Eine Studentin fragt: "Ich schreibe aktuell an einer wissenschaftlichen Arbeit im Rahmen meines dualen Maschinenbaustudiums und habe gerade mein Quellenverzeichnis nach den Richtlinien, die sie bei blogger.com veröffentlicht haben, verfasst. In meiner Arbeit habe ich 2 Bilder, bei denen ich leider nicht weiß, wie ich die Quellen angeben muss. Das erste ist ein Screenshot von einer Maschine, die ich im 3D-Zeichnungssystem angefertigt habe. Das zweite ist ein Screenshot aus dem Warenwirtschaftssystem, welcher eine Auflistung von Artikeln ist."
Kollege Martin Gertler gibt zur Frage "Wie zitiere ich einen Screenshot?" diese Tipps.
Einen selbst angefertigten Screenshot (oder deutsch: Bildschirmkopie) können Sie als solchen in der Bildunterschrift kennzeichnen, also z.B. mit "Eigener Screenshot von/aus...".
Bei einer bildschirmkopierten Abbildung aus fremder Quelle ist diese wie üblich anzugeben -- im Format so, wie das von Ihnen verwendete Zitationssystem es erfordert (mit Kurzbelegen im Text à la "Schmitz, 2015, S. 4" oder im Fußnoten-Vollbeleg). Handelt es sich um keine klassische Literaturquelle und auch nicht um eine öffentlich zugängliche Internet-Publikation (Websites etc.), sondern z.B. um interne elektronische Technik-Dokumente eines Unternehmens, sind Sie im Bereich der "grauen Literatur" (Sammlung von Posts).
Die ist immer etwas knifflig. Bei der Eintragung ins Quellenverzeichnis muss man sich bisweilen etwas behelfen, da man mit Standardangaben wie Autor-Veröffentlichungsdatum-Titel-Verlag-Verlagsort nicht weiterkommt und nur Sie selbst wissen, wie Sie das am besten beschreiben. Also ungefähr so:
Glück Maschinenbau (2015). Internes Warenwirtschaftssystem WWS-41X, eigenhändiger Auszug aus Datei ABC-325, Auflistung Artikelbestand (Stand 13. August 2015, 16.30 Uhr). Glück Maschinenbau GmbH, Glückstadt. [unveröffentlichtes Dokument]
In der Bildunterschrift verweisen Sie dann entsprechend so, dass man die Einzelangaben im Quellenverzeichnis wiederfinden kann:
Abb. 26. Auflistung von Artikeln in einem Warenwirtschaftssystem. (Bildschirmkopie, Glück Maschinenbau, 2015).
Wenn Sie die ursprüngliche Zeichnung selbst etwa mit CAD-Software angefertigt haben, reicht "Eigene Darstellung" oder "Eigene Zeichnung" mit beliebiger Inhaltsbeschreibung. Da es sich nicht um eine Fremdquelle handelt, erübrigt sich ein Eintrag ins Quellenverzeichnis. In der Bildunterschrift könnte also etwa stehen:
Abb. 27. Bediengriff an einer Wunschmaschine nach dem SAMS-Konzept. Eigene Konstruktionszeichnung, angefertigt mit der Software GlückDesign CAD Version 3.02.
Haben Sie Ihre eigene Zeichnung auf der Grundlage einer fremden Illustration angefertigt, ist "Eigene Darstellung in Anlehnung an..." (plus Quelle wie oben) sinnvoll.
Wahrscheinlich haben sie in Ihrer Arbeit relativ viele Abbildungen. Dann ist ein Abbildungsverzeichnis sehr zu empfehlen.
Siehe auch den Post "Bildquellen und Abbildungsverzeichnis".
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1. September 2015
7. August 2013
Abbildungen: in den Text oder in den Anhang?
"Sollen Abbildungen direkt in den Text eingebunden werden oder separat im Anhang aufgefuehrt werden?", fragt eine Studentin.
First things first: Sie haben einen Grund, weshalb Sie eine Grafik, Tabelle o.ä. einfügen wollen. Eine Abbildung "illustriert" nicht nur und "lockert den Text auf". Sie schreiben ja eine wissenschaftliche Arbeit und nicht für Bunte, Gala oder den Stern. Es geht nicht darum, den Text durch "Optik" attraktiv zu machen und den Professor zum Lesen zu verlocken.
Es geht um Informationen, und Sie entscheiden über den Umgang mit dieser Information. Die vermeintliche "Optik" hat Zweck, Funktion und eine eigene Aussage. Sie vermittelt nützliche, wichtige und für Verständnis, Argumentation und Beweisführung sogar notwendige Informationen, auf die Sie sich ja auch im Text beziehen sollen: "Abbildung 8 verdeutlicht, dass..."; "Die Statistik zeigt das Wachstum von XYZ (Abb. 9)...". Manche Textabschnitte bestehen sogar überwiegend daraus, Abbildungen zu erläutern.
Es wäre also kontraproduktiv, sie irgendwo ganz hinten zu verstecken! Praktisch gesehen, ist außerdem das Hin- und Herblättern zwischen Hauptteil und Anhang immer nervig, auch und gerade für die Gutachter Ihrer Arbeit.
In einen Anhang gehören Grafiken und Tabellen dann, wenn sie
- sehr umfangreich sind, also mehr als eine Seite umfassen (längere Originaltexte, Faksimiles, detaillierte Karten, lange Zahlenkolonnen, große Organisationspläne und Ablaufdiagramme; Transkripte von Interviews; Beobachtungs-Protokolle, Fragebögen, Interviewleitfäden u.a. Materialien der empirischen Arbeit);
- eher der Ergänzung und Vertiefung dienen, der Haupttext also auch ohne sie verständlich und nachvollziehbar ist;
- keinen besonderen Wert zur Veranschaulichung des Textes besitzen;
- eher der breiten Quellendokumentation dienen statt eigene, prägnante Aussagen zu liefern.
Wenn Sie eigene empirische Daten erheben (egal ob qualitativ oder quantitative), werden Sie oft einen größeren Anhang benötigen. Ein Sonderfall ist die Verwendung von "grauer Literatur". Sie dazu den Blogpost vom 29.6.2012, "Graue Literatur und interne Dokumente".
Sie ist meistens: größer als Studenten meinen! Leider ist es beliebt, Grafiken so einzubetten, dass die Textzeilen sie umfließen. Das ist dann erstens hässlich und zweitens zu winzig, um noch Details zu erkennen (oder überhaupt irgendetwas).
Also bitte: im Zweifelsfall größer ziehen. Alles sollte mühelos gut erkennbar sein. Für das richtige Maß gibt es keine Daumenregel, aber: Nutzen Sie den zur Verfügung stehenden Platz (Seitenbreite), und geben Sie der Abbildung mehr Raum, wenn sie "wenig Luft" enthält, also eine hohe Informationsdichte hat (viele Zahlen und Beschriftungen, mehrere Farben, feine Details).
Scheuen Sie sich nicht davor, auch eine halbe oder auch ganze Seite zu verwenden. Eine große Grafik/Tabelle im Querformat kann man drehen und hochkant auf eine eigene Seite stellen; bei einer Arbeit, die Sie nur elektronisch einreichen, können Sie auch eine einzelne Seite drehen. Bei einer Arbeit, die Sie physisch (also ausgedruckt) abgeben, können Sie eine Großgrafik auf A3-Papier einbinden, gefaltet zum Ausklappen. Geht alles.
Tipp: Blättern Sie doch in der Bibliothek (oder Datenbank) einmal durch wissenschaftliche Fachzeitschriften. Deren Platz ist immer knapp. Auch wenn die Forschungsaufsätze komplexe Daten aufbereiten müssen, in der Regel gibt es keinen oder nur einen kleinen Anhang -- die wichtigen Abbildungen und Tabellen müssen ordentlich und zweckmäßig im Text untergebracht werden.
Ob im Text oder im Anhang, immer an die Beschriftung/Legende, Nummerierung und die Quellenbelege denken.
Siehe dazu auch "Bildquellen und Abbildungsverzeichnis" (29.1.2012)
First things first: Sie haben einen Grund, weshalb Sie eine Grafik, Tabelle o.ä. einfügen wollen. Eine Abbildung "illustriert" nicht nur und "lockert den Text auf". Sie schreiben ja eine wissenschaftliche Arbeit und nicht für Bunte, Gala oder den Stern. Es geht nicht darum, den Text durch "Optik" attraktiv zu machen und den Professor zum Lesen zu verlocken.
Es geht um Informationen, und Sie entscheiden über den Umgang mit dieser Information. Die vermeintliche "Optik" hat Zweck, Funktion und eine eigene Aussage. Sie vermittelt nützliche, wichtige und für Verständnis, Argumentation und Beweisführung sogar notwendige Informationen, auf die Sie sich ja auch im Text beziehen sollen: "Abbildung 8 verdeutlicht, dass..."; "Die Statistik zeigt das Wachstum von XYZ (Abb. 9)...". Manche Textabschnitte bestehen sogar überwiegend daraus, Abbildungen zu erläutern.
Es wäre also kontraproduktiv, sie irgendwo ganz hinten zu verstecken! Praktisch gesehen, ist außerdem das Hin- und Herblättern zwischen Hauptteil und Anhang immer nervig, auch und gerade für die Gutachter Ihrer Arbeit.
In einen Anhang gehören Grafiken und Tabellen dann, wenn sie
- sehr umfangreich sind, also mehr als eine Seite umfassen (längere Originaltexte, Faksimiles, detaillierte Karten, lange Zahlenkolonnen, große Organisationspläne und Ablaufdiagramme; Transkripte von Interviews; Beobachtungs-Protokolle, Fragebögen, Interviewleitfäden u.a. Materialien der empirischen Arbeit);
- eher der Ergänzung und Vertiefung dienen, der Haupttext also auch ohne sie verständlich und nachvollziehbar ist;
- keinen besonderen Wert zur Veranschaulichung des Textes besitzen;
- eher der breiten Quellendokumentation dienen statt eigene, prägnante Aussagen zu liefern.
Wenn Sie eigene empirische Daten erheben (egal ob qualitativ oder quantitative), werden Sie oft einen größeren Anhang benötigen. Ein Sonderfall ist die Verwendung von "grauer Literatur". Sie dazu den Blogpost vom 29.6.2012, "Graue Literatur und interne Dokumente".
Abbildung im Text: Wie groß muss es sein?
Wenn Sie Abbildungen und Tabellen nun also im Text platzieren wollen, stoßen Sie möglicherweise auf das Problem, was die optimale Größe ist.Sie ist meistens: größer als Studenten meinen! Leider ist es beliebt, Grafiken so einzubetten, dass die Textzeilen sie umfließen. Das ist dann erstens hässlich und zweitens zu winzig, um noch Details zu erkennen (oder überhaupt irgendetwas).
Also bitte: im Zweifelsfall größer ziehen. Alles sollte mühelos gut erkennbar sein. Für das richtige Maß gibt es keine Daumenregel, aber: Nutzen Sie den zur Verfügung stehenden Platz (Seitenbreite), und geben Sie der Abbildung mehr Raum, wenn sie "wenig Luft" enthält, also eine hohe Informationsdichte hat (viele Zahlen und Beschriftungen, mehrere Farben, feine Details).
Scheuen Sie sich nicht davor, auch eine halbe oder auch ganze Seite zu verwenden. Eine große Grafik/Tabelle im Querformat kann man drehen und hochkant auf eine eigene Seite stellen; bei einer Arbeit, die Sie nur elektronisch einreichen, können Sie auch eine einzelne Seite drehen. Bei einer Arbeit, die Sie physisch (also ausgedruckt) abgeben, können Sie eine Großgrafik auf A3-Papier einbinden, gefaltet zum Ausklappen. Geht alles.
Tipp: Blättern Sie doch in der Bibliothek (oder Datenbank) einmal durch wissenschaftliche Fachzeitschriften. Deren Platz ist immer knapp. Auch wenn die Forschungsaufsätze komplexe Daten aufbereiten müssen, in der Regel gibt es keinen oder nur einen kleinen Anhang -- die wichtigen Abbildungen und Tabellen müssen ordentlich und zweckmäßig im Text untergebracht werden.
Ob im Text oder im Anhang, immer an die Beschriftung/Legende, Nummerierung und die Quellenbelege denken.
Siehe dazu auch "Bildquellen und Abbildungsverzeichnis" (29.1.2012)
28. September 2012
Definitionen in Fußnote: Quellenbeleg?
Studentenfrage: "Wenn ich einen Sachverhalt oder einen Begriff aus dem Fließtext meiner Arbeit in der Fußnote durch eine Definition erkläre - muss ich dann diese kenntlich machen (Autor etc.)? Wie und wo erfolgt diese Kennzeichnung in der Fußnote?"
Wenn es Ihre eigene Definition ist, dann benötigen Sie keinen Quellenbeleg; wenn Sie zitieren, brauchen Sie einen. Egal, ob das Zitat im Fließtext ist oder in der Fußnote -- fremder Leute Wörter sind immer zu belegen, sonst ist es geklaut.
Eine Begriffsdefinition oder -erläuterung in eine Fußnote zu stecken, ist oft eine gute Idee: Das Auslagern entlastet den Haupttext. Grundsätzlich gelten alle Spielregeln fürs korrekte wissenschaftliche Arbeiten aber ohne Abstriche auch fürs Kleingedruckte.
Nur wenn Sie eine Definition aus dem Allgemeinwissen verwenden (z.B.: "eine Fußnote ist eine Anmerkung oder Erläuterung zum Fließtext, die in die Fußzeile einer Seite gestellt wird") und niemanden wörtlich zitieren, ist ein Beleg verzichtbar.
Wie Sie belegen, hängt von der Vereinbarung mit Ihrem Dozenten oder der an der Fakultät "üblichen" Zitierweise ab: Kurzbeleg oder Fußnote, Im-Text-Kurzbeleg oder Kurzbeleg in Fußnote, oder Vollbeleg in Fußnote... oder Endnote.
Der Kurzbeleg (z.B. "Czaplinski, 2012, S. 16") ist praktischer, erfordert aber immer, dass hinten im Literatur- und Quellenverzeichnis ein Vollbeleg steht, in dem alle bibliographischen Angaben enthalten sind.
Wenn Sie grundsätzlich mit Fußnoten arbeiten, macht es natürlich keinen Sinn, mit einer Fußnote zu einer Fußnote zu belegen. Die Quelle wird genau dort belegt, wo die Quelle zitiert wird -- in derselben Fußnote, also nicht in einer zweiten.
Beispiele:
Kurzbeleg in Fußnote
1 Der Begriff "Guttengate" bezieht sich auf die Plagiatsaffäre, die 2011 zum Rücktritt des Verteidigungsministers Karl-Theodor zu Guttenberg führte. Czaplinski (2012) definiert "Guttengate" als "ein Kunstwort aus den Wortteilen Gutten- und -gate, das mit der Anspielung auf die amerikanische Watergate-Affäre einerseits die illegalen und betrügerischen Machenschaften von Regierungsmitgliedern betont, andererseits den auf Guttenbergs Vertuschungsversuche folgenden Skandalisierungseffekt und Medienwirbel zu ironisieren versucht" (S. 16). Czaplinski sieht das ironische Moment in der Diskrepanz zwischen der Größenordnung des Watergate-Skandals, der in den USA zu einer Staatskrise führte, und der im Vergleich für das deutsche Staatswesen minder wichtigen Schummelei bei der Doktorarbeit eines Ministers (S. 16).
Vollbeleg in Fußnote
1 Der Begriff "Guttengate" bezieht sich auf die Plagiatsaffäre, die 2011 zum Rücktritt des Verteidigungsministers Karl-Theodor zu Guttenberg führte. Czaplinski (2012) definiert "Guttengate" als "ein Kunstwort aus den Wortteilen Gutten- und -gate, das mit der Anspielung auf die amerikanische Watergate-Affäre einerseits die illegalen und betrügerischen Machenschaften von Regierungsmitgliedern betont, andererseits den auf Guttenbergs Vertuschungsversuche folgenden Skandalisierungseffekt und Medienwirbel zu ironisieren versucht." Czaplinski sieht das ironische Moment in der Diskrepanz zwischen der Größenordnung des Watergate-Skandals, der in den USA zu einer Staatskrise führte, und der im Vergleich für das deutsche Staatswesen minder wichtigen Schummelei bei der Doktorarbeit eines Ministers. Czaplinski, R. (2012). Fußnoten als Instrument moderner Wissenschaft im Wandel der Zeit. Europäische Zeitschrift für das Fußnotenwesen, 55(4), 16.
7. Juli 2012
Selbstständige und unselbstständige Quellen im Literaturverzeichnis
"Sie haben angemerkt, dass selbstständige Quellen im
Quellenverzeichnis der Belegarbeit in kursiver Schrift stehen. Was kann ich
unter selbstständigen Quellen verstehen", fragt eine Studentin.
Ob sie kursiv gesetzt werden müssen, hängt vom Zitationsstil ab (bei manchen ja, bei anderen nein). Der Sinn der Sache ist es, die Hierarchie der Quellen klarer sichtbar zu machen. Anders als bei der inhaltlichen Quellenhierarchie (primär, sekundär, tertiär) geht es hier um eine rein formale Unterscheidung.
Manchmal verlangen Dozenten sogar, das Literatur- oder Quellenverzeichnis nach selbstständigen und unselbstständigen Quellen zu gliedern.
Also, was ist eine selbstständige Quelle? Eine, die selbstständig erschienen ist. Zum Beispiel ein Buch. Wenn Sie den Titel wissen, können Sie es im Handel oder einer Bibliothek ordern. Auch eine Zeitung oder Zeitschrift erscheint selbstständig. Solche Quellen haben Ordnungsmerkmale wie z.B. internationale standardisierte Nummern: Ein Buch hat immer eine ISBN (International Standard Book Number), ein Presseerzeugnis/Periodikum eine ISSN (International Standard Serial Number). Auch elektronische Periodika haben oft eine ISSN.
Anders ist es bei einem Aufsatz, der in einem Buch, einer Zeitung oder einer Zeitschrift erschienen ist. Wenn Sie den Aufsatz-Titel XYZ wissen, können Sie dem Bibliothekar nicht einfach sagen: "Guten Tag, ich möchte bitte einmal XYZ ausleihen." Sie können auch nicht XYZ bei Amazon bestellen. Für einen einzelnen Artikel gibt es auch keine ISBN/ISSN (allerdings: bei elektronischen Publikationen werden auch einzelne Artikel mit einer DOI-Nummer versehen, dem Digital Object Identifier).
Sie können das Buch oder die Ausgabe der Zeitschrift bestellen, in dem der Aufsatz erschienen ist, aber nicht direkt den Aufsatz. Unselbständige Quellen sind also Teil einer anderen Quelle. Sie sind unselbstständig, weil sie ohne das größere Werk (als Trägermedium sozusagen) nicht existieren würden. Ein Buchkapitel kann ohne Buch nicht erscheinen, ein Zeitschriftenaufsatz nicht ohne die Zeitschrift.
Bei Online-Quellen trägt die Logik auch. In der Regel gibt es eine Website (=Publikationsort im Web, also Trägermedium), die aus mehreren Seiten ("Webseite", nicht identisch mit engl. Website) besteht. Auf einer Seite kann auch z.B. eine doc- oder pdf-Datei stehen. Die einzelne Seite ist eine unselbstständige Quelle, die ohne die Website nicht erschienen wäre.
Sie können das Buch oder die Ausgabe der Zeitschrift bestellen, in dem der Aufsatz erschienen ist, aber nicht direkt den Aufsatz. Unselbständige Quellen sind also Teil einer anderen Quelle. Sie sind unselbstständig, weil sie ohne das größere Werk (als Trägermedium sozusagen) nicht existieren würden. Ein Buchkapitel kann ohne Buch nicht erscheinen, ein Zeitschriftenaufsatz nicht ohne die Zeitschrift.
Bei Online-Quellen trägt die Logik auch. In der Regel gibt es eine Website (=Publikationsort im Web, also Trägermedium), die aus mehreren Seiten ("Webseite", nicht identisch mit engl. Website) besteht. Auf einer Seite kann auch z.B. eine doc- oder pdf-Datei stehen. Die einzelne Seite ist eine unselbstständige Quelle, die ohne die Website nicht erschienen wäre.
Unselbstständig? Dann zwei Quellen angeben, nicht nur eine
Praktisch heißt das: Wenn Sie eine unselbstständige Quelle im Literatur- oder Quellenverzeichnis belegen, müssen Sie zwei Quellen angeben. Nämlich Autor und Titel der unselbstständigen Quelle UND Herausgeber (eines Sammelbandes mit mehreren Aufsätzen) und Titel bzw. bei einer Zeitschrift nur der Titel derselben (ohne Hrsg. oder Verlag) und sonstige Angaben zur selbstständigen Quelle, mit denen Sie präzisieren, wo genau die unselbstständige Quelle zu finden ist.
Beispiel in unterschiedlichen Zitationsstilen zum Vergleich:Kersting, N. (2004). Briefwahl im internationalen Vergleich. Österreichische Zeitschrift für Politikwissenschaft, 33(3), S. 341-358.
APA-Zitationsstil:
Chicago-Zitationsstil:
Kersting, Norbert. „Briefwahl im internationalen Vergleich.“ Österreichische Zeitschrift für Politikwissenschaft, 2004: 341-358.
MLA- und Turabian-Zitationsstil:
Kersting, Norbert. „Briefwahl im internationalen Vergleich.“ Österreichische Zeitschrift für Politikwissenschaft 2004: 341-358.
ISO690-Zitationsstil:
Kersting, Norbert. 2004. Briefwahl im internationalen Vergleich. Österreichische Zeitschrift für Politikwissenschaft. 2004, Bd. 33, 3, S. 341-358.
Kersting ist hier der Autor der unselbstständigen Quelle. Es ist ein Aufsatz in einer Zeitschrift. Dessen Titel steht hier nicht kursiv. Die selbstständige Quelle ist die ÖZP. Ihr Name ist kursiv gesetzt. Vorteil: In einem Quellenverzeichnis kann ich so besonders schnell sehen, welche Zeitschriften verwendet wurden.
"33(3)" heißt bei APA 33. Jahrgang (bzw. Band 33), Heft 3. Merke: Bei manchen Zitationsstilen werden Jahrgang und Heft angegeben, bei manchen nicht. Die Seitenzahlen kommen hinterher. Der ganze letzte Teil ist nur dazu da, dass der Nutzer die unselbstständige Quelle schnell finden kann. Wenn ich nur diese Information hätte:
"33(3)" heißt bei APA 33. Jahrgang (bzw. Band 33), Heft 3. Merke: Bei manchen Zitationsstilen werden Jahrgang und Heft angegeben, bei manchen nicht. Die Seitenzahlen kommen hinterher. Der ganze letzte Teil ist nur dazu da, dass der Nutzer die unselbstständige Quelle schnell finden kann. Wenn ich nur diese Information hätte:
Kersting, N. (2004). Briefwahl im internationalen Vergleich.
...dann müsste ich ziemlich lange suchen, vielleicht fände ich das "Trägermedium" gar nicht.Wenn ich nur diese Information hätte:
Kersting, N. (2004). Briefwahl im internationalen Vergleich. Österreichische Zeitschrift für Politikwissenschaft.
...dann könnte ich immerhin im Jahresregister der ÖZP nachsehen, in welcher der jährlich vier Ausgaben der Aufsatz erschienen ist. Das geht heute fix online, früher musste man richtig lange in dicken Registerbänden blättern oder Fachbibliographien wälzen.
Manche Zitationsstile verzichten auf die Jahrgangs- und Heftangabe, wenn (a) das Jahresdatum und (b) die Seitenangaben vorhanden sind -- den wissenschaftliche Zeitschriften haben die Eigenart, meist die Seiten eines ganzen Jahrgangs durchzunummerieren (die Seitenzahlen des 2. Heftes beginnen dort, wo die des 1. Heftes aufhören).
Manche Zitationsstile verzichten auf die Jahrgangs- und Heftangabe, wenn (a) das Jahresdatum und (b) die Seitenangaben vorhanden sind -- den wissenschaftliche Zeitschriften haben die Eigenart, meist die Seiten eines ganzen Jahrgangs durchzunummerieren (die Seitenzahlen des 2. Heftes beginnen dort, wo die des 1. Heftes aufhören).
Den Computer die Quellen verwalten lassen
Trotz allem: Um dem Nutzer mühselige Ergänzungsrecherchen zu ersparen, gilt es, alle bibliographischen Angaben präzise anzugeben. Damit man keine vergisst und alles richtig formatiert wird (mit Punkten, Kommata, Klammern und auch Kursivschrift), ist es sinnvoll, ein Literaturverwaltungsprogramm oder die Quellenverwaltung von Word zu nutzen. Dann sortiert und listet der Computer alles so, wie es der gewählte Zitationsstil vorgibt. (Vorausgesetzt, die Eingaben sind richtig.)29. Juni 2012
Qualitative Interviews -- Transkripte & Co.
In einer Abschlussarbeit selbst empirische Daten erheben und untersuchen -- das ist echtes Forschen
und (leider) in vielen Fächern selten der Fall. Vor allem bei
Bachelor-Arbeiten, denn eigentlich ist die Bearbeitungszeit viel zu
kurz. Eine Studentin der Verwaltungswissenschaften will es aber wagen
und hat in einem Landkreisamt gute,praktische Forschungsobjekte. Nun
grübelt sie aber über diese Fragen: - Wie geht man in der Bachelorarbeit genau mit selbst angelegten Onlineumfragen um (Belege etc.)? > Antwort: "Selbst forschen: Umfragen, Interviews, Dokumente auswerten und belegen" (28.6.12)
- Wie geht man mit Materialien aus der Verwaltung um (Reden, die von Mitarbeitern gehalten wurden etc.; Ausdrucke, die nicht mehr wirklich zugeordnet werden können; Kopien etc.)? > Antwort: "Graue Literatur und interne Dokumente" (29.6.12)
- Wenn man jemanden interviewt, wie macht man dann genau den Beleg?
- Es führt kein Weg daran vorbei, das mit dem Betreuer detailliert zu besprechen. Persönliche Vorstellungen und Vorlieben, wie empirische Daten und Methoden zu dokumentieren sind, variieren erheblich.
- Gerade bei BA-Arbeiten sind viele Betreuer willens, pragmatisch Ansprüche herunterzuschrauben und Kompromisse bei einigen Dokumentationsstandards einzugehen, um die Belastung bei der extrem kurzen Bearbeitungszeit zu senken. Siehe dazu auch den Blogbeitrag: "Bachelor- und Masterarbeiten: der kleine, große Unterschied" (28.12.10)
- Lesen Sie im Detail nach, was Handbücher und Ratgeber zum wissenschaftlichen Arbeiten und zur empirischen Sozialforschung dazu sagen.
Qualitative Interviews -- Transkripte & Co.
Frage 3. Wenn man jemanden interviewt, wie macht man dann genau den Beleg?Zunächst einmal: Qualitative Interviews müssen im Methodenteil erläutert werden -- wie quantitative Befragungen auch. Warum und nach welchen Kriterien wurde wer ausgewählt? Sind die Befragten Akteure/Handelnde/Entscheider, Betroffene, Experten? Wie haben Sie sie angesprochen? Wie wurden die Fragen entwickelt? Wie wurden die Antworten ausgewertet? usw. Irgendwo muss eine Liste der Interviewpartner erscheinen. Im Anhang können Kurzbiographien der Befragten eingefügt werden - oder eine Kurzbeschreibung deren Stellung (z.B.: Sachbearbeiter mit Zuständigkeit für X).
Im Hauptteil werden Sie in der Regel mit wörtlichen Zitaten arbeiten, mal länger, mal kürzer, dann auch mit Zusammenfassungen. Wörtliche Zitate sind vor allem dann geeignet, wenn der Befragte etwas sehr zugespitzt und plakativ ausdrückt, seine persönliche Einschätzung oder Meinung ausdrückt. Reine Faktenaussagen sollte man eher zusammenfassen.
Im Quellenverzeichnis sollte die Liste der Interviews in einer eigenen Rubrik erscheinen. Der Langbeleg enthält Informationen zum Namen des Befragten, zu seiner Position/Funktion, zu Ort, Zeitpunkt und Dauer des Interviews.
Auf diese Angabe bezieht sich dann auch der Quellenbeleg im Haupttext (z.B. als Kurzbeleg "Interview Schulze, 2012"). Handelt es sich nicht um formale Interviews, sondern eher Gesprächsnotizen, ein Telefonat oder eine Email, ist die Belegweise "Schulze, persönliche Kommunikation, 20. Juni 2012" inzwischen üblich.
Im Idealfall dokumentieren Sie das gesamte Interview im Anhang in Form eines Transkripts. Ein Transkript ist die wörtliche Niederschrift der Ton- (oder gar Video-) Aufzeichnung -- wenn Sie denn eine gemacht haben.
Es ist auch möglich, Interviews nur mit einem Notizbuch zu führen. Diese Art Aufzeichnung ist natürlich nicht so genau; und sie verlangt etwas Übung -- Sie können ja nicht nur schreiben, Sie müssen auch das Gespräch führen; und wer kein Steno kann, ist möglicherweise sehr langsam beim Notieren. Aber nicht jeder Interviewpartner erlaubt eine Bandaufzeichnung. Manchmal stört sie die Gesprächsatmosphäre.
Ein simples "Abtippen" ist Transkription nicht. Sie können ein Gespräch mit allem, was dazugehört, nicht 100-prozentig in Textform wiedergeben. Bei den nichtverbalen Aussagen und Reaktionen, beim Gesprächskontext usw. ist das klar. Aber selbst das Gesagte erscheint bei vielen Transkripten nicht ganz so, wie es tatsächlich gesagt wurde.
Bei manchen Transkripten ist es nur eine sinngemäße Zusammenfassung. Bei anderen ist das Gesprächsprotokoll zwar wörtlich, aber sprachlich "geglättet": Nur wenige Menschen sprechen druckreif. Die im mündlichen Verkehr üblichen Stummelsätze, grammatisch chaotischen Bandwurmsätze, Verhaspelungen und Versprecher, die im Gespräch gar nicht weiter auffallen, sind bei einer penibel wörtlichen Niederschrift hinterher ein Graus: nämlich schlicht unlesbar!
Manche Wissenschaftler haben an der genauen sprachlichen Ausdrucksweise ein großes Interesse, Sprachforscher, Psychologen und Soziologen etwa. Da zählen auch die "Ähs" und "Mmmhs" und das Gestammel. In einer verwaltungswissenschaftlichen Abschlussarbeit ist das wahrscheinlich nicht so, da geht es um andere "Inhalte".
Sie werden sich also bei der Transkription eher darum bemühen, die Sätze möglichst nah an der wörtlichen Aussage, aber dennoch lesbar ins Schriftliche zu übertragen. Aus unvollständigen werden vollständige Sätze, Versprecher werden beseitigt usw. Das ist dann aber alles schon Interpretation -- oder um es ganz krass auszudrücken, Sie sind dabei, die Wirklichkeit zu verfälschen, zumindest zu verändern, Sie greifen in die Aussagen direkt ein. Machen Sie sich also klar, welche Entscheidungen Sie bei einer Transkription fällen müssen, welchen Regeln Sie folgen. Wichtige Hinweise dazu gibt das kleine "Praxisbuch Transkription" von Dresing und Pehl.
Transkription ist enorm zeitaufwändig und mühsam, sie erfordert äußerste Konzentration und penibles Redigieren und ständiges Überprüfen. Inzwischen gibt es Software (siehe dazu ebenfalls das "Praxisbuch"), aber der Computer nimmt Ihnen die Arbeit nicht vollständig ab. Für ein einzelnes Interview, das eine Stunde dauert, kann der Transkriptionsaufwand - je nach Methode - schon eine oder mehrere Tage in Anspruch nehmen.
Braucht man ein vollständiges Transkript? Die Frage hat zwei Seiten:
- erstens die nach der eigenen Auswertung des Gesprächs,
- zweitens die nach der Dokumentation in der Abschlussarbeit.
Dies gilt für "normale" Interviewauswertung. Wenn Sie anderes vorhaben -- z.B. eine formale und quantitative Inhaltsanalyse --, werden Sie dagegen ein Voll-Transkript benötigen. Wenn Sie sehr viele Interviews führen, fällt es schwer, die Übersicht über die Inhalte zu behalten. Nutzen Sie in einem solchen Fall z.B. Citavi oder eine andere mit Literaturverwaltung gekoppelte Wissensmanagement-Software, in der Sie Ihre Notizen und Zusammenfassungen komfortabel speichern und im Volltext suchen können.
Bei der Dokumentation müssen Sie mit dem Betreuer sprechen. Bei einer Bachelor-Arbeit gibt es nur 8-12 Wochen Bearbeitungszeit. So sollten Sie den Betreuer fragen, ob er auf vollständigen Transkripten besteht, die im Anhang abgedruckt werden müssen.
Meine persönliche Auffassung ist: Das muss nicht unbedingt sein, und der Zeitaufwand geht klar zu Lasten aller anderen Aufgaben, die bei einer Thesis zu erledigen sind. Wenn wir Studenten bei einer kurzen BA-Thesis dazu ermutigen wollen, selbst zu forschen, dann geht das nur unter eingeschränkten Ansprüchen. Allein die Vorbereitung, Terminvereinbarung, Durchführung, inhaltliche Auswertung von Interviews, Autorisierung (s.u.) der Zitate und das "Einbauen" in den Text kostet viel Zeit. Wenn ein Student von 8 Wochen BA-Bearbeitungszeit eine Woche netto nur mit Transkribieren beschäftigt ist, ist das arbeitsökonomisch fragwürdig.
Bei einer Master-Arbeit mit längerer Bearbeitungszeit ist der höhere Aufwand eher gerechtfertigt. Ich hatte auch schon Master-Studenten, die unbedingt Volltranskripte erstellen wollten -- weil sie in ihrer Literatur selbst von Transkripten anderer als Quellen profitiert haben und nun ihrerseits einen Beitrag zur Fortentwicklung des Themengebiets leisten wollten. Ehrenhaft.
Als Letztes: In der Regel wollen Interviewpartner das Transkript lesen und autorisieren, manchmal auch nachkorrigieren. Zumindest die Passagen, mit denen sie tatsächlich zitiert werden.
Ob Sie das anbieten oder darauf eingehen, ist Ihre Entscheidung. Sie müssen sich mit dem Gesprächspartner auf Spielregeln verständigen, und zwar vorher! Es kann zwar sein, dass der Gesprächspartner einige zugespitzte Aussagen wieder "kassiert". Dann müssen Sie möglicherweise verhandeln, "was geht", wenn Sie die Passage "retten" wollen. Andererseits hat der Interviewpartner aber auch ein legitimes Interesse daran, dass er nicht in seinem eigenen Umfeld Ärger bekommt, weil er mit Ihnen gesprochen hat. Zur Not ist die Anonymisierung der Aussagen eine Lösung -- manchmal geht es nicht anders, und manches Interview findet nur unter dem Mantel der Anonymität statt. Zudem ist es so, dass sich in Transkripte Fehler einschleichen. Manchmal versteht der Interviewende etwas falsch, oder der Interviewte hat spontan eine fehlerhafte Aussage gemacht. Das Gegenlesen ist dann die Chance zur Korrektur oder Präzisierung. Das ist also nicht nur als Einschränkung, sondern auch als Verbesserungsmöglichkeit zu sehen.
Und noch einmal zum Zeitmanagement aus der Forschungspraxis:
- Wenn Sie eine halbe oder eine Stunde mit einem Interviewpartner sprechen, entsteht daraus ein seitenlanges Volltranskript.
- Wenn Sie dem Interviewpartner nun Ihre 5 oder 10 Seiten zum Gegenlesen schicken, mag es viele Wochen dauern, bis das "OK" kommt. Wenn es sich um vielbeschäftigte Leute handelt, können Sie noch so drängeln -- das Lesen und Prüfen und Korrigieren eines solchen Transkripts hat geringe Priorität, ist mühsam und wird eben gern immer wieder verschoben. Das Risiko des Zeitverzugs aber tragen Sie! Und es hilft Ihnen nichts, wenn Sie für Ihre BA-Thesis 10 Interviews führen, aber bei fünf davon liegen die Transkript-Autorisierungen erst Tage oder Wochen nach Ihrem Abgabetermin vor.
- Die Chance einer schnellen Autorisierung steigt, wenn der Interviewpartner nur ein paar Absätze mit Einzelzitaten überfliegen muss. Das spricht also auch dafür, kein Volltranskript im Anhang der Arbeit zu dokumentieren, weil es dann eben auch einer Abnahme/Abstimmung desselben bedarf.
Will Ihr Betreuer unbedingt Volltranskripte, aber Sie möchten das Zeitproblem bei der Autorisierung beherrschen, wäre noch ein Kompromiss möglich: Sie lassen nur die tatsächlich verwendeten Zitate autorisieren. Die Volltranskripte kommen in den Anhang, werden aber für das Bibliotheksexemplar Ihrer Thesis gesperrt ("Sperrvermerk"), sind also für die Öffentlichkeit nicht zugänglich.
Siehe auch die Posts:
- Mündliche Quellen: Gespräche, Vorträge, Veranstaltungen (21.6.2011)
- Interviews führen: Vom Umgang mit Experten (19.12.2010)
Dresing, T. & Pehl, T. (2011). Praxisbuch Transkription. Regelsysteme, Software
und praktische Anleitungen für qualitative ForscherInnen. 3. Auflage. Marburg: Dr. Dresing und Pehl GmbH. Online auf http://www.audiotranskription.de/Praxisbuch-Transkription.pdf [28.06.2012].
Labels:
Experten,
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Forschungsmethode,
Interviews führen,
Konzept,
Methoden,
Protokoll,
Quellen,
Sozialforschung,
Textanalyse,
Zeitmanagement,
Zitieren
28. Juni 2012
Selbst forschen: Umfragen, Interviews, Dokumente auswerten und belegen
In einer Abschlussarbeit selbst empirische Daten erheben und untersuchen -- das ist echtes Forschen und (leider) in vielen Fächern selten der Fall. Vor allem bei Bachelor-Arbeiten, denn eigentlich ist die Bearbeitungszeit viel zu kurz. Eine Studentin der Verwaltungswissenschaften will es aber wagen und hat in einem Landkreisamt gute,praktische Forschungsobjekte. Nun grübelt sie aber über diese Fragen:
In jedem Fall muss klar erkennbar und nachvollziehbar sein, wie Sie zu den Daten gekommen sind. Der Leser soll Relevanz und Aussagekraft Ihrer Datenbasis beurteilen können. Das "Projektdesign" und Konzept der Umfrage ist im Text (Methodenteil) präzise zu erläutern. Dazu gehören die Entwicklung der Fragen, Auswahl und Rekrutierung der Befragten, Erhebungsmethode, Ablauf der Durchführung usw. Eher "technische" Angaben und ein Verlaufsprotokoll können z.T. in den Anhang ausgelagert werden.
Der Anhang ist auch eine gute Lösung, um die gesamten Rohdaten aus der Umfrage zu dokumentieren. Das sind ja oft große Tabellen, die man nicht unbedingt im Haupttext haben möchte. Im Anhang lassen sich die Daten aber in der Gesamtheit überblicken. Außerdem können Sie im Anhang z.B. Ihr Anschreiben an die Befragten dokumentieren
Im Hauptteil der Arbeit ist es meist sinnvoll, sich in der Darstellung und Diskussion jeweils einzelnen Ergebnissen zuzuwenden (Thema für Thema) und bei zusammenfassenden Übersichten mit Diagrammen zu arbeiten. Grafiken sind chic, aber nicht für alles benötigen Sie eine farbstrotzende Torte, Säulen, Stäbe oder Kurve: Übersichtliche Tabellen sind häufig eine gute Alternative und ebenso leicht zu erfassen. Wenn Sie dennoch ein Diagramm wählen, überprüfen Sie, welches Diagrammformat die Information am besten vermittelt.
Diagramme sollten eine hohe Informationsdichte haben. Unverzichtbar ist es bei Grafiken, nicht nur mit Prozentangaben, sondern auch mit absoluten Zahlen auszuzeichnen, Achsen und Skalen genau zu beschriften, eine Legende anzulegen, in der Diagrammbeschriftung die Grundgesamtheit (N) zu benennen, fehlende Daten oder "keine Antwort" anzugeben usw.
Wenn Sie eine Online-Umfrage durchführen, nutzen Sie wahrscheinlich ein Web-Tool. Solche Software hat meist eine Standardausgabefunktion für Tabellen und Grafiken. Schauen Sie sich diese genau an, und überprüfen Sie, ob und wie Sie diese verändern können. Manchmal ist es sinnvoll, die Daten in Excel zu importieren, weil Sie dort mehr Gestaltungsmöglichkeiten haben.
Schließlich gibt es in Befragungen auch Optionen freier Texteingabe. Daraus können Sie wörtliche Zitate entnehmen. Achten Sie in der Belegweise darauf, dass der Leser diese nicht mit Literaturzitaten verwechseln kann.
- Wie geht man in der Bachelorarbeit genau mit selbst angelegten Onlineumfragen um (Belege etc.)?
- Wie geht man mit Materialien aus der Verwaltung um (Reden, die von Mitarbeitern gehalten wurden etc.; Ausdrucke, die nicht mehr wirklich zugeordnet werden können; Kopien etc.)?
- Wenn man jemanden interviewt, wie macht man dann genau den Beleg?
- Es führt kein Weg daran vorbei, das mit dem Betreuer detailliert zu besprechen. Persönliche Vorstellungen und Vorlieben, wie empirische Daten und Methoden zu dokumentieren sind, variieren erheblich.
- Gerade bei BA-Arbeiten sind viele Betreuer willens, pragmatisch Ansprüche herunterzuschrauben und Kompromisse bei einigen Dokumentationsstandards einzugehen, um die Belastung bei der extrem kurzen Bearbeitungszeit zu senken. Siehe dazu auch den Blogbeitrag: "Bachelor- und Masterarbeiten: der kleine, große Unterschied" (28.12.10)
- Lesen Sie im Detail nach, was Handbücher und Ratgeber zum wissenschaftlichen Arbeiten und zur empirischen Sozialforschung dazu sagen.
Onlineumfragen
Frage 1. Wie geht man in der Bachelorarbeit genau mit selbst angelegten Onlineumfragen um (Belege etc.)?In jedem Fall muss klar erkennbar und nachvollziehbar sein, wie Sie zu den Daten gekommen sind. Der Leser soll Relevanz und Aussagekraft Ihrer Datenbasis beurteilen können. Das "Projektdesign" und Konzept der Umfrage ist im Text (Methodenteil) präzise zu erläutern. Dazu gehören die Entwicklung der Fragen, Auswahl und Rekrutierung der Befragten, Erhebungsmethode, Ablauf der Durchführung usw. Eher "technische" Angaben und ein Verlaufsprotokoll können z.T. in den Anhang ausgelagert werden.
Der Anhang ist auch eine gute Lösung, um die gesamten Rohdaten aus der Umfrage zu dokumentieren. Das sind ja oft große Tabellen, die man nicht unbedingt im Haupttext haben möchte. Im Anhang lassen sich die Daten aber in der Gesamtheit überblicken. Außerdem können Sie im Anhang z.B. Ihr Anschreiben an die Befragten dokumentieren
Im Hauptteil der Arbeit ist es meist sinnvoll, sich in der Darstellung und Diskussion jeweils einzelnen Ergebnissen zuzuwenden (Thema für Thema) und bei zusammenfassenden Übersichten mit Diagrammen zu arbeiten. Grafiken sind chic, aber nicht für alles benötigen Sie eine farbstrotzende Torte, Säulen, Stäbe oder Kurve: Übersichtliche Tabellen sind häufig eine gute Alternative und ebenso leicht zu erfassen. Wenn Sie dennoch ein Diagramm wählen, überprüfen Sie, welches Diagrammformat die Information am besten vermittelt.
Diagramme sollten eine hohe Informationsdichte haben. Unverzichtbar ist es bei Grafiken, nicht nur mit Prozentangaben, sondern auch mit absoluten Zahlen auszuzeichnen, Achsen und Skalen genau zu beschriften, eine Legende anzulegen, in der Diagrammbeschriftung die Grundgesamtheit (N) zu benennen, fehlende Daten oder "keine Antwort" anzugeben usw.
Wenn Sie eine Online-Umfrage durchführen, nutzen Sie wahrscheinlich ein Web-Tool. Solche Software hat meist eine Standardausgabefunktion für Tabellen und Grafiken. Schauen Sie sich diese genau an, und überprüfen Sie, ob und wie Sie diese verändern können. Manchmal ist es sinnvoll, die Daten in Excel zu importieren, weil Sie dort mehr Gestaltungsmöglichkeiten haben.
Schließlich gibt es in Befragungen auch Optionen freier Texteingabe. Daraus können Sie wörtliche Zitate entnehmen. Achten Sie in der Belegweise darauf, dass der Leser diese nicht mit Literaturzitaten verwechseln kann.
- Zu Frage 2: Wie geht man mit Materialien aus der Verwaltung um (Reden,
die von Mitarbeitern gehalten wurden etc.; Ausdrucke, die nicht mehr
wirklich zugeordnet werden können; Kopien etc.)? Antwort: "Graue Literatur und interne Dokumente" (29.6.12)
- Zu Frage 3: Wenn man jemanden interviewt, wie macht man dann genau den Beleg? Antwort: "Qualitative Interviews -- Transkripte & Co." (29.6.12)
24. Juni 2012
Rubriken fürs Quellenverzeichnis: Warum die Rubrik "Internetquellen" Unsinn ist - Alternativen
Quellenverzeichnisse sind oft schlicht alphabetisch nach Autor geordnet - manchmal auch nach Datum (Vancouver Style). Nun sind Quellen aber nicht gleich Quellen. Zwischen einer wissenschaftlichen Monographie und einem Blog-Post liegen Welten. Daher empfehlen viele Ratgeberwerke, das Quellenverzeichnis in Rubriken zu ordnen. Dafür spricht viel.
In studentischen Seminararbeiten gibt es allerdings oft nur zwei: "Bücher" und "Internetquellen". Das ist dann meistens Unfug.
Was passiert ist: Der Student hat sich 2-3 Bücher aus der Bibliothek geholt und den Rest online recherchiert. Gedruckte Fachzeitschriften oder sonstiges Druckwerk hat er gar nicht erst angesehen. Alles, was "im Internet" zu finden war, kommt nun in die Kategorie "Internetquellen". Die Rubrik umfasst dann aber meistens so ziemlich alles, was es so gibt unter der Sonne. Die Quellentypen haben überhaupt nichts gemeinsam -- außer dass sie "im Internet" sind.
Alles im selben Topf: Wissenschaftliche Fachzeitschriften-Aufsätze, Buchexzerpte aus GoogleBooks, Berichte und Studien, Konferenz- und Symposienbeiträge, Amtliches und Halbamtliches, Gesetzestexte und Gerichtsurteile, Artikel aus journalistischer Presse und Rundfunk, Unternehmens- und Verbände-Publikationen, Lexika, Statistiken, Datensätze, Videos und diverse Social-Media-Beiträge, was auch immer.
Genauso gut hätte der Student als Rubrik "Diverse Quellen und Allerlei" drüber schreiben können. Was natürlich nicht der Sinn der Rubrizierung ist.
Vor langer, langer Zeit war alles einfacher. Ein Buch war ein Buch, eine Zeitschrift eine Zeitschrift usw. Das Gedruckte dominierte die akademische Welt, und wenn man "graue Literatur" (also alles, was nicht Buch, Fachzeitschrift oder Presse war) zitierte, war das schon gewagt. Dann auch noch "Internet" zu zitieren, war etwas funky. Aber in jedem Fall die Ausnahme. Und "Internet", das hieß im Wesentlichen: simple HTML-Websites.
Heute gibt es praktisch jeden Quellentyp "im Internet". Zumindest aber, wenn nicht im freien Oberflächen-Internet im "Deep Web" verfügbar, jedenfalls in digitaler Form, vom E-Book in der Unibibliothek bis zum Fachzeitschriften-Aufsatz in der Datenbank eines wissenschaftlichen Verlags. Alles online abrufbar.
Also ist es sinnvoll, die Quellen nicht danach zu sortieren, ob sie digital sind oder nicht, sondern nach dem eigentlichen Charakter und Zweck der Quelle. Im Regelfall ist die formale Trennung immer noch so (davon ausgehend, dass alle digital und "im Internet" abrufbar sein können):
Was davon genau nach wissenschaftlichem Standard zitierfähig und zitierfähig ist, sei jetzt einmal dahingestellt. Sinnvoll kann es sein, in Rubriken wissenschaftliche Literatur von nichtwissenschaftlichen Quellen zu trennen. Oder auch Primär-, Sekundär- und Tertiärquellen.
Was sonst noch zu trennen ist, hängt davon ab, woraus mein Quellenuniversum besteht.
Beispiel: In einer Seminararbeit zur Energiepolitik benötige ich diverse Artikel aus praxisnahen Fachmagazinen, Regierungs- und Parlamentsdokumente sowie amtliche Statistiken, Materialien von Verbänden der Energiewirtschaft, Materialien von sonstigen "Experten" -- die kommen von einer Unternehmensberatung, von Umwelt- oder Verbraucherorganisationen; und in einigen Blogs finde ich auch noch etwas.
All das ist zweifellos nach Charakter und Zweck anders als wissenschaftliche Bücher und Aufsätze. Sie bilden nicht nur Grundlagenliteratur, sondern sind Forschungsgegenstand. Im Fließtext behandle ich diese Quellen klar anders als die Ergebnisse akademischer Forschung. Im Quellenverzeichnis kann es sinnvoll sein, diese unterschiedliche Wertung durch Rubriken sichtbar zu machen. Z.B. "Amtliche Veröffentlichungen und Veröffentlichungen politischer Institutionen", "Veröffentlichungen von Interessengruppen", "Nichtakademische Fachpresse" und dergleichen. Dreht sich meine Arbeit ums Marktgeschehen, will ich möglicherweise nach Marktteilnehmern (kommerziellen Organisationen) und Nichtmarktteilnehmern (nichtkommerzielle Organisationen, sonstige Experten) trennen.
Geht man so vor, wird klar, dass es keine "One-size-fits-all"-Rubrikenkennung geben kann, es ist vom Inhalt der Arbeit abhängig. Rubriken muss man sich also passend selbst schaffen, statt auf ein "Schema F" zu hoffen.
Aufwändig? Ja, klar. Das ist nicht nur eine intelligente Vorgehensweise, sie zeigt auch, dass der Autor sehr quellenkritisch ist und Informationskompetenz zeigt. Und das dürfte dem begutachtenden Dozenten bestimmt ein paar Bonuspunkte wert sein.
In studentischen Seminararbeiten gibt es allerdings oft nur zwei: "Bücher" und "Internetquellen". Das ist dann meistens Unfug.
Was passiert ist: Der Student hat sich 2-3 Bücher aus der Bibliothek geholt und den Rest online recherchiert. Gedruckte Fachzeitschriften oder sonstiges Druckwerk hat er gar nicht erst angesehen. Alles, was "im Internet" zu finden war, kommt nun in die Kategorie "Internetquellen". Die Rubrik umfasst dann aber meistens so ziemlich alles, was es so gibt unter der Sonne. Die Quellentypen haben überhaupt nichts gemeinsam -- außer dass sie "im Internet" sind.
Alles im selben Topf: Wissenschaftliche Fachzeitschriften-Aufsätze, Buchexzerpte aus GoogleBooks, Berichte und Studien, Konferenz- und Symposienbeiträge, Amtliches und Halbamtliches, Gesetzestexte und Gerichtsurteile, Artikel aus journalistischer Presse und Rundfunk, Unternehmens- und Verbände-Publikationen, Lexika, Statistiken, Datensätze, Videos und diverse Social-Media-Beiträge, was auch immer.
Genauso gut hätte der Student als Rubrik "Diverse Quellen und Allerlei" drüber schreiben können. Was natürlich nicht der Sinn der Rubrizierung ist.
Vor langer, langer Zeit war alles einfacher. Ein Buch war ein Buch, eine Zeitschrift eine Zeitschrift usw. Das Gedruckte dominierte die akademische Welt, und wenn man "graue Literatur" (also alles, was nicht Buch, Fachzeitschrift oder Presse war) zitierte, war das schon gewagt. Dann auch noch "Internet" zu zitieren, war etwas funky. Aber in jedem Fall die Ausnahme. Und "Internet", das hieß im Wesentlichen: simple HTML-Websites.
Heute gibt es praktisch jeden Quellentyp "im Internet". Zumindest aber, wenn nicht im freien Oberflächen-Internet im "Deep Web" verfügbar, jedenfalls in digitaler Form, vom E-Book in der Unibibliothek bis zum Fachzeitschriften-Aufsatz in der Datenbank eines wissenschaftlichen Verlags. Alles online abrufbar.
Also ist es sinnvoll, die Quellen nicht danach zu sortieren, ob sie digital sind oder nicht, sondern nach dem eigentlichen Charakter und Zweck der Quelle. Im Regelfall ist die formale Trennung immer noch so (davon ausgehend, dass alle digital und "im Internet" abrufbar sein können):
- Bücher,
- periodische Werke (Fachzeitschrift, Zeitschrift, Zeitung, Newsletter usw.),
- "graue Literatur" (z.B. einzelne Forschungsberichte von Instituten, Veröffentlichungen staatlicher Stellen, von Unternehmen, Verbänden, Berufsorganisationen, kommerzielle und nichtkommerzielle Organisationen verschiedener Art -- bis hin zu Broschüren, Handzetteln oder gar Plakaten),
- Beiträge zu Konferenzen, Tagungen, Symposien
- Rechtsmaterialien
- Sonstige Quellen (z.B. einfache Texte auf Websites, Film/Video/TV-Beiträge, unveröffentlichte Manuskripte, Online-Communities usw.)
Was davon genau nach wissenschaftlichem Standard zitierfähig und zitierfähig ist, sei jetzt einmal dahingestellt. Sinnvoll kann es sein, in Rubriken wissenschaftliche Literatur von nichtwissenschaftlichen Quellen zu trennen. Oder auch Primär-, Sekundär- und Tertiärquellen.
Was sonst noch zu trennen ist, hängt davon ab, woraus mein Quellenuniversum besteht.
Beispiel: In einer Seminararbeit zur Energiepolitik benötige ich diverse Artikel aus praxisnahen Fachmagazinen, Regierungs- und Parlamentsdokumente sowie amtliche Statistiken, Materialien von Verbänden der Energiewirtschaft, Materialien von sonstigen "Experten" -- die kommen von einer Unternehmensberatung, von Umwelt- oder Verbraucherorganisationen; und in einigen Blogs finde ich auch noch etwas.
All das ist zweifellos nach Charakter und Zweck anders als wissenschaftliche Bücher und Aufsätze. Sie bilden nicht nur Grundlagenliteratur, sondern sind Forschungsgegenstand. Im Fließtext behandle ich diese Quellen klar anders als die Ergebnisse akademischer Forschung. Im Quellenverzeichnis kann es sinnvoll sein, diese unterschiedliche Wertung durch Rubriken sichtbar zu machen. Z.B. "Amtliche Veröffentlichungen und Veröffentlichungen politischer Institutionen", "Veröffentlichungen von Interessengruppen", "Nichtakademische Fachpresse" und dergleichen. Dreht sich meine Arbeit ums Marktgeschehen, will ich möglicherweise nach Marktteilnehmern (kommerziellen Organisationen) und Nichtmarktteilnehmern (nichtkommerzielle Organisationen, sonstige Experten) trennen.
Geht man so vor, wird klar, dass es keine "One-size-fits-all"-Rubrikenkennung geben kann, es ist vom Inhalt der Arbeit abhängig. Rubriken muss man sich also passend selbst schaffen, statt auf ein "Schema F" zu hoffen.
Aufwändig? Ja, klar. Das ist nicht nur eine intelligente Vorgehensweise, sie zeigt auch, dass der Autor sehr quellenkritisch ist und Informationskompetenz zeigt. Und das dürfte dem begutachtenden Dozenten bestimmt ein paar Bonuspunkte wert sein.
17. März 2012
Komma, Kommas, Kommata
In wissenschaftlichen Arbeiten wird stets auch die Form bewertet. Dazu gehört der angemessene sprachliche Ausdruck und die Einhaltung sprachlicher Regeln. Erhebliche Mängel können zu Punkt- und Notenabzug führen, durchaus eine ganze Note. Einerseits, weil sie die Lesbarkeit verschlechtern; andererseits, weil sie ein Signal für Nachlässigkeit sind -- nach dem Prinzip: wer schon bei der Sprache schlampt, nimmt es auch mit der Sorgfalt beim Inhalt nicht so genau. Ob das unfair ist, darüber mag man lange streiten. Allerdings gehört zur akademischen Qualifikation eben auch ein akademisches Sprachniveau ohne größere Defizite.
Was Gutachtern die Haare grau macht und besonders ärgert, sind oft Zeichensetzungsfehler. Sie finden sich viel häufiger als Rechtschreib- und Grammatikfehler.
Warum ist das ein echtes Problem? Im Deutschen sind Kommata dabei sehr wichtig, weil akademische Sätze oft recht lang sind und ohne richtig gesetzte Beistriche schwerer verständlich sind, ja manchmal ihren Sinn verlieren.
Viele Studierende sind leider beim Kommasetzen unsicher und ungeübt -- aus welchen Gründen auch immer. Während des Hochschulstudiums gibt es aber nur wenige Gelegenheiten, um Schwachstellen auszubügeln. Die Hochschule geht einfach davon aus, dass das in der Schule gelernt wurde -- und ignoriert die Realität.
In der Regel wissen die Studenten, dass sie Schwächen haben. Sie sind aber auch selbst dafür verantwortlich, etwas dagegen zu tun. Denn es ist ja sehr ärgerlich, wenn die Mühe mit einer Seminar- oder Abschlussarbeit durch formale Mängeln entwertet wird. Zu empfehlen ist zweierlei:
Was Gutachtern die Haare grau macht und besonders ärgert, sind oft Zeichensetzungsfehler. Sie finden sich viel häufiger als Rechtschreib- und Grammatikfehler.
Warum ist das ein echtes Problem? Im Deutschen sind Kommata dabei sehr wichtig, weil akademische Sätze oft recht lang sind und ohne richtig gesetzte Beistriche schwerer verständlich sind, ja manchmal ihren Sinn verlieren.
Viele Studierende sind leider beim Kommasetzen unsicher und ungeübt -- aus welchen Gründen auch immer. Während des Hochschulstudiums gibt es aber nur wenige Gelegenheiten, um Schwachstellen auszubügeln. Die Hochschule geht einfach davon aus, dass das in der Schule gelernt wurde -- und ignoriert die Realität.
In der Regel wissen die Studenten, dass sie Schwächen haben. Sie sind aber auch selbst dafür verantwortlich, etwas dagegen zu tun. Denn es ist ja sehr ärgerlich, wenn die Mühe mit einer Seminar- oder Abschlussarbeit durch formale Mängeln entwertet wird. Zu empfehlen ist zweierlei:
- Die Kommaregeln wiederholen. Dafür gibt es viele Übersichten im Web (einfach "Kommaregeln" googeln), auch Videos.
- Kommasetzen üben. Online finden sich diverse Trainingsseiten. Hin und wieder eine halbe Stunde lang Übungen zu absolvieren, das ist eine gute Investition der eigenen Zeit.
- Zum.de praktischer Kurs "ohne Knochengrammatik"
- Orthografietrainer.net
- Michael Kraus
- deine-nachhilfe.de
- Akademie.de
29. Januar 2012
Bildquellen und Abbildungsverzeichnis
Eine Studentin fragt nach der richtigen Belegweise für Abbildungen nach APA (Zitationsstil und Formatierungsweise): "Ich habe 2 Abbildungen in meinem Paper. Benötige ich dafür ein extra Abbildungsverzeichnis oder soll ich die Quelle direkt unter die Grafiken schreiben?"
Hier geht es eigenlich um drei Dinge: Abbildungsverzeichnis, Bildunterschriften und Quellenverzeichnis.
Ein Abbildungsverzeichnis ist kein Quellenverzeichnis. Die klassische Variante dient dem schnellen Überblick über alle Abbildungen, darum steht es als Service für den Leser in der Regel vorn. Sein Inhalt sind die Auszeichnungen der Abbildungen, sprich die Bildunterschriften (ggf. verkürzt).
Bei nur zwei Abbildungen im ganzen Paper erscheint mir ein Abbildungsverzeichnis allerdings verzichtbar.
Jede Abbildung muss eine Bildunterschrift haben. Sie gibt kurz den Inhalt der Abbildung an, ggf. erläutert sie Details, um das Verständnis zu erleichtern. Da Abbildungen normalerweise im Text aufgegriffen und erklärt werden, sollte dies aber nicht zu lang ausfallen. Und schließlich wird hier die Quelle der Abbildung benannt, bei APA aber nur als Kurzbeleg (z.B. "Müller, 2009, S. 26"). Das Grundprinzip bei APA ist: Kurzbeleg im Text vorn, Vollbeleg mit allen bibliographischen Angaben hinten im Anhang. Genauso macht man es auch bei Abbildungen.
Egal, ob es ein Abbildungsverzeichnis gibt oder nicht, die Quellen der Abbildungen müssen in jedem Fall belegt werden. Quellen gehören immer in das Quellenverzeichnis. Es ist für das Quellenverzeichnis unerheblich, ob man aus der jeweiligen Quelle Buchstaben, Zahlen oder Bilder zieht. Meist ist es ja ohnehin so, dass die Abbildungen aus Quellen stammen, die auch im Text zitiert werden. Ein separates Quellenverzeichnis nur für Abbildungen wäre dann Doppelmoppel.
Hier geht es eigenlich um drei Dinge: Abbildungsverzeichnis, Bildunterschriften und Quellenverzeichnis.
Ein Abbildungsverzeichnis ist kein Quellenverzeichnis. Die klassische Variante dient dem schnellen Überblick über alle Abbildungen, darum steht es als Service für den Leser in der Regel vorn. Sein Inhalt sind die Auszeichnungen der Abbildungen, sprich die Bildunterschriften (ggf. verkürzt).
Bei nur zwei Abbildungen im ganzen Paper erscheint mir ein Abbildungsverzeichnis allerdings verzichtbar.
Jede Abbildung muss eine Bildunterschrift haben. Sie gibt kurz den Inhalt der Abbildung an, ggf. erläutert sie Details, um das Verständnis zu erleichtern. Da Abbildungen normalerweise im Text aufgegriffen und erklärt werden, sollte dies aber nicht zu lang ausfallen. Und schließlich wird hier die Quelle der Abbildung benannt, bei APA aber nur als Kurzbeleg (z.B. "Müller, 2009, S. 26"). Das Grundprinzip bei APA ist: Kurzbeleg im Text vorn, Vollbeleg mit allen bibliographischen Angaben hinten im Anhang. Genauso macht man es auch bei Abbildungen.
Egal, ob es ein Abbildungsverzeichnis gibt oder nicht, die Quellen der Abbildungen müssen in jedem Fall belegt werden. Quellen gehören immer in das Quellenverzeichnis. Es ist für das Quellenverzeichnis unerheblich, ob man aus der jeweiligen Quelle Buchstaben, Zahlen oder Bilder zieht. Meist ist es ja ohnehin so, dass die Abbildungen aus Quellen stammen, die auch im Text zitiert werden. Ein separates Quellenverzeichnis nur für Abbildungen wäre dann Doppelmoppel.
13. Oktober 2011
Ich-Form
"Darf man wirklich nicht die Ich-Form benutzen? Muss ich immer 'man' schreiben?", fragt eine Studentin.
Der Streit ist uralt. Dreht er sich nur um eine Stilfrage? Geht's um persönlichen Geschmack?
Nicht ganz. In den meisten Wissenschaften ist die Haltung, dass die Autorin so weit wie möglich hinter der Materie zurücktreten soll. Wissenschaft soll so objektiv und unbelastet von persönlichen Einschätzungen und Einlassungen sein wie möglich. Das drückt sich auch im Stil aus. "Ich" soll inhaltlich gar keine Rolle spielen.
Allerdings: Das ist eher eine Konvention mit Symbolwert -- und vielfach fragwürdig.
Allerdings gibt es Studierende, die die sachorientierte Argumentation nicht gut beherrschen und einen wissenschaftlichen Text mit einem Erguss persönlicher Meinungen verwechseln. Da wimmelt es dann von persönlichen Bezügen: "Ich finde", "Ich meine", "Ich denke".
Das führt manchmal auf die falsche Bahn, denn der Autor führt sich selbst als Autorität anstelle einer Quelle oder eines Sacharguments ein.
Das "Ich" lenkt den Leser auch ab. Sie sollten also einen guten Grund haben, wenn Sie im Haupttext ein "Ich" verwenden. Meistens ist es vermeidbar, ohne die Sätze zu verrenken.
Ansonsten gilt: Sprechen Sie mit Ihrem Professor, ob er "Ich" erlaubt oder nicht. Fragen Sie ihn aber auch, warum er das so sieht.
Schließlich: Wir Deutschen sind da im internationalen Vergleich besonders leicht zu kitzeln. Die deutsche Sprache bietet viele Möglichkeiten, den einfachen aktiven Satz zu umgehen, und das ist selbst im Alltag ständig zu beobachten (wie dieser Satz mit zwei "zu" beweist). Eine kulturelle Eigenheit. Im Englischen finden sich viel mehr "Ich" und "Wir", auch in der Wissenschaftssprache; "one" (im Sinne des deutschen "man") sieht man selten, Passivkonstruktionen ebenso.
Der Streit ist uralt. Dreht er sich nur um eine Stilfrage? Geht's um persönlichen Geschmack?
Nicht ganz. In den meisten Wissenschaften ist die Haltung, dass die Autorin so weit wie möglich hinter der Materie zurücktreten soll. Wissenschaft soll so objektiv und unbelastet von persönlichen Einschätzungen und Einlassungen sein wie möglich. Das drückt sich auch im Stil aus. "Ich" soll inhaltlich gar keine Rolle spielen.
Allerdings: Das ist eher eine Konvention mit Symbolwert -- und vielfach fragwürdig.
- Ein Text wird nicht automatisch objektiver, nur weil der Autor das "Ich" sprachlich versteckt.
- Ein Text wird nicht lesbarer und schöner, wenn ein Autor umständliche Passivkonstruktionen benutzt ("Es wird untersucht" oder "Kapitel 3 untersucht" statt "Ich untersuche...") oder gar ständig "man" verwendet.
- Manche Autoren schreiben in der dritten Person: "Der Autor...", "Der Verfasser...". Studenten kostet das viel Überwindung, es ist ja auch ziemlich komisch, sich beim Schreiben von sich selbst zu distanzieren.
Allerdings gibt es Studierende, die die sachorientierte Argumentation nicht gut beherrschen und einen wissenschaftlichen Text mit einem Erguss persönlicher Meinungen verwechseln. Da wimmelt es dann von persönlichen Bezügen: "Ich finde", "Ich meine", "Ich denke".
Das führt manchmal auf die falsche Bahn, denn der Autor führt sich selbst als Autorität anstelle einer Quelle oder eines Sacharguments ein.
Das "Ich" lenkt den Leser auch ab. Sie sollten also einen guten Grund haben, wenn Sie im Haupttext ein "Ich" verwenden. Meistens ist es vermeidbar, ohne die Sätze zu verrenken.
Ansonsten gilt: Sprechen Sie mit Ihrem Professor, ob er "Ich" erlaubt oder nicht. Fragen Sie ihn aber auch, warum er das so sieht.
Schließlich: Wir Deutschen sind da im internationalen Vergleich besonders leicht zu kitzeln. Die deutsche Sprache bietet viele Möglichkeiten, den einfachen aktiven Satz zu umgehen, und das ist selbst im Alltag ständig zu beobachten (wie dieser Satz mit zwei "zu" beweist). Eine kulturelle Eigenheit. Im Englischen finden sich viel mehr "Ich" und "Wir", auch in der Wissenschaftssprache; "one" (im Sinne des deutschen "man") sieht man selten, Passivkonstruktionen ebenso.
7. März 2011
Mängel in der Form - schlechtere Note gerechtfertigt?
"Wenn ein Student fachlich alles richtig gemacht hat und nur die Druckqualität bzw. die Form der Belegarbeit bemängelt wird, kann der Dozent dann die Note 3 geben?", fragt eine Studentin. Antwort:
Es kommt drauf an, was Sie unter „Form“ verstehen… Hätte Guttenberg die Form bewahrt, wäre er noch Minister.
Von höheren Studiensemestern kann man durchaus verlangen, dass alle Formvorschriften und Formate wissenschaftlicher Arbeit eingehalten werden. Tun sie das nicht, kann man die Bewertung durchaus um gewisse Notenstufen herabsetzen – mit Augenmaß natürlich.
Denn das Erlernen der Formalia ist ein Ausbildungsziel – sowohl im Sinne der Wissenschaftlichkeit, die nun einmal auch von Standards lebt, als auch im Sinne der Berufsvorbereitung, denn von einem Akademiker erwartet man professionelle Darstellungsformen.
- Eine einzelne vom Tintenstrahldrucker verschmierte Zeile oder Tonerspuren auf der Seite ist dabei wohl eine Lappalie.
- Eine Arbeit, die eher an eine Schmuddelkladde erinnert und die von sprachlichen und editorischen Fehlern nur so wimmelt, ist dagegen kritischer.
- Ein großes Durcheinander in der Textformatierung, bei der Gliederung, bei der Anordnung von Textteilen, bei der Formatierung von Quellenbelegen oder des Quellen- und Literaturverzeichnisses schlagen noch stärker zu Buche.
Und: Möglicherweise ist der Dozent der Ansicht, dass keineswegs "fachlich alles richtig" ist, wenn er darunter bestimmte Vorgehensweisen versteht. "Form follows function", heißt es bei den Designern: Wenn die Aufgabe war, einem bestimmten Verfahren zu folgen und das auch durch die Formatierung zu zeigen, dann ist das eine mit dem anderen verbunden.
Selbst bei klarer Trennung von Inhalt und Form: „Fachlich alles richtig“ und trotzdem eine 3 ist eher selten, kann aber passieren. Wenn der Inhalt insgesamt „gut“ ist (=2) und die Form gibt Anlass zur Herabsetzung um eine Notenstufe (=3), ist das legitim.
Der Dozent hat hier einen relativ großen Ermessensspielraum. Studenten sollten allerdings zu Beginn des Kurses oder bei der Aufgabenstellung wissen, was der Bewertungsmaßstab ist. Hat der Dozent bei der Aufgabenstellung sehr klar und deutlich hervorgehoben, dass bestimmte Form- und Formatvorschriften wichtig sind, dann ist das eine eindeutige Ansage, dass das bewertet wird. Weist er klar an, dass z.B. ein bestimmter Zitationsstil verwendet werden soll, und Sie verwenden einen anderen, haben Sie einen Teil der Aufgabe nicht korrekt erfüllt.
Aber, wie gesagt, die Notengebung verlangt Augenmaß. Wenn Sie der Auffassung sind, dass die Notengebung nicht gerechtfertigt ist, sollten Sie das gegenüber dem Dozenten auch so vertreten. Bisweilen gibr es einfach Missverständnisse über die Anforderungen, oder die Anweisungen und Bewertungsmaßgaben sind unklar gewesen. Vielleicht bietet er Ihnen an, die Belegarbeit zu überarbeiten. Mit etwas Goodwill von beiden Seiten kann man manches ausräumen.
Kommen Sie zu keiner Einigung, können Sie beim Prüfungsausschuss des Fachbereichs den Antrag stellen, dass die Benotung überprüft wird (Zweitgutachten durch einen Kollegen). Dabei wird der Zweitgutachter allerdings auch erstmal von Ihrem Dozenten erfahren wollen, was die Bewertungsgrundlagen des Kurses sind. Möglicherweise kommt er dann zum selben Schluss.
12. Januar 2011
Formaler Aufbau einer Abschlussarbeit
Eine häufige Frage von Studenten: "Wie baut man eine Abschlussarbeit formal richtig auf?" Damit ist nicht die inhaltliche Gliederung gemeint. Vielmehr geht es um die typischen Teile einer wissenschaftlichen Arbeit. Ihre Gutachter werden bei der Bewertung als erstes prüfen, ob diese Grundelemente einer wissenschaftlichen Arbeit vorhanden sind und ob sie an der richtigen Stelle eingefügt wurden.
Die Antwort ist eigentlich ganz simpel: Der Textteil besteht aus Einleitungsteil, Hauptteil, Schlussteil. Dazu kommen vorne Deckblatt mit Titel, Abstract, Inhaltsverzeichnis, weitere Verzeichnisse (Abkürzungen, Abbildungen, Tabellen), ggf. ein Vorwort (nicht zu verwechseln mit der Einleitung) und hinten Literatur- und Quellenverzeichnis sowie Anhänge (z.B. einzelne Dokumente, Statistiken, Fragebögen und Interviewleitfäden als Erhebungsinstrumente). Die Reihenfolge ist fast immer genau so wie hier angegeben. Die meisten Hochschulen veröffentlichen dazu auch eine Anleitung und ein Formular bzw. eine Vorlage, insbesondere für das Deckblatt mit der "Titelei" (alles, was vor dem eigentlichen Textteil kommt).
Die meisten Hochschulen verlangen überdies eine "ehrenwörtliche Erklärung", dass sie die Arbeit nur auf Basis der angegebenen Quellen verfasst und an keiner anderen Hochschule als Prüfungsarbeit eingereicht haben – in einem vorgeschriebenen Wortlaut.
Informieren Sie sich also zunächst, was die Prüfungsordnung in Ihrem Studiengang formal vorschreibt. Erst dann konsultieren Sie in Ratgeberbüchern oder Internetportalen zum wissenschaftlichen Schreiben über alles andere.
Wichtig ist zu verstehen, dass jeder Teil einer wissenschaftlichen Arbeit eine bestimmte Funktion hat. Jeder Teil leistet etwas anderes. So sollte man die verschiedenen Verzeichnisse klar auseinanderhalten, Vorwort und Einleitung nicht verwechseln, die Bedeutung der Einleitung klar verstehen und vom Hauptteil abgrenzen usw.
Weitere Blogbeiträge:
Die Antwort ist eigentlich ganz simpel: Der Textteil besteht aus Einleitungsteil, Hauptteil, Schlussteil. Dazu kommen vorne Deckblatt mit Titel, Abstract, Inhaltsverzeichnis, weitere Verzeichnisse (Abkürzungen, Abbildungen, Tabellen), ggf. ein Vorwort (nicht zu verwechseln mit der Einleitung) und hinten Literatur- und Quellenverzeichnis sowie Anhänge (z.B. einzelne Dokumente, Statistiken, Fragebögen und Interviewleitfäden als Erhebungsinstrumente). Die Reihenfolge ist fast immer genau so wie hier angegeben. Die meisten Hochschulen veröffentlichen dazu auch eine Anleitung und ein Formular bzw. eine Vorlage, insbesondere für das Deckblatt mit der "Titelei" (alles, was vor dem eigentlichen Textteil kommt).
Die meisten Hochschulen verlangen überdies eine "ehrenwörtliche Erklärung", dass sie die Arbeit nur auf Basis der angegebenen Quellen verfasst und an keiner anderen Hochschule als Prüfungsarbeit eingereicht haben – in einem vorgeschriebenen Wortlaut.
Informieren Sie sich also zunächst, was die Prüfungsordnung in Ihrem Studiengang formal vorschreibt. Erst dann konsultieren Sie in Ratgeberbüchern oder Internetportalen zum wissenschaftlichen Schreiben über alles andere.
Wichtig ist zu verstehen, dass jeder Teil einer wissenschaftlichen Arbeit eine bestimmte Funktion hat. Jeder Teil leistet etwas anderes. So sollte man die verschiedenen Verzeichnisse klar auseinanderhalten, Vorwort und Einleitung nicht verwechseln, die Bedeutung der Einleitung klar verstehen und vom Hauptteil abgrenzen usw.
Die formale Gliederung (nicht die inhaltliche) kann unterschiedlich erfolgen, hier gibt es von der Hochschule meist keine Vorschriften. Bei kurzen Belegarbeiten ist eine formale Gliederung oft verzichtbar, hier reichen Überschriften aus. Bei längeren Arbeiten, also praktisch allen Abschlussarbeiten, ist es dagegen sinnvoll, eine echte formale Gliederungsordnung zu haben, die die Hierarchie aller Textabschnitte deutlich macht. Sie kann numerisch (nur Ziffern, z.B. 1), 2), 3) oder I., II., III. oder 1, 1.1, 1.1.1 usw.) und alphanumerisch (Buchstaben und Ziffern, z.B. 1), a), i) oder I., A., 1.) erfolgen. Die numerische Klassifikation mit 1., 1.1, 1.1.1 usw. ist inzwischen die am häufigsten verwendete. Bei der Textverarbeitung Microsoft Word nutzen Sie dafür die Menüfunktionen „nummerierte Liste“ und „Liste mit mehreren Ebenen“.
Weitere Blogbeiträge:
17. Dezember 2010
Zitat- und Literaturverwaltung mit Word
Für die Quellenverwaltung und einheitliche, fehlerfreie Zitierformate gibt es nichts Besseres als ein ordentliches Literaturverwaltungs-programm, und davon gibt es – auch kostenlos – viele (z.B. Basisversion Citavi, WibTex, Lit-Link, JabRef, Bibliographix, LiteRat, Biblioexpress, u.a.). Zu den altbekannten gesellen sich neuerdings Browser-gestützte, auch Web 2.0-fähige Programme wie Zotero.
Aber: Für kleinere Belegarbeiten und Projekte reicht dagegen meistens die kleine Lösung, nämlich über die eingebauten Funktion in der Textverarbeitung. Hier geht es speziell um das meist verwendete MS Word 2007 / 2010 (OpenOffice bietet aber ebenfalls eine Literaturverwaltung).
Im Menüreiter "Verweise" (Abbildung links) findet sich die Funktionsrubrik "Zitate und Literaturverzeichnis". Das wichtigste Feature ist zunächst einmal der "Quellen-Manager", eine Art Masterquellenliste. Hier müssen die bibliographischen Daten erfasst werden (Autor, Titel usw.). Die Verzeichnisfelder unterscheiden sich nach Quellenart (Buch, Buchabschnitt, Zeitschriftenaufsatz, Zeitungsartikel, Webdokument u.a.). Wichtig: Öffnen Sie ggf. "Alle Literaturverzeichnisfelder anzeigen", um zusätzliche Infos einzugeben.
Neu angelegte Quellen werden im linken Feld angezeigt (Abbildung links, Feld 1 - Masterliste). Die Masterliste kann man auch für andere Texte verwenden, z.B. für eine weitere Belegarbeit.
Zitieren Sie eine Quelle, wird sie ins Feld 2 (Aktuelle Liste) kopiert. Das ist sozusagen das Protokoll aller tatsächlich verwendeten Quellen. (Während der normalen Textarbeit muss der Quellen-Manager nicht geöffnet sein.)
Im Quellen-Manager wird im Fenster unten zudem eine Vorschau auf das Im-Text-Zitat (Feld 3) und auf den Eintrag im Literaturverzeichnis (Feld 4) gegeben.
Sie können also auch die "Optik" leicht kontrollieren. Gerade die richtige Formatierung treibt vielen Studenten den Schweiß auf die Stirn – aber Word übernimmt die nervige Aufgabe und sichert die Einheitlichkeit sowohl beim Zitatbeleg als auch bei der Erstellung des Quellenverzeichnisses am Schluss der Arbeit. So sollte eigentlich nichts schiefgehen, vorausgesetzt, die Daten wurden vollständig erfasst (sonst gilt das alte Computer-Motto: "Garbage in, garbage out").
Die Minimalanforderung in studentischen Arbeiten ist, dass ein einheitliches, konsistentes System für die Zitation benutzt wird. Das Problem ist gelöst, jedoch noch nicht die Frage, nach welchen Richtlinien (Zitationsstil) formatiert wird.
Word bietet von Haus aus 8 verschiedene Formatvorlagen, also Zitationsstile, an (siehe Abbildung), teilweise in 2 Varianten.
Wenn Sie den Zitationsstil für alle Quellen wechseln müssen/wollen, ist das mit ein paar Klicks getan. Sie müssen also nicht mehr auf Web-Helferlein wie CitationMachine, EasyBib o.ä. zurückgreifen. So weit, so gut.
Doch zeigt sich, dass Word eben kein vollwertiges Literaturverwaltungsprogramm ist. Erstens ist die Vorauswahl der Quellenarten eingeschränkt, zweitens: Wo Citavi & Co Hunderte Zitationsstile zur Auswahl anbieten, sind es hier nur wenige. Sie zu ergänzen, ist mit "Stylesheets" (XLS) möglich, aber eine Fummelei für computeraffine Bastler. Da bietet Microsoft kaum Service.
Für deutsche Studenten (und Professoren) ist die Auswahl nicht so erfreulich, denn die internationalen Zitationsstile sind noch längst nicht überall Standard. Hier heißt es, von alten deutschen Gewohnheiten Abschied zu nehmen – oder verzichten.
Aus den USA importiert, werden die auch in Europa inzwischen weitverbreiteten Zitationsstile APA, Chicago/Turabian und MLA bei Word mitgeliefert. Außerdem ISO 690 (International Standardization Organization, das internationale Gegenstück zu DIN). Daneben bietet Word Standards aus Russland (GOST), China (GB7714) und Japan (SIST02), was allerdings in Deutschland nicht in Frage kommt.
DIN1505, Duden oder gar deutsche juristische Zitationsstile sucht man vergeblich. Solange dem betreuenden Professor der Zitationsstil egal ist, kein Problem. Wird aber ein spezieller verlangt, der bei Word nicht eingebaut ist, bleibt nichts anderes übrig, als entweder (a) umständlich XLS-Stylesheets zu erstellen oder, wohl häufiger, (b) das automatisch erstellte Literaturverzeichnis hinterher per Hand umzubauen, und die Zitatformatierung möglicherweise ebenfalls. Das ist natürlich nicht der Sinn der Sache!
Wenn es also absehbar mit dem Zitationsstil Probleme mit dem Betreuer geben könnte: Erstens mit dem Professor sprechen, ob dieser einen der Word-Zitationsstile akzeptiert; und wenn nicht, zweitens doch darüber nachdenken, ein externe Literaturverwaltung zu verwenden. Schnittstellen zu Word sind überall eingebaut, so dass sich die Daten leicht exportieren lassen. Die Bequemlichkeit der integrierten Word-Literaturverwaltung ist dann aber dahin.
Aber: Für kleinere Belegarbeiten und Projekte reicht dagegen meistens die kleine Lösung, nämlich über die eingebauten Funktion in der Textverarbeitung. Hier geht es speziell um das meist verwendete MS Word 2007 / 2010 (OpenOffice bietet aber ebenfalls eine Literaturverwaltung).
Neu angelegte Quellen werden im linken Feld angezeigt (Abbildung links, Feld 1 - Masterliste). Die Masterliste kann man auch für andere Texte verwenden, z.B. für eine weitere Belegarbeit.
Zitieren Sie eine Quelle, wird sie ins Feld 2 (Aktuelle Liste) kopiert. Das ist sozusagen das Protokoll aller tatsächlich verwendeten Quellen. (Während der normalen Textarbeit muss der Quellen-Manager nicht geöffnet sein.)
Im Quellen-Manager wird im Fenster unten zudem eine Vorschau auf das Im-Text-Zitat (Feld 3) und auf den Eintrag im Literaturverzeichnis (Feld 4) gegeben.
Sie können also auch die "Optik" leicht kontrollieren. Gerade die richtige Formatierung treibt vielen Studenten den Schweiß auf die Stirn – aber Word übernimmt die nervige Aufgabe und sichert die Einheitlichkeit sowohl beim Zitatbeleg als auch bei der Erstellung des Quellenverzeichnisses am Schluss der Arbeit. So sollte eigentlich nichts schiefgehen, vorausgesetzt, die Daten wurden vollständig erfasst (sonst gilt das alte Computer-Motto: "Garbage in, garbage out").
Die Minimalanforderung in studentischen Arbeiten ist, dass ein einheitliches, konsistentes System für die Zitation benutzt wird. Das Problem ist gelöst, jedoch noch nicht die Frage, nach welchen Richtlinien (Zitationsstil) formatiert wird.
Word bietet von Haus aus 8 verschiedene Formatvorlagen, also Zitationsstile, an (siehe Abbildung), teilweise in 2 Varianten.
Wenn Sie den Zitationsstil für alle Quellen wechseln müssen/wollen, ist das mit ein paar Klicks getan. Sie müssen also nicht mehr auf Web-Helferlein wie CitationMachine, EasyBib o.ä. zurückgreifen. So weit, so gut.
Doch zeigt sich, dass Word eben kein vollwertiges Literaturverwaltungsprogramm ist. Erstens ist die Vorauswahl der Quellenarten eingeschränkt, zweitens: Wo Citavi & Co Hunderte Zitationsstile zur Auswahl anbieten, sind es hier nur wenige. Sie zu ergänzen, ist mit "Stylesheets" (XLS) möglich, aber eine Fummelei für computeraffine Bastler. Da bietet Microsoft kaum Service.
Für deutsche Studenten (und Professoren) ist die Auswahl nicht so erfreulich, denn die internationalen Zitationsstile sind noch längst nicht überall Standard. Hier heißt es, von alten deutschen Gewohnheiten Abschied zu nehmen – oder verzichten.
Aus den USA importiert, werden die auch in Europa inzwischen weitverbreiteten Zitationsstile APA, Chicago/Turabian und MLA bei Word mitgeliefert. Außerdem ISO 690 (International Standardization Organization, das internationale Gegenstück zu DIN). Daneben bietet Word Standards aus Russland (GOST), China (GB7714) und Japan (SIST02), was allerdings in Deutschland nicht in Frage kommt.
DIN1505, Duden oder gar deutsche juristische Zitationsstile sucht man vergeblich. Solange dem betreuenden Professor der Zitationsstil egal ist, kein Problem. Wird aber ein spezieller verlangt, der bei Word nicht eingebaut ist, bleibt nichts anderes übrig, als entweder (a) umständlich XLS-Stylesheets zu erstellen oder, wohl häufiger, (b) das automatisch erstellte Literaturverzeichnis hinterher per Hand umzubauen, und die Zitatformatierung möglicherweise ebenfalls. Das ist natürlich nicht der Sinn der Sache!
Wenn es also absehbar mit dem Zitationsstil Probleme mit dem Betreuer geben könnte: Erstens mit dem Professor sprechen, ob dieser einen der Word-Zitationsstile akzeptiert; und wenn nicht, zweitens doch darüber nachdenken, ein externe Literaturverwaltung zu verwenden. Schnittstellen zu Word sind überall eingebaut, so dass sich die Daten leicht exportieren lassen. Die Bequemlichkeit der integrierten Word-Literaturverwaltung ist dann aber dahin.
- Eine ausführliche Beschreibung der Word-Literaturverwaltung finden Sie bei Microsoft Office Support.
Zitierfibel für Juristen
Wenn es ums Zitieren geht, haben's Juristen besonders schwer: Sie machen es nicht nur anders als die meisten anderen Wissenschaften, es gibt keinen nationalen, geschweige denn einen internationalen Standard. Geschriebene Anleitungen: Fehlanzeige. In den meisten Literaturverwaltungsprogrammen (z.B. Citavi) ist die "juristische Zitierweise" auch ein Stiefkind, bei Microsoft Word sucht man einen voreingestellten Zitierstil für Juristen vergebens.
Immerhin ist seit 2007 bei C.H. Beck ein kleines Büchlein auf dem Markt, das die größte Not lindert: Die Zitierfibel für Juristen
Verfasst haben es die Professoren Sharon Byrd (Uni Jena, Law & Language Center) und Matthias Lehmann (Uni Halle-Wittenberg) in Zusammenarbeit mit den Redaktionen der Jura-Ausbildungszeitschriften NJW und JuS.
Es ist tatsächlich eine alltagstaugliche Fibel und kein Profi-Publikationshandbuch für alle Zweifelsfälle; auch bietet es keineswegs eine großangelegte Zitations-Systematik, sondern führt recht schlicht auf, wie die Praxis bei NJW, JuS & Co aussieht. Der Fokus liegt auf typischen Rechtsquellenarten, ausgelassen werden dagegen viele Quellen, die in anderen Wissenschaften eine weitaus größere Rolle spielen.
Immerhin ist seit 2007 bei C.H. Beck ein kleines Büchlein auf dem Markt, das die größte Not lindert: Die Zitierfibel für Juristen
- Inhaltsverzeichnis
- Signatur Bibliothek Wildau: 0QMR57
(leider nicht als eBook) ► Web-OPAC
Verfasst haben es die Professoren Sharon Byrd (Uni Jena, Law & Language Center) und Matthias Lehmann (Uni Halle-Wittenberg) in Zusammenarbeit mit den Redaktionen der Jura-Ausbildungszeitschriften NJW und JuS.
Es ist tatsächlich eine alltagstaugliche Fibel und kein Profi-Publikationshandbuch für alle Zweifelsfälle; auch bietet es keineswegs eine großangelegte Zitations-Systematik, sondern führt recht schlicht auf, wie die Praxis bei NJW, JuS & Co aussieht. Der Fokus liegt auf typischen Rechtsquellenarten, ausgelassen werden dagegen viele Quellen, die in anderen Wissenschaften eine weitaus größere Rolle spielen.
- Eine Kurzübersicht der wichtigsten Regeln auf Basis des Buches findet sich an der Uni Tübingen.
- Den Byrd/Lehmann-Zitierstil hat auch das Literaturverwaltungsprogramm Citavi aufgenommen.
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