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23. November 2017

"Erste Hausarbeit" Lern-Videos zum wissenschaftlichen Arbeiten

Kompakt, solide gemacht und hübsch anzusehen: Sechs Lernvideos (deutsch/englisch) rund um Recherche, Informationsbewertung und Zitieren. Nicht nur für Wirtschaftswissenschaftler hilfreich, obwohl das Set vom ZBW Leibniz-Informationszentrum Wirtschaft stammt. Das sorgt sich nämlich um die Fähigkeiten der WiWi-Studierenden. In der Tat zeigt eine ZBW-Untersuchung mit Studierenden-Befragung ("Informationskompetenz bei Studierenden der Wirtschaftswissenschaften 2017"), dass es große Unsicherheiten gibt.
Die ganze Playlist auf YouTube...
Erste Hausarbeit 01: Warum brauche ich überhaupt gute Information?
Erste Hausarbeit 02: Wie suche ich (wissenschaftliche) Information und Fachaufsätze?
Erste Hausarbeit 03: Qualität von wissenschaftlicher Information beurteile
Erste Hausarbeit 04: Wie erkenne ich Fake News?
Erste Hausarbeit 05: Wie beschaffe ich wissenschaftliche Information?
Erste Hausarbeit 06: Wie zitiere ich richtig?

Weitere Online-Angebote der ZBW zum wissenschaftlichen Arbeiten

Entscheidungsbasiertes Tutorial Guided Walk 
mit den Modulen „Literatur suchen und bewerten“, „An den Volltext gelangen“ und „Richtig zitieren“: Erstmal einen Kaffee trinken? In Google suchen, aufgeben? Oder doch besser eine Fachdatenbank nutzen?

"Triple A statt Junk Bond" - Wie erkenne ich wissenschaftliche Journals? 

22. Juni 2014

"Zitiert nach" – Quellenbeleg aus zweiter Hand

Ein Student fragt: "Im Rahmen meiner Quellensuche und -analyse ist mir mehrfach aufgefallen, dass oftmals die Bücher/Autoren in den jeweiligen Fachbüchern auf andere Quellen verweisen oder auf anderen Quellen basieren. Hinzu kommt das oftmals sehr weit zurückliegende Publikationsjahr der zitierten Quellen. Meine Frage ist, ob ich im meinem Text immer die 'Ursprungsquelle' zitieren muss oder auch das mir vorliegende Fachbuch als Quelle nutzen kann?"

Wenn man das tut, dann IMMER mit der Angabe "zitiert nach", also z.B. Müller, 1985, S. 15, zitiert nach Meyer, 2009, S. 326 (und nicht einfach Meyer ohne Müller). Außerdem sind BEIDE Quellen mit vollständigen bibliografischen Angaben ins Quellenverzeichnis aufzunehmen, UND Müller ist auch im Quellenverzeichnis mit dem "zitiert nach" zu kennzeichnen.

Das ist, wohlgemerkt, nur eine Krücke – und sollte eine Ausnahme sein. Mit anderen Worten, wann immer es geht, gilt: zurück zum Original!

Ja, das bedeutet Mehrarbeit. Vor allem, wenn es sich um Fachzeitschriften oder längst vergriffene Bücher handelt. Dann heißt es suchen, suchen, suchen, in mehrere Datenbanken einsteigen, möglicherweise gar kostenpflichtige Fernleihaufträge in der Bibliothek abgeben oder bei "Subito" bestellen, weil die Originalquelle nur in seltsamen Repositorien aufzufinden ist...

Und das alles wegen eines Halbsatzes oder einer kleinen Zahl?!?

Kein Wunder, dass Studenten (und oft genug auch Profiautoren und Wissenschaftler) dazu wenig Lust verspüren. Das vermindert die Arbeitseffizienz. Und: Vielleicht ist das Zitatzitat nicht perfekt, aber "gut genug"...

Ausnahmsweise ist ein "zitiert nach" in Ordnung. Eine ganze Batterie von "zitiert nach"-Stellen ist aber ganz sicher kein Ausweis wissenschaftlicher Qualität.

  • Superclevere Studenten wissen das natürlich und verzichten auf die Markierung "zitiert nach", damit es so aussieht, als sei es ein Zitat und kein Zitatzitat -- in der Hoffnung, dass es keiner merkt.
  • Nicht ganz so clevere Studenten denken sowieso nicht darüber nach und kennen den Unterschied nicht einmal.

Warum lohnt es sich, die Mehrarbeit auf sich zu nehmen?
  • Es gehört schlicht zum Handwerkszeug, die Originalfundstelle aufzuspüren. Gerade in Abschlussarbeiten wird erwartet, dass Studenten in der Lage sind, sich über Lehrbuchliteratur und einfach zu beschaffende Sekundärliteratur hinaus Spezial-Quellen zu erschließen. 
  • Zitatzitate werden bestenfalls geduldet, wenn es einen guten Grund gibt (z.B. wenn es sich um nicht veröffentlichte Archivmaterialien handelt). Faulheit ist kein guter Grund.
  • Vorsicht ist geboten: Nicht jeder Autor zitiert formal und inhaltlich korrekt.
  • Jeder Autor hat seinen eigenen Filter, seine eigenen Selektionskriterien. Die entsprechen nicht unbedingt der aktuellen Rechercheabsicht.
  • Das Original kann eine wertvolle Quelle sein. Vielleicht gibt es beim Original viel wichtigere und bessere Textstellen als die, die zitiert wurden. Oder die Quelle führt zu weiteren Quellen.
  • Manchmal sind die Originalquellen veraltet. Besonders bei Zahlen, Daten, Statistiken gilt: Achtung! Auch bei nicht quantitativen Fakten könnte es sein, dass sich der Kontext geändert hat.
  • Es kommt nicht selten vor, dass sich Autor A bei Autor B bedient, der wiederum schon bei Autor C abgeschrieben hat. Dann handelt es sich um ein Zitatzitatzitat. In so einer Kette kommt es zu Unschärfen und Fehlinterpretationen -- ähnlich wie beim alten Spiel "Stille Post" -- und auch zu schlicht falscher Wiedergabe.


20. April 2013

Internetseiten -- sind das wirklich Quellen? Sind sie erlaubt?


Ein Student will "wissen, in wie fern wir nun bei unserer Belegarbeit Internetquellen benutzen dürfen. Nach meinem Wissen sind Internetseiten (Beispiel) nicht wirklich als Quellen anzusehen, oder liege ich da falsch? Die Themen sind alle sehr aktuell und daher wird es schwer sein immer Bücher zu finden."

Hmm, im Jahr 1993 wäre diese Frage noch normal gewesen, aber 2013... Welche Dozenten, Lehrer, Eltern haben da wohl früher mit mahnendem Zeigefinger vor dem Internet als Schmuddelkiste gewarnt...?

Für alles im Leben suchen wir Informationen im Web, aber nicht für eine Uni-Belegarbeit? Das wäre alltagsuntauglich. Heute reden wir ja eigentlich nur noch über unterschiedliche "Kanäle" für Inhalte -- ein Buch ist ein Kanal, das Internet auch, am Inhalt ändert es nichts.

Der springende Punkt ist doch nicht, dass eine Quelle digital und online verfügbar ist; sondern was sie für einen Charakter und Zweck hat. Es gilt, die Qualität zu beurteilen. Und dann geht es um die klassische Fragen nach "Zitierfähigkeit" (formale Qualität) und "Zitierwürdigkeit" (inhaltliche Qualität), die "im Internet" noch schwieriger zu beantworten sind als in der Bibliothek.


Pauschal ist "ein Buch" nie besser als "eine Internetquelle". Erstens gibt es ja auch Bücher, von denen man besser die Finger lässt: Dass es in einer Verlagsdruckerei hergestellt wurde und im Regal Ihrer Bibliothek Staub fängt, ist noch keine Qualitätsgarantie.

Zweitens gibt es auch ganze Bücher "im Internet", z.T. auch als mit der Druckversion identische Exemplare (wenn Sie in der SpringerLink-Datenbank ein Kapitel eines im Springer-Verlag erschienen wissenschaftlichen Werkes abrufen). Das gilt auch für viele andere Dinge, die es früher nur gedruckt gab -- etwa staatliche Dokumente und Publikationen wie die auf der von Ihnen genannten URL der Europäischen Kommission. Sie könnten auch nach Brüssel fahren und bei der KOM um eine Auskunft bitten; wahrscheinlich druckt man Ihnen dann aber auch nur das aus, was online zu lesen steht.

Vielleicht meinen Sie mit "Buch" nicht das Buch als Druckwerk per se, sondern "wissenschaftliches Buch". Also im Sinne von "Ergebnis wissenschaftlicher Untersuchung" und "akademisches Werk".

Klar, ein profundes Fachbuch eines renommierten Wissenschaftlers sieht in der Literaturliste einer studentischen Hausarbeit im Normalfall besser aus als irgendein Blogpost irgendeines Hobbyautors.

Aber die Frage ist doch, wonach man sucht.
  • Dabei geht es zum einen nicht nur um bevorzugte Formate oder Bequemlichkeit, sondern oft schlicht um Verfügbarkeit
  • Zum anderen geht es um den Untersuchungsgegenstand
  • Aus diesen Umständen ergibt sich der Zugang zu Quellen unterschiedlicher Art -- die ich natürlich alle kritisch zu prüfen habe.

Aktuelle Zahlen, Daten, Fakten...

Wer auf möglichst aktuelle "ZDF" aus ist, muss "im Internet" suchen. Wo denn sonst? Es gibt nur noch sehr wenige Bereiche, in denen (für breite öffentliche Benutzung gedachte) Informationen ausschließlich und zuerst in gedruckter Form vorliegen.

Wenn Sie Mitteilungen der Europäischen Kommission zur aktuellen Arzneimittelversorgung in der EU suchen, dann finden Sie diese online. Wenn Sie aktuelle Statistiken dazu suchen, finden Sie diese in den Fachpublikationen der Kommission, bei Eurostat o.ä. ebenfalls online. Wenn Sie Vergleichsdaten der Staaten haben möchten, finden Sie sie online bei den Stellen, die diese digital sammeln und auch den Auftrag haben, sie digital online zur Verfügung zu stellen.

Das sind (im Prinzip) seriöse Quellen für Daten und Dokumente, auch wenn sie "im Internet" stehen. Zudem sind es "primäre Quellen", und wenn Sie genau das brauchen, sind Sie "im Internet" genau richtig.

Die aktuellste verfügbare Zahl oder Aussage "im Internet" wäre mir ganz sicher lieber als eine veraltete in einem Buch; inbesondere dann, wenn das Buch nicht nur veraltet, sondern nur eine sekundäre oder tertiäre Quelle ist.

Denken Sie allerdings daran, dass Internetseiten unterschiedlich gut gepflegt werden. Auch auf professionell anmutenden Seiten großer Behörden, Einrichtungen und Unternehmen finden sich oftmals widersprüchliche oder veraltete Aussagen.

  • Achten Sie stets auf das Datum --  was Sie als erstes finden, ist nicht unbedingt tatsächlich die aktuellste Version. Wenn es eine externe Datenquelle gibt, suchen Sie die.
  • Überprüfen Sie die Plausibilität (z.B. aus dem Kontext oder Vergleich mit anderen Rubriken und dokumenten).
  • Hyperlinks sind praktisch, aber sind auch eine Falle: Sie führen oft zu Seiten oder Dokumenten, die nicht dieselbe Aktualität oder Verlässlichkeit haben wie die verlinkende Seite.
  • Bei der Neugestaltung oder dem Umzug von Internetseiten (Datenmigration) passieren oft Fehler, manche Seiten werden "vergessen".

Eine Batterie Zahlen und Fakten aus primären Quellen gibt außerdem in der Regel keine gute Antwort auf die Frage "was bedeutet das?" Eine systematische Einordnung, Beurteilung und Kontext werden Sie eher woanders finden. In wissenschaftlichen Studien etwa.

Wissenschaft gibt's nicht nur in Büchern

Wissenschaftliche Studien und Ergebnisse werden auch, aber längst nicht nur, in Büchern publiziert.

Für Studenten sind Bücher der erste übliche Zugang zur Wissenschaft. Wissenschaft begegnet ihnen ja zuerst als respektheischendes Lehrbuch. Ja, Bücherlesen ist wichtig. Bücher bilden auch den Stand der Wissenschaft ab. Aber: Studenten überschätzen Bücher.

Wissenschaftler bedienen viele Kanäle, nicht nur Bücher. Die Recherche nach wissenschaftlicher Literatur beginnt beim Buch, hört da aber nicht auf. Denn:
  • Bücher sind als Informationsvehikel sehr langsam.
  • Die meisten Wissenschaftler schreiben in ihrem Leben nur ein "richtiges" Buch, vielleicht zwei. (Gemeint sind Monographien.)
  • Viele Bücher sind Herausgeber-/Sammelwerke mit vielen Autoren, deren Einzelbeiträge sehr unterschiedliche Qualität haben. Oftmals sind sie nicht mal auf dem neuesten Stand, sondern wurden aus früheren Texten und Vorträgen des Autors "recycelt".
  • Bücher haben für viele Forscher keine Priorität. Für viele Fächer gilt sogar: Bücher sind die Ausnahme, nicht die Regel für wissenschaftliche Publikationen. 
Stattdessen publizieren Forscher hochspezialisierte Artikel in (Fach-) Zeitschriften, in Diskussionspapieren, in Konferenzbeiträgen, in Infodiensten von Instituten, in Blogs u.a. Das alles findet sich "im Internet", manchmal frei zugänglich, manchmal zugangsbeschränkt (aber verfügbar z.B. über die Zeitschriftendatenbanken der Bibliothek).

Für manche Wissenschaftler ist schnelle Öffentlichkeit wichtiger als für andere. Das sind vor allem die, die in der Politik- und Wirtschaftsberatung tätig sind (v.a. bestimmte Forschungsinstitute, Stiftungen und sogenannte Denkfabriken, siehe dazu z.B. das Branchenverzeichnis "ThinkTankDirectory", TT für Deutschland und für Europa). Dort wird im Wochentakt publiziert, es gibt viele frei zugängliche Schriftenreihen, Papers, Infodienste und Kurzstudien.

Für eine Seminar-Hausarbeit heißt das: Wenn Sie zeigen wollen, dass Sie richtig gut nach wissenschaftlicher Literatur gesucht haben, dann präsentieren Sie die ganze Bandbreite. 

In der Presse recherchieren -- wachsam und kritisch

Es gibt nicht zu allem und jedem bereits eine wissenschaftliche Untersuchung, schon gar nicht bei ganz neuen Themen, die sich schnell entwickeln.

Dennoch äußern sich Wissenschaftler dazu, ebenso wie andere Experten. In der Presse natürlich, deren Artikel Sie "im Internet" finden. Oder bei Veranstaltungen (z.B. Podiumsdiskussionen und Tagungen), die "im Internet" dokumentiert werden (oft in Newsletter- oder Blog-Form).

Allerdings: Wenn ein (hoffentlich fachkundiger) Professor etwas mit drei Sätzen in der Zeitung kommentiert, hat das natürlich nicht dieselbe Qualität wie eine eigenständig veröffentlichte Studie.

Ja: Es gefällt Professoren grundsätzlich nicht, wenn Studenten zu faul oder unfähig sind, in akademischen Quellen zu recherchieren. Das sollten Sie also immer tun. Eine Literaturliste, die nur aus ergoogelten Presseartikeln besteht, überzeugt nicht.

Aber mit rein akademischer Literaturrecherche kommen Sie bei aktuellen Themen ins kurze Gras. Dann kann es sein, dass Sie sich stark auf eine Presse-Recherche verlassen müssen. Das heißt, "im Internet" frei zugängliche Artikel oder über Presse-Datenbanken (NexisLexis, WISO, GBI-Genios).

Das ist ja auch fachlich sinnvollWirtschaftswissenschaftler sollen aktuelle Entscheidungen von Unternehmen und Entwicklungen auf Märkten und in Volkswirtschaften recherchieren, Politik- und Sozialwissenschaftler müssen Informationen aus der aktuellen Politik und Gesellschaft verarbeiten, usw. Praktisch heißt das doch, dass diese Informationen vorrangig "im Internet" zu finden sind, und dort nach wie vor häufig und einfach zugänglich in der journalistischen Berichterstattung.

Aber am Zwang, die Qualität beurteilen zu müssen, kommen Sie nicht vorbei. Denn:
  • Presseartikel beruhen oft nicht auf eigenen Recherchen der Journalisten, sondern auf PR-Quellen und Informationen aus zweiter und dritter Hand. 
  • Journalisten schreiben oft voneinander ab. Unter Zeitdruck googeln sie auch nur und kopieren, was sie "im Internet" finden.
  • Sie verzichten oft auf kritische Faktenkontrolle, die Überprüfung von Relevanz,  Vollständigkeit und Validität. Das gilt ganz besonders für Zahlen und Zitate!
  • Journalistische Arbeitsmethoden und Präsentationsformen anders sind als in der Wissenschaft. Journalisten sind eher Geschichtenerzähler -- ihnen genügt oft Plausibilität, sie brauchen keine wasserdichte Beweisführung. Sie berichten etwa von ein, zwei Fällen und behaupten dann einfach "Das ist kein Einzelfall..." Dem werden zwei, drei weitere Meinungen beigemischt, und fertig ist die Story. Das Resultat mag für den Leser informativ sein, aber Studenten sollten es stets kritisch beurteilen.
  • Richtig gut recherchierender Qualitätsjournalismus hat manchmal schon wissenschaftliche Qualität. Journalisten gehen in Archive, lesen Literatur, beschaffen gründlich und sorgfältig direkte Informationen und dokumentieren ihre Quellen penibel. Aber das ist selten.
Auf der Hand liegt außerdem: eine Sammlung von zehn knappen Meldungen, die zufällig aus beliebigen GoogleNews-Links kopiert wurden, ist sehr weit entfernt von einer systematischen Auswertung langer Hintergrundartikel aus führenden Zeitungen, Zeitschriften, Rundfunksendern oder auch reinen Onlinemedien.

Presseartikel können für Sie ein Sprungbrett zu "besseren" Quellen sein. Zum Beispiel, wenn sich ein Journalist auf eine Entscheidung oder Handlung, ein Dokument, eine Statistik, eine Studie oder Expertenmeinung bezieht. Gehen Sie den Hinweisen nach, vervollständigen Sie die Infos. "Im Internet" können Sie oftmals die Originalquelle und weiterführende Materialien finden. Das ist eine klassische Ergänzungsrecherche.

Tipps zum Umgang mit Internetquellen 

Wenn Sie schließlich Ihre Quellen "im Internet" ausgewertet und verwendet haben, gibt es noch einige Besonderheiten beim Zitieren, Belegen und Auflisten zu beachten. Dazu finden sie noch Hinweise in älteren Posts:

2. Juli 2012

Aus Abschlussarbeiten zitieren

"Darf man aus anderen Bachelor- bzw. Abschlussarbeiten zitieren?", fragt eine Studentin. Ja, man darf -- im Prinzip und mit Einschränkungen. Lesen Sie dazu den Beitrag "Studentische Hausarbeiten als Quelle? Zitierfähig, aber nicht zitierwürdig" (7.6.2011). Dieselben Hinweise und Warnungen gelten auch für Abschlussarbeiten.

Wieder einmal dreht sich alles um das Begriffspaar "zitierfähig und zitierwürdig".Alle Abschlussarbeiten sind - anders als Seminararbeiten - dauerhaft öffentlich in einer Bibliothek verfügbar (es sei denn, es gilt ein Sperrvermerk). Zusätzlich stellen viele Absolventen ihre Arbeiten bei Online-Anbietern (z.B. GRIN-Verlag, Hausarbeiten.de u.v.a.) gegen Entgelt ein, oder sie publizieren sie sogar in einem Verlag (meist nur Diplom- und Masterarbeiten). Auch damit sind sie dauerhaft öffentlich verfügbar. Rein formal sind Abschlussarbeiten zitierfähig.

Die Zitierwürdigkeit ist damit noch nicht gegeben. Entscheidend ist die inhaltliche Qualität, und die ist sehr kritisch zu überprüfen, wie im o.g. Blogpost ausgeführt.

Wie "gut" sind Abschlussarbeiten?

Es gibt wissenschaftlich sehr gute, weniger gute und ziemlich miserable Abschlussarbeiten. Nur weil jemand einen Abschluss geschafft hat und deshalb seine Abschlussarbeit in einer Bibliothek steht, sagt über die Qualität wenig aus: höchstens, dass sie in jedem Fall die Mindeststandards erfüllt.

Zwar haben Professoren (besonders bei Bachelor-Arbeiten allerdings häufig auch Nicht-Professoren!) die Arbeit betreut und begutachtet. Das ist aber nicht dasselbe wie wissenschaftlicher Peer Review bei einer Fachzeitschrift oder wenigstens das Lektorat bei einem wissenschaftlichen Verlag, der auf seine Reputation achtet.

Ob jemand exzellent oder gerade mit Ach und Krach seine Prüfung bestanden hat, ob Teile davon gut oder schlecht von den Gutachtern der Arbeit bewertet wurden, was deren Maßstäbe waren oder ob die Gutachter die Thesis überhaupt genau angeschaut haben -- das wissen Sie alles nicht.

Jedenfallls: Sie sollten die ganze Arbeit kennen. Flugs zu googeln und dann einen dreiseitigen Auszug bei GRIN auszuwerten -- das ist schlecht, weil Sie sich dann kein Gesamturteil bilden können. Zum Beispiel mag eine Passage sehr gut klingen, aber wenn Sie die Einleitung und den Schlussteil lesen, die Gliederung oder das Quellenverzeichnis ansehen würden, könnten diese Ihnen wichtige Hinweise geben, ob der Autor solide gearbeitet oder geschlampt hat.

Lassen Sie sich per Fernleihe die Arbeit aus der jeweiligen Hochschulbibliothek kommen, wenn die Thesis nicht in Ihrer eigenen Bibliothek eingestellt ist. 

Bachelor-Arbeiten: Abschlussarbeiten zweiter Klasse

Besonders vorsichtig wäre ich mit Bachelor-Arbeiten. Ohne irgendjemandem auf die Füße treten zu wollen: Bachelor-Arbeiten sind Abschlussarbeiten zweiter Klasse.

Lesen Sie dazu den Beitrag "Bachelor- und Masterarbeiten: der kleine, große Unterschied" (28.12.2010). Eine Bachelor's Thesis erreicht nicht nur nicht den Umfang, sondern auch selten die Qualität einer Master-Arbeit. Selbstständige Forschung ist selten enthalten. Außerdem basieren Bachelor-Arbeiten vorwiegend auf Sekundärquellen, manchmal sogar stark auf Tertiärquellen wie Lehrbüchern und Lexika (dazu: "Primäre, sekundäre und tertiäre Quellen", 29.6.2012). Letzteres sollte nicht so sein, ist aber durchaus häufig.

Ob ein Bachelor-Abschluss wirklich ein wissenschaftlicher Abschluss ist, darüber wird unter Professoren seit jeher gestritten. Daraus ergibt sich die Frage, ob eine Bachelor-Arbeit wirklich eine wissenschaftliche Arbeit ist (oder nur so aussieht). Vom Umfang her ist sie einer Seminararbeit vergleichbar; viele der Papers, die meine Master-Studenten in einem Seminar schreiben, sind deutlich umfangreicher als die meisten Bachelor-Arbeiten. Und meistens besser.


Wenn Sie also Abschlussarbeiten heranziehen, dann möglichst Arbeiten auf höherem Niveau, also Master/Diplom (usw.).


Gründe, weshalb Sie Abschlussarbeiten zitieren wollen könnten 

Warum genau wollen Sie die Abschlussarbeit zitieren? Wirklich deshalb, weil...
  • die Arbeit besonders originelle Einsichten gewährt, die es anderswo noch nicht gab? 
  • sie sehr spezifisch Ihr Thema/Ihre Fragestellung trifft, das oder die so noch nicht aufgearbeitet wurde?
  • sie brandaktuelle Ergebnisse eines eigenen Forschungsprojekts präsentiert?
Wenn das so ist, haben Sie einen guten Grund. Auch ich als Professor habe bereits Abschlussarbeiten zitiert, weil sie wirklich einen guten Beitrag in der "wissenschaftlichen Community" geleistet haben -- durch exzellente Fallstudien, eigene Erhebungen, durchdachte Argumentation und Konzepte. Und weil es wirklich nichts Besseres gab.

Aber mal ehrlich: Vielfach...
  • bieten Studenten in ihrer Thesis nur eine Zusammenfassung der existierenden Forschung. Sie ist nur eine Sekundärquelle unter anderen, und dabei sicher nicht die beste Wahl, verglichen mit den Publikationen etablierter Wissenschaftler.
  • zitieren Studenten andere Studenten nur deshalb, weil die Arbeiten online oder offline komfortabel zu beschaffen sind. Mit anderen Worten: aus Bequemlichkeit.
Abschlussarbeiten zitieren – weil's bequem ist?

Fakt: Es ist viel einfacher, eine "passende" Abschlussarbeit zu finden als eine "passende" Studie eines Wissenschaftlers. Forscher publizieren Bücher (Monographien) -- aber selten. Sie publizieren weit mehr Aufsätze in Fachzeitschriften oder Buchkapitel; beides finden Sie viel schlechter durch Googeln, Sie müssen in mehreren Literatur-Datenbanken recherchieren oder Fachzeitschriften-Inhalte durchblättern oder sich die Inhaltsverzeichnisse von Büchern ansehen.

Wenn Sie sich auskennen im "Fachdiskurs" und die wichtigen Zeitschriften kennen, wenn Sie wissen, in welchen wissenschaftlichen Fachgesellschaften wer mit wem über was bei welchen Kongressen und Tagungen diskutiert, ist das einfach. Viele Studenten kennen sich aber nicht so aus. Selbst wenn sie Virtuelle Fachbibliotheken oder Akademische Suchmaschinen nutzen, fällt die Orientierung oft schwer.  

Die am besten geeigneten, spezialisierten, aktuellen Forschungsbeiträge zu finden, ist für Nichtexperten mühsam. Da ist der Griff zu Abschlussarbeiten, bei denen andere Studenten sich schon die Mühe gemacht haben, komfortabler. Die interessante Frage ist: Wieviel Mühe haben sie sich tatsächlich gemacht? Oder haben sie auch nur den bequemeren Weg gewählt?

Notabene: Es gibt viel mehr Studenten als Wissenschaftler, und Projekte von Studenten sind viel kürzer als Projekte von Wissenschaftlern. Der Output der Studenten ist größer. Insofern ist es bei oberflächlicher Recherche wahrscheinlicher, dass Sie auf eine aktuelle Abschlussarbeit stoßen als auf eine aktuelle Studie eines Berufsgelehrten.

Die Sache mit der Aktualität 
Überhaupt, das Aktuelle. Ich höre oft das Argument der Aktualität: Die Abschlussarbeit sei doch die aktuellste wissenschaftliche Veröffentlichung zu Thema X. Naja:
  • Erstens ist der Begriff  "wissenschaftliche Veröffentlichung" oder überhaupt "Veröffentlichung" sehr dehnbar. 
  • Zweitens basieren Abschlussarbeiten, wie oben gesagt, häufig auf Sekundärquellen; und wie aktuell diese wiederum sind, ist offen. Eine 2012 eingereichte Arbeit mag wesentlich auf Sekundärquellen der Jahre 1995 bis 2005 beruhen. Wie aktuell ist das denn?

Also: Aktuell nach welchem Maßstab? Wenn Sie die aktuellste wissenschaftliche Forschung haben wollen, dann suchen Sie in wissenschaftlichen Fachzeitschriften, außerdem nach "working papers" und Einzelstudien, die von Lehrstühlen oder Instituten herausgegeben werden.

Suchen Sie nach Vortragsskripten und Präsentationen namhafter Wissenschaftler, von denen Sie bereits wissen, dass diese Experten für Ihr Thema sind. Gehen Sie auf die Homepages dieser Wissenschaftler und durchforsten Sie deren Publikationslisten und Neuigkeiten-Rubrik. Diese dürften relativ aktuell und gut gepflegt sein.

Suchen Sie nach aktuellen Tagungen, auf denen Forschungsergebnisse präsentiert werden. Diese werden meist von den wissenschaftlichen Fachgesellschaften veranstaltet, in denen die Forscher Mitglied sind. Fragen Sie Ihren Betreuer danach, wenn Sie sie nicht finden.

Fazit: Vorsichtig und selektiv vorgehen  
Alles in allem: Vorsicht mit Abschlussarbeiten. Im Zweifelsfall sind die Studenten, die sie geschrieben haben, nicht besser oder schlauer oder sorgfältiger als Sie. Die beste Art, mit Abschlussarbeiten umzugehen, ist:

Prüfen Sie die Qualität der ganzen Arbeit, insbesondere die Quellengrundlage. Bilden Sie sich ein Urteil, bevor sie auf den Stapel der bevorzugten Quellen kommt.

Nutzen Sie vor allem das Quellenverzeichnis der Arbeit, um leichter zu erfassen, was für ein Thema wichtig ist, welche Autoren, Fachzeitschriften oder auch Internetportale guten Zugang zu spezialisierter Literatur bieten. Aber verlassen Sie sich nicht darauf, dass der Student, der diese Quellen recherchierte, den perfekten Blick auf die Literaturlage hatte. Wahrscheinlich hatte er ihn NICHT.

Wenn Sie in einer Abschlussarbeit ungemein passende, originelle Passage finden, die Sie unbedingt zitieren wollen, prüfen Sie genau, ob diese wirklich originell ist -- oder nur eine Zusammenfassung anderer Quellen, seien es Fakten oder Zahlen (diese sind ja selten das Produkt studentischer Forschung) oder Argumente und Interpretationen (oftmals auch nur Varianten anderer Autoren). Wann immer möglich, gehen Sie anhand der Quellenbelege zurück zur Ursprungsquelle!


Denken Sie schließlich daran, dass Studenten Fehler machen und manchmal pfuschen. Eine großartige, treffende Passage aus einer Abschlussarbeit, die keinen Quellenbeleg hat, mag die Leistung des Autors sein. Oder auch ein Plagiat. Und das wollen Sie bestimmt nicht in Ihrer Arbeit haben.

29. Juni 2012

Graue Literatur und interne Dokumente

In einer Abschlussarbeit selbst empirische Daten erheben und untersuchen -- das ist echtes Forschen und (leider) in vielen Fächern selten der Fall. Vor allem bei Bachelor-Arbeiten, denn eigentlich ist die Bearbeitungszeit viel zu kurz. Eine Studentin der Verwaltungswissenschaften will es aber wagen und hat in einem Landkreisamt gute,praktische Forschungsobjekte. Nun grübelt sie aber über diese Fragen:
  1. Wie geht man in der Bachelorarbeit genau mit selbst angelegten Onlineumfragen um (Belege etc.)? > Antwort "Selbst forschen: Umfragen, Interviews, Dokumente auswerten und belegen" (28.6.12)
  2. Wie geht man mit Materialien aus der Verwaltung um (Reden, die von Mitarbeitern gehalten wurden etc.; Ausdrucke, die nicht mehr wirklich zugeordnet werden können; Kopien etc.)?
  3. Wenn man jemanden interviewt, wie macht man dann genau den Beleg? > Antwort: "Qualitative Interviews -- Transkripte & Co." (29.6.12)
Der Antwort sei vorausgeschickt:
  • Es führt kein Weg daran vorbei, das mit dem Betreuer detailliert zu besprechen. Persönliche Vorstellungen und Vorlieben, wie empirische Daten und Methoden zu dokumentieren sind, variieren erheblich. 
  • Gerade bei BA-Arbeiten sind viele Betreuer willens, pragmatisch Ansprüche herunterzuschrauben und Kompromisse bei einigen Dokumentationsstandards einzugehen, um die Belastung bei der extrem kurzen Bearbeitungszeit zu senken. Siehe dazu auch den Blogbeitrag:  "Bachelor- und Masterarbeiten: der kleine, große Unterschied" (28.12.10)
  • Lesen Sie im Detail nach, was Handbücher und Ratgeber zum wissenschaftlichen Arbeiten und zur empirischen Sozialforschung dazu sagen.

Graue Literatur und interne Dokumente

Frage 2. Wie geht man mit Materialien aus der Verwaltung um (Reden, die von Mitarbeitern gehalten wurden etc.; Ausdrucke, die nicht mehr wirklich zugeordnet werden können; Kopien etc.)?

Wenn es sich um Veröffentlichungen handelt, ist das typische "Graue Literatur" -- grob gesagt Publikationen von Institutionen und Organisationen, die nicht in Bibliotheken und von Verlagen vorgehalten werden.
  • Dazu gehören bei einer Landkreisbehörde z.B. öffentliche Berichte, Broschüren, Merkblätter oder Formulare für Bürger, Pressemitteilungen oder auch veröffentlichte Reden des Landrats u.v.a. - online oder offline.  
  • Amtsblätter können Sie wie Zeitschriften belegen (es sind ja Periodika). 
  • Kreistagsvorlagen belegen Sie wie Parlamentaria und Rechtsquellen. 
  • Bei allen anderen veröffentlichten Materialien gibt es keine vollstandardisierte Belegweise: Versuchen Sie diese so genau wie möglich im Quellenverzeichnis zu beschreiben, also mit genauem Herausgeber/Autor, Erscheinungsdatum und -ort, Titel und Untertitel, ggf. Publikationsnummer (soweit angegeben), Art der Quelle (also z.B. Broschüre, Merkblatt...).
Bei wissenschaftlichen Quellenbelegen geht es ja immer darum, dem überprüfenden Leser zu ermöglichen, die Quelle selbst in Augenschein nehmen zu können, wenn er denn gewillt ist, eine Bibliothek zu nutzen. Davon ist bei Büchern und Periodika auszugehen, z.T. auch bei Internetveröffentlichungen (gleichwohl kann man fast das gesamte Internet als eine Art "Grauer Literatur" bezeichnen).

"Graue Literatur" ist für den Leser schwer zu beschaffen, manchmal gar nicht. Formal wäre es daher angezeigt, die verwendeten Veröffentlichungen im Anhang als Kopie/Faksimile zu dokumentieren. Nur so lassen sich die Quellen ja nachvollziehen.

Aber: Praktisch ist es eher sinnlos, damit einen gewaltigen Anhang zu füllen. Bezieht man sich aber auf bestimmte Passagen oder Seiten, oder ist der Kontext oder die Machart wichtig, ist eine Kopie eines Auszugs sinnvoll -- z.B. wenn man zeigen möchte, auf welche Art die Verwaltung mit dem Bürger über ein Thema kommuniziert.

Handelt es sich um nicht-veröffentlichte Materialien, sondern um Interna, dann gilt dies nicht als "Graue Literatur". Das sind "Dokumente". (Allerdings kann man auch bei veröffentlichten Papieren von Dokumenten sprechen, aber spalten wir hier keine Haare.)

Beispiele sind interne Berichte, Aktenvermerke, Protokolle, Briefe, Emails oder Intranetdokumente, Verträge, interne Statistiken, sonstige Gebrauchstexte, Dienstanweisungen, Vortragsmanuskripte, PowerPoint-Präsentationen, Urkunden, Organigramme, Geschäftsverteilungspläne, interne Geschäftsordnungen und Verfahrensregeln, Aktenpläne, Dienstvereinbarungen, Stellenpläne und -beschreibungen,  Jahres- und Tätigkeitsberichte, interne Untersuchungen, Haushaltsdokumente, Daten aus Benchmarking- und Kosten-Leistungs-Rechnung usw.

Diese Dokumente sind nun überhaupt nicht für einen Leser direkt zugänglich (es sei denn, sie sind bereits in einem öffentlichen Archiv). Wer also solche benutzt, hat eine besondere Verantwortung, Informationen über diese Quelle zu dokumentieren.
  • Was für eine Art Dokument ist es? 
  • Was sind die äußeren Merkmale, der Inhalt und die Aussagekraft? 
  • Was ist der Zweck, die Funktion? 
  • Ist es aktuell oder veraltet? 
  • Wie entstand das Dokument? Wann, wo? In welchem Kontext? 
  • Wie sind Sie an dieses Dokument gelangt?
Bevor Sie im Rahmen der Dokumentenanalyse (Überblick zur Methode: Uni Augsburg) zur großen inhaltlichen Interpretation starten, müssen Sie diese Fragen klären.

Vor allem gilt es zu prüfen, wie verlässlich die Quelle ist, ob sie vollständig ist, und wie man sie einordnen muss. Wenn Sie tatsächlich "Ausdrucke, die nicht mehr wirklich zugeordnet werden können", in irgendeiner Akte vorfinden, ist Vorsicht geboten.

Im besten Fall gelingt es Ihnen, die fehlenden Informationen zu rekonstruieren -- durch Suche nach ähnlichen Dokumenten, durch Nachfragen o.ä.. Ob sich die detektivische Kleinarbeit lohnt, müssen Sie entscheiden. Fehlen Quelleninfos, und nutzen Sie die Quelle trotzdem, dürfen Sie den Leser über die Defizite nicht im Unklaren lassen. Machen Sie auch im Text Ihre quellenkritische Haltung deutlich. Erläutern Sie, warum Sie diese Quelle wie interpretieren und warum das legitim ist.

Natürlich müssen Sie wiederum genau im Quellenverzeichnis (Dokumente von Literatur trennen) bezeichnen, was für eine Quelle es ist -- und erneut ist eine Kopie des Dokuments, zumindest bestimmter Passagen, im Anhang sinnvoll. Ist die Quelle ganz zentral, gehört die Kopie eher in den Hauptteil.

24. Juni 2012

Rubriken fürs Quellenverzeichnis: Warum die Rubrik "Internetquellen" Unsinn ist - Alternativen

Quellenverzeichnisse sind oft schlicht alphabetisch nach Autor geordnet - manchmal auch nach Datum (Vancouver Style). Nun sind Quellen aber nicht gleich Quellen. Zwischen einer wissenschaftlichen Monographie und einem Blog-Post liegen Welten. Daher empfehlen viele Ratgeberwerke, das Quellenverzeichnis in Rubriken zu ordnen. Dafür spricht viel.

In studentischen Seminararbeiten gibt es allerdings oft nur zwei: "Bücher" und "Internetquellen". Das ist dann meistens Unfug.

Was passiert ist: Der Student hat sich 2-3 Bücher aus der Bibliothek geholt und den Rest online recherchiert. Gedruckte Fachzeitschriften oder sonstiges Druckwerk hat er gar nicht erst angesehen. Alles, was "im Internet" zu finden war, kommt nun in die Kategorie "Internetquellen". Die Rubrik umfasst dann aber meistens so ziemlich alles, was es so gibt unter der Sonne. Die Quellentypen haben überhaupt nichts gemeinsam -- außer dass sie "im Internet" sind.

Alles im selben Topf: Wissenschaftliche Fachzeitschriften-Aufsätze, Buchexzerpte aus GoogleBooks, Berichte und Studien, Konferenz- und Symposienbeiträge, Amtliches und Halbamtliches, Gesetzestexte und Gerichtsurteile, Artikel aus journalistischer Presse und Rundfunk, Unternehmens- und Verbände-Publikationen, Lexika, Statistiken, Datensätze, Videos und diverse Social-Media-Beiträge, was auch immer.

Genauso gut hätte der Student als Rubrik "Diverse Quellen und Allerlei" drüber schreiben können. Was natürlich nicht der Sinn der Rubrizierung ist.

Vor langer, langer Zeit war alles einfacher. Ein Buch war ein Buch, eine Zeitschrift eine Zeitschrift usw. Das Gedruckte dominierte die akademische Welt, und wenn man "graue Literatur" (also alles, was nicht Buch, Fachzeitschrift oder Presse war) zitierte, war das schon gewagt. Dann auch noch "Internet" zu zitieren, war etwas funky. Aber in jedem Fall die Ausnahme. Und "Internet", das hieß im Wesentlichen: simple HTML-Websites.

Heute gibt es praktisch jeden Quellentyp "im Internet". Zumindest aber, wenn nicht im freien Oberflächen-Internet im "Deep Web" verfügbar, jedenfalls in digitaler Form, vom E-Book in der Unibibliothek bis zum Fachzeitschriften-Aufsatz in der Datenbank eines wissenschaftlichen Verlags. Alles online abrufbar.

Also ist es sinnvoll, die Quellen nicht danach zu sortieren, ob sie digital sind oder nicht, sondern nach dem eigentlichen Charakter und Zweck der Quelle. Im Regelfall ist die formale Trennung immer noch so (davon ausgehend, dass alle digital und "im Internet" abrufbar sein können):
  • Bücher, 
  • periodische Werke (Fachzeitschrift, Zeitschrift, Zeitung, Newsletter usw.), 
  • "graue Literatur" (z.B. einzelne Forschungsberichte von Instituten, Veröffentlichungen staatlicher Stellen, von Unternehmen, Verbänden, Berufsorganisationen, kommerzielle und nichtkommerzielle Organisationen verschiedener Art -- bis hin zu Broschüren, Handzetteln oder gar Plakaten),
  • Beiträge zu Konferenzen, Tagungen, Symposien
  • Rechtsmaterialien
  • Sonstige Quellen (z.B. einfache Texte auf Websites, Film/Video/TV-Beiträge, unveröffentlichte Manuskripte, Online-Communities usw.)
Literaturverwaltungsprogramme (ob die eingebaute bei MS Word oder eine Extra-Software wie z.B. Citavi) sind da schon mal eine Hilfe: Sie zwingen dazu (oder ermöglichen es), vorgegebene Quellen-Kategorien auszuwählen.

Was davon genau nach wissenschaftlichem Standard zitierfähig und zitierfähig ist, sei jetzt einmal dahingestellt. Sinnvoll kann es sein, in Rubriken wissenschaftliche Literatur von nichtwissenschaftlichen Quellen zu trennen. Oder auch Primär-, Sekundär- und Tertiärquellen.

Was sonst noch zu trennen ist, hängt davon ab, woraus mein Quellenuniversum besteht.

Beispiel: In einer Seminararbeit zur Energiepolitik benötige ich diverse Artikel aus praxisnahen Fachmagazinen, Regierungs- und Parlamentsdokumente sowie amtliche Statistiken, Materialien von Verbänden der Energiewirtschaft, Materialien von sonstigen "Experten" -- die kommen von einer Unternehmensberatung, von Umwelt- oder Verbraucherorganisationen; und in einigen Blogs finde ich auch noch etwas.

All das ist zweifellos nach Charakter und Zweck anders als wissenschaftliche Bücher und Aufsätze. Sie bilden nicht nur Grundlagenliteratur, sondern sind Forschungsgegenstand. Im Fließtext behandle ich diese Quellen klar anders als die Ergebnisse akademischer Forschung. Im Quellenverzeichnis kann es sinnvoll sein, diese unterschiedliche Wertung durch Rubriken sichtbar zu machen. Z.B. "Amtliche Veröffentlichungen und Veröffentlichungen politischer Institutionen", "Veröffentlichungen von Interessengruppen", "Nichtakademische Fachpresse" und dergleichen. Dreht sich meine Arbeit ums Marktgeschehen, will ich möglicherweise nach Marktteilnehmern (kommerziellen Organisationen) und Nichtmarktteilnehmern (nichtkommerzielle Organisationen, sonstige Experten) trennen.

Geht man so vor, wird klar, dass es keine "One-size-fits-all"-Rubrikenkennung geben kann, es ist vom Inhalt der Arbeit abhängig. Rubriken muss man sich also passend selbst schaffen, statt auf ein "Schema F" zu hoffen.

Aufwändig? Ja, klar. Das ist nicht nur eine intelligente Vorgehensweise, sie zeigt auch, dass der Autor sehr quellenkritisch ist und Informationskompetenz zeigt. Und das dürfte dem begutachtenden Dozenten bestimmt ein paar Bonuspunkte wert sein.

Statista - trau, schau, wem

Statista.com erfreut sich bei Studenten immer größerer Beliebtheit -- kostenlose, leicht zugängliche Daten und nützliche Infografiken, die sich in jeder Seminararbeit gut machen.

Aber halt! Oft gibt es Missverständnisse oder ungenügendes Verständnis von dem, was Statista ist, was es anbietet, und wie man das Portal am besten nutzt. Darum hier ein paar Tipps -- und kleine Warnungen.

Zunächst: Statista ist keine Statistikbehörde, sondern ein kommerzieller Dienstleister. Das Unternehmen verdient Geld damit, Daten anderer einzusammeln, aufzubereiten und zugänglich zu machen. Statista erhebt selbst keine Statistiken.
Statista ist erst einmal "nur" ein komfortables Recherche-Tool, ein Katalog. 

Und: Statista bietet viel, aber das Beste ist nicht kostenlos. Studenten können aber auch an die hochwertigen Inhalte gelangen.

Nicht nur durch Gratis-Angebote zappen - Uni-Zugang nutzen

Studenten klicken sich meist durchs öffentlich frei zugängliche Web-Angebot. Dies ist nur ein kleiner Teil der Datenbank.

Wichtig: Wer alle Infos zur veröffentlichten Statistik sehen will, (z.B. den Herkunftsnachweis) muss sich ein Basisdienst-Konto freischalten lassen. Das ist erst einmal gratis.

Viele Angebote findet man zwar, sie sind jedoch gesperrt. Man braucht ein Premium-Account. Das kann sich der Student natürlich nicht leisten. Muss er aber auch nicht: Viele Hochschulbibliotheken haben Statista per Campus-Lizenz abonniert, so dass über die Uni oft die vollen Datensätze mit allen Infos für Studenten erreichbar sind!

Also: In die digitale Uni-Bibliothek einloggen und von dort aus in der gesamten Statista-Datenbank recherchieren. 

Woher stammen die Daten überhaupt? 

Statista wirbt damit, dass es 10.000 verschiedene Quellen hat. Allein diese hohe Zahl sollte misstrauisch machen. 

Gute, verlässliche Daten erheben ist teuer und aufwändig. Abgesehen von staatlichen Statistikämtern und öffentlichen Institutionen, die vom Steuerzahler unterhalten werden, haben Auftraggeber teurer Studien in der Regel kein Interesse daran, "einfach so" zum Nutzen der Allgemeinheit aufwändig erlangte Daten unters Publikum zu streuen.

Auftraggeber haben allenfalls ein Interesse daran, bestimmte Daten in die Öffentlichkeit zu bringen (und andere vielleicht nicht). Die Absicht: Sie können auf einen Werbeeffekt hoffen. Oder sie möchten Image-PR machen, mit den Daten etwas ins gute (oder schlechte) Licht rücken, eine Debatte beeinflussen oder anderes mehr.

Daher ist es sehr wichtig, dass Statista-Nutzer die Ursprungsquelle kennen – und sich einen Reim darauf machen, was die Absicht ist. Statista sagt:
"Zu jeder Statistik veröffentlichen wir die verfügbaren Metadaten wie Quelle, Veröffentlichungsdatum, Anzahl der Befragten usw. und machen so alle Angaben auf Statista überprüfbar. Aufbereitungen von Datensätzen erfolgen nach wissenschaftlichen Kriterien."
Klingt gut, aber: Das heißt noch nicht, dass die Ursprungsdaten streng neutral und nach allen Regeln wissenschaftlicher Transparenz und Methodik erhoben wurden. Und über die Selektivität der veröffentlichten Daten wissen wir damit auch nichts. Mag sein, dass die Leute bei Statista sehr sorgfältig sind. Aber sie sind nur Zweitverwerter. Sie zitieren nur.

An anderer Stelle sagt Statista:
"Statista kann Ihnen nicht die Entscheidung abnehmen, welcher Quelle und welcher Erhebung Sie Ihr Vertrauenschenken – oder welcher Methodik."

Das ist eben der Grund, weshalb Statista Herkunfts- und Metadaten transparent macht. 

Tatsache ist, dass Statista unter den 10.000 Quellen z.B. auch Pressemitteilungen von Verbänden und Unternehmen nutzt. Wie genau werden diese überprüft? Wird die Methodik unter die Lupe genommen? Wohl kaum so, wie die höchste Qualität es erforderlich machen würde. Statista ist kein Statistik-TÜV. Statista lebt davon, möglichst viele Daten ins System zu bringen -- und haftet nicht für Unfug und Manipulation, die darin stecken.

Beispiel: Da verbreitet etwa eine Internet-Partnervermittlung über Statista die Ergebnisse einer User-Umfrage übers Online-Flirten -- schon an der Formulierung der Fragen erkennt man, dass da kein Wissenschaftler am Werk war, sondern clevere Marketingleute.

Jeder kennt diese lustigen Web-Umfragen und -Abstimmungstools. Mit seriöser, repräsentativer und methodisch sauberer Sozialforschung haben sie nicht unbedingt etwas zu tun. Also kritisch bleiben.

Damit soll nicht gesagt sein, dass Statista eine Deponie für Datenmüll ist. Nein, bei Statista finden sich ebenso hochseriöse Daten. Nur muss man sich selbst die Mühe machen, das eine vom anderen zu unterscheiden.

Allgemein: Der größte Teil statistischer Daten, die kostenlos in die Öffentlichkeit gelangen und von diversen Medien (Zeitungen, Portalen, Blogs und eben auch Statista) verbreitet werden, wird im Bereich der Marktforschung produziert. Es gibt gute und schlechte Marktforschung, vor allem aber ist sie meist Auftragsforschung, und auf Märkten gibt es Käufer- und Verkäufer-Interessen.

Güte und Qualität der Erhebung sollte man abschätzen können. Repräsentativität ist so ein kritischer Punkt, aber auch zahlreiche andere Faktoren - von Auswahlkriterien über die Erhebungs- und Gewichtungsmethodik bis zur Frageformulierung. Selbst wenn keine Manipulationsabsicht besteht, können handwerkliche Fehler passieren, oder das Grundkonzept ist Mist.
Außerdem sollte man sich natürlich darüber klar sein, dass Statistik nicht gleich Statistik ist. Eine Meinungsumfrage ist etwas anderes als eine Güterzählung vom Zoll.

Im Zweifel zurück zum Original - keine Zitatzitate

Statista ist erst einmal ein komfortables Recherche-Tool, ein Katalog. Gerade in der wissenschaftlichen Arbeit sollte man aber nicht Statista als Quelle begutachten und zitieren, sondern zum Original gehen, wenn irgend möglich.

Viele Statista-Quellen sind nicht exklusiv bei Statista zu haben, sondern wurden anderswo bereits veröffentlicht -- oftmals eingebettet in größere Berichte oder angereichert um zusätzliche Daten und Präsentationen.

Verweist Statista unter einer hübschen Grafik etwa als Quelle auf den Branchenverband XYZ, wird man wahrscheinlich auf der Website von XYZ eine Publikation mit genau diesen Daten finden. Denn der Verband nutzt Statista als Veröffentlichungs-Plattform -- aber nicht als einzige. Möglicherweise sind beim Verband sogar noch hübschere Grafiken zu finden, vor allem aber wird der Kontext sichtbar. Und es gibt mehr zum Thema.

Ein anderes Beispiel: Wenn Statista etwas vom EU-Statistikamt Eurostat präsentiert, sollte man sich die Daten auch direkt bei Eurostat ziehen. Großer Vorteil: Dort lassen sich die Daten individuell zusammenstellen, außerdem ermöglichen Grafik-Tools diverse Darstellungsoptionen. Infografiken kann man sich also so bauen, wie sie für den Nutzer sinnvoll sind.

Studenten lernen im Studium, dass man Zitat-Zitate vermeiden soll. Wenn also Müller in einem Buch einen Aufsatz von Schmidt zitiert, und der Student möchte das Schmidt-Zitat in der Seminararbeit nutzen, sollte er den Schmidt-Aufsatz aufstöbern und daraus direkt zitieren -- statt sich darauf zu verlassen, dass Müller den Schmidt richtig zitiert hat.

So ist es auch bei Statistiken. Statista ist wie Müller, der Schmidt zitiert. Nutzen Sie Statista, um Schmidt zu finden, und dann schauen Sie sich Schmidt an -- und zitieren Sie Schmidt.

Weitere Posts zum Thema:

4. April 2012

Aufsätze mit "Peer Review"

Bei der Literaturrecherche verlangt Ihr Professor, dass Sie bitteschön Forschungsaufsätze aus wissenschaftlichen Fachzeitschriften mit "Peer Review" heraussuchen sollen. Und nachweisen sollen Sie das auch noch.

Dummerweise gibt es keine Kataloge und Recherchetools, mit denen sich die Aufgabe leicht lösen lässt. Und Fachzeitschriften haben kein einheitliches Format oder Symbol, mit dem "Peer Review" angezeigt wird. Was das ist, ist für Studenten ohnehin ein Rätsel. Der Professor murmelt nur etwas von "Königsklasse" der wissenschaftlichen Qualität. Aber warum soll das besser sein als ein Buch oder ein sonstiger richtig guter Artikel?

Schnelleinstieg 1: Was ist "Peer Review"? 

Um in der "scientific community" Akzeptanz zu erhalten, richtet eine wissenschaftliche Fachzeitschrift ein Herausgeber- oder Redaktionsgremium ("editorial board") aus Wissenschaftlern ein. Es sind also keine Fachjournalisten und Profiredakteure, sondern Professoren und Forscher, die die akademische Güte garantieren sollen. Oft wird eine Fachzeitschrift von einer wissenschaftlichen Fachvereinigung herausgegeben, die rekrutiert ihre Leute also genau aus diesem Verein.

In einem solchen Gremium zu sein, bedeutet Prestige, wissenschaftliche Reputation -- und ein Quäntchen Macht über das, was die Fachdisziplin diskutiert. Das ist nicht nur ein Beirat, wie ihn praxisorientierte Zeitschriften oft haben.

Davon ist aber der Begutachtungsprozess getrennt zu sehen. Zwar entscheidet letztendlich das Redaktionsgremium, aber es bindet sich selbst an ein bestimmtes Verfahren: eben den "Peer Review". Es gibt auch andere Bezeichnungen. Englisch wird neben "peer-reviewed journal" auch von "juried journal" oder "refereed journal" gesprochen.

Mit "Peers" sind Kollegen gemeint -- Wissenschaftler sollen Wissenschaftler begutachten. Die "Reviewer" sind externe, unabhängige Gutachter. Auch als Reviewer tätig zu sein, ist ein Reputationsgewinn -- Honorar gibt es dafür sehr selten. Sie prüfen die eingereichten und vom Redakteur vorgeschlagenen Artikel, sie geben Hinweise und Korrekturtipps für den Autor, der den Aufsatz dann noch einmal überarbeiten kann (oder muss).


Nur wenn die Gutachter der Veröffentlichung zustimmen, wird veröffentlicht. Das Prestige einer Publikation ist oft umso höher, je höher die Ablehnungsquote ist.

Damit die Gutachter wirklich unabhängig sind, werden die Aufsatzvorschläge oftmals anonymisiert. Die Reviewer sind also "blind", sie wissen nicht, wer den Text geschrieben hat. Meist wird der Text von mehreren Personen  begutachtet.

Das ist ein ziemlich großer Aufwand, und das Verfahren dauert viele Monate; manchmal sogar Jahre. Ein halbes Jahr kann man meist rechnen, wissenschaftliche Zeitschriften sind also nicht brandaktuell. Bei den veröffentlichten Aufsätzen findet sich daher oft eine "article history", die anzeigt, wann der Aufsatz einging, wie er durchs Verfahren lief, wann er endgültig akzeptiert wurde. So kann man die Publikationsgeschichte etwas nachverfolgen und sehen, wie aktuell er ist.

Schnelleinstieg 2: Wie stellt man fest, ob die Zeitschrift einen "Peer Review" hat? 

Die "article history" gibt schon mal einen ersten Hinweis ("revised" heißt, der Autor musste wegen Gutachterkritik etwas ändern und neu einreichen; "accepted" heißt Annahme in der endgültigen Form.) 

Wenn Sie den Aufsatz in einer Zeitschriften-Datenbank finden, achten Sie auf Hinweise und Symbole. In manchen Datenbanken können Sie explizit nach "peer-reviewed scholarly journals" suchen (und alles andere von der Suche ausschließen). 

Der beste Weg führt zur Homepage der Zeitschrift. Das ist nicht dasselbe wie die Datenbank, die die Zeitschrift führt! Auf der Internetseite finden Sie in der Regel
  • eine Beschreibung des Ziels der Zeitschrift und ihrer inhaltlichen Schwerpunkte,
  • eine Darstellung des Herausgebergremiums und ihrer Gutachter sowie der Verbindungen zu wissenschaftlichen Vereinigungen,
  • eine Darstellung der Redaktions- und Veröffentlichungsverfahren,
  • "Hinweise für Autoren", die dort veröffentlichen möchten,
  • "Calls for papers", d.h. aktuelle Aufforderungen an Wissenschaftler, Beiträge für eine künftige Ausgabe mit Schwerpunktthemen einzureichen.
Der Nachweis für Peer Review kann sich an unterschiedlichen Stellen verstecken. Meist  findet er sich bei den "Hinweisen für Autoren". Manchmal wird darüber nichts explizit gesagt, aber wenn es Reviewer/Gutachter gibt, dann wohl logischerweise auch ein Review-Verfahren.


Wichtig: Auch in einem "peer-reviewed journal" unterliegen nicht immer alle Beiträge einem Gutachterverfahren. Eine Zeitschrift kann z.B. mehrere Artikelkategorien haben: Forschungsaufsätze, kurze Beiträge zu Debattenforen, Leserbriefe, Buchrezensionen und Praktiker-Gastbeiträge, Mitteilungen von Fachverbände o.ä. In der Regel wird der Aufwand für den "Peer Review" nur für die großen Aufsätze, in denen Forschungsergebnisse präsentiert werden, betrieben.

Kontext


Was ist überhaupt eine "wissenschaftliche" Fachzeitschrift?



Ein bißchen Medienkunde: Schauen Sie einmal, was Wikipedia allgemein zu Fachzeitschriften und zur Untergattung der wissenschaftlichen Zeitschriften zu sagen hat.

Nicht alles, was als "Fachliteratur" klassizifiziert werden kann, ist eine Fachzeitschrift. Es gibt Fachbücher, Loseblattsammlungen, irgendwelche "Papers", Vortragsskripte, Präsentationen, Online-Dienste...

Eine Fz ist ein Periodikum, erscheint also regelmäßig (ob gedruckt oder online oder beides), und richtet sich an Experten. Experten können auch Praktiker sein. Tatsächlich gibt es viele Magazine, Wochen- und Monatsblätter oder sonstige Zeitschriftenformate, die vorrangig praxisorientiert sind -- oder sich an ein gemischtes Publikum aus Praktikern und Wissenschaftlern richten.

Eine streng wissenschaftliche Fachzeitschrift tut das nicht. Sie präsentiert vorrangig wissenschaftliche Forschungsergebnisse und führt akademische Debatten. Wissenschaftler schreiben für Wissenschaftler (ohne Rücksicht auf Studenten und Amateure). 

Typisch ist, dass die dortigen Aufsätze...
  • über neueste wissenschaftliche Erkenntnisse berichten (aktueller als die meisten Bücher)
  • immer Quellenbelege und ein langes Literaturverzeichnis haben
  • den Fachjargon ihrer Disziplin benutzen und typische Schlüsselbegriffe (key terms) ausweisen, mit denen Wissenschaftler z.B. den Bezug zu etablierten Theorien und Sachgebieten identifizieren
  • sich auf andere Wissenschaftler beziehen (Bezug zum Forschungsstand)
  • ausführlich Methoden und Datenanalysen diskutieren
  • einen langen, beschreibenden Titel haben (also selten "knackige" Headlines)
  • in der Regel deutlich länger als 5 Seiten sind.
Bei Praktiker-Fachzeitschriften werden sie das nicht in gleicher Weise finden. Dort sind die Aufsätze kürzer, Literaturbelege gibt es nicht oder nur wenige (im Sinne "weiterführender Literatur" als Lesetipps, nicht als Belegapparat), und der ganze Kontext ist weniger akademisch. Vielmehr bezieht er sich eher auf einen Beruf oder eine Branche, weshalb ich gern von praxisorientierten Branchen-Fachzeitschriften spreche.

Es gibt viele Merkmale, an denen Sie die Unterschiede zwischen wissenschaftlichen Fachzeitschriften, praxisorientierten Branchen-Fachzeitschriften und - im noch größeren Kontrast - Publikumszeitschriften leicht erkennen können (zum Vergrößern auf Tabelle klicken):

Unterschiede von Fachzeitschriften, erweiterte eigene Darstellung und angelehnt an eine Aufstellung der ProQuest-Datenbank (Scholarly Journals, Trade Publications, and Popular Magazines)

22. Februar 2012

Aus GoogleBooks zitieren?

GoogleBooks ist eine geniale Hilfe in der Online-Recherche, zweifellos. Bücher werden 1:1 gescannt und sind in der Regel im Volltext recherchierbar. Allerdings werden nur Auszüge zur Verfügung gestellt. Den Copyright-Streit lassen wir einmal außen vor.

Die zentrale Frage ist: Wenn ich ein Buch bei GoogleBooks auswerte, kann ich dann daraus zitieren und mit der URL von GoogleBooks belegen?

Die strenge Linie lautet:
  • Nein, Google Books ist nicht zitierfähig. Sie dürfen zwar bei GoogleBooks nachsehen (ähnlich wie in einer Nachweisdatenbank), müssen sich dann aber das Buch besorgen, es lesen und dann daraus zitieren.
  • Inhaltlich mahnt mancher Kollege, dass möglicherweise die wirklich wichtigen Aussagen des Buches gar nicht verfügbar sind und GoogleBooks nur kontextlose Ausschnitte darbietet. Damit ist der Kontext des Zitats nicht überprüfbar.
  • Manchmal wird nur eine Bestätigung geliefert, dass sich ein bestimmtes Stichwort auf einer Seite X befindet, aber mehr kann man nicht sehen.
Allerdings: Realistisch ist diese strenge Linie nicht.

Es ist davon auszugehen, dass GoogleBooks die gedruckte Ausgabe nicht verfälscht. Daher ist es aus meiner Sicht OK, ohne Verweis auf GoogleBooks einfach die Verlagsausgabe zu zitieren.

Der Vollständigkeit und Redlichkeit halber können Sie als Ergänzung angeben, dass Sie die elektronische Version bei GoogleBooks eingesehen haben. Da GoogleBook-URLs sehr lang sind, macht das ein Literaturverzeichnis aber auch nicht schöner. Links sollten so kurz wie möglich sein.

Bisher gibt es allerdings keine verlässlichen Zitier-Regeln für GoogleBooks. 
Wikiquote bietet eine Kurzanleitung für eine möglichst kurze Darstellung des GoogleBooks-Quellenbelegs.


Vorsicht beim Zitieren:

Ein Zitat würde ich tatsächlich nur dann verwenden, wenn ich bei GoogleBooks ausreichend Kontext erkennen kann, also mehrere Seiten lesen kann. Hier ist meine Urteilsfähigkeit gefordert: Verstehe ich die Passage richtig? Ist der Auszug ausreichend?

Wenn das nicht der Fall ist, mir das Buch aber wichtig erscheint, versuche ich es über eine Bibliothek (Fernleihe) zu besorgen.


Bei GoogleBooks zu recherchieren, ist manchmal sehr frustrierend, weil vieles fehlt. Insofern ist es eher ein Hilfsmittel für die Recherche, aber eben nicht dasselbe wie eine vollständige E-Book-Ausgabe.


Schließlich sei noch angemerkt, dass Online-Buchhändler wie Amazon sowie Verlags-Websites ebenfalls Textausschnitte zum virtuellen Durchblättern anbieten. Was bei GoogleBooks nicht verfügbar ist, findet man möglicherweise dort. Bevor man aber Stunden mit der Ergänzungsrecherche zu solchen Auszügen verbringt, ist es sinnvoller, sich das echte Buch über die Bibliothek zu bestellen.

16. Februar 2012

Warum sich Professoren über wissenschaftliche Fachzeitschriften aufregen

Beiträge aus wissenschaftlichen Fachzeitschriften gelten neben Monographien als das Nonplusultra der Literaturauswertung in einer studentischen Arbeit. Aus gutem Grund: Hier findet man die aktuelleste und anspruchsvollste Forschung.

Auch als Student sollte man aber das System der Fachzeitschriften verstehen. Wie das mit dem "Peer Review", also der Qualitätskontrolle funktioniert zum Beispiel -- und warum welche Beiträge in welcher Art Zeitschrift erscheinen oder auch nicht. Und wer überhaupt hinter den Fachzeitschriften steckt.

Seit einiger Zeit kritisieren viele Wissenschaftler das System der Fachzeitschriften. Und auch die Bibliotheken klagen über horrende Abo-Gebühren und die Preispolitik der Wissenschaftsverlage -- was unter anderem zu Abbestellungen führt, so dass auch Studenten nicht mehr darauf zugreifen können.

„Die großen, profitorientierten Wissenschaftsverlage pressen so viel Geld aus der akademischen Welt heraus, wie es der Markt hergibt“, heißt es in einem von zwei lesenswerten Beiträgen, die das System erklären, im Handelsblatt:
  • Teure Wissenschaft: Forscher boykottieren Fachverlag Weil der Fachverlag Elsevier angeblich Wissenschaftler und Bibliotheken ausbeutet, haben Forscher zum Boykott aufgerufen. Ob das ein Umdenken bei den hohen Abogebühren bewirkt, ist jedoch zweifelhaft.
  • Dennis Snower: "Herausgeber können Gott spielen" Dennis Snower, Präsident des Kieler Instituts für Weltwirtschaft, ist ein scharfer Kritiker der etablierten Fachzeitschriften . Im Interview erklärt er, warum Verlage und Herausgeber zu viel Macht haben und wieso er ein neues, kostenloses VWL-Journal gegründet hat.

8. Juli 2011

Schnellballsystem: Wer hat das hier zitiert? Literaturdatenbanken klug nutzen

Wenn Sie Aufsätze und Bücher oder Buchkapitel in einer Literaturdatenbank gefunden haben, nutzen Sie die hilfreichen Zusatzfunktionen, um Publikationen zum selben Thema zu finden.

Jeder Artikel eines Wissenschaftlers ist schließlich in eine "laufende Konversation" eines Themas eingebunden - er zitiert andere, die vor ihm kamen, und wird zitiert von anderen, die nach ihm kommen.

Ein Beispiel. Ich interessiere mich für das Thema Radiofrequenzidentifikation (RFID), und zwar nicht so sehr für die technischen Aspekte, sondern für Datenschutz und Verbraucherschutz dieser oft als "Schnüffelchips" kritisierten modernen Technologie, die z.B. im Einzelhandel und Logistik sehr wichtig geworden ist.

In der Datenbank SpringerLink finde ich einen Aufsatz des amerikanischen Professors Alan R. Peslak im Journal of Business Ethics:
Peslak, A. R. (2005, Juli). An ethical exploration of privacy and radio frequency identification. Journal of Business Ethics 5(4):  327-345. DOI: 10.1007/s10551-005-2928-8
http://www.springerlink.com/content/r5v481kj3k453743/ [5. Juli 2011]
Schön, aber der Aufsatz ist immerhin sechs Jahre alt, seitdem hat sich die Welt ein paarmal gedreht. Wer hat Peslak danach zitiert? SpringerLink zeigt es mir an. Im Balken steht "Cited by (9)", das heißt, hier sind Links zu 9 Publikationen hinterlegt.




Ich klicke auf "Cited by (9)" und erhalte Quellen von 2006 bis 2010 aus so unterschiedlichen Zeitschriften wie Journal of Internet Commerce, Journal of Relationship Marketing,
Journal of Public Policy & Marketing, International Journal of Applied Logistics, International Journal of Operations & Production Management, IEEE Transactions on Engineering, International Journal of Management Reviews, Ethics and Information Technology, Journal of Business Ethics.




Keine schlechte Ausbeute. Die Artikel sind recht aktuell und scheinen sich mit ähnlichen Thematiken zu befassen. Das muss ich natürlich überprüfen. Kleiner Haken: Nur zwei von neun sind auch bei SpringerLink hinterlegt, also in der Datenbank, die der Springer-Verlag betreibt. Das sehe ich an den Symbolen unter der Fundstelle:

Den Wasieleski-Aufsatz kann ich mir also gleich hier ansehen, ich verlasse die SpringerLink-Datenbank nicht. Der Volltext ist für mich sofort verfügbar.

Mich interessieren aber auch die anderen. Dort ist ein anderes Symbol zu sehen: "CrossRef".Was ist "CrossRef"? Dahinter steckt ein Netzwerk, das vor allem von Wissenschaftsverlagen gepflegt wird. In der Wissenschaft ist es sehr wichtig, dass die Verlinkung von online veröffentlichten Literaturbelegen funktioniert (reference linking), effizient und verlässlich ist. Innerhalb einer Datenbank ist das einfach, aber Aufsätze und Bücher erscheinen ja nicht nur bei einem Verlag. Glücklicherweise arbeiten große Verlage zusammen, und zwar über "CrossRef". Wie jeder Computernutzer weiß, haben klassische Internet-Links aber die Angewohnheit, schnell zu veralten. Plötzlich landet man auf "404 Error"-Seiten - "Sorry, document not found". Um solche "broken links" zu vermeiden, vergeben die Verleger für jedes Dokument eine DOI, den Digital Object Identifier. Diese Kennziffer erlaubt es, Dokumente klar zu identifizieren und zu verorten, selbst wenn sie verschoben werden (DOI Foundation www.doi.org). DOIs sind also eine Art PermLink (permanent link, persistent link) -- besser als jede URL, also Internetadresse.

Wenn ich also in meiner Quellenliste auf "CrossRef" klicke, lande ich auf neuen Seiten außerhalb der SpringerLink-Datenbank. Mit etwas Glück ist das Dokument frei verfügbar. Wenn nicht, weiß ich zumindest, in welcher anderen Datenbank ich es finden kann.

SpringerLink ist nur ein Beispiel. Alle Literaturdatenbanken bieten diesen komfortablen Service. Auch bei wissenschaftlichen Suchmaschinen wie GoogleScholar gibt es eine solche Funktion ("Zitiert durch").

Nebeneffekt: Die "Cited by"-Funktion erlaubt mir auch eine Einschätzung, wie wichtig der von mir gefundene Aufsatz ist. Wird er viel zitiert, ist das ein Hinweis darauf, dass andere Wissenschaftler ihn für inhaltlich und formal hilfreich halten. Das ist natürlich relativ. Peslak wird neunmal zitiert, das ist nicht sehr viel - aber RFID ist eben auch nicht gerade ein Thema, das die Massen bewegt. Andererseits ist Peslaks Artikel noch nicht allzu alt; wäre er fünf Jahre älter, wäre er mutmaßlich schon häufiger zitiert worden. Die Anzahl der Zitate durch andere ist aber in jedem Fall eine Hilfe für die Quellenbeurteilung.

12. Juni 2011

Online-Recherche für Rechtsstudenten

"Die Generation der Digital Natives über richtigen Suchmaschineneinsatz zu belehren klingt aussichtslos. Aber es ist nötig", stellt der Frankfurter Juraprofessor Roland Schimmel fest. "Dass Rechtsstudenten in Fragen der Informationsrecherche schlecht oder gar nicht ausgebildet sind, zeigt sich selbst in Abschlussarbeiten noch überraschend oft. Die Schwächen juristischer Prüfungshausarbeiten liegen kaum in schlechter Rechtsrecherche, aber oft in unprofessioneller Faktenrecherche. Am Ende eines juristischen Studiums hat man gelernt, Gesetze und Urteile zu suchen. Fakten zu suchen betrachtet man eher als Aufgabe für Journalisten."
Klassische Übungs- und Prüfungsarbeiten, sagt Schimmel, ersparten den Teilnehmern die Mühe der Informationsbeschaffung. Anders sei es bei Seminar- und Abschlussarbeiten. Wenn die Studenten dabei einem "Quick-and-dirty-Konzept" folgten, halte diese Standardsuche wissenschaftlichen Anforderungen häufig nicht Stand.

Er und sein Kollege Denis Basak kritisieren "unreflektierten Umgang mit Netzressourcen". Sie mahnen an, Recherchen wirklich zu planen. Besonders legen sie Studenten ans Herz, juristische Fachdatenbanken, die Online-Kataloge der Bibliotheken und die vielfältigen Möglichkeiten der Suchmaschinen (und zwar nicht nur Google) zu nutzen -- besser und effizienter.  Wesentlich ist dabei die Überlegung, wofür die Informationen benötigt werden. Daraus ergeben sich oft unterschiedliche Recherche-Strategien.

Neben dem richtigen Suchen ist auch das Überprüfen der Suchergebnisse wichtig. "Vielen Studierenden ist zwar klar, welche gedruckte Literatur zitiert werden kann, und vor allem auch, welche nicht. Bei der Auswertung von Internetquellen fehlt hingegen dieses Gefühl immer noch erstaunlich vielen Studenten", bemängeln die Autoren.

Hier geht es um Fragen der Zitierfähigkeit (z.B. dauerhafte Verfügbarkeit der Quelle) und Zitierwürdigkeit (fachliche Qualität der Inhalte und Seriosität der Quelle). Ein quellenkritischer Blick sei nötig -- zum Beispiel, wenn man Texte von Websites von Anwaltskanzleien oder Lobbygruppen nutzt, die von bestimmten Interessen geleitet sind.
Die Autoren geben den Tipp: "Bleiben Sie möglichst bei Quellen, die Sie kennen und von deren Seriosität Sie absolut überzeugt sind. Finden Sie aber doch entscheidende Informationen auf Websites, die Sie nicht wirklich einschätzen können, dann bewahren Sie sich ein hohes Maß an kritischem Umgang mit Ihren Quellen. Vertrauen Sie diesen Inhalten nicht ungeprüft und machen Sie auch in Ihrer Arbeit deutlich, dass weder die Information noch ihre Quelle unbedingt verlässlich sind."
Die Fachdatenbanken wie Juris, Beck online, LexisNexis-Recht und Legios haben große Vorteile, so die Autoren: Sie bieten leichte Recherchemöglichkeiten, sind recht umfassend und aktuelle, eröffnen den Zugang zu vielen Primärquellen (Gesetzestexten, Urteilen) sowie den Volltextarchiven vieler klassischer Fachzeitschriften und sind uneingeschränkt zitierfähig und zitierwürdig. Dennoch gibt es einige Nachteile (z.B. keine Angaben von Seitenzahlen bei Juris).

Lehrbücher und Monographien, Festschriften und Sammelbände wird man in den Datenbanken allerdings nicht fehlen. In den Fundstellen und Fußnoten wird man Verweise darauf finden, sich die Bücher aber andernorts, in der Regel Bibliotheksregalen, besorgen müssen. Dafür bieten sich dann Online-Kataloge an -- nicht nur einzelner Bibliotheken, sondern auch von Bibliotheksverbünden (Verbundkataloge).

Abfragen in einer allgemeinen Suchmaschine sind für den Rechercheeinstieg in Ordnung. Aber auch hier haben die Autoren einiges zu kritisieren. "Wie man mit einer Suchmaschine umzugehen habe, muss sich heute niemand unter 30 mehr erklären lassen. Sollte man meinen. Stimmt aber nicht ganz. Der faktische Befund ist recht schlicht: Die weit überwiegende Mehrzahl der Nutzer verwendet ausschließlich das Produkt des Marktführers [Google] und benutzt dabei fast nur die einfache Suche." Für wissenschaftliche Suchen reicht das aber nicht aus, da haben die Autoren Recht. Im o.g. Artikel zeigen sie, wie man sinnvoll vorgeht.

In nichtjuristischen Fächern gibt es einige wissenschaftliche Suchmaschinen, die vorrangig wissenschaftliche Texte finden. Aber für rechtswissenschaftliche Themen gibt es bislang keine solchen, mithin weichen Studenten auf Portale und "mehr oder minder gut gepflegte Linksammlungen" aus (z.B. www.abogado.de, www.jurasuche.de, www.jura-lotse.de).

25. Januar 2011

Die Zahl der zitierten Quellen

"Welche Anzahl an Büchern muss zitiert werden?", lautet eine Originalfrage eines Studenten.

"Ihnen wird die Antwort nicht gefallen", sagt der Computer in Per Anhalter durch die Galaxis. Die Ultimative Antwort: 42.

Auf unsinnige Fragen gibt es eben unsinnige Antworten, murmelt der Wissenschaftler... Aber Scherz beiseite, für Studenten ist das praktisch relevant. Sie wissen (oder ahnen zumindest), dass eine zu schmale Literaturgrundlage zu schlechter Bewertung führt. Aber wieviel ist nun "genug"? Oder "gut"? Oder "sehr gut"?

Die korrekte Antwort ist leider nicht viel besser als "42" – nämlich: "Das hängt davon ab." Vom Anspruch der Arbeit und dem Abschlussniveau (Bachelor, Diplom, Master), von der Literaturlage (wieviel und was ist zu einem Thema überhaupt erschienen), vom Untersuchungskonzept der Arbeit.

Richtig ist, dass Gutachter auf den Umfang des Quellen- und Literaturverzeichnisses schauen. Bei einer Bachelorarbeit mit nur fünf belegten Quellen zieht sich die Stirn des Professors zusammen. 15-20 darf man bei den meisten Themen schon erwarten, vielleicht aber auch 30, 40, 50. Je nachdem.

"Ich soll 50 Bücher durchlesen?! Ich bin doch nicht verrückt!" Das verlangt auch niemand. Auch aus Büchern nimmt man sich nur das, was man wirklich braucht: ein Kapitel, vielleicht nur eine Seite.

Zudem: Es geht es keineswegs nur um "Bücher". Ein Kandidat kann in seiner Arbeit möglicherweise gar kein Buch zitieren und trotzdem eine erstklassige Bewertung nach Hause tragen – weil seine anderen Quellen so gut und umfangreich sind.

Ein 5-Seiten-Artikel aus einer Zeitschrift kann für ein Thema viel besser sein als ein ganzes Buch, weil er genau zur Fragestellung der Thesis passt, während die verfügbaren Bücher das Thema nur am Rande erwähnen. Oder weil er brandaktuell ist, während die verfügbaren Bücher, auch und gerade "Standardwerke" (die in 17. Auflage), veraltet sind.

Wenn Sie eine Handvoll solcher perfekt passenden Aufsätze haben, ist das vielleicht alles, was Sie brauchen. Sie müssen Sie nur finden. Aller Wahrscheinlichkeit nach werden Sie aber einen Mix von Quellen haben – einige sehr passgenau und ergiebig, viele begrenzt brauchbar, einige so lala bis fast irrelevant. Einige Bücher darunter und einige Nicht-Bücher.

Die Kritik an der Frage richtet sich also auf das Missverständnis, dass die ultimative Quelle ein Buch ist.

Der gefühlte Goldstandard

Sicher, (wissenschaftliche) Bücher sind für eine studentische Abschlussarbeit zunächst einmal der gefühlte Goldstandard, man wähnt sich auf der sicheren Seite:
  • Sie sind im Bibliothekskatalog und -regal bequem zu finden.
  • Profs verweisen gern und häufig auf "Standardwerke", die man kennen und benutzen soll.
  • Autoritäten zwischen Buchdeckeln sind uneingeschränkt zitierfähig und zitierwürdig. 
  • Bücher werden auch von anerkannten Fachautoren besonders viel zitiert.
  • Und wenn man nicht gerade eine hochspezielle Doktorarbeit oder Habilitationsschrift erwischt, ist die Chance groß, dass sich das Buch an ein breiteres Publikum richtet, also halbwegs verständlich ist.

Mit "Büchern" war bei der Frage vermutlich in erster Linie (wissenschaftliche) Sekundärliteratur gemeint. Ein Jurist beispielsweise arbeitet vorwiegend mit (Primär-) Quellen wie Gesetzestexten und Gerichtsurteilen plus Sekundärliteratur, also Fachtexten über die (Primär-) Quellen. Ein Betriebswirt mag als (Primär-) Quellen Zahlen, Daten, Fakten, Berichte eines Unternehmens ansehen und zieht zusätzlich Sekundärliteratur heran, z.B. über die Branche, über Unternehmensfunktionen und Tätigkeitsbereiche (etwa Marketing, Personalwesen oder Controlling).

Vor allem Bachelor-Abschlussarbeiten arbeiten fast ausschließlich mit Sekundärliteratur, weil der wissenschaftliche Anspruch etwas geringer ist (siehe dazu den Beitrag: "Bachelor- und Masterarbeiten: der kleine, große Unterschied"). Bei einer BA-Thesis ist es auch akzeptabel, dass ein größerer Teil des Literaturverzeichnis aus Lehrbüchern und anderen Einführungswerken besteht, also Sekundärliteratur in Form von nicht allzu speziellen Monographien, und sogar Tertiärliteratur (Lexika, Handbücher usw.).

Ist der wissenschaftliche Anspruch größer (Diplom- und Masterarbeit), desto wichtiger sind, allgemein gesprochen:
  •  Primäre Quellen, d.h. Informationen am Ursprungsort, noch nicht von Experten und Wissenschaftlern gesammelt, analysiert und interpretiert;
  • spezielle Sekundärliteratur, also hochgradig spezialisierte Monographien (keine Lehr- und Einführungsbücher), die für Experten und nicht für junge Studis geschrieben werden;
  • und aktuelle Sekundärliteratur, die "den Stand der Forschung" wiedergibt; also z.B. aktuelle wissenschaftliche Aufsätze in einer Fachzeitschrift oder in Sammelbänden (die oft aus Tagungen entstehen), oder Studien oder Diskussionspapiere von Instituten und Fachgesellschaften.
Bücher sind aus dieser Sicht schon deshalb problematisch, weil sie schnell veraltet sind. Ein Buch zu schreiben, dauert lange; es zu veröffentlichen und zu verkaufen, auch. Den aktuellsten Stand der Forschung findet man daher eher nicht in den Büchern, die eine Hochschulbibliothek im Regal stehen hat. Schon gar nicht in der vertrauten Lehrbuchsammlung. 

Die Nicht-Bücher sind aber auch viel schwieriger zu finden, zu verstehen und zu benutzen. Die Recherche ist anspruchsvoller. Wohlgemerkt, es geht hier nicht um schnelles Herbeigoogeln beliebiger Internetseiten, sondern um wissenschaftlich taugliche Quellen.


Wenn Bücher kaum eine Rolle spielen: Empirische Arbeiten 

In den Wirtschafts- und Sozialwissenschaften dominieren zwei Arten von Abschlussarbeiten: Literaturstudien und empirische Studien. Bei der ersten Gattung dreht sich alles, wie der Name schon sagt, um die Aufarbeitung der Fachliteratur zu einem Thema (oft eher theoretisch orientiert). Da werden dann ganz sicher auch viele Bücher genutzt, und die Diskussion der Bücher steht im Mittelpunkt.

Bei der zweiten Gattung untersucht die Kandidatin dagegen selbst empirisch, d.h. sie sammelt selbst die Informationen, z.B. durch Beobachtung, Befragung, statistische Erhebung oder Dokumentenrecherche. Sekundärliteratur dient dann nur dazu, ein Konzept für die eigentliche Untersuchung zu begründen. Vielleicht vergleicht die Autorin ihre Ergebnisse noch mit denen einer anderen Studie. Bücher werden daher eine untergeordnete Rollen spielen.

Ein Beispiel. Zugegebenermaßen ein eher extremes, was die Zahl der Quellen angeht. Ich hatte gerade eine ziemlich gute Master's Thesis mit einem hohen forscherischen Eigenanteil auf dem Schreibtisch. Das Thema drehte sich um ein EU-Gesetzgebungsverfahren.
  • Die Autorin hat sich dafür in die Datenbanken gestürzt und rund 160 Quellen belegt.
  • ...davon gut 40 Dokumente aus den an der Gesetzgebung beteiligten Institutionen und über 100 Dokumente von Unternehmen und Verbänden (Positionspapiere, Stellungnahmen, Pressemitteilungen, Redeskripte und vieles mehr), außerdem Medienberichterstattung. Diese Dokumentenanalyse war der methodische Kern der Arbeit. 
  • Hinzugezogen hat sie eine Handvoll an wissenschaftlichen Texten, aber da das Thema so aktuell war, gab es zum Speziellen nicht viel. Die wissenschaftlichen Aufsätze und Bücher dienten vorrangig dazu, den Forschungsansatz zu begründen und einen Rahmen für die Analyse und Interpretation der Dokumente aufzubauen. Insgesamt waren das rund 25 Texte der Sekundärliteratur, davon vielleicht 2 Monographien, ein Dutzend Aufsätze aus Sammelbänden, der Rest Aufsätze aus Fachzeitschriften oder separat erschienene Studien. 
Das klassische "Buch", nämlich die Monographie eines Einzelautors, spielte also in dieser Thesis so gut wie keine Rolle. Auch die Bücher, die eine Sammlung von Aufsätzen darstellen, sind nur begrenzt wichtig. Die Frage von ganz oben, "Welche Anzahl an Büchern muss zitiert werden?", ist hier marginal. Der Dreh- und Angelpunkt der Untersuchung sind die primären Quellen, alles keine Bücher.

Wieviel ist genug?


Zurück zur Ausgangsfrage. Wieviel "genug" oder "gut" ist, kann Ihnen in Zahlen niemand sagen. Das entscheidet sich nach der inhaltlichen Qualität und Passgenauigkeit, mithin nach dem Erfolg Ihrer Recherche und dem Thema. Wenn Sie Glück haben, finden Sie schnell Quellen mit hoher Güte. 10 großartige, aussagekräftige Quellen sind besser als 50, die nur am Rande mit Ihrem Thema etwas zu tun haben. Aber das kann man vorher nicht wissen.

Schließlich kommt es darauf an, was Sie daraus machen. Manchmal haben Studenten Angst, dass Sie nicht genug Material zu einem Thema finden. Andere davor, dass sie zuviel finden. Es macht Ihre Thesis sicher nicht besser, wenn Sie Berge von Material auftürmen, die Sie nicht mehr bewältigen können. Weniger ist oft mehr.

Am Ende werden Sie nicht nach der schieren Quantität Ihrer Quellen bewertet, sondern nach Tiefgang in Darstellung und intelligenter Auswertung. Struktur und pointierte Aussagen zählen mehr als das kommentarlose Aneinanderreihen von Zitaten. Man kann also mit der Literatursuche viel Zeit verplempern, die besser in eine Auseinandersetzung mit der bereits gefundenen Literatur investiert wäre.

Eigentlich gibt es nur eine gültige Daumenregel, und sie bezieht sich nicht aufs Minimum, nicht aufs Optimum, sondern aufs Maximum. Wenn Sie bei einer hoffentlich gründlichen und systematischen Recherche und Lektüre merken, dass Sie nichts Neues mehr dazulernen oder sich das Altbekannte ständig wiederholt, dann sollten Sie mit dem Hinzufügen neuer Literatur aufhören.

Ökonomen sprechen hier vom "abnehmenden Grenznutzen" (1. Gossensches Gesetz). Sie können zwar ewig weiter nach Literatur suchen, aber mit jedem Text, den Sie jetzt noch finden, nimmt der Ertrag ab, den Sie davon noch haben. Anders gesagt, "Vollständigkeit" der Recherche kann nicht das Ziel sein. Man kann sich auch totrecherchieren. Eine Abschlussarbeit muss auch in dieser Hinsicht nicht perfekt sein; nur fertig werden muss sie.