Kompakt, solide gemacht und hübsch anzusehen: Sechs Lernvideos (deutsch/englisch) rund um Recherche, Informationsbewertung und Zitieren. Nicht nur für Wirtschaftswissenschaftler hilfreich, obwohl das Set vom ZBW Leibniz-Informationszentrum Wirtschaft stammt. Das sorgt sich nämlich um die Fähigkeiten der WiWi-Studierenden. In der Tat zeigt eine ZBW-Untersuchung mit Studierenden-Befragung ("Informationskompetenz bei Studierenden der Wirtschaftswissenschaften 2017"), dass es große Unsicherheiten gibt.
Die ganze Playlist auf YouTube...
Erste Hausarbeit 01: Warum brauche ich überhaupt gute Information?
Erste Hausarbeit 02: Wie suche ich (wissenschaftliche) Information und Fachaufsätze?
Erste Hausarbeit 03: Qualität von wissenschaftlicher Information beurteile
Erste Hausarbeit 04: Wie erkenne ich Fake News?
Erste Hausarbeit 05: Wie beschaffe ich wissenschaftliche Information?
Erste Hausarbeit 06: Wie zitiere ich richtig?
Weitere Online-Angebote der ZBW zum wissenschaftlichen Arbeiten
Entscheidungsbasiertes Tutorial Guided Walk
mit den Modulen „Literatur suchen und bewerten“, „An den Volltext gelangen“ und „Richtig zitieren“: Erstmal einen Kaffee trinken? In Google suchen, aufgeben? Oder doch besser eine Fachdatenbank nutzen?
"Triple A statt Junk Bond" - Wie erkenne ich wissenschaftliche Journals?
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23. November 2017
2. Juli 2012
Aus Abschlussarbeiten zitieren
"Darf man aus anderen Bachelor- bzw. Abschlussarbeiten zitieren?", fragt eine Studentin. Ja, man darf -- im Prinzip und mit Einschränkungen. Lesen Sie dazu den Beitrag "Studentische Hausarbeiten als Quelle? Zitierfähig, aber nicht zitierwürdig" (7.6.2011). Dieselben Hinweise und Warnungen gelten auch für Abschlussarbeiten.
Wieder einmal dreht sich alles um das Begriffspaar "zitierfähig und zitierwürdig".Alle Abschlussarbeiten sind - anders als Seminararbeiten - dauerhaft öffentlich in einer Bibliothek verfügbar (es sei denn, es gilt ein Sperrvermerk). Zusätzlich stellen viele Absolventen ihre Arbeiten bei Online-Anbietern (z.B. GRIN-Verlag, Hausarbeiten.de u.v.a.) gegen Entgelt ein, oder sie publizieren sie sogar in einem Verlag (meist nur Diplom- und Masterarbeiten). Auch damit sind sie dauerhaft öffentlich verfügbar. Rein formal sind Abschlussarbeiten zitierfähig.
Die Zitierwürdigkeit ist damit noch nicht gegeben. Entscheidend ist die inhaltliche Qualität, und die ist sehr kritisch zu überprüfen, wie im o.g. Blogpost ausgeführt.
Wie "gut" sind Abschlussarbeiten?
Es gibt wissenschaftlich sehr gute, weniger gute und ziemlich miserable Abschlussarbeiten. Nur weil jemand einen Abschluss geschafft hat und deshalb seine Abschlussarbeit in einer Bibliothek steht, sagt über die Qualität wenig aus: höchstens, dass sie in jedem Fall die Mindeststandards erfüllt.
Zwar haben Professoren (besonders bei Bachelor-Arbeiten allerdings häufig auch Nicht-Professoren!) die Arbeit betreut und begutachtet. Das ist aber nicht dasselbe wie wissenschaftlicher Peer Review bei einer Fachzeitschrift oder wenigstens das Lektorat bei einem wissenschaftlichen Verlag, der auf seine Reputation achtet.
Ob jemand exzellent oder gerade mit Ach und Krach seine Prüfung bestanden hat, ob Teile davon gut oder schlecht von den Gutachtern der Arbeit bewertet wurden, was deren Maßstäbe waren oder ob die Gutachter die Thesis überhaupt genau angeschaut haben -- das wissen Sie alles nicht.
Jedenfallls: Sie sollten die ganze Arbeit kennen. Flugs zu googeln und dann einen dreiseitigen Auszug bei GRIN auszuwerten -- das ist schlecht, weil Sie sich dann kein Gesamturteil bilden können. Zum Beispiel mag eine Passage sehr gut klingen, aber wenn Sie die Einleitung und den Schlussteil lesen, die Gliederung oder das Quellenverzeichnis ansehen würden, könnten diese Ihnen wichtige Hinweise geben, ob der Autor solide gearbeitet oder geschlampt hat.
Lassen Sie sich per Fernleihe die Arbeit aus der jeweiligen Hochschulbibliothek kommen, wenn die Thesis nicht in Ihrer eigenen Bibliothek eingestellt ist.
Bachelor-Arbeiten: Abschlussarbeiten zweiter Klasse
Besonders vorsichtig wäre ich mit Bachelor-Arbeiten. Ohne irgendjemandem auf die Füße treten zu wollen: Bachelor-Arbeiten sind Abschlussarbeiten zweiter Klasse.
Lesen Sie dazu den Beitrag "Bachelor- und Masterarbeiten: der kleine, große Unterschied" (28.12.2010). Eine Bachelor's Thesis erreicht nicht nur nicht den Umfang, sondern auch selten die Qualität einer Master-Arbeit. Selbstständige Forschung ist selten enthalten. Außerdem basieren Bachelor-Arbeiten vorwiegend auf Sekundärquellen, manchmal sogar stark auf Tertiärquellen wie Lehrbüchern und Lexika (dazu: "Primäre, sekundäre und tertiäre Quellen", 29.6.2012). Letzteres sollte nicht so sein, ist aber durchaus häufig.
Ob ein Bachelor-Abschluss wirklich ein wissenschaftlicher Abschluss ist, darüber wird unter Professoren seit jeher gestritten. Daraus ergibt sich die Frage, ob eine Bachelor-Arbeit wirklich eine wissenschaftliche Arbeit ist (oder nur so aussieht). Vom Umfang her ist sie einer Seminararbeit vergleichbar; viele der Papers, die meine Master-Studenten in einem Seminar schreiben, sind deutlich umfangreicher als die meisten Bachelor-Arbeiten. Und meistens besser.
Wenn Sie also Abschlussarbeiten heranziehen, dann möglichst Arbeiten auf höherem Niveau, also Master/Diplom (usw.).
Gründe, weshalb Sie Abschlussarbeiten zitieren wollen könnten
Warum genau wollen Sie die Abschlussarbeit zitieren? Wirklich deshalb, weil...
Aber mal ehrlich: Vielfach...
Fakt: Es ist viel einfacher, eine "passende" Abschlussarbeit zu finden als eine "passende" Studie eines Wissenschaftlers. Forscher publizieren Bücher (Monographien) -- aber selten. Sie publizieren weit mehr Aufsätze in Fachzeitschriften oder Buchkapitel; beides finden Sie viel schlechter durch Googeln, Sie müssen in mehreren Literatur-Datenbanken recherchieren oder Fachzeitschriften-Inhalte durchblättern oder sich die Inhaltsverzeichnisse von Büchern ansehen.
Wenn Sie sich auskennen im "Fachdiskurs" und die wichtigen Zeitschriften kennen, wenn Sie wissen, in welchen wissenschaftlichen Fachgesellschaften wer mit wem über was bei welchen Kongressen und Tagungen diskutiert, ist das einfach. Viele Studenten kennen sich aber nicht so aus. Selbst wenn sie Virtuelle Fachbibliotheken oder Akademische Suchmaschinen nutzen, fällt die Orientierung oft schwer.
Die am besten geeigneten, spezialisierten, aktuellen Forschungsbeiträge zu finden, ist für Nichtexperten mühsam. Da ist der Griff zu Abschlussarbeiten, bei denen andere Studenten sich schon die Mühe gemacht haben, komfortabler. Die interessante Frage ist: Wieviel Mühe haben sie sich tatsächlich gemacht? Oder haben sie auch nur den bequemeren Weg gewählt?
Notabene: Es gibt viel mehr Studenten als Wissenschaftler, und Projekte von Studenten sind viel kürzer als Projekte von Wissenschaftlern. Der Output der Studenten ist größer. Insofern ist es bei oberflächlicher Recherche wahrscheinlicher, dass Sie auf eine aktuelle Abschlussarbeit stoßen als auf eine aktuelle Studie eines Berufsgelehrten.
Die Sache mit der Aktualität
Überhaupt, das Aktuelle. Ich höre oft das Argument der Aktualität: Die Abschlussarbeit sei doch die aktuellste wissenschaftliche Veröffentlichung zu Thema X. Naja:
Also: Aktuell nach welchem Maßstab? Wenn Sie die aktuellste wissenschaftliche Forschung haben wollen, dann suchen Sie in wissenschaftlichen Fachzeitschriften, außerdem nach "working papers" und Einzelstudien, die von Lehrstühlen oder Instituten herausgegeben werden.
Suchen Sie nach Vortragsskripten und Präsentationen namhafter Wissenschaftler, von denen Sie bereits wissen, dass diese Experten für Ihr Thema sind. Gehen Sie auf die Homepages dieser Wissenschaftler und durchforsten Sie deren Publikationslisten und Neuigkeiten-Rubrik. Diese dürften relativ aktuell und gut gepflegt sein.
Suchen Sie nach aktuellen Tagungen, auf denen Forschungsergebnisse präsentiert werden. Diese werden meist von den wissenschaftlichen Fachgesellschaften veranstaltet, in denen die Forscher Mitglied sind. Fragen Sie Ihren Betreuer danach, wenn Sie sie nicht finden.
Fazit: Vorsichtig und selektiv vorgehen
Alles in allem: Vorsicht mit Abschlussarbeiten. Im Zweifelsfall sind die Studenten, die sie geschrieben haben, nicht besser oder schlauer oder sorgfältiger als Sie. Die beste Art, mit Abschlussarbeiten umzugehen, ist:
Prüfen Sie die Qualität der ganzen Arbeit, insbesondere die Quellengrundlage. Bilden Sie sich ein Urteil, bevor sie auf den Stapel der bevorzugten Quellen kommt.
Nutzen Sie vor allem das Quellenverzeichnis der Arbeit, um leichter zu erfassen, was für ein Thema wichtig ist, welche Autoren, Fachzeitschriften oder auch Internetportale guten Zugang zu spezialisierter Literatur bieten. Aber verlassen Sie sich nicht darauf, dass der Student, der diese Quellen recherchierte, den perfekten Blick auf die Literaturlage hatte. Wahrscheinlich hatte er ihn NICHT.
Wenn Sie in einer Abschlussarbeit ungemein passende, originelle Passage finden, die Sie unbedingt zitieren wollen, prüfen Sie genau, ob diese wirklich originell ist -- oder nur eine Zusammenfassung anderer Quellen, seien es Fakten oder Zahlen (diese sind ja selten das Produkt studentischer Forschung) oder Argumente und Interpretationen (oftmals auch nur Varianten anderer Autoren). Wann immer möglich, gehen Sie anhand der Quellenbelege zurück zur Ursprungsquelle!
Denken Sie schließlich daran, dass Studenten Fehler machen und manchmal pfuschen. Eine großartige, treffende Passage aus einer Abschlussarbeit, die keinen Quellenbeleg hat, mag die Leistung des Autors sein. Oder auch ein Plagiat. Und das wollen Sie bestimmt nicht in Ihrer Arbeit haben.
Wieder einmal dreht sich alles um das Begriffspaar "zitierfähig und zitierwürdig".Alle Abschlussarbeiten sind - anders als Seminararbeiten - dauerhaft öffentlich in einer Bibliothek verfügbar (es sei denn, es gilt ein Sperrvermerk). Zusätzlich stellen viele Absolventen ihre Arbeiten bei Online-Anbietern (z.B. GRIN-Verlag, Hausarbeiten.de u.v.a.) gegen Entgelt ein, oder sie publizieren sie sogar in einem Verlag (meist nur Diplom- und Masterarbeiten). Auch damit sind sie dauerhaft öffentlich verfügbar. Rein formal sind Abschlussarbeiten zitierfähig.
Die Zitierwürdigkeit ist damit noch nicht gegeben. Entscheidend ist die inhaltliche Qualität, und die ist sehr kritisch zu überprüfen, wie im o.g. Blogpost ausgeführt.
Wie "gut" sind Abschlussarbeiten?
Es gibt wissenschaftlich sehr gute, weniger gute und ziemlich miserable Abschlussarbeiten. Nur weil jemand einen Abschluss geschafft hat und deshalb seine Abschlussarbeit in einer Bibliothek steht, sagt über die Qualität wenig aus: höchstens, dass sie in jedem Fall die Mindeststandards erfüllt.
Zwar haben Professoren (besonders bei Bachelor-Arbeiten allerdings häufig auch Nicht-Professoren!) die Arbeit betreut und begutachtet. Das ist aber nicht dasselbe wie wissenschaftlicher Peer Review bei einer Fachzeitschrift oder wenigstens das Lektorat bei einem wissenschaftlichen Verlag, der auf seine Reputation achtet.
Ob jemand exzellent oder gerade mit Ach und Krach seine Prüfung bestanden hat, ob Teile davon gut oder schlecht von den Gutachtern der Arbeit bewertet wurden, was deren Maßstäbe waren oder ob die Gutachter die Thesis überhaupt genau angeschaut haben -- das wissen Sie alles nicht.
Jedenfallls: Sie sollten die ganze Arbeit kennen. Flugs zu googeln und dann einen dreiseitigen Auszug bei GRIN auszuwerten -- das ist schlecht, weil Sie sich dann kein Gesamturteil bilden können. Zum Beispiel mag eine Passage sehr gut klingen, aber wenn Sie die Einleitung und den Schlussteil lesen, die Gliederung oder das Quellenverzeichnis ansehen würden, könnten diese Ihnen wichtige Hinweise geben, ob der Autor solide gearbeitet oder geschlampt hat.
Lassen Sie sich per Fernleihe die Arbeit aus der jeweiligen Hochschulbibliothek kommen, wenn die Thesis nicht in Ihrer eigenen Bibliothek eingestellt ist.
Bachelor-Arbeiten: Abschlussarbeiten zweiter Klasse
Besonders vorsichtig wäre ich mit Bachelor-Arbeiten. Ohne irgendjemandem auf die Füße treten zu wollen: Bachelor-Arbeiten sind Abschlussarbeiten zweiter Klasse.
Lesen Sie dazu den Beitrag "Bachelor- und Masterarbeiten: der kleine, große Unterschied" (28.12.2010). Eine Bachelor's Thesis erreicht nicht nur nicht den Umfang, sondern auch selten die Qualität einer Master-Arbeit. Selbstständige Forschung ist selten enthalten. Außerdem basieren Bachelor-Arbeiten vorwiegend auf Sekundärquellen, manchmal sogar stark auf Tertiärquellen wie Lehrbüchern und Lexika (dazu: "Primäre, sekundäre und tertiäre Quellen", 29.6.2012). Letzteres sollte nicht so sein, ist aber durchaus häufig.
Ob ein Bachelor-Abschluss wirklich ein wissenschaftlicher Abschluss ist, darüber wird unter Professoren seit jeher gestritten. Daraus ergibt sich die Frage, ob eine Bachelor-Arbeit wirklich eine wissenschaftliche Arbeit ist (oder nur so aussieht). Vom Umfang her ist sie einer Seminararbeit vergleichbar; viele der Papers, die meine Master-Studenten in einem Seminar schreiben, sind deutlich umfangreicher als die meisten Bachelor-Arbeiten. Und meistens besser.
Wenn Sie also Abschlussarbeiten heranziehen, dann möglichst Arbeiten auf höherem Niveau, also Master/Diplom (usw.).
Gründe, weshalb Sie Abschlussarbeiten zitieren wollen könnten
Warum genau wollen Sie die Abschlussarbeit zitieren? Wirklich deshalb, weil...
- die Arbeit besonders originelle Einsichten gewährt, die es anderswo noch nicht gab?
- sie sehr spezifisch Ihr Thema/Ihre Fragestellung trifft, das oder die so noch nicht aufgearbeitet wurde?
- sie brandaktuelle Ergebnisse eines eigenen Forschungsprojekts präsentiert?
Aber mal ehrlich: Vielfach...
- bieten Studenten in ihrer Thesis nur eine Zusammenfassung der existierenden Forschung. Sie ist nur eine Sekundärquelle unter anderen, und dabei sicher nicht die beste Wahl, verglichen mit den Publikationen etablierter Wissenschaftler.
- zitieren Studenten andere Studenten nur deshalb, weil die Arbeiten online oder offline komfortabel zu beschaffen sind. Mit anderen Worten: aus Bequemlichkeit.
Fakt: Es ist viel einfacher, eine "passende" Abschlussarbeit zu finden als eine "passende" Studie eines Wissenschaftlers. Forscher publizieren Bücher (Monographien) -- aber selten. Sie publizieren weit mehr Aufsätze in Fachzeitschriften oder Buchkapitel; beides finden Sie viel schlechter durch Googeln, Sie müssen in mehreren Literatur-Datenbanken recherchieren oder Fachzeitschriften-Inhalte durchblättern oder sich die Inhaltsverzeichnisse von Büchern ansehen.
Wenn Sie sich auskennen im "Fachdiskurs" und die wichtigen Zeitschriften kennen, wenn Sie wissen, in welchen wissenschaftlichen Fachgesellschaften wer mit wem über was bei welchen Kongressen und Tagungen diskutiert, ist das einfach. Viele Studenten kennen sich aber nicht so aus. Selbst wenn sie Virtuelle Fachbibliotheken oder Akademische Suchmaschinen nutzen, fällt die Orientierung oft schwer.
Die am besten geeigneten, spezialisierten, aktuellen Forschungsbeiträge zu finden, ist für Nichtexperten mühsam. Da ist der Griff zu Abschlussarbeiten, bei denen andere Studenten sich schon die Mühe gemacht haben, komfortabler. Die interessante Frage ist: Wieviel Mühe haben sie sich tatsächlich gemacht? Oder haben sie auch nur den bequemeren Weg gewählt?
Notabene: Es gibt viel mehr Studenten als Wissenschaftler, und Projekte von Studenten sind viel kürzer als Projekte von Wissenschaftlern. Der Output der Studenten ist größer. Insofern ist es bei oberflächlicher Recherche wahrscheinlicher, dass Sie auf eine aktuelle Abschlussarbeit stoßen als auf eine aktuelle Studie eines Berufsgelehrten.
Die Sache mit der Aktualität
Überhaupt, das Aktuelle. Ich höre oft das Argument der Aktualität: Die Abschlussarbeit sei doch die aktuellste wissenschaftliche Veröffentlichung zu Thema X. Naja:
- Erstens ist der Begriff "wissenschaftliche Veröffentlichung" oder überhaupt "Veröffentlichung" sehr dehnbar.
- Zweitens basieren Abschlussarbeiten, wie oben gesagt, häufig auf Sekundärquellen; und wie aktuell diese wiederum sind, ist offen. Eine 2012 eingereichte Arbeit mag wesentlich auf Sekundärquellen der Jahre 1995 bis 2005 beruhen. Wie aktuell ist das denn?
Also: Aktuell nach welchem Maßstab? Wenn Sie die aktuellste wissenschaftliche Forschung haben wollen, dann suchen Sie in wissenschaftlichen Fachzeitschriften, außerdem nach "working papers" und Einzelstudien, die von Lehrstühlen oder Instituten herausgegeben werden.
Suchen Sie nach Vortragsskripten und Präsentationen namhafter Wissenschaftler, von denen Sie bereits wissen, dass diese Experten für Ihr Thema sind. Gehen Sie auf die Homepages dieser Wissenschaftler und durchforsten Sie deren Publikationslisten und Neuigkeiten-Rubrik. Diese dürften relativ aktuell und gut gepflegt sein.
Suchen Sie nach aktuellen Tagungen, auf denen Forschungsergebnisse präsentiert werden. Diese werden meist von den wissenschaftlichen Fachgesellschaften veranstaltet, in denen die Forscher Mitglied sind. Fragen Sie Ihren Betreuer danach, wenn Sie sie nicht finden.
Fazit: Vorsichtig und selektiv vorgehen
Alles in allem: Vorsicht mit Abschlussarbeiten. Im Zweifelsfall sind die Studenten, die sie geschrieben haben, nicht besser oder schlauer oder sorgfältiger als Sie. Die beste Art, mit Abschlussarbeiten umzugehen, ist:
Prüfen Sie die Qualität der ganzen Arbeit, insbesondere die Quellengrundlage. Bilden Sie sich ein Urteil, bevor sie auf den Stapel der bevorzugten Quellen kommt.
Nutzen Sie vor allem das Quellenverzeichnis der Arbeit, um leichter zu erfassen, was für ein Thema wichtig ist, welche Autoren, Fachzeitschriften oder auch Internetportale guten Zugang zu spezialisierter Literatur bieten. Aber verlassen Sie sich nicht darauf, dass der Student, der diese Quellen recherchierte, den perfekten Blick auf die Literaturlage hatte. Wahrscheinlich hatte er ihn NICHT.
Wenn Sie in einer Abschlussarbeit ungemein passende, originelle Passage finden, die Sie unbedingt zitieren wollen, prüfen Sie genau, ob diese wirklich originell ist -- oder nur eine Zusammenfassung anderer Quellen, seien es Fakten oder Zahlen (diese sind ja selten das Produkt studentischer Forschung) oder Argumente und Interpretationen (oftmals auch nur Varianten anderer Autoren). Wann immer möglich, gehen Sie anhand der Quellenbelege zurück zur Ursprungsquelle!
Denken Sie schließlich daran, dass Studenten Fehler machen und manchmal pfuschen. Eine großartige, treffende Passage aus einer Abschlussarbeit, die keinen Quellenbeleg hat, mag die Leistung des Autors sein. Oder auch ein Plagiat. Und das wollen Sie bestimmt nicht in Ihrer Arbeit haben.
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4. April 2012
Aufsätze mit "Peer Review"
Bei der Literaturrecherche verlangt Ihr Professor, dass Sie bitteschön Forschungsaufsätze aus wissenschaftlichen Fachzeitschriften mit "Peer Review" heraussuchen sollen. Und nachweisen sollen Sie das auch noch.
Dummerweise gibt es keine Kataloge und Recherchetools, mit denen sich die Aufgabe leicht lösen lässt. Und Fachzeitschriften haben kein einheitliches Format oder Symbol, mit dem "Peer Review" angezeigt wird. Was das ist, ist für Studenten ohnehin ein Rätsel. Der Professor murmelt nur etwas von "Königsklasse" der wissenschaftlichen Qualität. Aber warum soll das besser sein als ein Buch oder ein sonstiger richtig guter Artikel?
In einem solchen Gremium zu sein, bedeutet Prestige, wissenschaftliche Reputation -- und ein Quäntchen Macht über das, was die Fachdisziplin diskutiert. Das ist nicht nur ein Beirat, wie ihn praxisorientierte Zeitschriften oft haben.
Davon ist aber der Begutachtungsprozess getrennt zu sehen. Zwar entscheidet letztendlich das Redaktionsgremium, aber es bindet sich selbst an ein bestimmtes Verfahren: eben den "Peer Review". Es gibt auch andere Bezeichnungen. Englisch wird neben "peer-reviewed journal" auch von "juried journal" oder "refereed journal" gesprochen.
Mit "Peers" sind Kollegen gemeint -- Wissenschaftler sollen Wissenschaftler begutachten. Die "Reviewer" sind externe, unabhängige Gutachter. Auch als Reviewer tätig zu sein, ist ein Reputationsgewinn -- Honorar gibt es dafür sehr selten. Sie prüfen die eingereichten und vom Redakteur vorgeschlagenen Artikel, sie geben Hinweise und Korrekturtipps für den Autor, der den Aufsatz dann noch einmal überarbeiten kann (oder muss).
Nur wenn die Gutachter der Veröffentlichung zustimmen, wird veröffentlicht. Das Prestige einer Publikation ist oft umso höher, je höher die Ablehnungsquote ist.
Damit die Gutachter wirklich unabhängig sind, werden die Aufsatzvorschläge oftmals anonymisiert. Die Reviewer sind also "blind", sie wissen nicht, wer den Text geschrieben hat. Meist wird der Text von mehreren Personen begutachtet.
Das ist ein ziemlich großer Aufwand, und das Verfahren dauert viele Monate; manchmal sogar Jahre. Ein halbes Jahr kann man meist rechnen, wissenschaftliche Zeitschriften sind also nicht brandaktuell. Bei den veröffentlichten Aufsätzen findet sich daher oft eine "article history", die anzeigt, wann der Aufsatz einging, wie er durchs Verfahren lief, wann er endgültig akzeptiert wurde. So kann man die Publikationsgeschichte etwas nachverfolgen und sehen, wie aktuell er ist.
Wenn Sie den Aufsatz in einer Zeitschriften-Datenbank finden, achten Sie auf Hinweise und Symbole. In manchen Datenbanken können Sie explizit nach "peer-reviewed scholarly journals" suchen (und alles andere von der Suche ausschließen).
Der beste Weg führt zur Homepage der Zeitschrift. Das ist nicht dasselbe wie die Datenbank, die die Zeitschrift führt! Auf der Internetseite finden Sie in der Regel
Wichtig: Auch in einem "peer-reviewed journal" unterliegen nicht immer alle Beiträge einem Gutachterverfahren. Eine Zeitschrift kann z.B. mehrere Artikelkategorien haben: Forschungsaufsätze, kurze Beiträge zu Debattenforen, Leserbriefe, Buchrezensionen und Praktiker-Gastbeiträge, Mitteilungen von Fachverbände o.ä. In der Regel wird der Aufwand für den "Peer Review" nur für die großen Aufsätze, in denen Forschungsergebnisse präsentiert werden, betrieben.
Ein bißchen Medienkunde: Schauen Sie einmal, was Wikipedia allgemein zu Fachzeitschriften und zur Untergattung der wissenschaftlichen Zeitschriften zu sagen hat.
Nicht alles, was als "Fachliteratur" klassizifiziert werden kann, ist eine Fachzeitschrift. Es gibt Fachbücher, Loseblattsammlungen, irgendwelche "Papers", Vortragsskripte, Präsentationen, Online-Dienste...
Eine Fz ist ein Periodikum, erscheint also regelmäßig (ob gedruckt oder online oder beides), und richtet sich an Experten. Experten können auch Praktiker sein. Tatsächlich gibt es viele Magazine, Wochen- und Monatsblätter oder sonstige Zeitschriftenformate, die vorrangig praxisorientiert sind -- oder sich an ein gemischtes Publikum aus Praktikern und Wissenschaftlern richten.
Eine streng wissenschaftliche Fachzeitschrift tut das nicht. Sie präsentiert vorrangig wissenschaftliche Forschungsergebnisse und führt akademische Debatten. Wissenschaftler schreiben für Wissenschaftler (ohne Rücksicht auf Studenten und Amateure).
Typisch ist, dass die dortigen Aufsätze...
Es gibt viele Merkmale, an denen Sie die Unterschiede zwischen wissenschaftlichen Fachzeitschriften, praxisorientierten Branchen-Fachzeitschriften und - im noch größeren Kontrast - Publikumszeitschriften leicht erkennen können (zum Vergrößern auf Tabelle klicken):
Dummerweise gibt es keine Kataloge und Recherchetools, mit denen sich die Aufgabe leicht lösen lässt. Und Fachzeitschriften haben kein einheitliches Format oder Symbol, mit dem "Peer Review" angezeigt wird. Was das ist, ist für Studenten ohnehin ein Rätsel. Der Professor murmelt nur etwas von "Königsklasse" der wissenschaftlichen Qualität. Aber warum soll das besser sein als ein Buch oder ein sonstiger richtig guter Artikel?
Schnelleinstieg 1: Was ist "Peer Review"?
Um in der "scientific community" Akzeptanz zu erhalten, richtet eine wissenschaftliche Fachzeitschrift ein Herausgeber- oder Redaktionsgremium ("editorial board") aus Wissenschaftlern ein. Es sind also keine Fachjournalisten und Profiredakteure, sondern Professoren und Forscher, die die akademische Güte garantieren sollen. Oft wird eine Fachzeitschrift von einer wissenschaftlichen Fachvereinigung herausgegeben, die rekrutiert ihre Leute also genau aus diesem Verein.In einem solchen Gremium zu sein, bedeutet Prestige, wissenschaftliche Reputation -- und ein Quäntchen Macht über das, was die Fachdisziplin diskutiert. Das ist nicht nur ein Beirat, wie ihn praxisorientierte Zeitschriften oft haben.
Davon ist aber der Begutachtungsprozess getrennt zu sehen. Zwar entscheidet letztendlich das Redaktionsgremium, aber es bindet sich selbst an ein bestimmtes Verfahren: eben den "Peer Review". Es gibt auch andere Bezeichnungen. Englisch wird neben "peer-reviewed journal" auch von "juried journal" oder "refereed journal" gesprochen.
Mit "Peers" sind Kollegen gemeint -- Wissenschaftler sollen Wissenschaftler begutachten. Die "Reviewer" sind externe, unabhängige Gutachter. Auch als Reviewer tätig zu sein, ist ein Reputationsgewinn -- Honorar gibt es dafür sehr selten. Sie prüfen die eingereichten und vom Redakteur vorgeschlagenen Artikel, sie geben Hinweise und Korrekturtipps für den Autor, der den Aufsatz dann noch einmal überarbeiten kann (oder muss).
Nur wenn die Gutachter der Veröffentlichung zustimmen, wird veröffentlicht. Das Prestige einer Publikation ist oft umso höher, je höher die Ablehnungsquote ist.Damit die Gutachter wirklich unabhängig sind, werden die Aufsatzvorschläge oftmals anonymisiert. Die Reviewer sind also "blind", sie wissen nicht, wer den Text geschrieben hat. Meist wird der Text von mehreren Personen begutachtet.
Das ist ein ziemlich großer Aufwand, und das Verfahren dauert viele Monate; manchmal sogar Jahre. Ein halbes Jahr kann man meist rechnen, wissenschaftliche Zeitschriften sind also nicht brandaktuell. Bei den veröffentlichten Aufsätzen findet sich daher oft eine "article history", die anzeigt, wann der Aufsatz einging, wie er durchs Verfahren lief, wann er endgültig akzeptiert wurde. So kann man die Publikationsgeschichte etwas nachverfolgen und sehen, wie aktuell er ist.Schnelleinstieg 2: Wie stellt man fest, ob die Zeitschrift einen "Peer Review" hat?
Die "article history" gibt schon mal einen ersten Hinweis ("revised" heißt, der Autor musste wegen Gutachterkritik etwas ändern und neu einreichen; "accepted" heißt Annahme in der endgültigen Form.)Wenn Sie den Aufsatz in einer Zeitschriften-Datenbank finden, achten Sie auf Hinweise und Symbole. In manchen Datenbanken können Sie explizit nach "peer-reviewed scholarly journals" suchen (und alles andere von der Suche ausschließen).
Der beste Weg führt zur Homepage der Zeitschrift. Das ist nicht dasselbe wie die Datenbank, die die Zeitschrift führt! Auf der Internetseite finden Sie in der Regel
- eine Beschreibung des Ziels der Zeitschrift und ihrer inhaltlichen Schwerpunkte,
- eine Darstellung des Herausgebergremiums und ihrer Gutachter sowie der Verbindungen zu wissenschaftlichen Vereinigungen,
- eine Darstellung der Redaktions- und Veröffentlichungsverfahren,
- "Hinweise für Autoren", die dort veröffentlichen möchten,
- "Calls for papers", d.h. aktuelle Aufforderungen an Wissenschaftler, Beiträge für eine künftige Ausgabe mit Schwerpunktthemen einzureichen.
Wichtig: Auch in einem "peer-reviewed journal" unterliegen nicht immer alle Beiträge einem Gutachterverfahren. Eine Zeitschrift kann z.B. mehrere Artikelkategorien haben: Forschungsaufsätze, kurze Beiträge zu Debattenforen, Leserbriefe, Buchrezensionen und Praktiker-Gastbeiträge, Mitteilungen von Fachverbände o.ä. In der Regel wird der Aufwand für den "Peer Review" nur für die großen Aufsätze, in denen Forschungsergebnisse präsentiert werden, betrieben.
Kontext
Was ist überhaupt eine "wissenschaftliche" Fachzeitschrift?
Ein bißchen Medienkunde: Schauen Sie einmal, was Wikipedia allgemein zu Fachzeitschriften und zur Untergattung der wissenschaftlichen Zeitschriften zu sagen hat.
Nicht alles, was als "Fachliteratur" klassizifiziert werden kann, ist eine Fachzeitschrift. Es gibt Fachbücher, Loseblattsammlungen, irgendwelche "Papers", Vortragsskripte, Präsentationen, Online-Dienste...
Eine Fz ist ein Periodikum, erscheint also regelmäßig (ob gedruckt oder online oder beides), und richtet sich an Experten. Experten können auch Praktiker sein. Tatsächlich gibt es viele Magazine, Wochen- und Monatsblätter oder sonstige Zeitschriftenformate, die vorrangig praxisorientiert sind -- oder sich an ein gemischtes Publikum aus Praktikern und Wissenschaftlern richten.
Eine streng wissenschaftliche Fachzeitschrift tut das nicht. Sie präsentiert vorrangig wissenschaftliche Forschungsergebnisse und führt akademische Debatten. Wissenschaftler schreiben für Wissenschaftler (ohne Rücksicht auf Studenten und Amateure).
Typisch ist, dass die dortigen Aufsätze...
- über neueste wissenschaftliche Erkenntnisse berichten (aktueller als die meisten Bücher)
- immer Quellenbelege und ein langes Literaturverzeichnis haben
- den Fachjargon ihrer Disziplin benutzen und typische Schlüsselbegriffe (key terms) ausweisen, mit denen Wissenschaftler z.B. den Bezug zu etablierten Theorien und Sachgebieten identifizieren
- sich auf andere Wissenschaftler beziehen (Bezug zum Forschungsstand)
- ausführlich Methoden und Datenanalysen diskutieren
- einen langen, beschreibenden Titel haben (also selten "knackige" Headlines)
- in der Regel deutlich länger als 5 Seiten sind.
Es gibt viele Merkmale, an denen Sie die Unterschiede zwischen wissenschaftlichen Fachzeitschriften, praxisorientierten Branchen-Fachzeitschriften und - im noch größeren Kontrast - Publikumszeitschriften leicht erkennen können (zum Vergrößern auf Tabelle klicken):
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| Unterschiede von Fachzeitschriften, erweiterte eigene Darstellung und angelehnt an eine Aufstellung der ProQuest-Datenbank (Scholarly Journals, Trade Publications, and Popular Magazines) |
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