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30. April 2017

Noch einmal: Allgemeinwissen zitieren

Zum Blogbeitrag „Allgemeinwissen in der Arbeit - zitieren oder nicht?" grübelt ein Student, der „aus der Sorge vor versehentlichen Plagiaten“ in seinen Hausarbeiten „fast jeden Satz“ mit Literaturverweisen belegt. Ihn irritiert die Auskunft, „dass man bestimmtes universitäres Wissen als Allgemeinwissen sehen dürfe und folglich nicht belegen müsse.“

Gemeint war damit nicht nur Alltags-Allgemeinwissen wie „Der Eiffelturm steht in Paris“, sondern fachlich unumstrittene Fakten und Grundeinsichten einer Disziplin. Beispiel aus der VWL: „Senkt die Zentralbank den Leitzins, erhöht sie damit die umlaufende Geldmenge, was zu Inflation führen kann.“ Natürlich gibt es für diese Aussage Bedingungen und Einschränkungen, aber so ziemlich jeder Volkswirt würde die Grundaussage unterschreiben. Man kann sie durch irgendein Lehrbuch belegen, aber das ist im Prinzip unnötig. Vor allem in einer Hausarbeit im fortgeschrittenen Studium: Hier darf viel vorausgesetzt werden.

Literaturbelege sind für den Leser lästig und behindern den Lesefluss. Wenn sie keinen Gewinn bringen und nicht notwendig sind, dann sollte man den Ballast abwerfen. 

Referenzen sind nicht dazu da, eine Arbeit zu dekorieren oder die Belesenheit des Autors zur Schau zu stellen, um den Professor zu beeindrucken. Sie erfüllen einen Zweck: Der Leser soll eine Aussage selbst an Hand der Quelle überprüfen können. Wenn es nach allgemeinem Fachverständnis dazu keine Notwendigkeit gibt, ist der Beleg verzichtbar. Der Haken daran ist, dass Studierende dies oft falsch beurteilen oder sich das Urteil nicht zutrauen. Diese Sicherheit kommt natürlich erst mit der Zeit.

Der Student fragt: „Muss ich zum Beispiel, wenn ich sage, dass, wie es in vielen Zeitungen steht, mit der Flüchtlingskrise im Jahr 2015 die Zahl der Asylbewerber in Deutschland erheblich angestiegen ist, einen Beleg/ein Zitat einfügen? Wo ist die Grenze zwischen Allgemeinwissen und zu zitierenden Informationen?“ 

Gut gefragt. So allgemein formuliert, würde ich sagen: Nein, das ist Allgemeinwissen. „Erheblich angestiegen“ ist allerdings auch nicht so präzise, wie man in der Wissenschaft möglichst formulieren sollte. Gibt man präziser an, dass 2015 beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge rund 274.000 Asylanträge mehr als im Vorjahr – ein Plus von 135 Prozent – gestellt wurden, sollte man die Quelle dafür selbstverständlich belegen; und dann auch ergänzen, dass diese amtliche Zahl von diversen Experten als problematisch in Frage gestellt wird, was dann wiederum zu belegen wäre. Das ist kein Allgemeinwissen, weder fachlich noch i.S.v. Alltagswissen.

Er fragt weiter: „Oft mischen sich ja auch die eigene Meinung, die man wiedergeben möchte und die Angabe recherchierter Informationen, auf die sich diese Meinung bezieht, in einem Satz, wobei ich dann nie wirklich weiß, wie und ob hier ein Zitat tatsächlich vonnöten ist. Wann überhaupt ist es notwendig, von einem Beleg/Zitat Gebrauch zu machen bzw. wo liegt die Grenze zur eigenen Aussage?“

Da hilft es, die blanke Information und ihre Interpretation klar zu trennen, indem man sie in zwei getrennte Sätze packt. Der erste Satz enthält die neutral formulierte Informationsangabe nebst Beleg. Der zweite Satz sollte dann deutlich als Interpretation (vulgo „Meinung“) des Autors erkennbar sein. Mit sprachlichen Mitteln lässt sich zusätzliche Distanz herstellen. Beispiel: „Müller (2015) behauptet X. Diese Aussage ist fragwürdig, weil…“ oder „Nach Schmitz (2016) erklärt sich X durch Y. Dies ist plausibel, weil…“ oder „Für Meyer (2017) ist X ein Phänomen des Y. Dies ist prinzipiell zu bejahen, jedoch nur unter der Bedingung Z, denn...“



1. September 2015

Verflixte Bildquellen: Screenhots

Eine Studentin fragt: "Ich schreibe aktuell an einer wissenschaftlichen Arbeit im Rahmen meines dualen Maschinenbaustudiums und habe gerade mein Quellenverzeichnis nach den Richtlinien, die sie bei blogger.com veröffentlicht haben, verfasst. In meiner Arbeit habe ich 2 Bilder, bei denen ich leider nicht weiß, wie ich die Quellen angeben muss. Das erste ist ein Screenshot von einer Maschine, die ich im 3D-Zeichnungssystem angefertigt habe. Das zweite ist ein Screenshot aus dem Warenwirtschaftssystem, welcher eine Auflistung von Artikeln ist."

Kollege Martin Gertler gibt zur Frage "Wie zitiere ich einen Screenshot?diese Tipps.

Einen selbst angefertigten Screenshot (oder deutsch: Bildschirmkopie) können Sie als solchen in der Bildunterschrift kennzeichnen, also z.B. mit "Eigener Screenshot von/aus...".

Bei einer bildschirmkopierten Abbildung aus fremder Quelle ist diese wie üblich anzugeben -- im Format so, wie das von Ihnen verwendete Zitationssystem es erfordert (mit Kurzbelegen im Text à la "Schmitz, 2015, S. 4" oder im Fußnoten-Vollbeleg). Handelt es sich um keine klassische Literaturquelle und auch nicht um eine öffentlich zugängliche Internet-Publikation (Websites etc.), sondern z.B. um interne elektronische Technik-Dokumente eines Unternehmens, sind Sie im Bereich der "grauen Literatur" (Sammlung von Posts).

Die ist immer etwas knifflig. Bei der Eintragung ins Quellenverzeichnis muss man sich bisweilen etwas behelfen, da man mit Standardangaben wie Autor-Veröffentlichungsdatum-Titel-Verlag-Verlagsort nicht weiterkommt und nur Sie selbst wissen, wie Sie das am besten beschreiben. Also ungefähr so:

Glück Maschinenbau (2015). Internes Warenwirtschaftssystem WWS-41X, eigenhändiger Auszug aus Datei ABC-325, Auflistung Artikelbestand (Stand 13. August 2015, 16.30 Uhr). Glück Maschinenbau GmbH, Glückstadt. [unveröffentlichtes Dokument]

In der Bildunterschrift verweisen Sie dann entsprechend so, dass man die Einzelangaben im Quellenverzeichnis wiederfinden kann:

Abb. 26. Auflistung von Artikeln in einem Warenwirtschaftssystem. (Bildschirmkopie, Glück Maschinenbau, 2015).

Wenn Sie die ursprüngliche Zeichnung selbst etwa mit CAD-Software angefertigt haben, reicht "Eigene Darstellung" oder "Eigene Zeichnung" mit beliebiger Inhaltsbeschreibung. Da es sich nicht um eine Fremdquelle handelt, erübrigt sich ein Eintrag ins Quellenverzeichnis. In der Bildunterschrift könnte also etwa stehen:

Abb. 27. Bediengriff an einer Wunschmaschine nach dem SAMS-Konzept. Eigene Konstruktionszeichnung, angefertigt mit der Software GlückDesign CAD Version 3.02. 

Haben Sie Ihre eigene Zeichnung auf der Grundlage einer fremden Illustration angefertigt, ist "Eigene Darstellung in Anlehnung an..." (plus Quelle wie oben) sinnvoll.

Wahrscheinlich haben sie in Ihrer Arbeit relativ viele Abbildungen. Dann ist ein Abbildungsverzeichnis sehr zu empfehlen.

Siehe auch den Post "Bildquellen und Abbildungsverzeichnis".


28. September 2012

Definitionen in Fußnote: Quellenbeleg?


Studentenfrage: "Wenn ich einen Sachverhalt oder einen Begriff aus dem Fließtext meiner Arbeit in der Fußnote durch eine Definition erkläre - muss ich dann diese kenntlich machen (Autor etc.)? Wie und wo erfolgt diese Kennzeichnung in der Fußnote?"

Wenn es Ihre eigene Definition ist, dann benötigen Sie keinen Quellenbeleg; wenn Sie zitieren, brauchen Sie einen. Egal, ob das Zitat im Fließtext ist oder in der Fußnote -- fremder Leute Wörter sind immer zu belegen, sonst ist es geklaut.

Eine Begriffsdefinition oder -erläuterung in eine Fußnote zu stecken, ist oft eine gute Idee: Das Auslagern entlastet den Haupttext. Grundsätzlich gelten alle Spielregeln fürs korrekte wissenschaftliche Arbeiten aber ohne Abstriche auch fürs Kleingedruckte.

Nur wenn Sie eine Definition aus dem Allgemeinwissen verwenden (z.B.: "eine Fußnote ist eine Anmerkung oder Erläuterung zum Fließtext, die in die Fußzeile einer Seite gestellt wird") und niemanden wörtlich zitieren, ist ein Beleg verzichtbar.

Wie Sie belegen, hängt von der Vereinbarung mit Ihrem Dozenten oder der an der Fakultät "üblichen" Zitierweise ab: Kurzbeleg oder Fußnote, Im-Text-Kurzbeleg oder Kurzbeleg in Fußnote, oder Vollbeleg in Fußnote... oder Endnote.

Der Kurzbeleg (z.B. "Czaplinski, 2012, S. 16") ist praktischer, erfordert aber immer, dass hinten im Literatur- und Quellenverzeichnis ein Vollbeleg steht, in dem alle bibliographischen Angaben enthalten sind.

Wenn Sie grundsätzlich mit Fußnoten arbeiten, macht es natürlich keinen Sinn, mit einer Fußnote zu einer Fußnote zu belegen. Die Quelle wird genau dort belegt, wo die Quelle zitiert wird -- in derselben Fußnote, also nicht in einer zweiten.

Beispiele:
Kurzbeleg in Fußnote
1   Der Begriff "Guttengate" bezieht sich auf die Plagiatsaffäre, die 2011 zum Rücktritt des Verteidigungsministers Karl-Theodor zu Guttenberg führte. Czaplinski (2012) definiert "Guttengate" als "ein Kunstwort aus den Wortteilen Gutten- und -gate, das mit der Anspielung auf die amerikanische Watergate-Affäre einerseits die illegalen und betrügerischen Machenschaften von Regierungsmitgliedern betont, andererseits den auf Guttenbergs Vertuschungsversuche folgenden Skandalisierungseffekt und Medienwirbel zu ironisieren versucht" (S. 16). Czaplinski sieht das ironische Moment in der Diskrepanz zwischen der Größenordnung des Watergate-Skandals, der in den USA zu einer Staatskrise führte, und der im Vergleich für das deutsche Staatswesen  minder wichtigen Schummelei bei der Doktorarbeit eines Ministers (S. 16).


Vollbeleg in Fußnote
1   Der Begriff "Guttengate" bezieht sich auf die Plagiatsaffäre, die 2011 zum Rücktritt des Verteidigungsministers Karl-Theodor zu Guttenberg führte. Czaplinski (2012) definiert "Guttengate" als "ein Kunstwort aus den Wortteilen Gutten- und -gate,  das mit der Anspielung auf die amerikanische Watergate-Affäre einerseits die illegalen und betrügerischen Machenschaften von Regierungsmitgliedern betont, andererseits den auf Guttenbergs Vertuschungsversuche folgenden Skandalisierungseffekt und Medienwirbel zu ironisieren versucht." Czaplinski sieht das ironische Moment in der Diskrepanz zwischen der Größenordnung des Watergate-Skandals, der in den USA zu einer Staatskrise führte, und der im Vergleich für das deutsche Staatswesen minder wichtigen Schummelei bei der Doktorarbeit eines Ministers. Czaplinski, R. (2012). Fußnoten als Instrument moderner Wissenschaft im Wandel der Zeit. Europäische Zeitschrift für das Fußnotenwesen, 55(4), 16.

7. Juli 2012

Selbstständige und unselbstständige Quellen im Literaturverzeichnis


"Sie haben angemerkt, dass selbstständige Quellen im Quellenverzeichnis der Belegarbeit in kursiver Schrift stehen. Was kann ich unter selbstständigen Quellen verstehen", fragt eine Studentin.

Ob sie kursiv gesetzt werden müssen, hängt vom Zitationsstil ab (bei manchen ja, bei anderen nein). Der Sinn der Sache ist es, die Hierarchie der Quellen klarer sichtbar zu machen. Anders als bei der inhaltlichen Quellenhierarchie (primär, sekundär, tertiär) geht es hier um eine rein formale Unterscheidung.

Manchmal verlangen Dozenten sogar, das Literatur- oder Quellenverzeichnis nach selbstständigen und unselbstständigen Quellen zu gliedern.

Also, was ist eine selbstständige Quelle? Eine, die selbstständig erschienen ist. Zum Beispiel ein Buch. Wenn Sie den Titel wissen, können Sie es im Handel oder einer Bibliothek ordern. Auch eine Zeitung oder Zeitschrift erscheint selbstständig. Solche Quellen haben Ordnungsmerkmale wie z.B. internationale standardisierte Nummern: Ein Buch hat immer eine ISBN (International Standard Book Number), ein Presseerzeugnis/Periodikum eine ISSN (International Standard Serial Number). Auch elektronische Periodika haben oft eine ISSN.

Anders ist es bei einem Aufsatz, der in einem Buch, einer Zeitung oder einer Zeitschrift erschienen ist. Wenn Sie den Aufsatz-Titel XYZ wissen, können Sie dem Bibliothekar nicht einfach sagen: "Guten Tag, ich möchte bitte einmal XYZ ausleihen." Sie können auch nicht XYZ bei Amazon bestellen. Für einen einzelnen Artikel gibt es auch keine ISBN/ISSN (allerdings: bei elektronischen Publikationen werden auch einzelne Artikel mit einer DOI-Nummer versehen, dem Digital Object Identifier).

Sie können das Buch oder die Ausgabe der Zeitschrift bestellen, in dem der Aufsatz erschienen ist, aber nicht direkt den Aufsatz. Unselbständige Quellen sind also Teil einer anderen Quelle. Sie sind unselbstständig, weil sie ohne das größere Werk (als Trägermedium sozusagen) nicht existieren würden. Ein Buchkapitel kann ohne Buch nicht erscheinen, ein Zeitschriftenaufsatz nicht ohne die Zeitschrift.

Bei Online-Quellen trägt die Logik auch. In der Regel gibt es eine Website (=Publikationsort im Web, also Trägermedium), die aus mehreren Seiten ("Webseite", nicht identisch mit engl. Website) besteht. Auf einer Seite kann auch z.B. eine doc- oder pdf-Datei stehen. Die einzelne Seite ist eine unselbstständige Quelle, die ohne die Website nicht erschienen wäre.

Unselbstständig? Dann zwei Quellen angeben, nicht nur eine

Praktisch heißt das: Wenn Sie eine unselbstständige Quelle im Literatur- oder Quellenverzeichnis belegen, müssen Sie zwei Quellen angeben. Nämlich Autor und Titel der unselbstständigen Quelle UND Herausgeber (eines Sammelbandes mit mehreren Aufsätzen) und Titel bzw. bei einer Zeitschrift nur der Titel derselben (ohne Hrsg. oder Verlag) und sonstige Angaben zur selbstständigen Quelle, mit denen Sie präzisieren, wo genau die unselbstständige Quelle zu finden ist.
Beispiel in unterschiedlichen Zitationsstilen zum Vergleich:
APA-Zitationsstil:
Kersting, N. (2004). Briefwahl im internationalen Vergleich. Österreichische Zeitschrift für Politikwissenschaft, 33(3), S. 341-358.
Chicago-Zitationsstil:
Kersting, Norbert. „Briefwahl im internationalen Vergleich.“ Österreichische Zeitschrift für Politikwissenschaft, 2004: 341-358.
MLA- und Turabian-Zitationsstil:
Kersting, Norbert. „Briefwahl im internationalen Vergleich.“ Österreichische Zeitschrift für Politikwissenschaft 2004: 341-358.
ISO690-Zitationsstil:
Kersting, Norbert. 2004. Briefwahl im internationalen Vergleich. Österreichische Zeitschrift für Politikwissenschaft. 2004, Bd. 33, 3, S. 341-358.

Kersting ist hier der Autor der unselbstständigen Quelle. Es ist ein Aufsatz in einer Zeitschrift. Dessen Titel steht hier nicht kursiv. Die selbstständige Quelle ist die ÖZP. Ihr Name ist kursiv gesetzt. Vorteil: In einem Quellenverzeichnis kann ich so besonders schnell sehen, welche Zeitschriften verwendet wurden.

"33(3)" heißt bei APA 33. Jahrgang (bzw. Band 33), Heft 3. Merke: Bei manchen Zitationsstilen werden Jahrgang und Heft angegeben, bei manchen nicht. Die Seitenzahlen kommen hinterher. Der ganze letzte Teil ist nur dazu da, dass der Nutzer die unselbstständige Quelle schnell finden kann. Wenn ich nur diese Information hätte:
Kersting, N. (2004). Briefwahl im internationalen Vergleich.
...dann müsste ich ziemlich lange suchen, vielleicht fände ich das "Trägermedium" gar nicht.Wenn ich nur diese Information hätte:
Kersting, N. (2004). Briefwahl im internationalen Vergleich. Österreichische Zeitschrift für Politikwissenschaft.
...dann könnte ich immerhin im Jahresregister der ÖZP nachsehen, in welcher der jährlich vier Ausgaben der Aufsatz erschienen ist. Das geht heute fix online, früher musste man richtig lange in dicken Registerbänden blättern oder Fachbibliographien wälzen.

Manche Zitationsstile verzichten auf die Jahrgangs- und Heftangabe, wenn (a) das Jahresdatum und (b) die Seitenangaben vorhanden sind -- den wissenschaftliche Zeitschriften haben die Eigenart, meist die Seiten eines ganzen Jahrgangs durchzunummerieren (die Seitenzahlen des 2. Heftes beginnen dort, wo die des 1. Heftes aufhören).

Den Computer die Quellen verwalten lassen

Trotz allem: Um dem Nutzer mühselige Ergänzungsrecherchen zu ersparen, gilt es, alle bibliographischen Angaben präzise anzugeben. Damit man keine vergisst und alles richtig formatiert wird (mit Punkten, Kommata, Klammern und auch Kursivschrift), ist es sinnvoll, ein Literaturverwaltungsprogramm oder die Quellenverwaltung von Word zu nutzen. Dann sortiert und listet der Computer alles so, wie es der gewählte Zitationsstil vorgibt. (Vorausgesetzt, die Eingaben sind richtig.)

Mehr zu verwandten Themen in den
Rubriken "Quellen", "Literaturverwaltung" und "Zitieren"

Blogposts

24. Juni 2012

Rubriken fürs Quellenverzeichnis: Warum die Rubrik "Internetquellen" Unsinn ist - Alternativen

Quellenverzeichnisse sind oft schlicht alphabetisch nach Autor geordnet - manchmal auch nach Datum (Vancouver Style). Nun sind Quellen aber nicht gleich Quellen. Zwischen einer wissenschaftlichen Monographie und einem Blog-Post liegen Welten. Daher empfehlen viele Ratgeberwerke, das Quellenverzeichnis in Rubriken zu ordnen. Dafür spricht viel.

In studentischen Seminararbeiten gibt es allerdings oft nur zwei: "Bücher" und "Internetquellen". Das ist dann meistens Unfug.

Was passiert ist: Der Student hat sich 2-3 Bücher aus der Bibliothek geholt und den Rest online recherchiert. Gedruckte Fachzeitschriften oder sonstiges Druckwerk hat er gar nicht erst angesehen. Alles, was "im Internet" zu finden war, kommt nun in die Kategorie "Internetquellen". Die Rubrik umfasst dann aber meistens so ziemlich alles, was es so gibt unter der Sonne. Die Quellentypen haben überhaupt nichts gemeinsam -- außer dass sie "im Internet" sind.

Alles im selben Topf: Wissenschaftliche Fachzeitschriften-Aufsätze, Buchexzerpte aus GoogleBooks, Berichte und Studien, Konferenz- und Symposienbeiträge, Amtliches und Halbamtliches, Gesetzestexte und Gerichtsurteile, Artikel aus journalistischer Presse und Rundfunk, Unternehmens- und Verbände-Publikationen, Lexika, Statistiken, Datensätze, Videos und diverse Social-Media-Beiträge, was auch immer.

Genauso gut hätte der Student als Rubrik "Diverse Quellen und Allerlei" drüber schreiben können. Was natürlich nicht der Sinn der Rubrizierung ist.

Vor langer, langer Zeit war alles einfacher. Ein Buch war ein Buch, eine Zeitschrift eine Zeitschrift usw. Das Gedruckte dominierte die akademische Welt, und wenn man "graue Literatur" (also alles, was nicht Buch, Fachzeitschrift oder Presse war) zitierte, war das schon gewagt. Dann auch noch "Internet" zu zitieren, war etwas funky. Aber in jedem Fall die Ausnahme. Und "Internet", das hieß im Wesentlichen: simple HTML-Websites.

Heute gibt es praktisch jeden Quellentyp "im Internet". Zumindest aber, wenn nicht im freien Oberflächen-Internet im "Deep Web" verfügbar, jedenfalls in digitaler Form, vom E-Book in der Unibibliothek bis zum Fachzeitschriften-Aufsatz in der Datenbank eines wissenschaftlichen Verlags. Alles online abrufbar.

Also ist es sinnvoll, die Quellen nicht danach zu sortieren, ob sie digital sind oder nicht, sondern nach dem eigentlichen Charakter und Zweck der Quelle. Im Regelfall ist die formale Trennung immer noch so (davon ausgehend, dass alle digital und "im Internet" abrufbar sein können):
  • Bücher, 
  • periodische Werke (Fachzeitschrift, Zeitschrift, Zeitung, Newsletter usw.), 
  • "graue Literatur" (z.B. einzelne Forschungsberichte von Instituten, Veröffentlichungen staatlicher Stellen, von Unternehmen, Verbänden, Berufsorganisationen, kommerzielle und nichtkommerzielle Organisationen verschiedener Art -- bis hin zu Broschüren, Handzetteln oder gar Plakaten),
  • Beiträge zu Konferenzen, Tagungen, Symposien
  • Rechtsmaterialien
  • Sonstige Quellen (z.B. einfache Texte auf Websites, Film/Video/TV-Beiträge, unveröffentlichte Manuskripte, Online-Communities usw.)
Literaturverwaltungsprogramme (ob die eingebaute bei MS Word oder eine Extra-Software wie z.B. Citavi) sind da schon mal eine Hilfe: Sie zwingen dazu (oder ermöglichen es), vorgegebene Quellen-Kategorien auszuwählen.

Was davon genau nach wissenschaftlichem Standard zitierfähig und zitierfähig ist, sei jetzt einmal dahingestellt. Sinnvoll kann es sein, in Rubriken wissenschaftliche Literatur von nichtwissenschaftlichen Quellen zu trennen. Oder auch Primär-, Sekundär- und Tertiärquellen.

Was sonst noch zu trennen ist, hängt davon ab, woraus mein Quellenuniversum besteht.

Beispiel: In einer Seminararbeit zur Energiepolitik benötige ich diverse Artikel aus praxisnahen Fachmagazinen, Regierungs- und Parlamentsdokumente sowie amtliche Statistiken, Materialien von Verbänden der Energiewirtschaft, Materialien von sonstigen "Experten" -- die kommen von einer Unternehmensberatung, von Umwelt- oder Verbraucherorganisationen; und in einigen Blogs finde ich auch noch etwas.

All das ist zweifellos nach Charakter und Zweck anders als wissenschaftliche Bücher und Aufsätze. Sie bilden nicht nur Grundlagenliteratur, sondern sind Forschungsgegenstand. Im Fließtext behandle ich diese Quellen klar anders als die Ergebnisse akademischer Forschung. Im Quellenverzeichnis kann es sinnvoll sein, diese unterschiedliche Wertung durch Rubriken sichtbar zu machen. Z.B. "Amtliche Veröffentlichungen und Veröffentlichungen politischer Institutionen", "Veröffentlichungen von Interessengruppen", "Nichtakademische Fachpresse" und dergleichen. Dreht sich meine Arbeit ums Marktgeschehen, will ich möglicherweise nach Marktteilnehmern (kommerziellen Organisationen) und Nichtmarktteilnehmern (nichtkommerzielle Organisationen, sonstige Experten) trennen.

Geht man so vor, wird klar, dass es keine "One-size-fits-all"-Rubrikenkennung geben kann, es ist vom Inhalt der Arbeit abhängig. Rubriken muss man sich also passend selbst schaffen, statt auf ein "Schema F" zu hoffen.

Aufwändig? Ja, klar. Das ist nicht nur eine intelligente Vorgehensweise, sie zeigt auch, dass der Autor sehr quellenkritisch ist und Informationskompetenz zeigt. Und das dürfte dem begutachtenden Dozenten bestimmt ein paar Bonuspunkte wert sein.

29. Mai 2012

Internetquellen richtig angeben

Wie ist eine Online-Quelle zu belegen, bei der kein Autor zu identifizieren ist? Dass die üblichen Zitieranleitungen bei Internetfragen manchmal konfus sind, treibt Studenten oft die Tränen in die Augen. Dabei ist es (eigentlich) gar nicht so schwer. So auch bei dieser Frage:

"Ich habe eine Quelle, die heißt www.danmarkshistorien.dk. Reicht es aus, wenn ich diesen URL-Name in Klammern hinter den Abschnitt setze? Sobald ich den Link abspeichere über Citavi [Literaturverwaltung], wird mir auch auf manchen Seiten angezeigt, wann die Internetseite zum letzten Mal bearbeitet wurde. Sollte ich dann besser schreiben (www.danmarkshistorien.dk, 2011) ? Autoren habe ich leider nie zur Stelle, weil es sich meist keine Zeitungsartikel sind. Bei verwendeter Literatur kommt der komplette URL-Name inklusive Datum und am Besten noch die Zeit, wann ich die Seite zum letzten Mal geprüft habe." (Anmerkung: Verwendet wird APA-Zitationsstil mit Im-Text-Kurzbeleg vorn und Langbeleg im Quellenverzeichnis hinten in der Arbeit.)

Grundsätzlich: URLs gehören niemals in den Kurzbeleg, sondern als Fundstelle hinten in den Langbeleg. Gefordert ist im Kurzbeleg also immer der Name des Autors, alternativ des Herausgebers oder des Mediums.

Nun scheint der Name der Website aber identisch mit der Domain-URL zu sein:


Danmarkshistorien.dk heißt die Website, also das Medium (das www ist verzichtbar, denn das ist kein spezifischer Namensbestandteil). Sie könnten diesen Namen des Mediums anstelle des Autoren-/Herausgebernamens verwenden. Das ist durchaus üblich, so wie Sie z.B. auch einen Zeitschriftentitel anstelle eines Autors verwenden könnten, wenn Sie bei einem Zeitschriftentext keinen Autor identifizieren können.

Wenn Sie allerdings die Seite hinunterscrollen, sehen Sie, wer tatsächlich der Herausgeber von Danmarkshistorien.dk ist: nämlich Aarhus Universitet (Institut for Historie og Områdestudier). Das ist also die Alternative. Steht diese Angabe nicht gleich auf der Hauptseite, findet man sie im Impressum.



Beachten Sie bitte, dass Danmarkshistorien.dk nur die Domain ist. Dahinter befinden sich Hunderte von Einzelseiten

Wahrscheinlich möchten Sie einen Artikel von einer dahinter liegenden Einzelseite zitieren. Im Langbeleg müssen Sie dann auch die präzise URL als Fundstelle angeben, damit der Leser den verwendeten Artikel auch direkt wiederfinden kann. Also z.B. für den Lexikonartikel "Christian 2's eftermæler i Sverige og Danmark" die URL http://danmarkshistorien.dk/leksikon-og-kilder/vis/materiale/christian-2s-eftermaeler-i-sverige-og-danmark/.


Bleibt noch die Frage nach dem Datum. Im besten Fall ist auf der Einzelseite angegeben, wann der Artikel erstellt bzw. zuletzt bearbeitet wurde. Beim o.g. Artikel über Christian II. findet sich diese Angabe rechts unten: "Sidst redigeret 09.05.2012" (deutsch: zuletzt geändert am 09.05.2012). Wenn sich eine solche Angabe nicht finden lässt, können Sie entweder zu "o.D." greifen, also "ohne Datum" (das ist die saubere Variante) oder, wenn Sie die Seite 2012 abrufen, auch "2012", davon ausgehend, dass sie ja 2012 so im Netz zu finden ist.


Webtext-Ausschnitt
Dort rechts unten steht übrigens auch der Verfasser des Artikels über Christian II, nämlich: "Forfatter(e) Martin Alm". Womit dann auch das Hauptproblem gelöst wäre. Schließlich findet sich hier auch, wer als Herausgeber genannt werden soll: "Udgiver danmarkshistorien.dk" (also nicht Aarhus Universitet).

Ergebnis: Wenn der Martin Alm als Autor (Kurzbeleg: Alm, 2012) nicht ersichtlich wäre, würden Sie nach APA im Fließtext belegen: 
"Blah, blah blah blah" (Danmarkshistorien.dk, 2012) 

Und im Langbeleg des Literaturverzeichnisses:
Danmarkshistorien.dk. (9. Mai 2012). Christian 2's eftermæler i Sverige og Danmark. Abgerufen am 29. Mai 2012 von Danmarkshistorien.dk: http://danmarkshistorien.dk/leksikon-og-kilder/vis/materiale/christian-2s-eftermaeler-i-sverige-og-danmark/



Je nach Literaturverwaltungsprogramm und gewünschter Konvention könnte der höheren Präzision halber auch eine Uhrzeit des Abrufs angegeben werden. Im Allgemeinen ist aber das Tagesdatum akzeptabel.


Im Kurzbeleg soll nur das Erscheinungsjahr auftauchen, keine Tages- und Monatsdaten. Wenn Sie mehr als einen Artikel aus Danmarkshistorien.dk zitieren, sortieren Sie die Artikel nach Datum und legen dann als Jahr fest: 2012a, 2012b, 2012c...

29. Januar 2012

Bildquellen und Abbildungsverzeichnis

Eine Studentin fragt nach der richtigen Belegweise für Abbildungen nach APA (Zitationsstil und Formatierungsweise): "Ich habe 2 Abbildungen in meinem Paper. Benötige ich dafür ein extra Abbildungsverzeichnis oder soll ich die Quelle direkt unter die Grafiken schreiben?"

Hier geht es eigenlich um drei Dinge: Abbildungsverzeichnis, Bildunterschriften und Quellenverzeichnis. 

Ein Abbildungsverzeichnis ist kein Quellenverzeichnis. Die klassische Variante dient dem schnellen Überblick über alle Abbildungen, darum steht es als Service für den Leser in der Regel vorn. Sein Inhalt sind die Auszeichnungen der Abbildungen, sprich die Bildunterschriften (ggf. verkürzt).

Bei nur zwei Abbildungen im ganzen Paper erscheint mir ein Abbildungsverzeichnis allerdings verzichtbar.

Jede Abbildung muss eine Bildunterschrift haben. Sie gibt kurz den Inhalt der Abbildung an, ggf. erläutert sie Details, um das Verständnis zu erleichtern. Da Abbildungen normalerweise im Text aufgegriffen und erklärt werden, sollte dies aber nicht zu lang ausfallen. Und schließlich wird hier die Quelle der Abbildung benannt, bei APA aber nur als Kurzbeleg (z.B. "Müller, 2009, S. 26"). Das Grundprinzip bei APA ist: Kurzbeleg im Text vorn, Vollbeleg mit allen bibliographischen Angaben hinten im Anhang. Genauso macht man es auch bei Abbildungen.

Egal, ob es ein Abbildungsverzeichnis gibt oder nicht, die Quellen der Abbildungen müssen in jedem Fall belegt werden. Quellen gehören immer in das Quellenverzeichnis. Es ist für das Quellenverzeichnis unerheblich, ob man aus der jeweiligen Quelle Buchstaben, Zahlen oder Bilder zieht. Meist ist es ja ohnehin so, dass die Abbildungen aus Quellen stammen, die auch im Text zitiert werden. Ein separates Quellenverzeichnis nur für Abbildungen wäre dann Doppelmoppel.

28. Juli 2011

"Vgl." - eine seltsame Zitiermarotte

Vgl. heißt: Vergleiche. Viele Studenten belegen ihre Quellen so: "Vgl. Müller 2009, S. 12". Sie machen ds so, weil sie es auch bei ihren Profs und in Büchen sehen. Aber eigentlich ist das "Vgl." meistens Unsinn: Da gibt es gar nichts zu vergleichen. Entweder es ist ein Quellenbeleg, dann gehört da kein "Vgl." hin; oder es ist keiner, dann ist auch der ganze Beleg überflüssig. Eine Reihe von Politikern ist damit aufgefallen, schlampig zitiert zu haben, und dabei spielte auch ein sehr liberales Verwenden von "Vgl." eine Rolle -- weil das "Vgl." scheinbar erlaubt, großzügig mit den Originalquellen umzugehen, statt präzise zu zitieren.

In einem Interview mit der Zeit bringt der Bonner Jura-Professor Wolfgang Löwer das Problem auf den Punkt:

ZEIT: Warum reicht dann die Formulierung »Vergleiche Professor X« nicht aus?

Löwer: Weil diese Formulierung nichts erklärt. »Vergleiche« heißt: Lieber Leser, du kannst bei Professor X Weiteres zum Thema lesen. Wenn meine Studenten in einer juristischen Prüfungsarbeit »Vergleiche« schreiben, notiere ich am Rand immer: »Warum geben Sie mir Leseempfehlungen? Ich möchte Belege.«

ZEIT: Sie selbst schreiben niemals »Vergleiche«?

Löwer: Doch, zum Beispiel in Beiträgen für ein Handbuch oder Lexikon, die funktionsgemäß bekanntes Wissen zusammenfassen. Da setzt man einmal eine Fußnote mit der wichtigsten Literatur. Ein guter Wissenschaftler erstellt dann jedoch keine Collage aus den verschiedenen fremden Texten, sondern schreibt seinen Artikel, ohne die Sprachgestalt der angegebenen Literatur zu benutzen. Dadurch entfernt er sich sprachlich von den Schriften seiner Kollegen und schafft etwas Eigenes.
Quelle: Spiewak, M. (2011, 14. Juli). Vergleiche? Belege! Die Zeit 29, online auf http://www.zeit.de/2011/29/B-Loewer-Interview [28. Juli 2011].

26. Juni 2011

Alle Internetquellen im Anhang dokumentieren?


Eine Studentin fragt entsetzt: "Ist es wahr, dass wir die Internetquellen noch in irgendeiner Form mit dazu geben müssen? Ich habe 4 Seiten Literaturverzeichnis mit Berichten, die teilweise 400 Seiten lang sind. Das kann ich ja nicht alles hinten ran hängen."

In der Tat, das wäre Quatsch und ist auch nicht mehr Usus. Es gibt aber ein paar allgemein akzeptierte Wege, wie man trotzdem sinnvoll dokumentiert.

Zunächst ein kurzer Blick darauf, woher die oftmals gehörte Ansage kommt: Internetquellen können sich oftmals schnell verändern. Sie sind dann also in der zitierten Form nicht mehr verfügbar. Und Nachvollziehbarkeit der Quellen gehört ja in wissenschaftlichen  Arbeiten zum "Muss".

Ursprünglich - also in der Steinzeit, als es noch kein Internet gab und stark behaarte Menschen in Höhlen wohnten - war es so, dass Wissenschaftler fast ausschließlich Bücher und Zeitschriften auswerteten, die in Papierform von Verlagen, Bibliotheken und Archiven eingelagert und bei Bedarf verfügbar gemacht wurden. Damit war die "Zitierfähigkeit" formal gesichert. Wenn ein Autor andere Quellen der sogenannten "Grauen Literatur" (oder auch "flüchtigen Literatur") verwenden wollte, etwa ein Flugblatt, in kleinen Auflagen im Selbstverlag gedruckte Schriften oder Arbeitspapiere eines Instituts, interne Firmenunterlagen oder andere unveröffentlichte Dokumente, galt die Regel, dass diese mangels öffentlicher Verfügbarkeit möglichst im Anhang eines Werkes abgedruckt werden sollten. Denn sonst hatte der Leser ja gar keine Chance, die Originalquellen selbst zu sichten. Das wurde nie konsequent durchgehalten, aber es gab immerhin eine besondere Verantwortung des Autors, die nicht über die üblichen Wege verfügbare Literatur (Buchhandel, Bibliotheken, Archive) auszuweisen und z.B. wenigstens Bezugsadressen zu nennen.


In diesem Verständnis ist jede Website "graue Literatur". Im Internet kommt das besondere Problem der Flüchtigkeit hinzu: Websites ändern sich oft schnell. Das beste Beispiel dafür ist die Wikipedia (siehe Blogbeitrag "Quelle Wikipedia - verboten oder erlaubt?") und andere Formen des interaktiven Web 2.0.


Die Langzeitarchivierung von Internetquellen ist ein globales Problem. Es gibt auch kein umfassendes Internet-Archiv, in dem alle einmal publizierten Seiten gespeichert werden (trotz einzelner Archive wie www.archive.org). Viele Internetquellen "verschwinden" einfach sehr plötzlich.


Formal kann man sich im Quellenverzeichnis absichern, indem man einem Nachweis eine Angabe darüber anhängt, wann der Zugriff erfolgte ("Zugriff am 27. Juli 2011 um 15.34 Uhr"). Das hilft dem Leser zwar nicht weiter, wenn die Quelle verschwunden ist, aber zumindest zeigt der Autor, auf welche Version er verweist. 


Hilfreich sind hier PermaLinks, also permanente, dauerhafte Hyperlinks (von permanent und hyperlink). Wikipedia weiß, ein PermaLink
"ist ein dauerhafter Identifikator in Form einer URL. Normale URLs werden oft geändert, so dass darüber abrufbare Inhalte nicht mehr oder nur unter einer anderen Adresse verfügbar sind. Verweise auf diese URL werden entweder zu toten Links oder zeigen plötzlich auf andere Inhalte; bei der Einrichtung eines Permalinks wird dagegen angestrebt, die einmal über ihn referenzierten Inhalte dauerhaft und primär über diese URL verfügbar zu machen."
Gleich das Beispiel dazu: Den Artikel habe ich unter http://de.wikipedia.org/wiki/Permalink abgerufen. Der unten auf der Seite angebotene PermaLink dafür lautet aber http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Permanentlink&oldid=63856327 ("Wikipedia-Permanentlink auf die Version dieses Artikels vom 28. August 2009 um 10:57 Uhr"). Wie man sieht, gibt es bereits Unterschiede zwischen dem Text, der im PermaLink für den 28. August 2009 dargestellt wird, und dem Text zum Zeitpunkt, in dem ich diesen Artikel schreibe. Der tatsächliche PermaLink zur jetzigen Situation ist woanders zu finden, nämlich in der Rubrik "Werkzeuge" unter "Permanenter Link" oder "Seite zitieren": http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Permanentlink&oldid=88401665


Wer also Wikipedia unbedingt zitieren möchte, sollte das ausschließlich mit dem PermaLink und Angabe der Versionsdaten tun. Leider haben nicht alle Websites so komfortable PermaLinks und Zitierhilfen!



Welchen Aufwand man betreiben muss, um - auch für die eigene Recherche und Archivierung - das Wiederauffinden zu sichern, hängt von der Website ab
  • Bei den meisten privaten und Firmen-Seiten (z.B. Nachrichtenportale) ist grundsätzlich davon auszugehen, dass diese sich jederzeit ändern können, eine zitierte URL also schnell mal ins Nichts führen kann. Das gilt ganz besonders für dynamisch erzeugte Seiten, die also nicht statisch sind (klassischer HTML-Text), sondern ständig aktualisiert werden oder erst erzeugt werden, wenn ein User etwas aufruft. Bei vielen kommerziellen Nachrichtenangeboten ist es zudem so, dass Artikel entweder erst frei verfügbar sind und dann in ein passwortgeschütztes Archiv kommen, oder umgekehrt erst in einer Rumpfversion publiziert werden und dann nach einer Frist im Volltext verfügbar gemacht werden.
  • Bei den meisten amtlichen und wissenschaftlichen Dokumentenservern ist dagegen von einer gewissen Ewigkeitsgarantie auszugehen - auch Jahre später sollten Dokumente noch auf derselben Stelle zu finden sein. Aber auch hier sind Änderungen und Verschiebungen nie auszuschließen.
Für sich selbst kann man Websites auf der eigenen Festplatte abspeichern. Hilfreich sind auch Wissensmanagement-Helfer wie Zotero (www.zotero.org), die ein Abbild der Seite speichern. Zumindest könnten Sie einem misstrauischen Gutachter Ihrer Hausarbeit auf Nachfrage beweisen, dass es die Seite einmal gab, wenn sie verschwunden sein sollte.


Für den externen Leser gibt es keine perfekte Lösung. Sie könnten in der Tat alles ausdrucken und Tausende Seiten in den Anhang Ihrer Thesis einfügen, aber das macht kein Mensch. Außer Wissenschaftlern, die richtige Dokumentationsbände publizieren.

11. Januar 2011

Literatur- und Quellenverzeichnis

"Was gehört in ein Literatur- oder Quellenverzeichnis?", fragt eine Studentin.

Fangen wir mal damit an, was nicht hineingehört. Ein solches Verzeichnis ist keine Leseliste, keine Aufzählung aller möglichen Werke, die etwas mit dem Thema zu tun haben; und auch keine Liste aller Literatur, die die Autorin gelesen oder durchgesehen oder einfach nur "gefunden" hat.

Das Verzeichnis listet ausschließlich die tatsächlich verwendeten, d.h. die in einer Arbeit (direkt oder indirekt) zitierten Quellen auf. Oder anders herum formuliert: Was nicht im Verzeichnis steht, darf man im Text der Arbeit auch nicht verwenden.


Auf Englisch wird ein solches Verzeichnis daher mit "References" überschrieben. Das sind also alle Bezugsstellen, auf die eine Autorin verweisen muss, weil sie sie irgendwo verwendet hat.

Wer keine Fußnoten mit vollständigen bibliographischen Angaben (Vollbeleg) verwendet, sondern Im-Text-Zitation mit Kurzbeleg (z.B. Müller, 2006, S. 34), muss zwingend ein solches Verzeichnis haben. Denn Kurzbelege sind nur ein Verweis aufs Literatur- und Quellenverzeichnis. Fußnoten mit Vollbelegen enthalten dagegen alle Infos über die Quelle. Gewöhnlich wird aber auch in einer Arbeit mit Fußnoten-Vollbelegen ein Verzeichnis verlangt. Die Quellen wurden zwar schon belegt, sie liegen dann zwar doppelt vor, das Verzeichnis ist aber auch eine übersichtliche Darstellung der recherchierten, verwendeten Quellen. Das erleichtert dem Leser bzw. Gutachter die Beurteilung der Gesamtquellenbasis.

Selbstverständlich ist, dass Quellenbelege in der Arbeit (egal, ob Kurz- oder Vollbeleg) und hinten im Verzeichnis identisch sein müssen. Daher unbedingt auf Jahreszahlen, Schreibweisen, Seitenangaben usw. achten.

Wer ausschließlich mit Literatur arbeitet, kann das Verzeichnis "Literaturverzeichnis" nennen. Es gibt aber auch Quellen, die keine Literatur sind. Dann ist die Bezeichnung "Literatur- und Quellenverzeichnis" besser. Oder einfach "Quellenverzeichnis", das trifft beides.

Manchmal bietet es sich an, die Quellen nach Rubriken zu ordnen, z.B. Lehrwerke, Aufsätze, Presseartikel u.a. Das ist allerdings nur selten wirklich notwendig und erleichtert auch nicht gerade das schnelle Nachschlagen von Kurzbelegen. Sinnvoll ist das Trennen vor allem dann, wenn Sie viele Originaldokumente (Primärquellen) verwendet haben, z.B. Pressemitteilungen von Unternehmen oder parlamentarische Drucksachen. Gesetzestexte und Gerichtsurteile werden normalerweise separat aufgelistet.

Eher eine Unsitte ist die Rubrik "Internetquellen". Vor einem Jahrzehnt war das vielleicht noch sinnvoll, als Studenten nur gelegentlich etwas aus dem Web zogen. Heute wird eine Vielzahl von Quellen aus dem Netz gefischt. Unter der Rubrik "Internetquellen" finden sich dann Unmengen von Quellen, die nichts miteinander gemein haben außer der Fundstelle Internet. Darunter sind dann sowohl Zeitschriftenaufsätze als auch Google-Books-Ausschnitte oder reine Internetseiten oder Datenbankabfragen oder Online-Ausgaben von Zeitungen. Das ist nicht sinnvoll, man sollte auf die Rubrik verzichten und die Internetquellen anders einordnen (oder eben gar nicht rubrizieren).

Wesentlich für ein Literatur- und Quellenverzeichnis ist, dass die bibliographischen Angaben vollständig sind. Dafür gibt es klare Regeln (Zitationsregeln), wobei diese bei unterschiedlichen Zitationssystemen leicht voneinander abweichen. In manchen wird z.B. bei Büchern der Name des Verlags nicht verlangt; bei manchen ist bei Zeitschriften nicht nötig, den genauen Jahrgang und die Heftnummer anzugeben. Seitenzahlen von Artikeln in Zeitschriften oder Aufsätzen von Sammelbänden/Herausgeberwerken sind im Verzeichnis stets vollständig zu nennen, also nicht S. 22ff., sondern S. 22-31.

Verzeichnisse werden alphabetisch angeordnet, und zwar nach Nachnamen des Autors. Das zweite Ordnungsmerkmal ist das Erscheinungsdatum. Gibt es mehrere Werke eines Autors mit identischem Erscheinungsjahr, müssen Sie Kleinbuchstaben anfügen (2010a, 2010b, 2010c usw.).

17. Dezember 2010

Zitat- und Literaturverwaltung mit Word

Für die Quellenverwaltung und einheitliche, fehlerfreie Zitierformate gibt es nichts Besseres als ein ordentliches Literaturverwaltungs-programm, und davon gibt es – auch kostenlos – viele (z.B. Basisversion Citavi, WibTex, Lit-Link, JabRef, Bibliographix, LiteRat, Biblioexpress, u.a.). Zu den altbekannten gesellen sich neuerdings Browser-gestützte, auch Web 2.0-fähige Programme wie Zotero. 

Aber: Für kleinere Belegarbeiten und Projekte reicht dagegen meistens die kleine Lösung, nämlich über die eingebauten Funktion in der Textverarbeitung. Hier geht es speziell um das meist verwendete MS Word 2007 / 2010 (OpenOffice bietet aber ebenfalls eine Literaturverwaltung).

Im Menüreiter "Verweise" (Abbildung links) findet sich die Funktionsrubrik "Zitate und Literaturverzeichnis". Das wichtigste Feature ist zunächst einmal der "Quellen-Manager", eine Art Masterquellenliste. Hier müssen die bibliographischen Daten erfasst werden (Autor, Titel usw.). Die Verzeichnisfelder unterscheiden sich nach Quellenart (Buch, Buchabschnitt, Zeitschriftenaufsatz, Zeitungsartikel, Webdokument u.a.). Wichtig: Öffnen Sie ggf. "Alle Literaturverzeichnisfelder anzeigen", um zusätzliche Infos einzugeben.

Neu angelegte Quellen werden im linken Feld angezeigt (Abbildung links, Feld 1 - Masterliste). Die Masterliste kann man auch für andere Texte verwenden, z.B. für eine weitere Belegarbeit.

Zitieren Sie eine Quelle, wird sie ins Feld 2 (Aktuelle Liste) kopiert. Das ist sozusagen das Protokoll aller tatsächlich verwendeten Quellen. (Während der normalen Textarbeit muss der Quellen-Manager nicht geöffnet sein.)

Im Quellen-Manager wird im Fenster unten zudem eine Vorschau auf das Im-Text-Zitat (Feld 3) und auf den Eintrag im Literaturverzeichnis (Feld 4) gegeben.

Sie können also auch die "Optik" leicht kontrollieren. Gerade die richtige Formatierung treibt vielen Studenten den Schweiß auf die Stirn – aber Word übernimmt die nervige Aufgabe und sichert die Einheitlichkeit sowohl beim Zitatbeleg als auch bei der Erstellung des Quellenverzeichnisses am Schluss der Arbeit. So sollte eigentlich nichts schiefgehen, vorausgesetzt, die Daten wurden vollständig erfasst (sonst gilt das alte Computer-Motto: "Garbage in, garbage out").

Die Minimalanforderung in studentischen Arbeiten ist, dass ein einheitliches, konsistentes System für die Zitation benutzt wird. Das Problem ist gelöst, jedoch noch nicht die Frage, nach welchen Richtlinien (Zitationsstil) formatiert wird.

Word bietet von Haus aus 8 verschiedene Formatvorlagen, also Zitationsstile, an (siehe Abbildung), teilweise in 2 Varianten.

Wenn Sie den Zitationsstil für alle Quellen wechseln müssen/wollen, ist das mit ein paar Klicks getan. Sie müssen also nicht mehr auf Web-Helferlein wie CitationMachine, EasyBib o.ä. zurückgreifen. So weit, so gut.

Doch zeigt sich, dass Word eben kein vollwertiges Literaturverwaltungsprogramm ist. Erstens ist die Vorauswahl der Quellenarten eingeschränkt, zweitens: Wo Citavi & Co Hunderte Zitationsstile zur Auswahl anbieten, sind es hier nur wenige. Sie zu ergänzen, ist mit "Stylesheets" (XLS) möglich, aber eine Fummelei für computeraffine Bastler. Da bietet Microsoft kaum Service.

Für deutsche Studenten (und Professoren) ist die Auswahl nicht so erfreulich, denn die internationalen Zitationsstile sind noch längst nicht überall Standard. Hier heißt es, von alten deutschen Gewohnheiten Abschied zu nehmen – oder verzichten. 

Aus den USA importiert, werden die auch in Europa inzwischen weitverbreiteten Zitationsstile APA, Chicago/Turabian und MLA bei Word mitgeliefert. Außerdem ISO 690 (International Standardization Organization, das internationale Gegenstück zu DIN). Daneben bietet Word Standards aus Russland (GOST), China (GB7714) und Japan (SIST02), was allerdings in Deutschland nicht in Frage kommt.

DIN1505, Duden oder gar deutsche juristische Zitationsstile sucht man vergeblich. Solange dem betreuenden Professor der Zitationsstil egal ist, kein Problem. Wird aber ein spezieller verlangt, der bei Word nicht eingebaut ist, bleibt nichts anderes übrig, als entweder (a) umständlich XLS-Stylesheets zu erstellen oder, wohl häufiger, (b) das automatisch erstellte Literaturverzeichnis hinterher per Hand umzubauen, und die Zitatformatierung möglicherweise ebenfalls. Das ist natürlich nicht der Sinn der Sache!

Wenn es also absehbar mit dem Zitationsstil Probleme mit dem Betreuer geben könnte: Erstens mit dem Professor sprechen, ob dieser einen der Word-Zitationsstile akzeptiert; und wenn nicht, zweitens doch darüber nachdenken, ein externe Literaturverwaltung zu verwenden. Schnittstellen zu Word sind überall eingebaut, so dass sich die Daten leicht exportieren lassen. Die Bequemlichkeit der integrierten Word-Literaturverwaltung ist dann aber dahin.
Angesichts der Beschränkungen in Word sollte man bei größeren Projekten auf jeden Fall über reguläre Literaturverwaltungsprogramme nachdenken. Sie sind recht leistungsfähig, vielseitig und auch für Computeramateure recht schnell und einfach bedienbar. Für Abschlussarbeiten mit viel Literatur und sonstigen Quellen ist das ein wichtiges und eigentlich kaum noch verzichtbares Hilfsmittel – insbesondere deshalb, weil sich nicht nur die bibliographischen Daten, sondern auch Zitate, Anmerkungen und vieles mehr managen lassen (d.h., man kann effektiv im eigenen Rechercheschatz suchen, das spart viel Zeit). Aus Tausenden Bibliotheksdatenbanken lassen sich online vollständige Datensätze einlesen. Anderswo heruntergeladene Volltext-PDF lassen sich einbauen. Auch bei den Ausgabeformaten hat man eine große Auswahl. Undundund.

    Zitierfibel für Juristen

    Wenn es ums Zitieren geht, haben's Juristen besonders schwer: Sie machen es nicht nur anders als die meisten anderen Wissenschaften, es gibt keinen nationalen, geschweige denn einen internationalen Standard. Geschriebene Anleitungen: Fehlanzeige. In den meisten Literaturverwaltungsprogrammen (z.B. Citavi) ist die "juristische Zitierweise" auch ein Stiefkind, bei Microsoft Word sucht man einen voreingestellten Zitierstil für Juristen vergebens.

    Immerhin ist seit 2007 bei C.H. Beck ein kleines Büchlein auf dem Markt, das die größte Not lindert: Die Zitierfibel für Juristen

    Verfasst haben es die Professoren Sharon Byrd (Uni Jena, Law & Language Center) und Matthias Lehmann (Uni Halle-Wittenberg) in Zusammenarbeit mit den Redaktionen der Jura-Ausbildungszeitschriften NJW und JuS.

    Es ist tatsächlich eine alltagstaugliche Fibel und kein Profi-Publikationshandbuch für alle Zweifelsfälle; auch bietet es keineswegs eine großangelegte Zitations-Systematik, sondern führt recht schlicht auf, wie die Praxis bei NJW, JuS & Co aussieht. Der Fokus liegt auf typischen Rechtsquellenarten, ausgelassen werden dagegen viele Quellen, die in anderen Wissenschaften eine weitaus größere Rolle spielen.