln, "was geht", wenn Sie die Passage "retten" wollen. Andererseits hat der Interviewpartner aber auch ein legitimes Interesse daran, dass er nicht in seinem eigenen Umfeld Ärger bekommt, weil er mit Ihnen gesprochen hat. Zur Not ist die Anonymisierung der Aussagen eine Lösung -- manchmal geht es nicht anders, und manches Interview findet nur unter dem Mantel der Anonymität statt. Zudem ist es so, dass sich in Transkripte Fehler einschleichen. Manchmal versteht der Interviewende etwas falsch, oder der Interviewte hat spontan eine fehlerhafte Aussage gemacht. Das Gegenlesen ist dann die Chance zur Korrektur oder Präzisierung. Das ist also nicht nur als Einschränkung, sondern auch als Verbesserungsmöglichkeit zu sehen.

Und noch einmal zum Zeitmanagement aus der Forschungspraxis:
  • Wenn Sie eine halbe oder eine Stunde mit einem Interviewpartner sprechen, entsteht daraus ein seitenlanges Volltranskript. 
  • Wenn Sie dem Interviewpartner nun Ihre 5 oder 10 Seiten zum Gegenlesen schicken, mag es viele Wochen dauern, bis das "OK" kommt. Wenn es sich um vielbeschäftigte Leute handelt, können Sie noch so drängeln -- das Lesen und Prüfen und Korrigieren eines solchen Transkripts hat geringe Priorität, ist mühsam und wird eben gern immer wieder verschoben. Das Risiko des Zeitverzugs aber tragen Sie! Und es hilft Ihnen nichts, wenn Sie für Ihre BA-Thesis 10 Interviews führen, aber bei fünf davon liegen die Transkript-Autorisierungen erst Tage oder Wochen nach Ihrem Abgabetermin vor.
  • Die Chance einer schnellen Autorisierung steigt, wenn der Interviewpartner nur ein paar Absätze mit Einzelzitaten überfliegen muss. Das spricht also auch dafür, kein Volltranskript im Anhang der Arbeit zu dokumentieren, weil es dann eben auch einer Abnahme/Abstimmung desselben bedarf. 

Will Ihr Betreuer unbedingt Volltranskripte, aber Sie möchten das Zeitproblem bei der Autorisierung beherrschen, wäre noch ein Kompromiss möglich: Sie lassen nur die tatsächlich verwendeten Zitate autorisieren. Die Volltranskripte kommen in den Anhang, werden aber für das Bibliotheksexemplar Ihrer Thesis gesperrt ("Sperrvermerk"), sind also für die Öffentlichkeit nicht zugänglich.

Siehe auch die Posts:
Literaturtipp zur Transkription:

Dresing, T. & Pehl, T. (2011). Praxisbuch Transkription. Regelsysteme, Software
und praktische Anleitungen für qualitative ForscherInnen.
3. Auflage. Marburg: Dr. Dresing und Pehl GmbH. Online auf http://www.audiotranskription.de/Praxisbuch-Transkription.pdf [28.06.2012].

Graue Literatur und interne Dokumente

In einer Abschlussarbeit selbst empirische Daten erheben und untersuchen -- das ist echtes Forschen und (leider) in vielen Fächern selten der Fall. Vor allem bei Bachelor-Arbeiten, denn eigentlich ist die Bearbeitungszeit viel zu kurz. Eine Studentin der Verwaltungswissenschaften will es aber wagen und hat in einem Landkreisamt gute,praktische Forschungsobjekte. Nun grübelt sie aber über diese Fragen:
  1. Wie geht man in der Bachelorarbeit genau mit selbst angelegten Onlineumfragen um (Belege etc.)? > Antwort "Selbst forschen: Umfragen, Interviews, Dokumente auswerten und belegen" (28.6.12)
  2. Wie geht man mit Materialien aus der Verwaltung um (Reden, die von Mitarbeitern gehalten wurden etc.; Ausdrucke, die nicht mehr wirklich zugeordnet werden können; Kopien etc.)?
  3. Wenn man jemanden interviewt, wie macht man dann genau den Beleg? > Antwort: "Qualitative Interviews -- Transkripte & Co." (29.6.12)
Der Antwort sei vorausgeschickt:
  • Es führt kein Weg daran vorbei, das mit dem Betreuer detailliert zu besprechen. Persönliche Vorstellungen und Vorlieben, wie empirische Daten und Methoden zu dokumentieren sind, variieren erheblich. 
  • Gerade bei BA-Arbeiten sind viele Betreuer willens, pragmatisch Ansprüche herunterzuschrauben und Kompromisse bei einigen Dokumentationsstandards einzugehen, um die Belastung bei der extrem kurzen Bearbeitungszeit zu senken. Siehe dazu auch den Blogbeitrag:  "Bachelor- und Masterarbeiten: der kleine, große Unterschied" (28.12.10)
  • Lesen Sie im Detail nach, was Handbücher und Ratgeber zum wissenschaftlichen Arbeiten und zur empirischen Sozialforschung dazu sagen.

Graue Literatur und interne Dokumente

Frage 2. Wie geht man mit Materialien aus der Verwaltung um (Reden, die von Mitarbeitern gehalten wurden etc.; Ausdrucke, die nicht mehr wirklich zugeordnet werden können; Kopien etc.)?

Wenn es sich um Veröffentlichungen handelt, ist das typische "Graue Literatur" -- grob gesagt Publikationen von Institutionen und Organisationen, die nicht in Bibliotheken und von Verlagen vorgehalten werden.
  • Dazu gehören bei einer Landkreisbehörde z.B. öffentliche Berichte, Broschüren, Merkblätter oder Formulare für Bürger, Pressemitteilungen oder auch veröffentlichte Reden des Landrats u.v.a. - online oder offline.  
  • Amtsblätter können Sie wie Zeitschriften belegen (es sind ja Periodika). 
  • Kreistagsvorlagen belegen Sie wie Parlamentaria und Rechtsquellen. 
  • Bei allen anderen veröffentlichten Materialien gibt es keine vollstandardisierte Belegweise: Versuchen Sie diese so genau wie möglich im Quellenverzeichnis zu beschreiben, also mit genauem Herausgeber/Autor, Erscheinungsdatum und -ort, Titel und Untertitel, ggf. Publikationsnummer (soweit angegeben), Art der Quelle (also z.B. Broschüre, Merkblatt...).
Bei wissenschaftlichen Quellenbelegen geht es ja immer darum, dem überprüfenden Leser zu ermöglichen, die Quelle selbst in Augenschein nehmen zu können, wenn er denn gewillt ist, eine Bibliothek zu nutzen. Davon ist bei Büchern und Periodika auszugehen, z.T. auch bei Internetveröffentlichungen (gleichwohl kann man fast das gesamte Internet als eine Art "Grauer Literatur" bezeichnen).

"Graue Literatur" ist für den Leser schwer zu beschaffen, manchmal gar nicht. Formal wäre es daher angezeigt, die verwendeten Veröffentlichungen im Anhang als Kopie/Faksimile zu dokumentieren. Nur so lassen sich die Quellen ja nachvollziehen.

Aber: Praktisch ist es eher sinnlos, damit einen gewaltigen Anhang zu füllen. Bezieht man sich aber auf bestimmte Passagen oder Seiten, oder ist der Kontext oder die Machart wichtig, ist eine Kopie eines Auszugs sinnvoll -- z.B. wenn man zeigen möchte, auf welche Art die Verwaltung mit dem Bürger über ein Thema kommuniziert.

Handelt es sich um nicht-veröffentlichte Materialien, sondern um Interna, dann gilt dies nicht als "Graue Literatur". Das sind "Dokumente". (Allerdings kann man auch bei veröffentlichten Papieren von Dokumenten sprechen, aber spalten wir hier keine Haare.)

Beispiele sind interne Berichte, Aktenvermerke, Protokolle, Briefe, Emails oder Intranetdokumente, Verträge, interne Statistiken, sonstige Gebrauchstexte, Dienstanweisungen, Vortragsmanuskripte, PowerPoint-Präsentationen, Urkunden, Organigramme, Geschäftsverteilungspläne, interne Geschäftsordnungen und Verfahrensregeln, Aktenpläne, Dienstvereinbarungen, Stellenpläne und -beschreibungen,  Jahres- und Tätigkeitsberichte, interne Untersuchungen, Haushaltsdokumente, Daten aus Benchmarking- und Kosten-Leistungs-Rechnung usw.

Diese Dokumente sind nun überhaupt nicht für einen Leser direkt zugänglich (es sei denn, sie sind bereits in einem öffentlichen Archiv). Wer also solche benutzt, hat eine besondere Verantwortung, Informationen über diese Quelle zu dokumentieren.
  • Was für eine Art Dokument ist es? 
  • Was sind die äußeren Merkmale, der Inhalt und die Aussagekraft? 
  • Was ist der Zweck, die Funktion? 
  • Ist es aktuell oder veraltet? 
  • Wie entstand das Dokument? Wann, wo? In welchem Kontext? 
  • Wie sind Sie an dieses Dokument gelangt?
Bevor Sie im Rahmen der Dokumentenanalyse (Überblick zur Methode: Uni Augsburg) zur großen inhaltlichen Interpretation starten, müssen Sie diese Fragen klären.

Vor allem gilt es zu prüfen, wie verlässlich die Quelle ist, ob sie vollständig ist, und wie man sie einordnen muss. Wenn Sie tatsächlich "Ausdrucke, die nicht mehr wirklich zugeordnet werden können", in irgendeiner Akte vorfinden, ist Vorsicht geboten.

Im besten Fall gelingt es Ihnen, die fehlenden Informationen zu rekonstruieren -- durch Suche nach ähnlichen Dokumenten, durch Nachfragen o.ä.. Ob sich die detektivische Kleinarbeit lohnt, müssen Sie entscheiden. Fehlen Quelleninfos, und nutzen Sie die Quelle trotzdem, dürfen Sie den Leser über die Defizite nicht im Unklaren lassen. Machen Sie auch im Text Ihre quellenkritische Haltung deutlich. Erläutern Sie, warum Sie diese Quelle wie interpretieren und warum das legitim ist.

Natürlich müssen Sie wiederum genau im Quellenverzeichnis (Dokumente von Literatur trennen) bezeichnen, was für eine Quelle es ist -- und erneut ist eine Kopie des Dokuments, zumindest bestimmter Passagen, im Anhang sinnvoll. Ist die Quelle ganz zentral, gehört die Kopie eher in den Hauptteil.

28. Juni 2012

Selbst forschen: Umfragen, Interviews, Dokumente auswerten und belegen

In einer Abschlussarbeit selbst empirische Daten erheben und untersuchen -- das ist echtes Forschen und (leider) in vielen Fächern selten der Fall. Vor allem bei Bachelor-Arbeiten, denn eigentlich ist die Bearbeitungszeit viel zu kurz. Eine Studentin der Verwaltungswissenschaften will es aber wagen und hat in einem Landkreisamt gute,praktische Forschungsobjekte. Nun grübelt sie aber über diese Fragen:
  1. Wie geht man in der Bachelorarbeit genau mit selbst angelegten Onlineumfragen um (Belege etc.)?
  2. Wie geht man mit Materialien aus der Verwaltung um (Reden, die von Mitarbeitern gehalten wurden etc.; Ausdrucke, die nicht mehr wirklich zugeordnet werden können; Kopien etc.)?
  3. Wenn man jemanden interviewt, wie macht man dann genau den Beleg?
Der Antwort sei vorausgeschickt:
  • Es führt kein Weg daran vorbei, das mit dem Betreuer detailliert zu besprechen. Persönliche Vorstellungen und Vorlieben, wie empirische Daten und Methoden zu dokumentieren sind, variieren erheblich. 
  • Gerade bei BA-Arbeiten sind viele Betreuer willens, pragmatisch Ansprüche herunterzuschrauben und Kompromisse bei einigen Dokumentationsstandards einzugehen, um die Belastung bei der extrem kurzen Bearbeitungszeit zu senken. Siehe dazu auch den Blogbeitrag:  "Bachelor- und Masterarbeiten: der kleine, große Unterschied" (28.12.10)
  • Lesen Sie im Detail nach, was Handbücher und Ratgeber zum wissenschaftlichen Arbeiten und zur empirischen Sozialforschung dazu sagen.

Onlineumfragen

Frage 1. Wie geht man in der Bachelorarbeit genau mit selbst angelegten Onlineumfragen um (Belege etc.)?

In jedem Fall muss klar erkennbar und nachvollziehbar sein, wie Sie zu den Daten gekommen sind. Der Leser soll Relevanz und Aussagekraft Ihrer Datenbasis beurteilen können. Das "Projektdesign" und Konzept der Umfrage ist im Text (Methodenteil) präzise zu erläutern. Dazu gehören die Entwicklung der Fragen, Auswahl und Rekrutierung der Befragten, Erhebungsmethode, Ablauf der Durchführung usw. Eher "technische" Angaben und ein Verlaufsprotokoll können z.T. in den Anhang ausgelagert werden.

Der Anhang ist auch eine gute Lösung, um die gesamten Rohdaten aus der Umfrage zu dokumentieren. Das sind ja oft große Tabellen, die man nicht unbedingt im Haupttext haben möchte. Im Anhang lassen sich die Daten aber in der Gesamtheit überblicken. Außerdem können Sie im Anhang z.B. Ihr Anschreiben an die Befragten dokumentieren

Im Hauptteil der Arbeit ist es meist sinnvoll, sich in der Darstellung und Diskussion jeweils einzelnen Ergebnissen zuzuwenden (Thema für Thema) und bei zusammenfassenden Übersichten mit Diagrammen zu arbeiten. Grafiken sind chic, aber nicht für alles benötigen Sie eine farbstrotzende Torte, Säulen, Stäbe oder Kurve: Übersichtliche Tabellen sind häufig eine gute Alternative und ebenso leicht zu erfassen. Wenn Sie dennoch ein Diagramm wählen, überprüfen Sie, welches Diagrammformat die Information am besten vermittelt.

Diagramme sollten eine hohe Informationsdichte haben. Unverzichtbar ist es bei Grafiken, nicht nur mit Prozentangaben, sondern auch mit absoluten Zahlen auszuzeichnen, Achsen und Skalen genau zu beschriften, eine Legende anzulegen, in der Diagrammbeschriftung die Grundgesamtheit (N) zu benennen, fehlende Daten oder "keine Antwort" anzugeben usw.

Wenn Sie eine Online-Umfrage durchführen, nutzen Sie wahrscheinlich ein Web-Tool. Solche Software hat meist eine Standardausgabefunktion für Tabellen und Grafiken. Schauen Sie sich diese genau an, und überprüfen Sie, ob und wie Sie diese verändern können. Manchmal ist es sinnvoll, die Daten in Excel zu importieren, weil Sie dort mehr Gestaltungsmöglichkeiten haben.


Schließlich gibt es in Befragungen auch Optionen freier Texteingabe. Daraus können Sie wörtliche Zitate entnehmen. Achten Sie in der Belegweise darauf, dass der Leser diese nicht mit Literaturzitaten verwechseln kann.

7. Juni 2011

Studentische Hausarbeiten als Quelle? Zitierfähig, aber nicht zitierwürdig

"Ich habe eine interessante Hausarbeit von einem Studenten gefunden. Ist es angebracht, so etwas als Quelle anzugeben?", fragt mich eine Studentin. 

Erst einmal eine Gegenfrage: In der Vorlesung sitzen um Sie lauter Kommilitonen herum. Würden Sie deren Belegarbeiten vom letzten Semester zitieren wollen, wenn Sie eine Fachautorität brauchen?



Also: Eher nicht. Bei unkonventionellen Quellen prüfen Sie stets "Zitierfähigkeit und Zitierwürdigkeit". Das Begriffspärchen steht für wichtige Bedingungen, die eine Quelle erfüllen sollte, bevor sie unter das Dach Ihres Werkes schlüpfen darf.

Die Zitierfähigkeit ist simpel. Es geht hier um die Frage, ob Ihr Leser die von Ihnen genutzte Quelle schnell auffinden kann, um sie selbst zu prüfen. Denn Nachvollziehbarkeit der Argumentation anhand der Quellen ist ein Qualitätsausweis der Wissenschaft. Das ist formale Verfügbarkeit, möglichst eine dauerhafte: Bücher und Zeitschriften stehen in Bibliotheken (und sind prinzipiell per Fernleihe zu haben, auch Abschlussarbeiten) und sind im Buchhandel lieferbar, viele Dokumente sind in wissenschaftlichen Datenbanken abgelegt. Easy. Nicht so einfach ist es, wenn Sie eine Broschüre, ein Flugblatt oder gar interne Vermerke der CIA zitieren. Darum ist man manchmal gezwungen, solche Quellen im Anhang als Volltext/Kopie zu dokumentieren.  

Das Internet hat vieles verfügbar gemacht, was früher nicht so einfach verfügbar war. Dazu gehören auch studentische Hausarbeiten, weil Studenten gern versuchen, mit ihren Seminarleistungen über kommerzielle Hausarbeiten-Plattformen ein paar Euro dazuzuverdienen. Wenn die Arbeit dort eingestellt ist, ist sie formal verfügbar.
  • Fazit 1: Wenn die studentische Hausarbeit dauerhaft verfügbar ist, kann man sie als formal zitierfähig bezeichnen.
Anders sieht es bei der Zitierwürdigkeit aus. Das ist kein rein formales Kriterium. Vielmehr geht es um die inhaltliche Qualität. Ihre Quellen sollten seriös, anspruchsvoll und aktuell sein. Außerdem sind Primärquellen zu bevorzugen. Eine studentische Hausarbeit ist eine Sekundärquelle, möglicherweise dem Charakter nach sogar eine Tertiärquelle, wenn sie sich überwiegend oder ausschließlich mit anderen Sekundärquellen beschäftigt, also z.B. vorrangig wissenschaftliche Literatur über ein Thema auswertet, ohne eigene Forschungsergebnisse zu präsentieren, oder, noch schlimmer, nur Einführungswerke und Lehrbücher heranzieht. Das ist als wissenschaftliche Quelle nicht anspruchsvoll genug. Gute (!) Abschlussarbeiten mit hohem Anspruch darf man in begründeten  Fällen als Quellen heranziehen; die meisten studentischen Hausarbeiten erreichen jedoch in 90% aller Fälle nicht das geforderte Niveau. Zitieren sollten Sie sie also nicht -- es sei denn, es gibt einen sehr guten Grund dafür (z.B., wenn ein studentisches Forschungsprojekt dahintersteckt, bei dem Daten erhoben wurden, eigene Interviews geführt wurden u.a.)
  • Fazit 2: Studentische Hausarbeiten aus einer Lehrveranstaltung gelten in der Regel als nicht zitierwürdig. 
Merke: Studentische Hausarbeiten sind nicht per se schlecht. Im Zuge einer Recherche können Sie Ihnen helfen, interessante Aspekte kennenzulernen. Lesen Sie sie also, achten Sie auf die Bezugsquellen, werten Sie die Bibliographie aus. Holen Sie sich dann aber die wertvollen Quellen dieser Hausarbeit selbst auf den Schreibtisch. Wenn die Studentin oder der Student ordentlich gearbeitet hat, sind die Quellen ja verfügbar.
  • Fazit 3: Nutzen Sie studentische Hausarbeiten vorrangig zur Information, um Ihre eigene Recherche voranzutreiben. 
Studenten machen Fehler, das ist ihr gutes Recht - schließlich sind sie ja Lernende. Seminararbeiten sind Übungsaufgaben, mehr nicht. Wenn Sie im Internet eine studentische Arbeit finden, haben Sie keine Garantie dafür, dass dort kein Unsinn steht. Besonders übel ist es, wenn in der Arbeit Plagiate versteckt sind.

Manchmal ist eine Note angegeben. Das ist aber eine Angabe, die der Anbieter selbst macht. Und wer gibt schon "3,7" für eine Arbeit an, die er verkaufen will? Und selbst wenn es wirklich eine "1,3" war -- wer sagt, dass der Dozent diese Arbeit wirklich genau gelesen hat? Die üblichen Anbieter-Plattformen überprüfen die Arbeiten inhaltlich nicht.
  • Fazit 4: Werten Sie studentische Arbeiten mit besonders kritischem Auge aus. Tappen Sie in keine Falle. 

1. Februar 2011

Hypothese


Eine angehende Wirtschaftsjuristin fragt: "Wenn ich in meine Arbeit eine Hypothese aufnehmen möchte, muss ich dann auch empirisch forschen?" Ihre Arbeit beschäftigt sich mit der Bagatellkündigung.

Nein. Eine Hypothese ist nur eine Annahme oder Behauptung, die im Zuge der Arbeit bestätigt oder widerlegt werden soll (wissenschaftliche Beweisführung). Wie Sie das machen, spielt dabei im Prinzip keine Rolle.

Allerdings wird der Begriff Hypothese vorwiegend in den empirischen Wissenschaften verwendet, wo es um Beobachtung und Messen geht, also um Erfahrung. Die Hypothese soll also durch Argumente auf Basis von Daten und Fakten belegt bzw. in Naturwissenschaften "bewiesen" werden. Wikipedia liefert eine Definition des Begriffs Hypothese. Werner Stangls Ausführungen sind eine gute Ergänzung.

In den Rechtsfächern geht es dagegen meist eher um die Auslegung von Gesetzen und anderen Normen, um die Anwendung der (juristischen) Rationalität (auf Einzelfälle) und nicht um Erfahrung, Beobachtung, Messen. Siehe zum Unterschied zwischen empirischen und nicht-empirischen Wissenschaften den Wikipedia-Artikel zu Empirie.

Allerdings kann es gerade in der Verbindung von Wirtschaft und Recht zu einer Kombination kommen. Wenn Sie die "Bagatellkündigung" untersuchen, also z.B. prominente Fälle wie den der Kaisers/Tengelmann-Kassierin "Emmely" oder diverse andere, die in den Medien bekannt geworden sind, dann können Sie natürlich erst einmal die verschiedenen Fälle zusammentragen, die Fälle beschreiben: Was passierte tatsächlich, wie verhielten sich Arbeitgeber und Arbeitnehmer, warum verhielten sie sich so, wer äußerte sich noch dazu - z.B. Betriebsräte, Gewerkschaften, Arbeitgeberverbände, Experten -, was waren die Kernpunkte der Kontroverse? Kommt es zu Urteilen oder zu ausgehandelten Vergleichen/Einigungen? Das ist erst einmal eine empirische, in diesem Fall wirtschafts- und sozialwissenschaftliche Beobachtung. Wenn Sie eine eigene empirische Untersuchung vornehmen wollten, könnten Sie sehr unterschiedliche Dinge untersuchen. Dokumente, Medienberichterstattung, sogar eigene Interviews und Befragungen könnten eine Rolle spielen.

Bekanntlich gibt es in der Sache eine kontroverse Debatte darum, ob die "formaljuristische" Vorgehensweise fair ist oder nicht. Am Ende geht es um Gerechtigkeit -- und die Diskrepanz zwischen dem, was rechtlich meist korrekt ist . Man kann das aus sehr unterschiedlichen Blickwinkeln analysieren, z.B. aus der Perspektive des betriebswirtschaftlichen Personalmanagements. Wenn Sie solche Quellen betrachten, sind Sie immer noch auf empirischem Terrain.

Wenn Sie sich dagegen auf die arbeitsrechtlichen Entscheidungen konzentrieren, geht es um die Anwendung der Gesetze auf die jeweiligen Einzelfälle und ihre Begründung bzw. die juristischen Argumente von Anwälten und Gerichten. Das ist juristische Kasuistik und ist keine empirische Untersuchung mehr.
Insofern wäre es möglich, die Thesis in einen empirischen Teil und einen nicht-empirischen Teil zu gliedern. Der erste schlüsselt das soziale Phänomen der Bagatellkündigung in den Beziehungen zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern auf, der zweite untersucht die rechtwissenschaftliche Argumentation. Oder Sie konzentrieren sich in der Thesis auf eine der beiden Perspektiven und benutzen dafür die jeweils geeigneten wissenschaftlichen Werkzeuge.

26. Januar 2011

Immer Trabbel mit Statistik

Suchen Sie nach Zahlen – egal, welches Thema Ihre Beleg- oder Abschlussarbeit oder Ihr Referat hat. 

Zahlen sind immer irgendwie beeindruckend. Sie lassen Darstellung und Interpretation handfester wirken als blanke Texte, stützen verlässlich das Argument. Daten sind das Fenster in die Wirklichkeit. Sie sind der ultimative Beleg in einer wissenschaftlichen Arbeit, und was wäre eine PowerPoint-Präse ohne Charts mit Tabellen, Kurven, Balken und Torten? Wer eine Parade von Zahlen aufmarschieren lässt, wirkt nie wie ein Dummschwätzer.

Ganz im Ernst: Zahlen sind in allen Wissenschaften gefragt. Mit Zahlen umgehen und "Daten sprechen lassen" zu können, gilt zu Recht als ein wichtiger Ausweis wissenschaftlichen Könnens, geht es doch um die Fähigkeit, Daten zu sammeln und auszuwerten. Es ist also ratsam, dieses Können auch bei einer Thesis zu zeigen – selbst wenn sie nicht als quantitative Untersuchung ausgelegt ist.

Das gilt insbesondere für die Wirtschafts- und Sozialwissenschaften. Statistik jeder Art spielt hier eine zentrale Rolle. Leider sind die Grundlagen-Lehrveranstaltungen im Studium oft vorrangig theoretisch ausgelegt: Man lernt die Grundbegriffe, ein paar Werte und Formeln, vielleicht etwas über Statistiksoftware. Viel weniger aber darüber, wo man geeignete Zahlen findet (siehe dazu den Beitrag: "Statistik für den Gelegenheitsnutzer") und wie man sie in eine eigene Arbeit einbaut – und noch weniger darüber, wie man sie kritisch bewertet und wie man sich davor schützt, auf "getürkte" Zahlen hereinzufallen.


"Mit Zahlen lügen" ist der Titel einer Sendung des WDR-Wissenschaftsmagazins Quarks & Co von 2006. Dazu gibt es online ein gut gemachtes Begleitheft (PDF) und eine lohnenswerte Website, die z.B. erklärt, mit welchen Tricks Infografiker arbeiten ("Die schlechtesten Grafiken der Welt"). Die Sendung ist auf YouTube anzusehen (Teil 1, Teil 2, Teil 3 und Teil 4). 

Es ist nicht schwer, sich schnell ein paar Statistiken herbeizugoogeln. Auf den Internetseiten von Presse und Sendern, Verbänden und Instituten, Ämtern und Unternehen, in Blogs und Foren findet sich vieles, was man flugs kopieren kann. Der Haken dabei ist:
  • Das sind meist schon aufbereitete Daten, das heißt, sie stammen aus einer anderen Quelle
  • In der Regel wird die Ursprungsquelle angegeben, aber nicht genau; und es wird auch nicht erklärt, wie die Daten zustande gekommen sind.
  • Wer die Zahlen benutzt, verfolgt damit einen Zweck. Er nimmt sich aller Wahrscheinlichkeiten nur die Zahlen, die zum Zweck passen – und präsentiert sie so, dass sie ihm noch besser dienen. "Halbe Wahrheiten" sind oft das Ergebnis.
  • Besonders problemanfällig sind Befragungen, vor allem aktuelle "Meinungsumfragen". Im Gegensatz zu den meisten "richtigen" Statistiken messen diese keine handfesten Tatsachen, zudem nur durch Stichproben; und Frageformulierungen und Fragekontext sind bei "Umfragen" weit leichter zu manipulieren als z.B. bei den oft ziemlich detailliert und verbindlich geregelten Messungen der öffentlichen Statistik.
Die meisten Studenten ignorieren das leider. Sie gehen nicht zur Ursprungsquelle (z.B. einer amtlichen Statistik) zurück, sondern verlassen sich blind darauf, dass die Vorauswahl stimmt. Sie übernehmen häufig auch die Darstellung, z.B. Grafiken. Das aber kann eine Falle sein.

Besonders problematisch ist es, wenn die Statistikdarstellung aus den Medien stammt. Da verlässt man sich z.B. darauf, dass eine seriöse Tageszeitung schon geprüft hat, ob die Statistik Hand und Fuß hat. Journalisten sind aber notorisch schlecht darin, Statistiken zu beurteilen. Sie sind darin kaum oder gar nicht ausgebildet, sie haben im Alltag keine Zeit und übernehmen vieles von dem, was ihnen irgendwelche PR-Leute liefern. Was halbwegs interessant und plausibel ist, wird gedruckt und gesendet. Eine Woche später möglicherweise eine Statistik, die das Gegenteil besagt. Dazu zucken die Journalisten mit den Schultern. Anders gesagt: Die Medien sind voll mit manipulierten Statistiken.

Weil Statistiken so schön Aussagen belegen, wird in allen Lebenslagen, vor allem aber in Wirtschaft und Politik, "verschleiert, übertrieben und manipuliert", wie die Berliner Zeitung jüngst in dem Beitrag "Die Tücken der Zahlen" festgestellt hat:

"Statistiken sind eine heikle Sache. Einerseits erscheinen Zahlen klar, objektiv und eindeutig. Sie sind Botschafter aus dem Reich der reinen Logik, der Mathematik. Andererseits kann man mit Zahlen verschleiern, übertreiben, manipulieren. Traue keiner Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast, sagt der Volksmund. Gleichzeitig 'glauben viele Menschen an Zahlen, als wären sie eine Religion', sagt der Statistiker Gerd Bosbach. (...) Zahlen sind also gefährlich - aber nicht nutzlos. 'Wer vernünftige Entscheidungen treffen will, kommt um Statistiken nicht herum', so Bosbach. Statistiken zu ignorieren ist daher auch keine Option."

"Lügen mit Zahlen: Wie wir mit Statistiken manipuliert werden", heißt ein Buch, das Gerd Bosbach, einst am Statistischen Bundesamt (Destatis) und nun Professor der FH Koblenz, publiziert hat.

Das Buch knüpft nahtlos an einen anderen Bestseller an, der schon Generationen von Studenten begleitet hat: "So lügt man mit Statistik" von Walter Krämer (TU Dortmund) sowie "Statistik verstehen: Eine Gebrauchsanweisung" vom selben Autor.

Die Bücher knöpfen sich die Manipulationen von Grafiken vor, mit denen eine ohnehin fragwürdige Statistik-Aussage noch stärker verzerren lässt. Aber sie zeigen auch auf, wie die Auswahl und Zusammenstellung von Zahlen selbst zu überprüfen ist.

Die Berliner Zeitung greift einige Beispiele aus dem Bosbach-Buch auf: 
Vor zwei Jahren legte die Bundesregierung eine milliardenschwere Abwrackprämie auf. Ziel: Stützung der heimischen Autoindustrie. Im Sommer 2009 hieß es jedoch, Nutznießer der Prämie seien vor allem ausländische Konzerne, allen voran Hyundai. Der koreanische Autobauer hatte seine Verkäufe in Deutschland um 146 Prozent erhöht, bei VW lag das Plus nur bei 26 Prozent. Tatsächlich war es umgekehrt: In absoluten Zahlen lag VW mit 330000 zusätzlich verkauften Autos auf Platz eins der Prämien-Profiteure. Hyundai verbuchte zwar die größte prozentuale Steigerung, verkaufte aber letztlich nur knapp 50000 Autos mehr.
Oder ein Beispiel aus der Sozialpolitik:
So schreckte das Arbeitsministerium die Bevölkerung mit der Meldung auf, zwischen 1991 und 2008 seien die Sozialausgaben von rund 400 auf über 700 Milliarden Euro gestiegen - ein Plus von 75 Prozent! Das stimmt zwar, ist aber nicht weiter verwunderlich, denn in diesem langen Zeitraum sind auch fast alle anderen Ausgaben stark gestiegen. Aussagekräftiger als die absoluten Zahlen ist daher der Anteil der Sozialausgaben an der Wirtschaftsleistung. Und hier zeigt sich: Dieser Anteil lag 2008 bei etwa 28 Prozent und damit so hoch wie 1992. "Wenn die sozialen Probleme größer werden, wir für ihre Bewältigung aber einen stagnierenden Anteil des BIP ausgeben, müsste man eher von einem Abbau des Sozialstaates sprechen als von Wildwuchs", so Bosbach.
Oder aus der Finanzwelt:
In anderen Fällen stehen geldwerte Interessen hinter den Statistiken. Zum Beispiel die der Finanzberater. Bei ihren Berechnungen kann ihnen die Wahl des Zeitraums gute Dienste leisten, um Kunden zu Aktieninvestments zu bewegen. So können sie darauf verweisen, dass der Deutsche Aktienindex in den vergangenen zwei Jahren um 60 Prozent gestiegen ist. Das klingt beeindruckend. Weniger beeindruckend ist hingegen die Wertentwicklung über drei Jahre: minus drei Prozent.
Oder die Bevölkerungsentwicklung:
Mit der Wahl eines geeigneten Zeitraums der Betrachtung kann man auch aus der Alterung Deutschlands eine "Demografie-Bombe" machen. Derzeit kommen auf 100 erwerbsfähige Menschen 34 Menschen über 65 Jahren. Bis 2050 soll dieser Altenquotient auf 65 steigen. Wer deshalb vor einer Demografie-Bombe warnt, "verschweigt, dass sich der Altenquotient von 1950 bis heute auch verdoppelt hat - von 17 auf 34", mahnt Bosbach - ohne eine Katastrophe auszulösen."
Oder Ausländer und Kriminalität:
Anfällig für Missbrauch sind Ausländer-Statistiken. So liegt der Anteil der Ausländer an den Kriminellen stets höher als bei Inländern. Sind Ausländer also per se krimineller? Wohl kaum, so Bosbach. Dass mehr Ausländer kriminell sind als Inländer, bedeute nicht, dass der Grund dafür in ihrem Ausländer-Dasein liegt. So sind Migranten im Schnitt jünger als Deutsche - und Kriminalität ist stets ausgeprägter bei jungen Menschen. Auch ist der Anteil der Männer bei Ausländern höher - wie bei allen Kriminellen. Zudem leben Migranten häufiger in Großstädten und sind eher arm - beides Merkmale, die bei Straftätern öfter auftreten als im Durchschnitt.
Da denkt man dann auch gleich an die Kontroverse um das mit vielerlei Statistiken gewürzte Buch "Deutschland schafft sich ab" von Thilo Sarrazin. Seine Zahlenspielereien waren die ultimative Statistikdebatte im Jahr 2010 – wobei zu betonen ist, dass der Medien-Krawall vor allem durch die Schlussfolgerungen ausgelöst wurde, die sehr viel mit Grundwerten und politischer Richtung zu tun hatten.

Das alles heißt nun nicht, dass man auf Statistik verzichten sollte. Der ganz oben gegebene Rat, gezielt nach Zahlen zu suchen, gilt. Allerdings:
  • Gehen Sie mit Zahlen genauso vorsichtig und distanziert um wie mit Texten: Zahlen sind nicht per se "wahr", genauso wenig wie Behauptungen in einem Text.
  • Bei Sekundärquellen gehen Sie möglichst zur Ursprungsquelle zurück. Amtliche Statistiken und wissenschaftliche Studien sind (in der Regel) verlässlichere Quellen.
  • Lesen Sie das "Kleingedruckte" und versuchen Sie zu verstehen, wie die Daten erhoben und bearbeitet wurden.
  • Achten Sie auf die typischen "Tricks" – Auswahl der Merkmale, des Zeitraums usw. – und bei Grafiken, ob zu stark vereinfacht oder verzerrt wurde.
  • Stellen Sie die Frage, warum jemand eine Statistik präsentiert, und bringen Sie das ggf. auch in Ihrem Text unter, wenn Sie die Zahlen zitieren.
  • Suchen Sie gezielt nach anderen Interpretationen. Beispiel: Sie haben zum Arbeitsmarkt Zahlen vom WSI-Forschungsinstitut der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung und checken das gegen beim arbeitgebernahen Institut der deutschen Wirtschaft Köln, bei der Bundesagentur für Arbeit, bei Destatis oder Uni-Wissenschaftlern oder anderen Forschungsinstituten, die sich mit Arbeitsmarktpolitik beschäftigen. Hilfreich kann dabei das ThinkTankDirectory sein, ein Verzeichnis von Denkfabriken.
Siehe auch: 
Blogbeitrag: "Statistik für den Gelegenheitsnutzer"

11. Januar 2011

Literatur- und Quellenverzeichnis

"Was gehört in ein Literatur- oder Quellenverzeichnis?", fragt eine Studentin.

Fangen wir mal damit an, was nicht hineingehört. Ein solches Verzeichnis ist keine Leseliste, keine Aufzählung aller möglichen Werke, die etwas mit dem Thema zu tun haben; und auch keine Liste aller Literatur, die die Autorin gelesen oder durchgesehen oder einfach nur "gefunden" hat.

Das Verzeichnis listet ausschließlich die tatsächlich verwendeten, d.h. die in einer Arbeit (direkt oder indirekt) zitierten Quellen auf. Oder anders herum formuliert: Was nicht im Verzeichnis steht, darf man im Text der Arbeit auch nicht verwenden.


Auf Englisch wird ein solches Verzeichnis daher mit "References" überschrieben. Das sind also alle Bezugsstellen, auf die eine Autorin verweisen muss, weil sie sie irgendwo verwendet hat.

Wer keine Fußnoten mit vollständigen bibliographischen Angaben (Vollbeleg) verwendet, sondern Im-Text-Zitation mit Kurzbeleg (z.B. Müller, 2006, S. 34), muss zwingend ein solches Verzeichnis haben. Denn Kurzbelege sind nur ein Verweis aufs Literatur- und Quellenverzeichnis. Fußnoten mit Vollbelegen enthalten dagegen alle Infos über die Quelle. Gewöhnlich wird aber auch in einer Arbeit mit Fußnoten-Vollbelegen ein Verzeichnis verlangt. Die Quellen wurden zwar schon belegt, sie liegen dann zwar doppelt vor, das Verzeichnis ist aber auch eine übersichtliche Darstellung der recherchierten, verwendeten Quellen. Das erleichtert dem Leser bzw. Gutachter die Beurteilung der Gesamtquellenbasis.

Selbstverständlich ist, dass Quellenbelege in der Arbeit (egal, ob Kurz- oder Vollbeleg) und hinten im Verzeichnis identisch sein müssen. Daher unbedingt auf Jahreszahlen, Schreibweisen, Seitenangaben usw. achten.

Wer ausschließlich mit Literatur arbeitet, kann das Verzeichnis "Literaturverzeichnis" nennen. Es gibt aber auch Quellen, die keine Literatur sind. Dann ist die Bezeichnung "Literatur- und Quellenverzeichnis" besser. Oder einfach "Quellenverzeichnis", das trifft beides.

Manchmal bietet es sich an, die Quellen nach Rubriken zu ordnen, z.B. Lehrwerke, Aufsätze, Presseartikel u.a. Das ist allerdings nur selten wirklich notwendig und erleichtert auch nicht gerade das schnelle Nachschlagen von Kurzbelegen. Sinnvoll ist das Trennen vor allem dann, wenn Sie viele Originaldokumente (Primärquellen) verwendet haben, z.B. Pressemitteilungen von Unternehmen oder parlamentarische Drucksachen. Gesetzestexte und Gerichtsurteile werden normalerweise separat aufgelistet.

Eher eine Unsitte ist die Rubrik "Internetquellen". Vor einem Jahrzehnt war das vielleicht noch sinnvoll, als Studenten nur gelegentlich etwas aus dem Web zogen. Heute wird eine Vielzahl von Quellen aus dem Netz gefischt. Unter der Rubrik "Internetquellen" finden sich dann Unmengen von Quellen, die nichts miteinander gemein haben außer der Fundstelle Internet. Darunter sind dann sowohl Zeitschriftenaufsätze als auch Google-Books-Ausschnitte oder reine Internetseiten oder Datenbankabfragen oder Online-Ausgaben von Zeitungen. Das ist nicht sinnvoll, man sollte auf die Rubrik verzichten und die Internetquellen anders einordnen (oder eben gar nicht rubrizieren).

Wesentlich für ein Literatur- und Quellenverzeichnis ist, dass die bibliographischen Angaben vollständig sind. Dafür gibt es klare Regeln (Zitationsregeln), wobei diese bei unterschiedlichen Zitationssystemen leicht voneinander abweichen. In manchen wird z.B. bei Büchern der Name des Verlags nicht verlangt; bei manchen ist bei Zeitschriften nicht nötig, den genauen Jahrgang und die Heftnummer anzugeben. Seitenzahlen von Artikeln in Zeitschriften oder Aufsätzen von Sammelbänden/Herausgeberwerken sind im Verzeichnis stets vollständig zu nennen, also nicht S. 22ff., sondern S. 22-31.

Verzeichnisse werden alphabetisch angeordnet, und zwar nach Nachnamen des Autors. Das zweite Ordnungsmerkmal ist das Erscheinungsdatum. Gibt es mehrere Werke eines Autors mit identischem Erscheinungsjahr, müssen Sie Kleinbuchstaben anfügen (2010a, 2010b, 2010c usw.).

Der "rote Faden" in der Arbeit

"Wie behält man beim Schreiben einer Abschlussarbeit den sprichwörtlichen roten Faden?", fragt mich eine Studentin.

Was ist überhaupt ein "roter Faden"? Er dient der Orientierung. Autor und Leser wissen an jeder Stelle der Arbeit immer, worum es gerade und insgesamt geht. An diesem roten Faden sollten Sie die einzelnen Teile Ihrer Arbeit auffädeln.

Wikipedia weiß zum Thema: "Unter einem roten Faden versteht man ein Grundmotiv, einen Weg oder auch eine Richtlinie." Man kann daran eine durchgehende Struktur oder ein Ziel erkennen. Das Online-Lexikon verweist auf Goethes Wahlverwandtschaften – der Dichterfürst beschreibt den Kennfaden der britischen Marine: „Sämtliche Tauwerke der königlichen Flotte sind dergestalt gesponnen, dass ein roter Faden durch das Ganze durchgeht, den man nicht herauswinden kann, ohne alles aufzulösen, und woran auch die kleinsten Stücke kenntlich sind, dass sie der Krone gehören. Ebenso zieht sich durch Ottiliens Tagebuch ein Faden …“.

Wenn der rote Faden verloren geht, hat das in studentischen Arbeiten meist zwei Gründe:
  • Der Autor weiß nicht so genau, was er untersuchen will. Die Fragestellung wurde nicht präzise entwickelt. Es gibt keine Leitfragen der Untersuchung, die darunter liegenden Einzelfragen wurden nicht benannt ("Operationalisierung"). Es gibt keine Hypothese, die überprüft werden soll.
  • Der Autor hat ganz viel Material gesammelt, aber es nicht ausreichend sortiert. Er verliert sich in Diesem und Jenem, kommt vom Hölzchen aufs Stöckchen. Wichtiges wird nicht vom Unwichtigen getrennt. Zitate werden massenhaft angeführt, alle möglichen Detailinformationen aus allen möglichen Quellen verwendet, ohne Rücksicht darauf, ob diese dazu beitragen, eine Antwort auf die zentralen Fragen der Arbeit zu geben.
Ein wichtiges Hilfsmittel ist die Gliederung (Outline). Sie sollte die Basisorientierung liefern. Die Gliederung ist so etwas wie Ihr Einkaufszettel. Sie müssen Ihren Bedarf feststellen, den Einkauf organisieren, Prioritäten setzen. Sie bietet dem Autor Struktur für das Schreiben. Später ist sie Wegweiser und Leitplanke für den Leser. Sie muss nicht komplex oder kompliziert sein. Es ist sinnvoll, mit dem Allgemeinen anzufangen und später zum Speziellen hinzuarbeiten. Selbst wenn Sie die Gliederung mit Ihrem Betreuer abgesprochen haben und dieser sie in der Anfangsversion abgenickt hat, so sollten Sie sie als Arbeitsdokument betrachten, das sich im Verlauf des Schreibens verändern darf.
  • Merke: Eine Gliederung ist nicht dasselbe wie eine Fragestellung und Untersuchungskonzept. Es ist sinnvoll, sich zuerst genau zu überlegen, was man da überhaupt untersuchen will (und wie), bevor man eine Gliederung anlegt. Sonst bietet die Gliederung nur eine Schein-Orientierung, die den Autor (und später den Leser) eher in die Irre führt. Das ist wie eine falsche Landkarte.
Der Blogbeitrag "Wie schreibt man eine Einleitung?" gibt Ihnen Tipps dazu, wie die Grundfragen Ihrer Untersuchung geklärt werden (und dieser Beitrag sagt einiges zu den Unterschieden von Bachelor- und Master/Diplomarbeiten).

Wie macht man in der Gliederung den roten Faden deutlich? Eine gute Möglichkeit bietet das abgebildete Schema.


Nehmen wir an, die Einleitung formuliert eine übergeordnete Fragestellung und darunter drei zentrale Fragen, die im Einzelnen untersucht werden sollen. Der Hauptteil der Arbeit soll drei Kapitel haben. Jedes Kapitel untersucht eine der drei Fragen.

Jedes Kapitel beginnt mit einer Kapiteleinleitung, die erläutert, welche Frage aus der Einleitung hier untersucht werden soll. Kapitel 1 kümmert sich also um Frage 1, Kapitel 2 um Frage 2 usw. Am Ende jedes Kapitels wird ein Zwischenfazit gezogen. Hier werden die "Ergebnisse gesichert". Das heißt, hier wird eine Teilantwort auf die in der Einleitung formulierte Fragestellung gegeben.


Haben Sie die drei Kapitel fertig, haben Sie also drei Zwischenfazits geschrieben. Damit haben Sie schon den halben Schlussteil (auch Konklusion genannt, also Schlussfolgerung) so gut wie fertig. Dieser soll nämlich die Ergebnisse der Kapitel noch einmal zusammenfassen. "Das ist dann ja doppelt gemoppelt", werden Sie jetzt vielleicht sagen.

Aber keine Scheu vor Wiederholungen: Am Schluss soll ja das Gesamtergebnis präsentiert werden. Dazu müssen Sie logischerweise die Teilergebnisse zusammenziehen. Scheuen Sie sich nicht davor, die Einzelfazits der Kapitel einfach in den Schlussteil einzukopieren! Wichtig ist nicht das Neuformulieren des bereits Geschriebenen, sondern nur eine gute Verbindung zwischen den Teilergebnissen.


Natürlich muss nun auch noch eine Gesamtantwort auf die übergeordnete Fragestellung her. Das sollte Ihnen nun aber leicht fallen. Es ist eine Art Fazit aller Fazits. Bekanntlich ist das Ganze mehr als die Summe seiner Teile, insofern dürfen Sie nun noch etwas mehr Kontext, ganzheitliche Interpretation und Ausblick aufbieten.

Das mag etwas sehr schematisch wirken, aber meiner Erfahrung nach fahren die meisten Studenten beim Schreiben recht gut damit. Bei jedem Kapitel müssen sie sich überlegen, was genau das einzelne Kapitel zur Fragestellung beigetragen hat. Das ist eine Art Sicherheitscheck: Bin ich da, wo ich sein wollte?

Sie setzen mit jedem Zwischenfazit einen Meilenstein, der anzeigt, wie weit sie gekommen sind. Und weil in jedem Kapitel stets die Untersuchungsziele benannt werden und klar gesagt wird, ob und inwieweit sie erreicht wurden, bleibt immer erkennbar, wo sich die Untersuchung gerade befindet.

Zugespitzt formuliert: Der rote Faden lebt von Wiederholungen. Sie markieren die Etappenziele, sie garantieren die Sichtbarkeit der Untersuchungsziele. Deshalb sind Wiederholungen nicht nur nicht vermeidbar, sondern ausdrücklich erwünscht.

Klar: Einen Roman oder Thriller würde man so nicht schreiben. Aber eine wissenschaftliche Arbeit wird vor allem danach bewertet, ob die innere Logik von Untersuchung und Argument nachvollziehbar ist und der Autor das selbstgesetzte Ziel erreicht.

Siehe auch den Blogbeitrag: "Labern vermeiden: Der MEAL-Plan"

28. Dezember 2010

Bachelor- und Masterarbeiten: der kleine, große Unterschied

Wer eine Bachelor-Abschlussarbeit hinter sich gebracht hat, fühlt sich mehr oder minder gut informiert darüber, was eine Master-Arbeit mit sich bringt:

Sie ist halt etwas anspruchsvoller, etwas länger und zählt ein bisschen mehr.

Das ist nicht falsch, aber greift etwas zu kurz. Schon auf dem Papier, also rein formal, sind die Unterschiede erheblich. In der Praxis und von Qualität und Inhalt her können sie gewaltig sein.

Formale Unterschiede

Nehmen wir als Beispiel die Studien- und Prüfungsordnungen an der TH Wildau, speziell des Studiengangs Europäisches Management (B.A. und M.A.). Fangen wir bei den Credit Points (CP) an, die den Zeit- und Leistungsaufwand messen.
  • Für die B.A.-Abschlussarbeit sind magere 10 von insgesamt 180 CP fürs Studium vorgesehen (bundesweit sollen es bei Bachelor-Studiengängen zwischen 6 und 12 CP sein, sagt ein Kultusministerratsbeschluss, Wildau liegt also nahe der oberen Grenze). Eine mündliche Prüfung gibt es dazu nicht. Für die Bearbeitungszeit sind 8 Wochen vorgesehen.
  • Die M.A.-Abschlussarbeit hingegen nimmt 24 CP ein (bundesweite Regelung: 15-30 CP, Wildau ist hier erneut an der Obergrenze). Hinzu kommt die mündliche Prüfung ("Verteidigung der Thesis") mit 6 CP. Das sind also gewaltige 30 von insgesamt 120 CP . Die Bearbeitungszeit beträgt 18 Wochen, für den mündlichen Teil werden 4 Wochen Vorbereitungszeit angesetzt. Das gesamte letzte der 4 Semester Studienzeit ist also Prüfungszeit!
Im Vergleich scheint es also so, als sei die Bachelor-Arbeit eine Art Nachgedanke zum Studium, eine Art Sahnehäubchen auf der Suppe; während die Master-Arbeit ein Viertel des gesamten Studiums ausmacht.

Auch bei der Wahl des betreuenden Hochschullehrers gibt es einen formalen Unterschied. Der Betreuer (Erstgutachter) einer Master-Arbeit muss ein "echter" Professor der Hochschule sein. Beim B.A. ist das nicht so, hier kann auch ein anderer prüfungsberechtigter Dozent oder externer Lehrbeauftragter die Arbeit betreuen.

Inhaltliche Unterschiede

Sowohl die Bachelor- als auch die Master-Abschlussarbeit sind definiert als "wissenschaftliche Arbeit". Grundsätzlich gelten also dieselben Qualitätsmerkmale für die Prüfungsleistung. Wenn man aber genau hinschaut, sind die Ansprüche etwas unterschiedlich formuliert.
  • Die Bachelor-Arbeit "soll zeigen, dass der Kandidat in der Lage ist, innerhalb einer vorgegebenen Frist ein Problem aus seinem Fachgebiet selbstständig zu bearbeiten", heißt es in der Prüfungsordnung.
  • Die Master-Arbeit "soll zeigen, dass der Kandidat in der Lage ist, innerhalb einer vorgegebenen Frist ein Problem aus seinem Fachgebiet selbstständig nach wissenschaftlichen Methoden zu bearbeiten", sagt die Prüfungsordnung.
Der kleine, aber gravierende Unterschied: "nach wissenschaftlichen Methoden".

Das ist nun etwas interpretationsbedürftig. Der Verzicht auf die drei Wörter bei der Zielsetzung der Bachelor-Arbeit heißt nicht, dass der BA-Prüfling keine wissenschaftlichen Methoden anwenden muss (oder gar darf). Klar darf er. Und der Betreuer darf das explizit verlangen, bevor er einwilligt, Betreuer zu sein. 

In jedem Fall muss die Bachelor-Arbeit wissenschaftlich "sauber" sein, eklatante Verstöße gegen wissenschaftliche Grundsätze sind also inakzeptabel. Es gibt aber mehr Spielraum, die Abschlussarbeit stärker an der Praxis auszurichten und die wissenschaftliche Methodik weniger umfangreich darzulegen.
  • Als Ausbildungsziel für das Bachelor-Studium ist glasklar festgelegt, dass die Studenten "zu wissenschaftlicher und anwendungsorientierter Arbeit" und "zur Anwendung wissenschaftlicher Methoden und Erkenntnisse im Beruf" befähigt werden. Bei der Abschlussarbeit steht allerdings das Leitbild des "ersten berufsqualifizierenden Hochschulabschlusses" stärker im Vordergrund. Die Absolventen sollen relevantes Wissen reproduzieren, aber nicht produzieren können.
    Allerdings: Wenn Sie sich nach dem Bachelor-Abschluss auf ein Master-Studium bewerben, kann der wissenschaftliche Anspruch Ihrer Thesis wichtig sein. Insbesondere wenn Sie von einer FH an die Universität wechseln wollen, kann das entscheidend sein.
  • Hingegen hat das Master-Studium neben der Berufsvorbereitung die "Ausbildung von qualifizierten Absolventen für die angewandte Forschung" im Auge. Konkret heißt das, auch an der Fachhochschule ist die Wissenschaftlichkeit des Abschlusses zentral – bis hin zur Gleichberechtigung der FH- mit Uni-Absolventen, wenn sie promovieren wollen (also eine Doktorarbeit schreiben, die Königsklasse der wissenschaftlichen Arbeit).
Das Master-Studium soll "hochspezialisiertes und hochqualifiziertes" Wissen vermitteln. Was ist daran "hoch"? Unter anderem Wissen darüber, wie Wissenschaft Wissen schafft. Der Master-Kandidat soll also sehr viel präziser mit wissenschaftlichen Methoden umgehen können, soll die wissenschaftliche Literatur berücksichtigen, Forschungsergebnisse, Theorien und wissenschaftlichen Kontext im Kopf haben. An der FH ist das zwar auch "anwendungsorientiert", wie es so schön heißt. Trotzdem fließt in die Bewertung der Prüfungsleistung viel stärker die Wissenschaftlichkeit des Abschlussprojekts ein.

Darum ist die Abschlussphase auch viel länger als beim Bachelor. Was die Wissenschaftlichkeit angeht, werden eher Minimalansprüche gestellt – zum Beispiel beim Umgang und Beleg von Quellen.


Dass der Bachelor-Kandidat hingegen erst einmal die Breite der zum Thema passenden Fachliteratur durchackert und die wesentlichen Ergebnisse der Forschung in seine Abschlussarbeit einfließen lässt, kann man genauso wenig erwarten wie die Durchführung aufwändiger empirischer Untersuchungen (z.B. quantitative Befragungen, umfangreiche Statistik- oder Dokumentenanalysen). Dafür reicht einfach die Zeit nicht. Und meistens auch nicht das dafür notwendige Wissen.

Wenn dagegen ein ganzes Semester zur Verfügung steht, darf man vom Kandidaten ein umfangreiches und gut begründetes Forschungsprojekt erwarten. Das heißt konkret: 
  • breitere Literaturbasis: es soll erkennbar sein, dass der Student sich intensiv mit der Literaturrecherche beschäftigt hat und seine Arbeit an Fach- und Forschungsergebnisse anschließt.
  • spezialisiertere Recherche: Ein Bachelor-Student wird vor allem Sekundärliteratur heranziehen (also Lehr- und Einführungswerke, Grundlagenliteratur, Lexika) und diese bei Spezialfragen durch relativ einfach zugängliche und beschaffbare Fachquellen (z.B. Web-Recherche) ergänzen. Von einem Master-Studenten kann man erwarten, dass er weit  tiefer schürft und Fundorte für Spezialisten erschließt. Er zeigt, dass er sich in der Fachwelt bestens auskennt. Beispielsweise heißt das systematische Recherche in wissenschaftlichen Datenbanken, um aktuelle Studien und Fachaufsätze aus (auch internationalen) wissenschaftlichen Zeitschriften zu finden.
  • sicherer Umgang mit Primärquellen und eigene Untersuchungen: Statt sich auf Darstellung, Analyse und Interpretation anderer Autoren zu verlassen, soll ein Master-Student in der Lage sein, sich wissenschaftliches "Rohmaterial" zu beschaffen. Er soll den Apfel also selbst pflücken und putzen. Egal, ob es um betriebliche oder Branchen-Daten, Gerichtsurteile, Marktforschungsdaten, EU-Statistiken, Börsenkurse, Parlamentsprotokolle oder Positionspapiere von Verbänden geht: der Master-Student arbeitet viel stärker mit "Rohmaterial". Dazu muss er nicht nur wissen, wo er es findet, sondern vor allem, was man damit macht (und was man damit nicht machen darf). Er muss ordnen, sortieren, filtern, abwägen, bewerten, und das nach wissenschaftlichen Maßstäben und nicht "irgendwie".
Die Master-Arbeit: Eine Forschungsarbeit?

Heißt das, eine Master-Arbeit ist definitiv eine Forschungsarbeit? Nein und Ja.
  • Nein, weil sie nicht im Regelfall völlig neues wissenschaftliches Wissen produzieren soll (wie z.B. eine Doktorarbeit). 
  • Ja, weil sie ein Problem mit Hilfe wissenschaftlicher Forschungswerkzeuge bearbeitet und, wenn das Problem neuartig ist, auch zu neuen Antworten kommen kann.
Am Ende geht es darum, wieviel "Neues" in einer Arbeit produziert wird (das ist auch eine Frage des Umfangs), wie relevant es ist, mit welchem methodischem Aufwand und wie eigenständig der Student vorgeht.
  • Es gibt Master-Arbeiten, die bereiten eigentlich nur "altes" Wissen auf, stellen es zu einer bestimmten Fragestellung zusammen oder wenden es auf einen "üblichen" Fall an. Das ist dann eher keine Forschung. Insbesondere dann nicht, wenn es schon viele wissenschaftliche Beiträge (auch Abschlussarbeiten) zum Thema gibt. Es mag dann für den Studenten neu sein, nicht aber für die Wissenschaft. Der Student reproduziert im Wesentlichen schon Bekanntes, nur mit einem speziellen Zuschnitt.
  • Andere Master-Arbeiten betreten inhaltlich Neuland: durch eine aktuelle Untersuchung mit besonderem Zuschnitt, durch das Ausleuchten von Forschungslücken, durch Auswertung bisher ungenutzter Quellen, Sammlung empirischer Daten, wo es bisher keine gab, durch innovative Neuauswertung alter Daten, einen anspruchsvollen Vergleich, eine umfangreiche Fallstudie mit erheblichem Informationswert, oder die Entwicklung neuer Konzepte mit einer gewissen Komplexität. Das ist dann eher Forschung, ob nun anwendungsnah oder nicht.
Das war übrigens auch zu Zeiten von Diplom- und Magister-Arbeiten so. In manchen steckte viel Forschung, in anderen nur ein bisschen, in anderen gar keine. Das hängt oft von externen Faktoren ab:
  • dem Betreuer: Erwartet er von Ihnen eine Arbeit mit Forschungscharakter? Forscht er selbst? Beteiligt er Sie an seiner eigenen Forschung, bearbeiten Sie ein Teilgebiet eines größeren Forschungsprojekts? Sind Sie Teil eines Teams? Ist das Ziel eine Präsentation auf einer wissenschaftlichen Konferenz oder eine wissenschaftliche Publikation?
  • der Fachkultur: In manchen Fächern geht es bei Abschlussarbeiten oft um praktische Projekte, z.B. wenn Sie in der Wirtschaftsinformatik ein Programm schreiben oder in Technik- und Naturwissenschaften Labortests durchführen. In Wirtschafts- und Sozialwissenschaften werden häufig empirische Daten erhoben oder Fallstudien konzipiert, die Projektcharakter haben. In Rechtswissenschaften werden Sie dagegen selten "Projekte" definieren.
  • dem Betrieb: Wenn Sie die Arbeit als Werkstudent/Praktikant mit oder in einem Unternehmen oder einer Organisation schreiben, hat diese/s Interesse an wissenschaftlicher Forschung oder eher nicht?
Eine Master-Arbeit darf durchaus praxisorientiert sein, zum Beispiel auf die Lösung eines praktischen Problems in einem bestimmten Fall ausgelegt sein. Das ist dann "angewandte Forschung". Auch bei praktischen Problemen muss aber die wissenschaftliche Methode stets erkennbar sein, selbst wenn die Arbeit sich verhältnismäßig wenig mit Theorien und Forschungsergebnissen beschäftigt. Wenn Sie also z.B. einen Marketingplan für ein Unternehmen oder eine Organisation erarbeiten, werden Sie anders als bei einem Konzept, das nur in einem Unternehmen entwickelt wird, auch wissenschaftliche Bezugspunkte zur Marketingforschung darlegen und die Methode der Marketingplanerstellung diskutieren müssen. Das wäre bei einer BA-Arbeit anders, hier wäre der "blanke" Marketingplan eher akzeptabel (je nach Anleitung Ihres Betreuers).

Klar ist: Jede Abschlussarbeit sammelt systematisch Informationen und wertet sie aus, um eine Frage zu beantworten. Das ist "Recherche". Die Abgrenzung zwischen Recherche und Forschung ist schwierig. Im Englischen gibt es diese gar nicht, research heißt gleichermaßen "Recherche" wie "Forschung". Research findet in einer Master-Arbeit ganz sicher statt. Das hochtrabende deutsche Wort "Forschung" klingt immer nach einem Ziel wie den Nobelpreis in Astrophysik. Wenn man es aber nicht so hoch hängt, ist eine Master-Arbeit de facto eine Forschungsarbeit im weiteren Sinne.

Nun ist die Frage, wie wissenschaftlich die Recherche ist. Das hat mit den Quellen zu tun, aber eben auch mit den verwendeten Methoden. Ein hoher Forschungsanspruch setzt voraus, dass es ein umfassendes Forschungskonzept (research design) gibt: ein nachvollziehbares und detailliertes Konzept, wie man die Fragestellung in Einzelfragen zerlegt und wie man diese mit bestimmten Untersuchungsschritten systematisch, verlässlich und überprüfbar beantwortet. Mit der Methodik muss sich der Master-Kandidat also viel stärker auseinandersetzen und darlegen, warum er welche Methode anwendet – und z.B. zeigen, dass er ähnliche wissenschaftliche Untersuchungen kennt und darauf aufbaut.

Eine Master-Arbeit ist (noch) keine Doktorarbeit, aber sie nähert ihr sich an. Eine Master-Arbeit dauert Monate, eine Doktorarbeit Jahre – und Doktoranden haben keine festen Bearbeitungs- und Abgabefristen. Von einem Master-Studenten wird – im Gegensatz zu einem Doktoranden – nicht erwartet, dass er eine relevante Forschungslücke füllt und die Wissenschaft einen Sprung nach vorn bringt. Die Master-Arbeit erledigt aber das, was für den Doktoranden ebenfalls nötig ist: Sie soll – unter Anleitung des Betreuers – den aktuellen Forschungsstand zu einem Spezialthema erschließen. Der angehende Doktor würde darauf nun seine eigenständige, neuartige Forschung aufbauen, und zwar weitgehend allein (ohne Anleitung eines Betreuers).

Ihr "Meisterstück"

Professoren hören Vergleiche mit dem Handwerk nicht gern, aber hier trifft es den Nagel auf den Kopf: Die Bachelor-Arbeit ist einem Gesellenstück vergleichbar, die Master-Arbeit einem Meisterstück.
  • Der Geselle zeigt mit dem Abschlusswerk seiner Ausbildung, dass er sachgerecht erlernte Fähigkeiten beherrscht, um ein solides Werkstück herzustellen, das den allgemeinen Standards des Berufs entspricht. 
  • Der Meister hingegen (der ja nach der Meisterprüfung selbst einen Meisterbetrieb führen darf) muss darüber deutlich hinausgehen, muss einen anspruchsvollen, ja kunstvollen Beweis seines Rundum-Könnens abliefern. Dazu gehört eine eigene "Handschrift", eine persönliche Note, ein Beleg seiner Selbstständigkeit in seinem Fach. 
Eine gelungene Master-Arbeit gibt Ihnen Profil, akademisch wie beruflich. Ein halbes Jahr ein wissenschaftliches Projekt mit hohem Anspruch durchzuführen, ist kein Klacks. Das erfährt Wertschätzung, auch von Personalchefs. Eine Master-Arbeit kann eine Eintrittskarte in den Beruf sein, nicht nur als formale Qualifikation. Gute Master-Arbeiten haben zudem die Chance, als Buch veröffentlicht zu werden und so viele Leser in Praxis und Wissenschaft zu erreichen, die das Buch natürlich auch kritisch lesen werden. Das muss man wollen.

17. Dezember 2010

Every Baby Knows the Scientific Method

Dieses schöne Poster zeigt die Wirklichkeit des Lebens mit kleinen Kindern... und die Grundprinzipien der wissenschaftlichen Methode.