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21. Februar 2011

Tipps von Master-Studenten: Wie man einen wissenschaftlichen Aufsatz liest

Aufsätze in wissenschaftlichen Fachzeitschriften sind anders als einführende Lehrbücher oder Zeitungsartikel. Für Studenten sind sie schwieriger zu lesen, denn sie werden von Experten für Experten geschrieben und präsentieren aktuelle, oft sehr spezialisierte Forschung in einer Fachdisziplin. Master-Studenten müssen sich damit auseinander setzen. Einige meiner Master-Studenten haben Vorschläge, wie man sich solche Texte erarbeiten kann (Zusammenfassung).


"Was wirklich hilft, ist, sich erst einmal eine grobe Übersicht über die Struktur des Artikels zu verschaffen. Als ersten Schritt überfliege ich die Überschriften und Zwischenüberschriften. Ich lese zuerst das Abstract und den Schluss. Dann habe ich so eine Grundidee, worum es geht. Spezielle Begriffe schlage ich z.B. mit Google nach. Dann lese ich Absatz für Absatz. Das Lesen und Verstehen kann viel Zeit kosten, da muss man sich Zeit fürs Noch-einmal-Lesen nehmen. Je mehr solche Texte man liest, desto besser versteht man die wissenschaftliche Schreibe -- ganz klar Übungssache!"

"1. Einführung und Fazit zuerst lesen. Dann weiß man, worum es geht. 2. Schlüsselbegriffe des Artikels markieren und im Hinterkopf behalten, immer darauf achten, wo und wie sie verwendet werden. 3. Den Hauptteil lesen, versuchen ihn zu strukturieren; Grundfragen klären - was, wer, warum? 4. Noch einmal das Fazit genau lesen, um den Inhalt des Hauptteils und seine Bedeutung zu resümieren."

"Darauf achten, welche Begriffe eingeführt werden. Es ist wichtig, alle unklaren Begriffe zu finden und sein eigenes Verständnis des Themas zu überprüfen. Der Hauptunterschied zwischen einem wissenschaftlichen Aufsatz zu Lehrbüchern und Zeitungen ist, dass ein Aufsatz Hintergrundwissen voraussetzt. Darum musst man sich zusätzlich Hintergrundinformationen verschaffen, auch wenn das ganz schön viel Zeit kosten kann."

"Ich lese den Aufsatz einmal ganz durch und unterstreiche unbekannte Wörter. Ich lese ihn dann noch einmal, übersetze zentrale Begriffe und streiche die interessanten Sätze mit einem Textmarker an. Bei einem fremdsprachlichen Text, vor allem bei komplexen Sätzen, ist es sinnvoll, sich ein (einsprachiges) Wörterbuch daneben zulegen. Vor der Diskussion im Seminar lese ich den Text noch einmal, um beim Inhalt sicher zu sein."


"Manchmal muss man einen Text mehrmals lesen, bevor man in der Lage ist, ihn richtig wiederzugeben. Nicht beim ersten Mal aufgeben."

"Nicht demotivieren lassen, nur weil diese Aufsätze sehr komplex und lang scheinen. Am besten nicht auf die langen Fußnoten und Literaturnachweise schauen. Nicht frustrieren lassen, wenn da mal ein Wort ist, das man nicht versteht. Man muss nicht jedes einzelne Wort verstehen. Nachschlagen, wenn es so wichtig ist, dass der Kontext ohne dieses Wort nicht verstanden werden kann."

"Die meisten Aufsätze haben ein Abstract. Das sollte man unbedingt zuerst lesen, weil darin die Kernideen und der Ansatz enthalten sind. Die Einführung sagt in der Regel einiges darüber aus, an welcher Diskussion sich der Autor beteiligen will, welche Methoden er verwendet, und die zentrale Aussage findet sich hier auch. Einführung und Schluss muss man als eine Einheit sehen. Versteht man das, versteht man meist auch den Rest. Die Literaturliste zeigt, in welchem akademischen Zusammenhang der Autor schreibt. Da kann man sich auch etwas Zusatzwissen holen. Es ist sinnvoll, sich die wichtigen Aspekte der wesentlichen Absätze herauszuschreiben, wie ein Protokoll."

"Ich habe da meine eigene Reihenfolge, wie ich vorgehe. Ich überfliege den Text, damit ich weiß, worum es geht. Dann forsche ich ein bißchen im Internet oder in Büchern nach, um Hintergrundwissen zu bekommen. Wenn ich den Text gelesen haben, überprüfe ich: Habe ich's verstanden? Ich versuche, den Inhalt so zusammenzufassen und zu erklären, dass ihn jemand anderes verstehen kann."

"Wenn der Artikel zu groß ist, um alles auf einmal zu verstehen und ich den roten Faden verliere, dann teile ich mir den Artikel in mehrere Teile auf und lese stückweise, mit kurzen Pausen. Die Seminardiskussion ist ganz gut, um den Gesamtzusammenhang zu verstehen und zu klären, was einem fehlt."

"Der Textmarker ist für mich wichtig. Man muss nur aufpassen, dass man nicht jede Textzeile farbig markiert. Man sollte vor dem Markieren also wissen, worum es geht und was das zentrale Argument ist, sich auch ein paar Notizen machen. Nicht nur anstreichen, sondern auch am Rand wichtige Aussagen oder Fragen notieren. Man kann auch ein paar eigene Zwischenüberschriften einfügen."

"Mit der Zeit, also wenn man ein paar von diesen Aufsätzen gelesen hat, kommt Erfahrung. Der erste große wissenschaftliche Artikel, den man liest, ist der schwierigste. Nach und nach gewöhnt man sich an Struktur und Sprache. Von den nächsten Aufsätzen, die man liest, hat man dann auch mehr."

"Wissenschaftliche Aufsätze werden über sehr spezifische Themen geschrieben. Darum muss man sich fragen: Was weiß ich schon über das Thema, was sind meine Vermutungen, habe ich schon mal was darüber in Vorlesungen oder in anderen Büchern gehört. Nach dem Lesen solte man sich selbst ein paar Fragen zu Text und Thema notieren."

"So einen Aufsatz in der Bahn oder in kurzen Pausen zwischen Vorlesungen zu lesen, macht wenig Sinn. Man muss sich schon ziemlich konzentrieren. Es kostet Zeit zu lesen UND zu verstehen."

"Ich lese grundsätzlich zweimal. Beim ersten Mal gehts mir um die Übersicht, beim zweiten Mal um die Details, da will ich der Logik des Autors voll folgen können. Ich will auch immer wissen: Was sind hier die Fakten? Ohne die kann ich den Artikel nicht richtig analysieren. Allerdings sind nicht alle Fakten nützlich, wenn man die Kernidee eines Aufsatzes auswickeln will. Wichtig sind auch die Aussagen über den Zusammenhang von Ursache und Wirkung - was bewirkt was? Darüber sollte man sich dann auch eine eigene Meinung bilden können."

28. Januar 2011

"Sie haben uns völlig falsch aufs Studium vorbereitet!"

Charlotte Haunhorst hat den Bachelor hinter sich und wirft ihrem früheren Schul-Lehrer vor: "Sie haben uns völlig falsch aufs Studium vorbereitet!" Lehrer Christian Bode antwortet: "Es tut mir leid! Ich konnte es nicht besser, aber ich habe eine Entschuldigung: Man hat mich völlig falsch auf das Lehrerleben vorbereitet!" Fazit: "Das Hochschulsystem war auch früher schon absurd". So die lesenswerte offene Korrespondenz bei Jetzt.de, dem Jugendmagazin der Süddeutschen Zeitung.

Ich poste das auf Facebook, und nach ein paar Minuten tackert einer meiner Studenten an meine Pinnwand: "Ich befürchte, den Brief könnten wir alle schreiben..." 

Umso dramatischer wird es, stellt man das nun noch in die Kulisse der häufigen Klagen über Erschöpfung, Prüfungs- und Leistungsdruck an den Hochschulen (jüngste Spiegel-Artikel: "Ausgebrannte Studenten: Lost in Perfection", "Warum Studieren ein Knochenjob ist"; "Studenten im Optimierungswahn: Karriere, Karriere, Knick").

Charlotte Haunhorst hat gelernt, dass Selberdenken und Tiefschürfen an der Uni nicht gefragt ist. Dass Auswendiglernen von Vorlesungsskripten bessere Noten produziert, als sich zum motivierten Selbststudium anstiften zu lassen. Dass Lernbulimie der Weg zum Überleben ist. Sie lernt, dass Studenten, die ihr Studium ohne Lektüre irgendeines Buches absolvieren, nicht blöd sind, sondern schlau und erfolgreich. Dass man seine Individualität abgeben und konform sein muss. Dass das Selbstvertrauen erschüttert wird, wenn man sich eigene Ziele setzt. Und dass leidenschaftliche Lehrer ein Versprechen abgeben, dass die Welt nicht halten wird. Irgendwann ist der Wille gebrochen, dem System zu trotzen. Ratschlag an den Lehrer: "Nehmen Sie Abstand von Ihrem Bildungsideal. Lehren Sie nur das Vorgeschriebene und schwören Sie die Kinder möglichst früh darauf ein, nichts mehr zu hinterfragen. Das ist sowieso eher lästig und obendrauf noch anstrengend."


Realismus vs. Romantik: Der Konflikt um Bildungsideale, Nützlichkeit und Leistungsstandards ist in der Tat ein alter. Auch Hollywood hat ihn oft in Szene gesetzt, vom "Club der Toten Dichter" (Robin Williams) über "Club der Cäsaren" (Kevin Kline) bis zu "Mona Lisas Lächeln" (Julia Roberts) – DVD-Klappentext: "In einer Welt, die ihnen vorschrieb, wie man lebt, lehrte sie sie, wie man denkt". 

Bei aller augenfeuchten Sentimentalität und Sympathie für den leidenschaftlichen Lehrer, der zum eigenen Denken anregt, inspiriert und motiviert, steht am Ende immer die Frage: Wer später an der Hochschule, im Beruf, im Leben vorankommen will – wird der nicht besser vorbereitet, wenn er rechtzeitig beigebracht bekommt, wie man sich an die Spielregeln hält und sich die Belohnung für Leistung abholen kann, die an den Standards und Maßstäben der maßgeblichen Leute gemessen wird? Das ist auch der Kontext der aktuellen Debatte um die Erziehungsmethoden der "Tigermutter" Amy Chua. Die sagt schließlich auch, ihr asiatischer Leistungs-Drill macht die Kinder nicht nur erfolgreicher, sondern glücklicher.
  • In einer Schlüsselszene im "Club der Toten Dichter" sagt Lehrerkollege McAllister  zum charismatischen Englischlehrer Keating: „Ich finde es sehr riskant, diese Jungs zu ermutigen, Künstler zu werden, John, denn wenn sie feststellen, daß sie keine Rembrandts, Shakespeares oder Mozarts sind, werden sie Sie verachten.“ Er sei kein Zyniker, betont McAllister, nur Realist, und zitiert den englischen Dichter Lord Tennyson: "Zeig’ mir ein Herz, das frei ist von törichten Träumen, und ich zeig’ Dir einen zufriedenen Menschen.“

Mit beiden Beinen fest auf der Erde. Das macht den Realisten aus. Realitätssinn und Rationalität sind wichtig und notwendig, ja. Erst recht im Studium. Das bedeutet aber nicht totale Anpassung, sondern intelligente Balance.

Man kann wissenschaftliche Ausbildung nicht betreiben, ohne Standards, Spielregeln und gesicherte Methoden zu vermitteln und abzuprüfen. Das kann Neugier und Inspiration dämpfen, sogar abstumpfen, keine Frage. Auf der anderen Seite besteht Wissenschaft auch darin, hinter die Annahmen zu schauen, altes Wissen zu hinterfragen und neues Terrain zu erkunden. Wer sich das austreiben lässt, versteht den ganzen Sinn der Ausbildung falsch.  Mag ein, dass die Hochschule diese Botschaft nicht immer so vermittelt, wie sie es sollte. Aber wer die Botschaft hören will, der kann sie im Studium auch hören.

Weil er selbst so ermattet und enttäuscht klingt, ist Lehrer Bodes Antwortbrief nicht halb so bemerkenswert wie Charlotte Haunhorsts Klageschrift. "Du schaffst es schon!", schreibt er mit tröstenden Worten; sie soll sich nicht verbittern lassen, sondern ihren eigenen Weg gehen. "Den von dir so vermissten Transfer hast du schon selbst geleistet. Du hast erkannt, dass Lehranstalten und universitärer Massenbetrieb einem niemals das vermitteln können, was in einem selbst als Talent und Passion angelegt ist und wofür man sich zu engagieren bereit ist."

Wahr; und auch nicht wahr. Ideen und Inspiration, Aha-Momente und neue Perspektiven lassen sich an Hochschulen immer noch besser sammeln als an vielen anderen Orten. Vielleicht liegt es daran, dass hier weniger Realisten zu finden sind als anderswo.

28. Dezember 2010

Zettelkasten gegen das Verzetteln

Ideen, Zitate, Textstellen und Fundstücke auf Zetteln zu notieren, ist wohl die älteste Form der Informationssammlung, seit es Papier gibt. Die meisten Studenten benutzen Zettel in irgendeiner Form, wenn sie Referate, Beleg- und Abschlussarbeiten schreiben. Allerdings kann man sich leicht dabei verzetteln!

Der berühmteste Zettelkasten der Welt ist sicher der des Soziologen Niklas Luhmann (1927-98), der Dutzende Bücher mit diesem Hilfsmittel schrieb. Fünf Jahrzehnte wissenschaftliche Gedanken auf Zetteln... unglaublich. Als Luhmann starb, karrte eine Spedition die monströse Sammlung von Zettelkästen mit LKWs ins Archiv der Uni Bielefeld. ScienceGarden hat das merkwürdige Ablage- und Katalog-System des Genies beschrieben. In diesem Video erläutert Luhmann selbst, was er mit seinen Zigtausenden von Zetteln anstellte:


Damit Ihre kleine Wohnung nicht bald aussieht wie Luhmanns zugemüllte Denkerstube, sollten Sie Ihren Zettelkasten zeitgemäß führen: mit dem PC:

Möglichkeit 1: Verwendung eines Notizenprogramms wie Microsoft OneNote (aus MS Office), Evernote u.a. (Blogbeitrag).

Möglichkeit 2: Im Prinzip bietet jedes Literaturverwaltungsprogramm auch einen Zettelkasten, d.h. eine Art Ideen- und Wissensmanagement. Solche Programme gibt es – auch kostenlos – viele (z.B. Basisversion Citavi, WibTex, Lit-Link, JabRef, Bibliographix, LiteRat, Biblioexpress, u.a.). Zu den altbekannten gesellen sich neuerdings Browser-gestützte, auch Web 2.0-fähige Programme wie Zotero.

Wenn Sie Luhmann folgen wollen, heißt die Alternative ZKN3 - die Zettelkasten-Software nach Luhmann, die der Hamburger Psychologe Daniel Lüdecke entwickelt hat. Für Windows, Mac und Linux. Auf ein Literaturverwaltungsprogramm muss man dabei nicht verzichten, denn es gibt eine Schnittstelle zu Zotero, Endnote, Bibliographix, Citavi, Refworks, JabRef usw., Import und Export der bibliographischen Daten sind also leicht möglich. Ebenso verhält es sich mit Texten, Grafiken und Daten (z.B. aus Microsoft Excel und allen MS Office oder OpenOffice-Programmen).

Die intelligenten Funktionen zur Archivierung, Verschlagwortung, Herstellung von Querverweisen und Themensammlung versprechen eine deutlich erleichterte Textproduktion. Auf dem "Schreibtisch" kann man die Zettel leicht hin- und herschieben und in Texte einarbeiten.

Das ist alles so komfortabel, dass es schwierig ist, sich wirklich zu verzetteln.

Lobenswert ist auch die ausführliche Sammlung von Videoanleitungen zu den Funktionen des Programms.

Das Programm ist Freeware, steht also gratis zum Download bereit.

20. Dezember 2010

Mitschreiben mit System: "Cornell Notes"

Als ich in Amerika Student war, habe ich mich zu Anfang gewundert, dass viele meiner Mitstudenten beim Mitschreiben in der Vorlesung und im Seminar ein spezielles System verwendeten (siehe unten). Sie teilten ihr Blatt jeweils in vier Teile auf. Für die normalen Notizen verwendeten sie aber immer nur den einen großen Kasten rechts. Wie ich dann erfuhr, heißt das Notizensystem "Cornell Notes".

Das heißt so, weil es 1949 ein Professor der Cornell University erfunden hat. Sinnigerweise hieß der Mann Walter Pauk (!). Sein Ratgeberbuch "How to Study in College" ist seit Jahrzehnten ein bei Studenten populäres Standardwerk.

In den USA ist das System weit verbreitet, auch in Deutschland gibt es Fans. Für das Format gibt es sogar online einen personalisierbaren Arbeitsblatt-Generator und natürlich Blankoseiten zum Ausdrucken.

Der Sinn der Sache besteht in der besseren Übersicht, vor allem aber steckt dahinter eine Methode zur Nacharbeit von Vorlesungen.
  • Während der Lehrveranstaltungen schreiben Sie im großen Kasten mit wie gewohnt.
  • Nach der Veranstaltung aber füllen Sie die beiden Kästen links und unten.

Die Spalte links ist die so genannte "Cue Column" oder "Recall Column". Wenn Sie Ihre Notizen also durchgehen, schreiben Sie links wichtige Begriffe und zentrale Ideen hin. Oder Fragen: Wenn die Notizen rechts die Antworten sind, dann sollten links die dazugehörigen Fragen auftauchen (z.B. "Was ist...?" oder "Warum...?" oder "Wie funktioniert...?")

Wenn Sie Fragen formulieren, müssen Sie Ihre Mitschrift noch einmal durchdenken. Zusammenhänge werden klarer, die Bedeutung erschließt sich neu, und Sie behalten die Inhalte besser im Gedächtnis.

In der Box für die Zusammenfassung ("Summary Box") schreiben Sie sehr knapp (3-4 Sätze) in eigenen Worten, worum es in den Notizen oben rechts im Kern geht. Auch das hilft Ihnen, den Inhalt zu rekapitulieren und die Relevanz zu erschließen. Hier können zudem Anschlussfragen notiert werden. Oder der Transfer zu anderen, eigenen Beispielen und Anwendungsmöglichkeiten.

"Cornell Notes" sind ein ziemlich simples System für das handschriftliche Notieren. Aber sehr effektiv für das strukturierte Nacharbeiten und gut für die Prüfungsvorbereitung:
  • Wenn Sie in der linken "Recall Column" Fragen formuliert haben, können Sie z.B. die rechte Seite mit einem Blatt abdecken und testen, ob Sie die Fragen richtig beantworten können.
Hier gibt es eine schöne PowerPoint-Präsentation zum Umgang mit "Cornell Notes", und hier noch eine Beispielseite (PDF).

Vorlagen auf der Microsoft-Homepage gibt es für Microsoft Word, PowerPoint und das Notizenprogramm OneNote (wenn Sie digitale Mitschriften bevorzugen, siehe Blogbeitrag).

Mitschreiben digital – Microsoft OneNote und Evernote für Vorlesung und Seminar

Als Prof blickt man im Hörsaal meist auf einen Wald von Notebooks und Netbooks. Klar, da wird während der Lehrveranstaltung gedaddelt, gesurft, gemailt. Das lenkt ab und verhindert das Lernen. Es gibt Kollegen, die verbieten sogar Computer auf dem Tisch. Das halte ich für Unfug. Denn die meisten Studenten benutzen ihren Computer durchaus für akademische Zwecke.

Viele starten MS Word (oder OpenOffice Writer) und verwalten ihre Mitschriften in der Textverarbeitung. Gibt es bessere Möglichkeiten als das? Ja!

Nämlich Notizen-Programme: Evernote (aus der OpenOffice-Familie) und Microsoft Office OneNote.

OneNote wird bei der Version “Office Home and Student Suite” mitgeliefert. Die Software ist gedacht für das Anfertigen und Verwaltung von Mitschriften (Vorlesungen, Seminare, Besprechungen). Die Verwaltung wird in Notizbüchern, Abschnitten, Seiten und Unterseiten ermöglicht. Man kann Grafiken und PDFs sowie Audio- und Videoaufzeichnung einbetten, schön verlinkt mit den eigenen Notizen. Außerdem lassen sich Mitschriften leicht an weitere PCs senden und synchronisieren.

Microsoft hat vier Video-Schulungen veröffentlicht (auch auf YouTube), die die Arbeit mit OneNote anschaulich erläutern:
Die vier Folgen sollten Sie sich unbedingt ansehen. Sie werden merken, dass die Software ziemlich gut fürs Studium geeignet ist. Zwar müssen Sie sich etwas in die Bedienung einfuchsen. Aber dafür bringen Sie schnell ein echtes System in Ihre Mitschriften. Die elektronische Kladde hilft daher auch bei der Studienorganisation und bei der Prüfungsvorbereitung.

Der Osnabrücker IT-Berater Bernd Brandenburger moderiert die Videos. Die erste Folge führt Sie in die Basiselemente von OneNote ein. Da geht es erst einmal um die Oberfläche, dann darum, wie man Notizbücher anlegt und auf mehreren Computern (z.B. auch Desktop-PC zu Hause oder mit mehreren Kommilitonen gemeinsam geführte Notizbücher) verwendet, wie man Abschnitte und Seiten einfügt, wie man Tools z.B. zum Zeichnen einsetzt, wie man Suchfunktionen benutzt, wie man Office-Vorlagen von der Microsoft-Homepage lädt und einiges mehr.

 
In der zweiten Folge geht es um die Verbindung von OneNote und Outlook. Denn Aufgaben aus OneNote lassen sich direkt in Outlook übernehmen, oder aus einem Outlook-"Termin" oder einer Outlook-"Aufgabe" direkt Besprechungsnotizen starten. Beispielsweise bekommen Sie eine Email von Kommilitonen in einer Arbeitsgruppe oder vom Prof über das E-Learning System Moodle ("Learn@Wildau"). Da gibt es dann vielleicht Hinweise, Ergänzungen oder Links, die Sie in Ihre Vorlesungs-Notizen einfügen möchten. Email im Outlook öffnen und den Button "an OneNote senden". Umgekehrt können Sie auch Ihre in OneNote erstellten Notizen über Outlook versenden – nicht nur an Email-Empfänger, sondern auch an sich selbst, nämlich in die Verwaltung von "Terminen" und "Aufgaben" in Outlook. Nützlich z.B. für Lektüreplanung, Hausaufgaben und Arbeitsgruppen.

 

Folge drei widmet sich dem gemeinsamen Notizbuch, das Sie mit anderen Kommilitonen zusammen führen können. Wenn Sie mal nicht zur Vorlesung kommen können, ist das ebenso praktisch wie wenn Sie arbeitsteilig mitschreiben wollen. Dafür legt man z.B. extern auf einem Netzwerk-Sharepoint (Internet-Festplatte, z.B. Windows Live SkyDrive mit gratis 25 GB Speicherplatz) ein gemeinsames Notizbuch an. Praktischerweise wird automatisch synchronisiert: Sobald also jemand aufs Notizbuch zugreift, wird für alle aktualisiert. Wer's über Windows Live macht, kann Kommilitonen über die Windows Live-ID einladen.

 

Schließlich geht Folge vier in ähnlicher Absicht wie in Folge drei auf die Nutzung des Programms Groove ein. Das ist eine Komponente im Office2007-Paket, mit der man übers Internet Daten von Computer zu Computer übertragen und synchronisieren kann. Das ist so eine Mischung aus Outlook und SharePoint, bei der die Daten allerdings dezentral gespeichert werden, nicht auf einer externen Festplatte wie in Folge drei. Es wird gezeigt, wie man einen gemeinsamen Arbeitsbereich für eine Lerngruppe anlegt, wie man sich Nachrichten schickt und mit diversen Tools arbeitet. Wichtig: Groove gibt es ab Office2010 als Produktname nicht mehr, wird jetzt "SharePoint Workspace 2010"  genannt. Die Vollversion gibt es nur in teureren Office-Paketen. Mit kostenfreien Programmen wie Dropbox usw. kann man aber auch arbeiten.



Alles in allem bietet OneNote also eine ziemlich gute Lösung für die eigenen Notizen und für den Austausch mit anderen Studenten.

19. Dezember 2010

"13 Fehler, die jeder machen darf"

Das Magazin Zeit Campus widmet sich dem Thema "13 Fehler, die jeder machen darf: Studenten tappen immer wieder in die gleichen Fallen. Warum das nicht so schlimm ist und was man daraus lernt".

1. Fehler: Alles lesen, was der Prof vorgibt
These: "Mit welcher Absicht erstellen Dozenten Literaturlisten? Erstens, um eine Übersicht über alle relevanten Texte zum Thema zu geben (und bisweilen einen Einstieg in die Seitenaspekte), klar. Zweitens, um den Studenten, vor allem aber den Kollegen deutlich zu machen, wie anspruchsvoll sie sind. Das ist hier kein Schmalspurseminar, und meine Literaturliste ist länger als deine! Was die Professoren nicht jedem verraten: Sie selbst lesen oft nur die Einleitung und die Zusammenfassung." (Mehr)

2. Fehler: Lernen, lernen, lernen – auch nachts und am Wochenende
"Das Deutsche Studentenwerk hat in seiner aktuellen Sozialerhebung herausgefunden: 31 Prozent der Studenten wenden mehr als 50 Stunden pro Woche für Studium und Job auf. Das entspricht etwa der Arbeitsbelastung eines durchschnittlichen Managers – und ist einfach viel zu viel. Ein Experte meint: "Die Gehirnkapazität ist begrenzt, mehr als 35 Stunden pro Woche sinnvoll zu lernen, schafft man nicht." (Mehr)

3. Fehler: Zu viel Respekt vor dem Professor haben
Studenten suchen selten und zu spät das Gespräch, scheuen sich vor Fragen: "Man lernt doch, selbstbestimmt zu arbeiten, wenn man dem Prof aus dem Weg geht... Spätestens vor der Abschlussarbeit hilft das alles nichts mehr: Man braucht einen Betreuer, und da ist es gut, wenn man schon einen Kontakt hatte"... Und: auch Professoren freuen sich, wenn sie als Ratgeber bei wichtigen Entscheidungen hinzugezogen werden. (Mehr)

4. Fehler: Sich allein durchschlagen
"Kommilitonen können anstrengend sein." Stets nur allein zu lernen und den Austausch nicht zu suchen, ist bequem – aber es entgeht einem auch was... (Mehr)

5. Fehler: Sich zu spät zum nächsten Modul anmelden
Studenten lesen zu selten die Prüfungsordnung, informieren sich nicht ausreichend und rechtzeitig, hören zu viel auf Gerüchte. Für Versäumnisse muss der Student aber selbst gerade stehen. (Mehr)

6. Fehler: Prüfungen verschleppen, weil man sich selbst unterschätzt
"Jeder kennt das: Bevor man etwas Schlechtes abgibt, startet man lieber noch einmal neu." Gute Idee? Vielleicht ja, denn im heutigen System zählt jede Fachnote für die Abschlussnote. Meistens nein, weil der Berg der aufgeschobenen Prüfungen immer größer wird. Und man wird Opfer der eigenen hohen Ansprüche. (Mehr)

7. Fehler: Den Kopf hochrüsten und den Körper vergessenKörperlicher Ausgleich und Sport sind wichtig, auch und gerade in Prüfungsphasen. "Eine Stunde Laufen kann mehr bringen als eine Stunde zusätzliches Lernen." (Mehr)

8. Fehler: Glauben, man käme in der Bibliothek allein zurecht
Bibliothekarin Christiane Holtz: "Viele Studenten fragen zu wenig, und sie unterschätzen oft die Komplexität einer großen Uni-Bibliothek. Sie informieren sich nicht genug. Dadurch entgehen ihnen viele unserer Angebote." Studenten sollten die Online-Hilfstexte der Bibliothek lesen, Schulungen nutzen, die Bibliothekare um Mithilfe bei Recherchen fragen. (Mehr)

9. Fehler: Aus der Bachelorarbeit ein Forschungsprojekt machen
Studenten seien oft nicht in der Lage, ihre Abschlussarbeit abzugeben, "weil sie eine große emotionale Bindung zu ihr entwickelt haben".  Aber man muss aufpassen, dass man nicht zu perfekt sein will. (Mehr)

10. Fehler: Den Betreuer nach seiner Reputation auswählen
"Ein großer Name auf dem Abschlusszeugnis sieht gut aus – also bittet man die Koryphäe des Instituts persönlich, einen zu betreuen. Das kann nach hinten losgehen: Ein Prof kann bei der Abschlussarbeit richtig Schwierigkeiten machen, vor allem, wenn man ihn nicht einschätzen kann. Am Anfang sagt er womöglich gar nicht, was er will. Und am Ende ist die Note plötzlich schlecht, weil er viel mehr verlangt als andere." (Mehr)

11. Fehler: Die Abschlussarbeit auf den letzten Drücker fertig machen
Was ein Copy-Shop-Besitzer über die Formatierungs- und Vervielfältigungs-Probleme in letzter Minute erzählt...  (Mehr)

12. Fehler: Nicht ins Ausland gehen
Nur jeder vierte Student geht ins Ausland. Einer der häufigsten Hinderungsgründe ist das Geld. Dafür gibt es Auslandsbafög und Stipendien des DAAD. (Mehr)

13. Fehler: Sich mit dem Studium zu sehr beeilen
"Die Studiendauer wird von Studenten gemeinhin überschätzt. Was wirklich zählt, ist die Persönlichkeit eines Bewerbers." Das sagen Personalchefs häufig. Schnelles Studium ist gut, aber ohne Engagement, Praxiserfahrung und einen erweiterten Horizont sieht das so gut gar nicht aus. Und dafür braucht man mehr Zeit. (Mehr)

Diese 13 Fehler sollte man vermeiden, aber wenn es nicht klappt, ist es auch nicht allzu schlimm, meint die Zeit. Dagegen gebe es drei Fehler, die solle man auf keinen Fall machen:

1. Die Freunde für die Uni vernachlässigen
Wenn der Leistungsdruck dazu führt, dass Erfolg als wichtiger angesehen werde als soziale Kontakte, ist das destruktiv. Freunde sind wichtiger denn je. Und an der Hochschule gibt es die Möglichkeit, Privates und Berufliches zu verbinden. Im Berufsleben schließe man Freundschaften nicht mehr so leicht. (Mehr)

2. Aus Schusseligkeit durchfallenEin Fachwalt erklärt, mit was man beim Prüfungsamt durchkommt – und mit was nicht. Mit einem normalen Arzt-Attest beispielsweise kann man scheitern, wenn man aus Krankheitsgründen fehlt. Auch Täuschungsversuche sind sein Metier... (Mehr)

3. Glauben, man dürfte keinen Fehler machen
"Es ist sehr wichtig, dass Sie im Studium auch mal scheitern ... Nur so lernen Sie, damit umzugehen", sagen Experten von Beratungsstellen. Wenn es ernst wird, sollte man sich von diesen auch beraten lassen. Für die Sprechstunde ist kein Problem zu klein (Mehr)