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10. Februar 2016

Deutsches Buch, englisches Original – was und wie zitieren?

Ein Student aus Österreich möchte in seiner Abschlussarbeit ein englisches Fachbuch von 1997 zitieren, hat aber nur die deutsche Ausgabe von 2001 auf dem Tisch. Es ist ihm aber aus fachhistorischen Gründen wichtig festzuhalten, dass das Werk 1997 erschien. Er fragt:

"Ich könnte nun einfach aus meiner deutschen Übersetzung von 2001 zitieren und diese in meiner Arbeit mit 1997 kennzeichnen. Abgesehen davon, dass man nicht sicher sein kann, dass der deutsch-sprachige übersetzte Inhalt auch 1:1 so im englischen Original vorkommt, scheint mir dieses Vorgehen nicht wissenschaftlich korrekt. Oder könnte man das notfalls auch machen?"

Und weiter: "Eine andere Vorgehensweise, die ich bereits in einer anderen Dissertation zur selben Problematik gesehen habe, ist, dass bei der  Erstnennung des Werks im Text beide Jahrzahlen angegeben werden: '[...] (Autor x, 1997, 2001).' Bei allen weiteren Erwähnungen dieses Werkes  wurde dieses es dann nur noch mit 'Autor x, 1997' angegeben und auf 2001 wurde kein weiteres Mal mehr Bezug genommen. Im Literaturverzeichnis wurden dann jedoch wieder beide Werke hintereinander angegeben, zuerst das englische Original von 1997 und gleich im Anschluss die deutsche Übersetzung von 2001. (beim Lesen dieser Dissertation hatte man den Eindruck, dass dem Autor ebenfalls nur die deutsche Übersetzung von 2001 vorlag und nicht das Original aus 1997)"

Die beschriebene Vorgehensweise in der Dissertation ist seltsam. Korrekt ist tatsächlich nur, das zu zitieren, was man vor Augen hat. Augenwischerei ist nicht statthaft. 

Wenn man etwas aus der deutschen Ausgabe 2001 entnimmt, muss man auch genau diese belegen! Dass es ein englischsprachiges Original von 1997 gab, ist eine vielleicht fachlich wichtige Einordnung, aber bibliographisch eine nicht weiter notwendige Zusatzinformation. Sie hat mit dem eigentlichen Quellenbeleg formal nichts zu tun.

Es ist aber grundsätzlich völlig in Ordnung, die deutsche Ausgabe zu zitieren. Übrigens sind vier Jahre Verzug bei der Übersetzung wissenschaftlicher Bücher keine lange Zeit.

Grundsätzlich kann man auch davon ausgehen, dass eine Übersetzung tatsächlich eine 1:1-Übersetzung ist -- wenn es eine gekürzte, veränderte oder erweiterte Ausgabe ist, sollte der Verlag das im Buch explizit angeben. Vielleicht hat der Übersetzer auch entsprechende Anmerkungen beigefügt.

Richtig ist, dass eine Übersetzung nicht nur sprachlich, sondern teilweise auch dem Sinn nach zu Veränderungen führen kann, die die Originalautoren vielleicht gar nicht beabsichtigt hatten. Manchmal ist das Original wirklich besser. Wer ganz sicher sein will, dass ein bestimmter Begriff oder eine Phrase so oder so auch im Original formuliert wurde und das Original zitieren will, muss sich definitiv das Original besorgen, etwa über die Fernleihe aus einer anderen Bibliothek. (Oft kann man solche Original-Checks aber auch leicht bei GoogleBooks oder in der Amazon-Vorschau vornehmen.)

Inhaltlich kann man das Problem aber ganz einfach im Text auffangen, Beispiel:
"1997 stellten Smith und Wesson in ihrem in Fachkreisen viel beachteten Buch The .357 Magnum Six Shooter (deutsch 2001 als Der Sechsschüsser im Magnum-Kaliber) ihr neues Modell vor. Sie betonten: "Blah blah blah, blah blah" (Smith & Wesson, 2001, S. 38)." 
Wenn es also fachlich wirklich nötig ist, auf das Erscheinungsdatum des Originals hinzuweisen, dann muss der Autor das im Text tun – ggf. in einer Fußnote statt im Fließtext.

22. Juni 2014

"Zitiert nach" – Quellenbeleg aus zweiter Hand

Ein Student fragt: "Im Rahmen meiner Quellensuche und -analyse ist mir mehrfach aufgefallen, dass oftmals die Bücher/Autoren in den jeweiligen Fachbüchern auf andere Quellen verweisen oder auf anderen Quellen basieren. Hinzu kommt das oftmals sehr weit zurückliegende Publikationsjahr der zitierten Quellen. Meine Frage ist, ob ich im meinem Text immer die 'Ursprungsquelle' zitieren muss oder auch das mir vorliegende Fachbuch als Quelle nutzen kann?"

Wenn man das tut, dann IMMER mit der Angabe "zitiert nach", also z.B. Müller, 1985, S. 15, zitiert nach Meyer, 2009, S. 326 (und nicht einfach Meyer ohne Müller). Außerdem sind BEIDE Quellen mit vollständigen bibliografischen Angaben ins Quellenverzeichnis aufzunehmen, UND Müller ist auch im Quellenverzeichnis mit dem "zitiert nach" zu kennzeichnen.

Das ist, wohlgemerkt, nur eine Krücke – und sollte eine Ausnahme sein. Mit anderen Worten, wann immer es geht, gilt: zurück zum Original!

Ja, das bedeutet Mehrarbeit. Vor allem, wenn es sich um Fachzeitschriften oder längst vergriffene Bücher handelt. Dann heißt es suchen, suchen, suchen, in mehrere Datenbanken einsteigen, möglicherweise gar kostenpflichtige Fernleihaufträge in der Bibliothek abgeben oder bei "Subito" bestellen, weil die Originalquelle nur in seltsamen Repositorien aufzufinden ist...

Und das alles wegen eines Halbsatzes oder einer kleinen Zahl?!?

Kein Wunder, dass Studenten (und oft genug auch Profiautoren und Wissenschaftler) dazu wenig Lust verspüren. Das vermindert die Arbeitseffizienz. Und: Vielleicht ist das Zitatzitat nicht perfekt, aber "gut genug"...

Ausnahmsweise ist ein "zitiert nach" in Ordnung. Eine ganze Batterie von "zitiert nach"-Stellen ist aber ganz sicher kein Ausweis wissenschaftlicher Qualität.

  • Superclevere Studenten wissen das natürlich und verzichten auf die Markierung "zitiert nach", damit es so aussieht, als sei es ein Zitat und kein Zitatzitat -- in der Hoffnung, dass es keiner merkt.
  • Nicht ganz so clevere Studenten denken sowieso nicht darüber nach und kennen den Unterschied nicht einmal.

Warum lohnt es sich, die Mehrarbeit auf sich zu nehmen?
  • Es gehört schlicht zum Handwerkszeug, die Originalfundstelle aufzuspüren. Gerade in Abschlussarbeiten wird erwartet, dass Studenten in der Lage sind, sich über Lehrbuchliteratur und einfach zu beschaffende Sekundärliteratur hinaus Spezial-Quellen zu erschließen. 
  • Zitatzitate werden bestenfalls geduldet, wenn es einen guten Grund gibt (z.B. wenn es sich um nicht veröffentlichte Archivmaterialien handelt). Faulheit ist kein guter Grund.
  • Vorsicht ist geboten: Nicht jeder Autor zitiert formal und inhaltlich korrekt.
  • Jeder Autor hat seinen eigenen Filter, seine eigenen Selektionskriterien. Die entsprechen nicht unbedingt der aktuellen Rechercheabsicht.
  • Das Original kann eine wertvolle Quelle sein. Vielleicht gibt es beim Original viel wichtigere und bessere Textstellen als die, die zitiert wurden. Oder die Quelle führt zu weiteren Quellen.
  • Manchmal sind die Originalquellen veraltet. Besonders bei Zahlen, Daten, Statistiken gilt: Achtung! Auch bei nicht quantitativen Fakten könnte es sein, dass sich der Kontext geändert hat.
  • Es kommt nicht selten vor, dass sich Autor A bei Autor B bedient, der wiederum schon bei Autor C abgeschrieben hat. Dann handelt es sich um ein Zitatzitatzitat. In so einer Kette kommt es zu Unschärfen und Fehlinterpretationen -- ähnlich wie beim alten Spiel "Stille Post" -- und auch zu schlicht falscher Wiedergabe.


2. Juli 2012

Aus Abschlussarbeiten zitieren

"Darf man aus anderen Bachelor- bzw. Abschlussarbeiten zitieren?", fragt eine Studentin. Ja, man darf -- im Prinzip und mit Einschränkungen. Lesen Sie dazu den Beitrag "Studentische Hausarbeiten als Quelle? Zitierfähig, aber nicht zitierwürdig" (7.6.2011). Dieselben Hinweise und Warnungen gelten auch für Abschlussarbeiten.

Wieder einmal dreht sich alles um das Begriffspaar "zitierfähig und zitierwürdig".Alle Abschlussarbeiten sind - anders als Seminararbeiten - dauerhaft öffentlich in einer Bibliothek verfügbar (es sei denn, es gilt ein Sperrvermerk). Zusätzlich stellen viele Absolventen ihre Arbeiten bei Online-Anbietern (z.B. GRIN-Verlag, Hausarbeiten.de u.v.a.) gegen Entgelt ein, oder sie publizieren sie sogar in einem Verlag (meist nur Diplom- und Masterarbeiten). Auch damit sind sie dauerhaft öffentlich verfügbar. Rein formal sind Abschlussarbeiten zitierfähig.

Die Zitierwürdigkeit ist damit noch nicht gegeben. Entscheidend ist die inhaltliche Qualität, und die ist sehr kritisch zu überprüfen, wie im o.g. Blogpost ausgeführt.

Wie "gut" sind Abschlussarbeiten?

Es gibt wissenschaftlich sehr gute, weniger gute und ziemlich miserable Abschlussarbeiten. Nur weil jemand einen Abschluss geschafft hat und deshalb seine Abschlussarbeit in einer Bibliothek steht, sagt über die Qualität wenig aus: höchstens, dass sie in jedem Fall die Mindeststandards erfüllt.

Zwar haben Professoren (besonders bei Bachelor-Arbeiten allerdings häufig auch Nicht-Professoren!) die Arbeit betreut und begutachtet. Das ist aber nicht dasselbe wie wissenschaftlicher Peer Review bei einer Fachzeitschrift oder wenigstens das Lektorat bei einem wissenschaftlichen Verlag, der auf seine Reputation achtet.

Ob jemand exzellent oder gerade mit Ach und Krach seine Prüfung bestanden hat, ob Teile davon gut oder schlecht von den Gutachtern der Arbeit bewertet wurden, was deren Maßstäbe waren oder ob die Gutachter die Thesis überhaupt genau angeschaut haben -- das wissen Sie alles nicht.

Jedenfallls: Sie sollten die ganze Arbeit kennen. Flugs zu googeln und dann einen dreiseitigen Auszug bei GRIN auszuwerten -- das ist schlecht, weil Sie sich dann kein Gesamturteil bilden können. Zum Beispiel mag eine Passage sehr gut klingen, aber wenn Sie die Einleitung und den Schlussteil lesen, die Gliederung oder das Quellenverzeichnis ansehen würden, könnten diese Ihnen wichtige Hinweise geben, ob der Autor solide gearbeitet oder geschlampt hat.

Lassen Sie sich per Fernleihe die Arbeit aus der jeweiligen Hochschulbibliothek kommen, wenn die Thesis nicht in Ihrer eigenen Bibliothek eingestellt ist. 

Bachelor-Arbeiten: Abschlussarbeiten zweiter Klasse

Besonders vorsichtig wäre ich mit Bachelor-Arbeiten. Ohne irgendjemandem auf die Füße treten zu wollen: Bachelor-Arbeiten sind Abschlussarbeiten zweiter Klasse.

Lesen Sie dazu den Beitrag "Bachelor- und Masterarbeiten: der kleine, große Unterschied" (28.12.2010). Eine Bachelor's Thesis erreicht nicht nur nicht den Umfang, sondern auch selten die Qualität einer Master-Arbeit. Selbstständige Forschung ist selten enthalten. Außerdem basieren Bachelor-Arbeiten vorwiegend auf Sekundärquellen, manchmal sogar stark auf Tertiärquellen wie Lehrbüchern und Lexika (dazu: "Primäre, sekundäre und tertiäre Quellen", 29.6.2012). Letzteres sollte nicht so sein, ist aber durchaus häufig.

Ob ein Bachelor-Abschluss wirklich ein wissenschaftlicher Abschluss ist, darüber wird unter Professoren seit jeher gestritten. Daraus ergibt sich die Frage, ob eine Bachelor-Arbeit wirklich eine wissenschaftliche Arbeit ist (oder nur so aussieht). Vom Umfang her ist sie einer Seminararbeit vergleichbar; viele der Papers, die meine Master-Studenten in einem Seminar schreiben, sind deutlich umfangreicher als die meisten Bachelor-Arbeiten. Und meistens besser.


Wenn Sie also Abschlussarbeiten heranziehen, dann möglichst Arbeiten auf höherem Niveau, also Master/Diplom (usw.).


Gründe, weshalb Sie Abschlussarbeiten zitieren wollen könnten 

Warum genau wollen Sie die Abschlussarbeit zitieren? Wirklich deshalb, weil...
  • die Arbeit besonders originelle Einsichten gewährt, die es anderswo noch nicht gab? 
  • sie sehr spezifisch Ihr Thema/Ihre Fragestellung trifft, das oder die so noch nicht aufgearbeitet wurde?
  • sie brandaktuelle Ergebnisse eines eigenen Forschungsprojekts präsentiert?
Wenn das so ist, haben Sie einen guten Grund. Auch ich als Professor habe bereits Abschlussarbeiten zitiert, weil sie wirklich einen guten Beitrag in der "wissenschaftlichen Community" geleistet haben -- durch exzellente Fallstudien, eigene Erhebungen, durchdachte Argumentation und Konzepte. Und weil es wirklich nichts Besseres gab.

Aber mal ehrlich: Vielfach...
  • bieten Studenten in ihrer Thesis nur eine Zusammenfassung der existierenden Forschung. Sie ist nur eine Sekundärquelle unter anderen, und dabei sicher nicht die beste Wahl, verglichen mit den Publikationen etablierter Wissenschaftler.
  • zitieren Studenten andere Studenten nur deshalb, weil die Arbeiten online oder offline komfortabel zu beschaffen sind. Mit anderen Worten: aus Bequemlichkeit.
Abschlussarbeiten zitieren – weil's bequem ist?

Fakt: Es ist viel einfacher, eine "passende" Abschlussarbeit zu finden als eine "passende" Studie eines Wissenschaftlers. Forscher publizieren Bücher (Monographien) -- aber selten. Sie publizieren weit mehr Aufsätze in Fachzeitschriften oder Buchkapitel; beides finden Sie viel schlechter durch Googeln, Sie müssen in mehreren Literatur-Datenbanken recherchieren oder Fachzeitschriften-Inhalte durchblättern oder sich die Inhaltsverzeichnisse von Büchern ansehen.

Wenn Sie sich auskennen im "Fachdiskurs" und die wichtigen Zeitschriften kennen, wenn Sie wissen, in welchen wissenschaftlichen Fachgesellschaften wer mit wem über was bei welchen Kongressen und Tagungen diskutiert, ist das einfach. Viele Studenten kennen sich aber nicht so aus. Selbst wenn sie Virtuelle Fachbibliotheken oder Akademische Suchmaschinen nutzen, fällt die Orientierung oft schwer.  

Die am besten geeigneten, spezialisierten, aktuellen Forschungsbeiträge zu finden, ist für Nichtexperten mühsam. Da ist der Griff zu Abschlussarbeiten, bei denen andere Studenten sich schon die Mühe gemacht haben, komfortabler. Die interessante Frage ist: Wieviel Mühe haben sie sich tatsächlich gemacht? Oder haben sie auch nur den bequemeren Weg gewählt?

Notabene: Es gibt viel mehr Studenten als Wissenschaftler, und Projekte von Studenten sind viel kürzer als Projekte von Wissenschaftlern. Der Output der Studenten ist größer. Insofern ist es bei oberflächlicher Recherche wahrscheinlicher, dass Sie auf eine aktuelle Abschlussarbeit stoßen als auf eine aktuelle Studie eines Berufsgelehrten.

Die Sache mit der Aktualität 
Überhaupt, das Aktuelle. Ich höre oft das Argument der Aktualität: Die Abschlussarbeit sei doch die aktuellste wissenschaftliche Veröffentlichung zu Thema X. Naja:
  • Erstens ist der Begriff  "wissenschaftliche Veröffentlichung" oder überhaupt "Veröffentlichung" sehr dehnbar. 
  • Zweitens basieren Abschlussarbeiten, wie oben gesagt, häufig auf Sekundärquellen; und wie aktuell diese wiederum sind, ist offen. Eine 2012 eingereichte Arbeit mag wesentlich auf Sekundärquellen der Jahre 1995 bis 2005 beruhen. Wie aktuell ist das denn?

Also: Aktuell nach welchem Maßstab? Wenn Sie die aktuellste wissenschaftliche Forschung haben wollen, dann suchen Sie in wissenschaftlichen Fachzeitschriften, außerdem nach "working papers" und Einzelstudien, die von Lehrstühlen oder Instituten herausgegeben werden.

Suchen Sie nach Vortragsskripten und Präsentationen namhafter Wissenschaftler, von denen Sie bereits wissen, dass diese Experten für Ihr Thema sind. Gehen Sie auf die Homepages dieser Wissenschaftler und durchforsten Sie deren Publikationslisten und Neuigkeiten-Rubrik. Diese dürften relativ aktuell und gut gepflegt sein.

Suchen Sie nach aktuellen Tagungen, auf denen Forschungsergebnisse präsentiert werden. Diese werden meist von den wissenschaftlichen Fachgesellschaften veranstaltet, in denen die Forscher Mitglied sind. Fragen Sie Ihren Betreuer danach, wenn Sie sie nicht finden.

Fazit: Vorsichtig und selektiv vorgehen  
Alles in allem: Vorsicht mit Abschlussarbeiten. Im Zweifelsfall sind die Studenten, die sie geschrieben haben, nicht besser oder schlauer oder sorgfältiger als Sie. Die beste Art, mit Abschlussarbeiten umzugehen, ist:

Prüfen Sie die Qualität der ganzen Arbeit, insbesondere die Quellengrundlage. Bilden Sie sich ein Urteil, bevor sie auf den Stapel der bevorzugten Quellen kommt.

Nutzen Sie vor allem das Quellenverzeichnis der Arbeit, um leichter zu erfassen, was für ein Thema wichtig ist, welche Autoren, Fachzeitschriften oder auch Internetportale guten Zugang zu spezialisierter Literatur bieten. Aber verlassen Sie sich nicht darauf, dass der Student, der diese Quellen recherchierte, den perfekten Blick auf die Literaturlage hatte. Wahrscheinlich hatte er ihn NICHT.

Wenn Sie in einer Abschlussarbeit ungemein passende, originelle Passage finden, die Sie unbedingt zitieren wollen, prüfen Sie genau, ob diese wirklich originell ist -- oder nur eine Zusammenfassung anderer Quellen, seien es Fakten oder Zahlen (diese sind ja selten das Produkt studentischer Forschung) oder Argumente und Interpretationen (oftmals auch nur Varianten anderer Autoren). Wann immer möglich, gehen Sie anhand der Quellenbelege zurück zur Ursprungsquelle!


Denken Sie schließlich daran, dass Studenten Fehler machen und manchmal pfuschen. Eine großartige, treffende Passage aus einer Abschlussarbeit, die keinen Quellenbeleg hat, mag die Leistung des Autors sein. Oder auch ein Plagiat. Und das wollen Sie bestimmt nicht in Ihrer Arbeit haben.

4. April 2012

Aufsätze mit "Peer Review"

Bei der Literaturrecherche verlangt Ihr Professor, dass Sie bitteschön Forschungsaufsätze aus wissenschaftlichen Fachzeitschriften mit "Peer Review" heraussuchen sollen. Und nachweisen sollen Sie das auch noch.

Dummerweise gibt es keine Kataloge und Recherchetools, mit denen sich die Aufgabe leicht lösen lässt. Und Fachzeitschriften haben kein einheitliches Format oder Symbol, mit dem "Peer Review" angezeigt wird. Was das ist, ist für Studenten ohnehin ein Rätsel. Der Professor murmelt nur etwas von "Königsklasse" der wissenschaftlichen Qualität. Aber warum soll das besser sein als ein Buch oder ein sonstiger richtig guter Artikel?

Schnelleinstieg 1: Was ist "Peer Review"? 

Um in der "scientific community" Akzeptanz zu erhalten, richtet eine wissenschaftliche Fachzeitschrift ein Herausgeber- oder Redaktionsgremium ("editorial board") aus Wissenschaftlern ein. Es sind also keine Fachjournalisten und Profiredakteure, sondern Professoren und Forscher, die die akademische Güte garantieren sollen. Oft wird eine Fachzeitschrift von einer wissenschaftlichen Fachvereinigung herausgegeben, die rekrutiert ihre Leute also genau aus diesem Verein.

In einem solchen Gremium zu sein, bedeutet Prestige, wissenschaftliche Reputation -- und ein Quäntchen Macht über das, was die Fachdisziplin diskutiert. Das ist nicht nur ein Beirat, wie ihn praxisorientierte Zeitschriften oft haben.

Davon ist aber der Begutachtungsprozess getrennt zu sehen. Zwar entscheidet letztendlich das Redaktionsgremium, aber es bindet sich selbst an ein bestimmtes Verfahren: eben den "Peer Review". Es gibt auch andere Bezeichnungen. Englisch wird neben "peer-reviewed journal" auch von "juried journal" oder "refereed journal" gesprochen.

Mit "Peers" sind Kollegen gemeint -- Wissenschaftler sollen Wissenschaftler begutachten. Die "Reviewer" sind externe, unabhängige Gutachter. Auch als Reviewer tätig zu sein, ist ein Reputationsgewinn -- Honorar gibt es dafür sehr selten. Sie prüfen die eingereichten und vom Redakteur vorgeschlagenen Artikel, sie geben Hinweise und Korrekturtipps für den Autor, der den Aufsatz dann noch einmal überarbeiten kann (oder muss).


Nur wenn die Gutachter der Veröffentlichung zustimmen, wird veröffentlicht. Das Prestige einer Publikation ist oft umso höher, je höher die Ablehnungsquote ist.

Damit die Gutachter wirklich unabhängig sind, werden die Aufsatzvorschläge oftmals anonymisiert. Die Reviewer sind also "blind", sie wissen nicht, wer den Text geschrieben hat. Meist wird der Text von mehreren Personen  begutachtet.

Das ist ein ziemlich großer Aufwand, und das Verfahren dauert viele Monate; manchmal sogar Jahre. Ein halbes Jahr kann man meist rechnen, wissenschaftliche Zeitschriften sind also nicht brandaktuell. Bei den veröffentlichten Aufsätzen findet sich daher oft eine "article history", die anzeigt, wann der Aufsatz einging, wie er durchs Verfahren lief, wann er endgültig akzeptiert wurde. So kann man die Publikationsgeschichte etwas nachverfolgen und sehen, wie aktuell er ist.

Schnelleinstieg 2: Wie stellt man fest, ob die Zeitschrift einen "Peer Review" hat? 

Die "article history" gibt schon mal einen ersten Hinweis ("revised" heißt, der Autor musste wegen Gutachterkritik etwas ändern und neu einreichen; "accepted" heißt Annahme in der endgültigen Form.) 

Wenn Sie den Aufsatz in einer Zeitschriften-Datenbank finden, achten Sie auf Hinweise und Symbole. In manchen Datenbanken können Sie explizit nach "peer-reviewed scholarly journals" suchen (und alles andere von der Suche ausschließen). 

Der beste Weg führt zur Homepage der Zeitschrift. Das ist nicht dasselbe wie die Datenbank, die die Zeitschrift führt! Auf der Internetseite finden Sie in der Regel
  • eine Beschreibung des Ziels der Zeitschrift und ihrer inhaltlichen Schwerpunkte,
  • eine Darstellung des Herausgebergremiums und ihrer Gutachter sowie der Verbindungen zu wissenschaftlichen Vereinigungen,
  • eine Darstellung der Redaktions- und Veröffentlichungsverfahren,
  • "Hinweise für Autoren", die dort veröffentlichen möchten,
  • "Calls for papers", d.h. aktuelle Aufforderungen an Wissenschaftler, Beiträge für eine künftige Ausgabe mit Schwerpunktthemen einzureichen.
Der Nachweis für Peer Review kann sich an unterschiedlichen Stellen verstecken. Meist  findet er sich bei den "Hinweisen für Autoren". Manchmal wird darüber nichts explizit gesagt, aber wenn es Reviewer/Gutachter gibt, dann wohl logischerweise auch ein Review-Verfahren.


Wichtig: Auch in einem "peer-reviewed journal" unterliegen nicht immer alle Beiträge einem Gutachterverfahren. Eine Zeitschrift kann z.B. mehrere Artikelkategorien haben: Forschungsaufsätze, kurze Beiträge zu Debattenforen, Leserbriefe, Buchrezensionen und Praktiker-Gastbeiträge, Mitteilungen von Fachverbände o.ä. In der Regel wird der Aufwand für den "Peer Review" nur für die großen Aufsätze, in denen Forschungsergebnisse präsentiert werden, betrieben.

Kontext


Was ist überhaupt eine "wissenschaftliche" Fachzeitschrift?



Ein bißchen Medienkunde: Schauen Sie einmal, was Wikipedia allgemein zu Fachzeitschriften und zur Untergattung der wissenschaftlichen Zeitschriften zu sagen hat.

Nicht alles, was als "Fachliteratur" klassizifiziert werden kann, ist eine Fachzeitschrift. Es gibt Fachbücher, Loseblattsammlungen, irgendwelche "Papers", Vortragsskripte, Präsentationen, Online-Dienste...

Eine Fz ist ein Periodikum, erscheint also regelmäßig (ob gedruckt oder online oder beides), und richtet sich an Experten. Experten können auch Praktiker sein. Tatsächlich gibt es viele Magazine, Wochen- und Monatsblätter oder sonstige Zeitschriftenformate, die vorrangig praxisorientiert sind -- oder sich an ein gemischtes Publikum aus Praktikern und Wissenschaftlern richten.

Eine streng wissenschaftliche Fachzeitschrift tut das nicht. Sie präsentiert vorrangig wissenschaftliche Forschungsergebnisse und führt akademische Debatten. Wissenschaftler schreiben für Wissenschaftler (ohne Rücksicht auf Studenten und Amateure). 

Typisch ist, dass die dortigen Aufsätze...
  • über neueste wissenschaftliche Erkenntnisse berichten (aktueller als die meisten Bücher)
  • immer Quellenbelege und ein langes Literaturverzeichnis haben
  • den Fachjargon ihrer Disziplin benutzen und typische Schlüsselbegriffe (key terms) ausweisen, mit denen Wissenschaftler z.B. den Bezug zu etablierten Theorien und Sachgebieten identifizieren
  • sich auf andere Wissenschaftler beziehen (Bezug zum Forschungsstand)
  • ausführlich Methoden und Datenanalysen diskutieren
  • einen langen, beschreibenden Titel haben (also selten "knackige" Headlines)
  • in der Regel deutlich länger als 5 Seiten sind.
Bei Praktiker-Fachzeitschriften werden sie das nicht in gleicher Weise finden. Dort sind die Aufsätze kürzer, Literaturbelege gibt es nicht oder nur wenige (im Sinne "weiterführender Literatur" als Lesetipps, nicht als Belegapparat), und der ganze Kontext ist weniger akademisch. Vielmehr bezieht er sich eher auf einen Beruf oder eine Branche, weshalb ich gern von praxisorientierten Branchen-Fachzeitschriften spreche.

Es gibt viele Merkmale, an denen Sie die Unterschiede zwischen wissenschaftlichen Fachzeitschriften, praxisorientierten Branchen-Fachzeitschriften und - im noch größeren Kontrast - Publikumszeitschriften leicht erkennen können (zum Vergrößern auf Tabelle klicken):

Unterschiede von Fachzeitschriften, erweiterte eigene Darstellung und angelehnt an eine Aufstellung der ProQuest-Datenbank (Scholarly Journals, Trade Publications, and Popular Magazines)

22. Februar 2012

Aus GoogleBooks zitieren?

GoogleBooks ist eine geniale Hilfe in der Online-Recherche, zweifellos. Bücher werden 1:1 gescannt und sind in der Regel im Volltext recherchierbar. Allerdings werden nur Auszüge zur Verfügung gestellt. Den Copyright-Streit lassen wir einmal außen vor.

Die zentrale Frage ist: Wenn ich ein Buch bei GoogleBooks auswerte, kann ich dann daraus zitieren und mit der URL von GoogleBooks belegen?

Die strenge Linie lautet:
  • Nein, Google Books ist nicht zitierfähig. Sie dürfen zwar bei GoogleBooks nachsehen (ähnlich wie in einer Nachweisdatenbank), müssen sich dann aber das Buch besorgen, es lesen und dann daraus zitieren.
  • Inhaltlich mahnt mancher Kollege, dass möglicherweise die wirklich wichtigen Aussagen des Buches gar nicht verfügbar sind und GoogleBooks nur kontextlose Ausschnitte darbietet. Damit ist der Kontext des Zitats nicht überprüfbar.
  • Manchmal wird nur eine Bestätigung geliefert, dass sich ein bestimmtes Stichwort auf einer Seite X befindet, aber mehr kann man nicht sehen.
Allerdings: Realistisch ist diese strenge Linie nicht.

Es ist davon auszugehen, dass GoogleBooks die gedruckte Ausgabe nicht verfälscht. Daher ist es aus meiner Sicht OK, ohne Verweis auf GoogleBooks einfach die Verlagsausgabe zu zitieren.

Der Vollständigkeit und Redlichkeit halber können Sie als Ergänzung angeben, dass Sie die elektronische Version bei GoogleBooks eingesehen haben. Da GoogleBook-URLs sehr lang sind, macht das ein Literaturverzeichnis aber auch nicht schöner. Links sollten so kurz wie möglich sein.

Bisher gibt es allerdings keine verlässlichen Zitier-Regeln für GoogleBooks. 
Wikiquote bietet eine Kurzanleitung für eine möglichst kurze Darstellung des GoogleBooks-Quellenbelegs.


Vorsicht beim Zitieren:

Ein Zitat würde ich tatsächlich nur dann verwenden, wenn ich bei GoogleBooks ausreichend Kontext erkennen kann, also mehrere Seiten lesen kann. Hier ist meine Urteilsfähigkeit gefordert: Verstehe ich die Passage richtig? Ist der Auszug ausreichend?

Wenn das nicht der Fall ist, mir das Buch aber wichtig erscheint, versuche ich es über eine Bibliothek (Fernleihe) zu besorgen.


Bei GoogleBooks zu recherchieren, ist manchmal sehr frustrierend, weil vieles fehlt. Insofern ist es eher ein Hilfsmittel für die Recherche, aber eben nicht dasselbe wie eine vollständige E-Book-Ausgabe.


Schließlich sei noch angemerkt, dass Online-Buchhändler wie Amazon sowie Verlags-Websites ebenfalls Textausschnitte zum virtuellen Durchblättern anbieten. Was bei GoogleBooks nicht verfügbar ist, findet man möglicherweise dort. Bevor man aber Stunden mit der Ergänzungsrecherche zu solchen Auszügen verbringt, ist es sinnvoller, sich das echte Buch über die Bibliothek zu bestellen.

16. Februar 2012

Warum sich Professoren über wissenschaftliche Fachzeitschriften aufregen

Beiträge aus wissenschaftlichen Fachzeitschriften gelten neben Monographien als das Nonplusultra der Literaturauswertung in einer studentischen Arbeit. Aus gutem Grund: Hier findet man die aktuelleste und anspruchsvollste Forschung.

Auch als Student sollte man aber das System der Fachzeitschriften verstehen. Wie das mit dem "Peer Review", also der Qualitätskontrolle funktioniert zum Beispiel -- und warum welche Beiträge in welcher Art Zeitschrift erscheinen oder auch nicht. Und wer überhaupt hinter den Fachzeitschriften steckt.

Seit einiger Zeit kritisieren viele Wissenschaftler das System der Fachzeitschriften. Und auch die Bibliotheken klagen über horrende Abo-Gebühren und die Preispolitik der Wissenschaftsverlage -- was unter anderem zu Abbestellungen führt, so dass auch Studenten nicht mehr darauf zugreifen können.

„Die großen, profitorientierten Wissenschaftsverlage pressen so viel Geld aus der akademischen Welt heraus, wie es der Markt hergibt“, heißt es in einem von zwei lesenswerten Beiträgen, die das System erklären, im Handelsblatt:
  • Teure Wissenschaft: Forscher boykottieren Fachverlag Weil der Fachverlag Elsevier angeblich Wissenschaftler und Bibliotheken ausbeutet, haben Forscher zum Boykott aufgerufen. Ob das ein Umdenken bei den hohen Abogebühren bewirkt, ist jedoch zweifelhaft.
  • Dennis Snower: "Herausgeber können Gott spielen" Dennis Snower, Präsident des Kieler Instituts für Weltwirtschaft, ist ein scharfer Kritiker der etablierten Fachzeitschriften . Im Interview erklärt er, warum Verlage und Herausgeber zu viel Macht haben und wieso er ein neues, kostenloses VWL-Journal gegründet hat.

25. Januar 2011

Die Zahl der zitierten Quellen

"Welche Anzahl an Büchern muss zitiert werden?", lautet eine Originalfrage eines Studenten.

"Ihnen wird die Antwort nicht gefallen", sagt der Computer in Per Anhalter durch die Galaxis. Die Ultimative Antwort: 42.

Auf unsinnige Fragen gibt es eben unsinnige Antworten, murmelt der Wissenschaftler... Aber Scherz beiseite, für Studenten ist das praktisch relevant. Sie wissen (oder ahnen zumindest), dass eine zu schmale Literaturgrundlage zu schlechter Bewertung führt. Aber wieviel ist nun "genug"? Oder "gut"? Oder "sehr gut"?

Die korrekte Antwort ist leider nicht viel besser als "42" – nämlich: "Das hängt davon ab." Vom Anspruch der Arbeit und dem Abschlussniveau (Bachelor, Diplom, Master), von der Literaturlage (wieviel und was ist zu einem Thema überhaupt erschienen), vom Untersuchungskonzept der Arbeit.

Richtig ist, dass Gutachter auf den Umfang des Quellen- und Literaturverzeichnisses schauen. Bei einer Bachelorarbeit mit nur fünf belegten Quellen zieht sich die Stirn des Professors zusammen. 15-20 darf man bei den meisten Themen schon erwarten, vielleicht aber auch 30, 40, 50. Je nachdem.

"Ich soll 50 Bücher durchlesen?! Ich bin doch nicht verrückt!" Das verlangt auch niemand. Auch aus Büchern nimmt man sich nur das, was man wirklich braucht: ein Kapitel, vielleicht nur eine Seite.

Zudem: Es geht es keineswegs nur um "Bücher". Ein Kandidat kann in seiner Arbeit möglicherweise gar kein Buch zitieren und trotzdem eine erstklassige Bewertung nach Hause tragen – weil seine anderen Quellen so gut und umfangreich sind.

Ein 5-Seiten-Artikel aus einer Zeitschrift kann für ein Thema viel besser sein als ein ganzes Buch, weil er genau zur Fragestellung der Thesis passt, während die verfügbaren Bücher das Thema nur am Rande erwähnen. Oder weil er brandaktuell ist, während die verfügbaren Bücher, auch und gerade "Standardwerke" (die in 17. Auflage), veraltet sind.

Wenn Sie eine Handvoll solcher perfekt passenden Aufsätze haben, ist das vielleicht alles, was Sie brauchen. Sie müssen Sie nur finden. Aller Wahrscheinlichkeit nach werden Sie aber einen Mix von Quellen haben – einige sehr passgenau und ergiebig, viele begrenzt brauchbar, einige so lala bis fast irrelevant. Einige Bücher darunter und einige Nicht-Bücher.

Die Kritik an der Frage richtet sich also auf das Missverständnis, dass die ultimative Quelle ein Buch ist.

Der gefühlte Goldstandard

Sicher, (wissenschaftliche) Bücher sind für eine studentische Abschlussarbeit zunächst einmal der gefühlte Goldstandard, man wähnt sich auf der sicheren Seite:
  • Sie sind im Bibliothekskatalog und -regal bequem zu finden.
  • Profs verweisen gern und häufig auf "Standardwerke", die man kennen und benutzen soll.
  • Autoritäten zwischen Buchdeckeln sind uneingeschränkt zitierfähig und zitierwürdig. 
  • Bücher werden auch von anerkannten Fachautoren besonders viel zitiert.
  • Und wenn man nicht gerade eine hochspezielle Doktorarbeit oder Habilitationsschrift erwischt, ist die Chance groß, dass sich das Buch an ein breiteres Publikum richtet, also halbwegs verständlich ist.

Mit "Büchern" war bei der Frage vermutlich in erster Linie (wissenschaftliche) Sekundärliteratur gemeint. Ein Jurist beispielsweise arbeitet vorwiegend mit (Primär-) Quellen wie Gesetzestexten und Gerichtsurteilen plus Sekundärliteratur, also Fachtexten über die (Primär-) Quellen. Ein Betriebswirt mag als (Primär-) Quellen Zahlen, Daten, Fakten, Berichte eines Unternehmens ansehen und zieht zusätzlich Sekundärliteratur heran, z.B. über die Branche, über Unternehmensfunktionen und Tätigkeitsbereiche (etwa Marketing, Personalwesen oder Controlling).

Vor allem Bachelor-Abschlussarbeiten arbeiten fast ausschließlich mit Sekundärliteratur, weil der wissenschaftliche Anspruch etwas geringer ist (siehe dazu den Beitrag: "Bachelor- und Masterarbeiten: der kleine, große Unterschied"). Bei einer BA-Thesis ist es auch akzeptabel, dass ein größerer Teil des Literaturverzeichnis aus Lehrbüchern und anderen Einführungswerken besteht, also Sekundärliteratur in Form von nicht allzu speziellen Monographien, und sogar Tertiärliteratur (Lexika, Handbücher usw.).

Ist der wissenschaftliche Anspruch größer (Diplom- und Masterarbeit), desto wichtiger sind, allgemein gesprochen:
  •  Primäre Quellen, d.h. Informationen am Ursprungsort, noch nicht von Experten und Wissenschaftlern gesammelt, analysiert und interpretiert;
  • spezielle Sekundärliteratur, also hochgradig spezialisierte Monographien (keine Lehr- und Einführungsbücher), die für Experten und nicht für junge Studis geschrieben werden;
  • und aktuelle Sekundärliteratur, die "den Stand der Forschung" wiedergibt; also z.B. aktuelle wissenschaftliche Aufsätze in einer Fachzeitschrift oder in Sammelbänden (die oft aus Tagungen entstehen), oder Studien oder Diskussionspapiere von Instituten und Fachgesellschaften.
Bücher sind aus dieser Sicht schon deshalb problematisch, weil sie schnell veraltet sind. Ein Buch zu schreiben, dauert lange; es zu veröffentlichen und zu verkaufen, auch. Den aktuellsten Stand der Forschung findet man daher eher nicht in den Büchern, die eine Hochschulbibliothek im Regal stehen hat. Schon gar nicht in der vertrauten Lehrbuchsammlung. 

Die Nicht-Bücher sind aber auch viel schwieriger zu finden, zu verstehen und zu benutzen. Die Recherche ist anspruchsvoller. Wohlgemerkt, es geht hier nicht um schnelles Herbeigoogeln beliebiger Internetseiten, sondern um wissenschaftlich taugliche Quellen.


Wenn Bücher kaum eine Rolle spielen: Empirische Arbeiten 

In den Wirtschafts- und Sozialwissenschaften dominieren zwei Arten von Abschlussarbeiten: Literaturstudien und empirische Studien. Bei der ersten Gattung dreht sich alles, wie der Name schon sagt, um die Aufarbeitung der Fachliteratur zu einem Thema (oft eher theoretisch orientiert). Da werden dann ganz sicher auch viele Bücher genutzt, und die Diskussion der Bücher steht im Mittelpunkt.

Bei der zweiten Gattung untersucht die Kandidatin dagegen selbst empirisch, d.h. sie sammelt selbst die Informationen, z.B. durch Beobachtung, Befragung, statistische Erhebung oder Dokumentenrecherche. Sekundärliteratur dient dann nur dazu, ein Konzept für die eigentliche Untersuchung zu begründen. Vielleicht vergleicht die Autorin ihre Ergebnisse noch mit denen einer anderen Studie. Bücher werden daher eine untergeordnete Rollen spielen.

Ein Beispiel. Zugegebenermaßen ein eher extremes, was die Zahl der Quellen angeht. Ich hatte gerade eine ziemlich gute Master's Thesis mit einem hohen forscherischen Eigenanteil auf dem Schreibtisch. Das Thema drehte sich um ein EU-Gesetzgebungsverfahren.
  • Die Autorin hat sich dafür in die Datenbanken gestürzt und rund 160 Quellen belegt.
  • ...davon gut 40 Dokumente aus den an der Gesetzgebung beteiligten Institutionen und über 100 Dokumente von Unternehmen und Verbänden (Positionspapiere, Stellungnahmen, Pressemitteilungen, Redeskripte und vieles mehr), außerdem Medienberichterstattung. Diese Dokumentenanalyse war der methodische Kern der Arbeit. 
  • Hinzugezogen hat sie eine Handvoll an wissenschaftlichen Texten, aber da das Thema so aktuell war, gab es zum Speziellen nicht viel. Die wissenschaftlichen Aufsätze und Bücher dienten vorrangig dazu, den Forschungsansatz zu begründen und einen Rahmen für die Analyse und Interpretation der Dokumente aufzubauen. Insgesamt waren das rund 25 Texte der Sekundärliteratur, davon vielleicht 2 Monographien, ein Dutzend Aufsätze aus Sammelbänden, der Rest Aufsätze aus Fachzeitschriften oder separat erschienene Studien. 
Das klassische "Buch", nämlich die Monographie eines Einzelautors, spielte also in dieser Thesis so gut wie keine Rolle. Auch die Bücher, die eine Sammlung von Aufsätzen darstellen, sind nur begrenzt wichtig. Die Frage von ganz oben, "Welche Anzahl an Büchern muss zitiert werden?", ist hier marginal. Der Dreh- und Angelpunkt der Untersuchung sind die primären Quellen, alles keine Bücher.

Wieviel ist genug?


Zurück zur Ausgangsfrage. Wieviel "genug" oder "gut" ist, kann Ihnen in Zahlen niemand sagen. Das entscheidet sich nach der inhaltlichen Qualität und Passgenauigkeit, mithin nach dem Erfolg Ihrer Recherche und dem Thema. Wenn Sie Glück haben, finden Sie schnell Quellen mit hoher Güte. 10 großartige, aussagekräftige Quellen sind besser als 50, die nur am Rande mit Ihrem Thema etwas zu tun haben. Aber das kann man vorher nicht wissen.

Schließlich kommt es darauf an, was Sie daraus machen. Manchmal haben Studenten Angst, dass Sie nicht genug Material zu einem Thema finden. Andere davor, dass sie zuviel finden. Es macht Ihre Thesis sicher nicht besser, wenn Sie Berge von Material auftürmen, die Sie nicht mehr bewältigen können. Weniger ist oft mehr.

Am Ende werden Sie nicht nach der schieren Quantität Ihrer Quellen bewertet, sondern nach Tiefgang in Darstellung und intelligenter Auswertung. Struktur und pointierte Aussagen zählen mehr als das kommentarlose Aneinanderreihen von Zitaten. Man kann also mit der Literatursuche viel Zeit verplempern, die besser in eine Auseinandersetzung mit der bereits gefundenen Literatur investiert wäre.

Eigentlich gibt es nur eine gültige Daumenregel, und sie bezieht sich nicht aufs Minimum, nicht aufs Optimum, sondern aufs Maximum. Wenn Sie bei einer hoffentlich gründlichen und systematischen Recherche und Lektüre merken, dass Sie nichts Neues mehr dazulernen oder sich das Altbekannte ständig wiederholt, dann sollten Sie mit dem Hinzufügen neuer Literatur aufhören.

Ökonomen sprechen hier vom "abnehmenden Grenznutzen" (1. Gossensches Gesetz). Sie können zwar ewig weiter nach Literatur suchen, aber mit jedem Text, den Sie jetzt noch finden, nimmt der Ertrag ab, den Sie davon noch haben. Anders gesagt, "Vollständigkeit" der Recherche kann nicht das Ziel sein. Man kann sich auch totrecherchieren. Eine Abschlussarbeit muss auch in dieser Hinsicht nicht perfekt sein; nur fertig werden muss sie.

3. Januar 2011

Fachwörterbücher online

Kostenlose Online-Wörterbücher gibt's im Web reichlich, und in internationalen Studiengängen machen Studenten davon viel Gebrauch. Teilweise täglich. Und bei Lektüre in Fachkursen sowie Beleg- und Abschlussarbeiten ist die Arbeit damit essentiell. Die Qualität allerdings ist nicht immer so, wie man es von den Standardwerken aus Fachverlagen erwarten kann. Je nachdem, wer den Dienst betreibt.

Das gilt erst recht für zweisprachige Fachwörterbücher. Da muss man schon etwas suchen. Nicht schlecht immerhin der Leo-Dienst beim RecherchePortal für Journalisten für diverse Gebiete (z.B. Jura, Wirtschaft, Medien), oder das Langenscheidt Fachwörterbuch für Wirtschaft, Handel und Finanzen bei der Süddeutschen.

Über eine Hochschulbibliothek haben Studenten die Möglichkeit, auf die Online-Abos kostenpflichtiger Fachwörterbücher zuzugreifen.

An der TH Wildau beispielsweise sind die Langenscheidt Online-Wörterbücher ab dieser Woche vom gesamten Campus aus sowie per Fernzugriff via VPN zu erreichen. Neben diversen "normalen" Wörterbüchern für verschiedene Sprachen sowie diverser "Duden" enthalten:
  • Fachwörterbuch Architektur und Bauwesen Englisch
  • Fachwörterbuch Biologie Englisch
  • Fachwörterbuch Chemie und chemische Technik Englisch
  • Fachwörterbuch Elektrotechnik und Elektronik Englisch
  • Fachwörterbuch Medizin Englisch
  • Fachwörterbuch Physik Deutsch – Englisch
  • Fachwörterbuch Technik und angewandte Wissenschaften Englisch
  • Fachwörterbuch Technik Franzoesisch
  • Fachwörterbuch Technik Italienisch
  • Fachwörterbuch Wirtschaft, Handel und Finanzen Englisch
  • Fachwörterbuch Kompakt Recht Englisch

29. Dezember 2010

Vascoda und ViFas: Virtuelle Fachbibliotheken für gezielte Recherche online

ViFas sind ein Geheimtipp für die schnelle Suche innerhalb eines Fachgebiets: Die "Virtuellen Fachbibliotheken" haben es sich zur Aufgabe gemacht, einheitliche Zugänge (Webportale) zur Recherche und Bereitstellung von bundesweit und international weit verstreuten Informationen zu errichten.

Die ViFas werden von "echten" Bibliotheken, meist von Universitäten, betreut, die im deutschen Bibliothekssystem ein bestimmtes Sondersammelgebiet haben (d.h., sie sammeln wirklich alles, was zu einem Fach gehört).

Die deutschen ViFas finden Sie zusammen mit anderen Info-Angeboten, z.B. der  Elektronischen Zeitschriftenbibliothek, bei vascoda - "das Internetportal für wissenschaftliche Information".

Viel wichtiger als dieses Einstiegsportal sind aber die Virtuellen Fachbibliotheken selbst. Über Vascoda kann man zwar eine Metasuche vornehmen, aber direkter, komfortabler und multifunktionaler geht es auf der Ebene der ViFas zu.

ViFas für Wirtschafts- und Rechtswissenschaften

EconBiz bietet einen zentralen Zugang zu wirtschaftswissenschaftlichen Fachinformationen. Über eine Metasuche kann in verschiedenen relevanten Datenbanken recherchiert werden. In diesen Datenbanken wird nicht nur auf Bibliotheksbestände verwiesen, sondern auch auf Websites, Aufsätze und Onlinedokumente.

Die ViFa Recht ist ein Instrument für die rechtswissenschaftliche Online-Recherche. Sie bietet einen ortsunabhängigen und unkomplizierten Zugang zu rechtswissenschaftlichen Fachinformationen im Internet.

ViFas für Politik-/Sozialwissenschaften und EU-Regionalstudien

ViFaPol ist das zentrale Rechercheportal für die Politikwissenschaft und Friedensforschung. Über 20 Bibliotheks- und Spezialkataloge, Fachdatenbanken und Sammlungen von Internetquellen (Fachinformationsführer), können gleichzeitig durchsucht werden.

Das sozialwissenschaftliche Fachportal SOWIPORT bündelt und vernetzt qualitätsgeprüfte Informationen nationaler und internationaler Anbieter und macht sie an einer Stelle verfügbar. Durch die enge Integration bislang nur getrennt vorhandener Angebote entsteht mit SOWIPORT eine zentrale Anlaufstelle für Nutzer sozialwissenschaftlicher Informationen

IREON - das Fachportal Internationale Beziehungen und Länderkunde ist ein fachübergreifendes Angebot zur Literaturrecherche in Fachdatenbanken. Es vereint Angebote aus den Gebieten Politikwissenschaft, Wirtschaftswissenschaft und Regionalforschung sowie angrenzender Gebiete wie z.B. Völkerrecht, Klimaforschung oder Kulturwissenschaften, sofern sie Auswirkungen auf das internationale System haben. Der inhaltliche Schwerpunkt des Angebots liegt auf außen- und sicherheits-, wirtschafts- und entwicklungspoltitischen Entwicklungen weltweit. Inhaltliche Recherchen werden durch die inhaltliche Erschließung aller Nachweise mit Schlagwörtern und/oder Abstracts unterstützt.

vifanord ist ein Informationsportal zur kultur-, sozial- und geistseswissenschaftlichen Forschung. Es bietet einen gebündelten Zugriff auf Bücher, Zeitschriftenartikel und Internetressourcen zu Themen über Skandinavien, Finnland, die drei baltischen Länder Estland, Lettland und Litauen und allgemeine Ostseeraumthemen.

Die ViFaOst ist ein fachübergreifendes Regionalportal, das wissenschaftlich Interessierten ein vielfältiges Angebot zur Osteuropaforschung bietet. Über detaillierte Suchfunktionen besteht Zugriff auf wissenschaftliche Fachinformationen zu Geschichte, Sprache, Literatur, Politik und Kultur der Länder und Regionen Ost-, Ostmittel- und Südosteuropas. Alle Inhalte sind wissenschaftlich relevant und werden nach internationalen bibliothekarischen Standards erschlossen.

Die ViFa Romanischer Kulturkreis ist das fachübergreifende Informationsportal für die Frankreich- und Italienforschung sowie die Allgemeine Romanistik.

cibera ist eine interdisziplinäre Bibliothek für Fachwissenschaftler/innen und Studierende der Kultur, Geschichte, Politik, Wirtschaft und Gesellschaft der spanisch- und portugiesischsprachigen Länder sowie der Karibik. Das Portal ermöglicht die gezielte Suche in Bibliothekskatalogen, einer Internetquellensammlung, einer Sammlung digitaler Volltexte, einem Zeitschriften-Inhaltsverzeichnis-Dienst, einem Pressearchiv und einer Datenbank zur deutschsprachigen Lateinamerikaforschung.

23. Dezember 2010

Book!

Eine revolutionäre Neuentwicklung der Informationsspeicherung, präsentiert von der spanischen Buch-Community leerestademoda.com, deutsche Untertitel vom HR.
 

Dazu ein Zitat vom Professor und Schriftsteller Umberto Eco:
"Alles, was wir über uns wissen, verdanken wir der Überlieferung aus Büchern, und das seit bald zweitausend Jahren. Bisher aber gibt es keinen Beweis dafür, dass die elektronischen Geräte ähnlich lange überdauern werden. Und dann ist da unsere taktile, haptische, auch emotionale Verbindung mit Büchern. Wenn wir im Keller Bücher finden, die wir einst als Kind gelesen haben, bewegt uns das. Wenn wir aber eines Tages die Diskette finden, die wir als Kind verwendet haben, kann unser Computer sie nicht mehr lesen, und die Diskette ist dieselbe wie die einer beliebig anderen Person. Dass wir den persönlichen Kontakt verlieren, ist nicht nur für Bibliophile ein Desaster. Eine kleine Minderheit elektronischer Taliban wird nur mit iPads und E-Books umgehen, alle anderen werden Bücher weiterhin brauchen, davon bin ich überzeugt."
Interview mit Umberto Eco, Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 11. Dezember 2010

19. Dezember 2010

"13 Fehler, die jeder machen darf"

Das Magazin Zeit Campus widmet sich dem Thema "13 Fehler, die jeder machen darf: Studenten tappen immer wieder in die gleichen Fallen. Warum das nicht so schlimm ist und was man daraus lernt".

1. Fehler: Alles lesen, was der Prof vorgibt
These: "Mit welcher Absicht erstellen Dozenten Literaturlisten? Erstens, um eine Übersicht über alle relevanten Texte zum Thema zu geben (und bisweilen einen Einstieg in die Seitenaspekte), klar. Zweitens, um den Studenten, vor allem aber den Kollegen deutlich zu machen, wie anspruchsvoll sie sind. Das ist hier kein Schmalspurseminar, und meine Literaturliste ist länger als deine! Was die Professoren nicht jedem verraten: Sie selbst lesen oft nur die Einleitung und die Zusammenfassung." (Mehr)

2. Fehler: Lernen, lernen, lernen – auch nachts und am Wochenende
"Das Deutsche Studentenwerk hat in seiner aktuellen Sozialerhebung herausgefunden: 31 Prozent der Studenten wenden mehr als 50 Stunden pro Woche für Studium und Job auf. Das entspricht etwa der Arbeitsbelastung eines durchschnittlichen Managers – und ist einfach viel zu viel. Ein Experte meint: "Die Gehirnkapazität ist begrenzt, mehr als 35 Stunden pro Woche sinnvoll zu lernen, schafft man nicht." (Mehr)

3. Fehler: Zu viel Respekt vor dem Professor haben
Studenten suchen selten und zu spät das Gespräch, scheuen sich vor Fragen: "Man lernt doch, selbstbestimmt zu arbeiten, wenn man dem Prof aus dem Weg geht... Spätestens vor der Abschlussarbeit hilft das alles nichts mehr: Man braucht einen Betreuer, und da ist es gut, wenn man schon einen Kontakt hatte"... Und: auch Professoren freuen sich, wenn sie als Ratgeber bei wichtigen Entscheidungen hinzugezogen werden. (Mehr)

4. Fehler: Sich allein durchschlagen
"Kommilitonen können anstrengend sein." Stets nur allein zu lernen und den Austausch nicht zu suchen, ist bequem – aber es entgeht einem auch was... (Mehr)

5. Fehler: Sich zu spät zum nächsten Modul anmelden
Studenten lesen zu selten die Prüfungsordnung, informieren sich nicht ausreichend und rechtzeitig, hören zu viel auf Gerüchte. Für Versäumnisse muss der Student aber selbst gerade stehen. (Mehr)

6. Fehler: Prüfungen verschleppen, weil man sich selbst unterschätzt
"Jeder kennt das: Bevor man etwas Schlechtes abgibt, startet man lieber noch einmal neu." Gute Idee? Vielleicht ja, denn im heutigen System zählt jede Fachnote für die Abschlussnote. Meistens nein, weil der Berg der aufgeschobenen Prüfungen immer größer wird. Und man wird Opfer der eigenen hohen Ansprüche. (Mehr)

7. Fehler: Den Kopf hochrüsten und den Körper vergessenKörperlicher Ausgleich und Sport sind wichtig, auch und gerade in Prüfungsphasen. "Eine Stunde Laufen kann mehr bringen als eine Stunde zusätzliches Lernen." (Mehr)

8. Fehler: Glauben, man käme in der Bibliothek allein zurecht
Bibliothekarin Christiane Holtz: "Viele Studenten fragen zu wenig, und sie unterschätzen oft die Komplexität einer großen Uni-Bibliothek. Sie informieren sich nicht genug. Dadurch entgehen ihnen viele unserer Angebote." Studenten sollten die Online-Hilfstexte der Bibliothek lesen, Schulungen nutzen, die Bibliothekare um Mithilfe bei Recherchen fragen. (Mehr)

9. Fehler: Aus der Bachelorarbeit ein Forschungsprojekt machen
Studenten seien oft nicht in der Lage, ihre Abschlussarbeit abzugeben, "weil sie eine große emotionale Bindung zu ihr entwickelt haben".  Aber man muss aufpassen, dass man nicht zu perfekt sein will. (Mehr)

10. Fehler: Den Betreuer nach seiner Reputation auswählen
"Ein großer Name auf dem Abschlusszeugnis sieht gut aus – also bittet man die Koryphäe des Instituts persönlich, einen zu betreuen. Das kann nach hinten losgehen: Ein Prof kann bei der Abschlussarbeit richtig Schwierigkeiten machen, vor allem, wenn man ihn nicht einschätzen kann. Am Anfang sagt er womöglich gar nicht, was er will. Und am Ende ist die Note plötzlich schlecht, weil er viel mehr verlangt als andere." (Mehr)

11. Fehler: Die Abschlussarbeit auf den letzten Drücker fertig machen
Was ein Copy-Shop-Besitzer über die Formatierungs- und Vervielfältigungs-Probleme in letzter Minute erzählt...  (Mehr)

12. Fehler: Nicht ins Ausland gehen
Nur jeder vierte Student geht ins Ausland. Einer der häufigsten Hinderungsgründe ist das Geld. Dafür gibt es Auslandsbafög und Stipendien des DAAD. (Mehr)

13. Fehler: Sich mit dem Studium zu sehr beeilen
"Die Studiendauer wird von Studenten gemeinhin überschätzt. Was wirklich zählt, ist die Persönlichkeit eines Bewerbers." Das sagen Personalchefs häufig. Schnelles Studium ist gut, aber ohne Engagement, Praxiserfahrung und einen erweiterten Horizont sieht das so gut gar nicht aus. Und dafür braucht man mehr Zeit. (Mehr)

Diese 13 Fehler sollte man vermeiden, aber wenn es nicht klappt, ist es auch nicht allzu schlimm, meint die Zeit. Dagegen gebe es drei Fehler, die solle man auf keinen Fall machen:

1. Die Freunde für die Uni vernachlässigen
Wenn der Leistungsdruck dazu führt, dass Erfolg als wichtiger angesehen werde als soziale Kontakte, ist das destruktiv. Freunde sind wichtiger denn je. Und an der Hochschule gibt es die Möglichkeit, Privates und Berufliches zu verbinden. Im Berufsleben schließe man Freundschaften nicht mehr so leicht. (Mehr)

2. Aus Schusseligkeit durchfallenEin Fachwalt erklärt, mit was man beim Prüfungsamt durchkommt – und mit was nicht. Mit einem normalen Arzt-Attest beispielsweise kann man scheitern, wenn man aus Krankheitsgründen fehlt. Auch Täuschungsversuche sind sein Metier... (Mehr)

3. Glauben, man dürfte keinen Fehler machen
"Es ist sehr wichtig, dass Sie im Studium auch mal scheitern ... Nur so lernen Sie, damit umzugehen", sagen Experten von Beratungsstellen. Wenn es ernst wird, sollte man sich von diesen auch beraten lassen. Für die Sprechstunde ist kein Problem zu klein (Mehr)