Der Kollege Martin Gertler (RFH Köln, Utrecht) hat auf der Plattform Iversity.org einen "Schnellkurs zum wissenschaftlichen Arbeiten" zum Selbststudium mit Video-Vorlesungen, FAQ, Handouts und Literatur zur Verfügung gestellt. Das Einführungsvideo ist auf YouTube zu sehen, der gesamte Kurs kostenlos nach Registrierung bei Inversity zugänglich.
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3. Januar 2013
Gertlers Online-Schnellkurs Wissenschaftliches Arbeiten
Der Kollege Martin Gertler (RFH Köln, Utrecht) hat auf der Plattform Iversity.org einen "Schnellkurs zum wissenschaftlichen Arbeiten" zum Selbststudium mit Video-Vorlesungen, FAQ, Handouts und Literatur zur Verfügung gestellt. Das Einführungsvideo ist auf YouTube zu sehen, der gesamte Kurs kostenlos nach Registrierung bei Inversity zugänglich.
16. Mai 2012
Muss die "Fragestellung" eine Frage sein?
Zwei Studentinnen rätseln:
Ein Thema muss eingegrenzt werden, klar. Aber selbst wenn der Autorin das gut gelingt, hat sie immer noch unendliche Möglichkeiten, daraus Fragestellungen zu entwickeln.
In einem früheren Blogbeitrag(11.1.11) schrieb ich:
Der Titel der Arbeit hat übrigens mit der Fragestellung nicht unbedingt etwas zu tun. Im besten Fall lässt sich die Fragestellung aus dem Titel schon erkennen. Und manche Titel werden als Fragesatz formuliert. Eigentlich aber sind Fragestellungen deutlich zu komplex und differenziert, als dass sie sich in einen kurzen Titel quetschen ließen. Das geht also nur in Kurzform, wenn überhaupt. Die meisten Titel umreißen das Thema.
Die FH Nordwestschweiz schlägt vor, die Fragestellung nach einem Dreisatz zu entwickeln:
Maier & Palme (WU Wien) schreiben, eine gute Fragestellung soll
Ich hatte das mit den Forschungsfragen oben anders formuliert und meine, dass auch mehrere Forschungsfragen möglich sind -- unterscheide aber Hauptfrage und Nebenfragen. Ansonsten stimme ich den Kollegen aber zu.
Die Wiener führen weiter aus:
Alles in allem: Wenn Sie eine echte Frage mit Fragezeichen stellen, also klar durch die W-Fragewörter "wer?", "was?", "wie?", "wo?", "wann?", "warum?" gekennzeichnet, ist es vermutlich für die notwendige Präzisierung am besten.
Und das muss dann auch in der Einleitung Ihrer Arbeit entsprechend differenziert erläutert werden. Dafür ist die Einleitung da.
Weitere Tipps:
Verwandte Beiträge in diesem Blog:
- "wie die Fragestellung genau formuliert werden muss. Eher als eine Art Untertitel oder richtig als Frage?"
- "ob die Fragestellung" wirklich als Frage formuliert sein muss oder ob es genügt, wenn man als Thema 'XXX' angibt?
Ein Thema muss eingegrenzt werden, klar. Aber selbst wenn der Autorin das gut gelingt, hat sie immer noch unendliche Möglichkeiten, daraus Fragestellungen zu entwickeln.
In einem früheren Blogbeitrag(11.1.11) schrieb ich:
Studenten suchen meist nur "ein Thema". Professoren aber beharren darauf, dass Sie nicht nur ein "Thema" brauchen, sondern eine Fragestellung.
Das Thema ist der weit gefasste inhaltliche Gegenstand, mit dem sich eine Studie befasst (mehr oder weniger konkret). Eine Fragestellung ist dagegen ein Problem, das besser verstanden oder gelöst werden muss: Die Frage, die Sie mit Ihrer Arbeit beantworten. Daraus ist ein Untersuchungsziel zu entwickeln: die wichtigste Absicht oder der Zweck: Was wollen Sie erreichen? Dann entstehen die Forschungsfragen (immer mehrere): Fragen, die man in der Studie beantworten will. Wobei Haupt- und Nebenfragen zu unterscheiden sind. Bei der "Operationalisierung" schließlich geht es um das Zerlegen in viele Detailfragen, die Sie Schritt für Schritt bearbeiten können.Je klarer sich die Autorin darüber ist, auf was sie eigentlich eine Antwort finden will, desto leichter wird auch die Bearbeitung. Wer nur ein "Thema" formuliert, neigt oft dazu, sich darum herum zu mogeln. Leider sind nicht alle Betreuer einer Arbeit in der Konzeptionsphase pingelig -- hinterher mosern sie aber trotzdem über Defizite bei der Fragestellung.
Der Titel der Arbeit hat übrigens mit der Fragestellung nicht unbedingt etwas zu tun. Im besten Fall lässt sich die Fragestellung aus dem Titel schon erkennen. Und manche Titel werden als Fragesatz formuliert. Eigentlich aber sind Fragestellungen deutlich zu komplex und differenziert, als dass sie sich in einen kurzen Titel quetschen ließen. Das geht also nur in Kurzform, wenn überhaupt. Die meisten Titel umreißen das Thema.
Die FH Nordwestschweiz schlägt vor, die Fragestellung nach einem Dreisatz zu entwickeln:
- Ich untersuche / arbeite an / forsche über … [THEMA]
- ...weil ich herausfinden möchte, wer / was / wann / wo / welche / warum / wie / ob … [FRAGE - ERKENNTNISINTERESSE]
- ...um zu zeigen, wie / warum / ob ... [FRAGE - ABSICHT]
Maier & Palme (WU Wien) schreiben, eine gute Fragestellung soll
- eine klare Anleitung dafür geben, was zur Arbeit gehört und was nicht und
- die Ableitung eines Arbeitsplanes erlauben.
- "möglichst klare und präzise definierte Begriffe verwenden. Da Sie die Definition von Begriffen nicht in die Frage selbst packen können, beinhaltet eine gute Fragestellung neben der Formulierung der zu beantwortenden Frage auch noch eine Erläuterung und Präzisierung der wichtigsten darin verwendeten Begriffe. Stellen Sie sicher, dass Ihr Betreuer bzw. Ihre Betreuerin die von Ihnen formulierte Forschungsfrage genau so versteht wie Sie."
- "keine offenen Enden oder vagen Formulierungen aufweisen. Hüten Sie sich vor Formulierungen wie 'alle damit verbundenen Auswirkungen', 'alle wichtigen Einflussfaktoren', etc. Was 'alle' sind, ist völlig unklar und jede(r) kann darunter etwas anderes verstehen. Versuchen Sie nicht, alles zu versprechen. Dieses Versprechen können Sie nicht einlösen. Sagen Sie möglichst genau, welche Einflussfaktoren und welche Auswirkungen Sie für wichtig erachten und in Ihrer Arbeit behandeln wollen."
- "eine - nicht mehrere - Forschungsfragen aufwerfen. Natürlich kann man leicht zwei oder mehr Fragen in eine packen, wenn man sie mit 'und' verbindet. Beispielsweise: 'Wer wandert von Wien in das Wiener Umland, warum und wie wirkt sich diese Wanderung aus?' Diese Forschungsfrage stellt eigentlich drei Fragen, nämlich (1) wer wandert? (2) warum wird gewandert? und (3) wie wirkt sich diese Wanderung aus? Jede dieser Fragen erfordert eine andere Analysemethode und zum Teil auch andere theoretische Konzepte und Daten."
Ich hatte das mit den Forschungsfragen oben anders formuliert und meine, dass auch mehrere Forschungsfragen möglich sind -- unterscheide aber Hauptfrage und Nebenfragen. Ansonsten stimme ich den Kollegen aber zu.
Die Wiener führen weiter aus:
"Uns ist bisher noch keine Fragestellung unter gekommen, die zu eng gefasst gewesen wäre. Der Grund für diese Zweifel und etwaige damit verbundene Panik-Attacken liegt darin, dass Sie als Student bzw. Studentin typischerweise nicht wissen, wie umfangreich die wissenschaftliche Literatur und wie tiefgehend die Diskussion zu der von Ihnen gewählten Fragestellung schon ist. Das heißt nicht, dass genau diese Frage schon untersucht wurde, sondern vielmehr, dass zahlreiche Detailaspekte, auf die Sie bei der Bearbeitung dieser Frage stoßen werden, ausführlich diskutiert sind. Etwa: Die Frage, wie man Untersuchungsgebiete sinnvoll abgrenzt, wie verschiedene Konzepte miteinander in Verbindung stehen und sich auch unterscheiden, welche Probleme bei bestimmten Datenquellen auftreten, welche Vor- und Nachteile verschiedene mögliche Analysemethoden aufweisen, usw.Eng und präzise soll sie also sein, die Fragestellung. Das fällt nicht vom Himmel in den Schoß, sondern ist mühsam. "Ein Prozess der Präzisierung", sagen die Wiener Kollegen. "Natürlich schneiden Sie, je enger und präziser Sie eine Fragestellung formulieren, zahlreiche Aspekte - die ja auch irgendwie damit zusammen hängen - weg." Schwierig, ja. Das erfordert ein Ordnen, Sortieren, In-Beziehung-Setzen, Vergleichen, schließlich eine Rangfolge der interessantesten und bevorzugten Fragen, und dann eine Entscheidung.
Sie sehen - hoffentlich -, dass auch in einer eng gefassten Fragestellung normalerweise genügend Material für Ihre wissenschaftliche Arbeit enthalten ist. Verfallen Sie also nicht in den Fehler, alles zu wollen oder zumindest alles zu versprechen."
Alles in allem: Wenn Sie eine echte Frage mit Fragezeichen stellen, also klar durch die W-Fragewörter "wer?", "was?", "wie?", "wo?", "wann?", "warum?" gekennzeichnet, ist es vermutlich für die notwendige Präzisierung am besten.
Und das muss dann auch in der Einleitung Ihrer Arbeit entsprechend differenziert erläutert werden. Dafür ist die Einleitung da.
Weitere Tipps:
Verwandte Beiträge in diesem Blog:
1. Februar 2011
Hypothese
Eine angehende Wirtschaftsjuristin fragt: "Wenn ich in meine Arbeit eine Hypothese aufnehmen möchte, muss ich dann auch empirisch forschen?" Ihre Arbeit beschäftigt sich mit der Bagatellkündigung.
Nein. Eine Hypothese ist nur eine Annahme oder Behauptung, die im Zuge der Arbeit bestätigt oder widerlegt werden soll (wissenschaftliche Beweisführung). Wie Sie das machen, spielt dabei im Prinzip keine Rolle.
Allerdings wird der Begriff Hypothese vorwiegend in den empirischen Wissenschaften verwendet, wo es um Beobachtung und Messen geht, also um Erfahrung. Die Hypothese soll also durch Argumente auf Basis von Daten und Fakten belegt bzw. in Naturwissenschaften "bewiesen" werden. Wikipedia liefert eine Definition des Begriffs Hypothese. Werner Stangls Ausführungen sind eine gute Ergänzung.
In den Rechtsfächern geht es dagegen meist eher um die Auslegung von Gesetzen und anderen Normen, um die Anwendung der (juristischen) Rationalität (auf Einzelfälle) und nicht um Erfahrung, Beobachtung, Messen. Siehe zum Unterschied zwischen empirischen und nicht-empirischen Wissenschaften den Wikipedia-Artikel zu Empirie.
Allerdings kann es gerade in der Verbindung von Wirtschaft und Recht zu einer Kombination kommen. Wenn Sie die "Bagatellkündigung" untersuchen, also z.B. prominente Fälle wie den der Kaisers/Tengelmann-Kassierin "Emmely" oder diverse andere, die in den Medien bekannt geworden sind, dann können Sie natürlich erst einmal die verschiedenen Fälle zusammentragen, die Fälle beschreiben: Was passierte tatsächlich, wie verhielten sich Arbeitgeber und Arbeitnehmer, warum verhielten sie sich so, wer äußerte sich noch dazu - z.B. Betriebsräte, Gewerkschaften, Arbeitgeberverbände, Experten -, was waren die Kernpunkte der Kontroverse? Kommt es zu Urteilen oder zu ausgehandelten Vergleichen/Einigungen? Das ist erst einmal eine empirische, in diesem Fall wirtschafts- und sozialwissenschaftliche Beobachtung. Wenn Sie eine eigene empirische Untersuchung vornehmen wollten, könnten Sie sehr unterschiedliche Dinge untersuchen. Dokumente, Medienberichterstattung, sogar eigene Interviews und Befragungen könnten eine Rolle spielen.
Bekanntlich gibt es in der Sache eine kontroverse Debatte darum, ob die "formaljuristische" Vorgehensweise fair ist oder nicht. Am Ende geht es um Gerechtigkeit -- und die Diskrepanz zwischen dem, was rechtlich meist korrekt ist . Man kann das aus sehr unterschiedlichen Blickwinkeln analysieren, z.B. aus der Perspektive des betriebswirtschaftlichen Personalmanagements. Wenn Sie solche Quellen betrachten, sind Sie immer noch auf empirischem Terrain.
Wenn Sie sich dagegen auf die arbeitsrechtlichen Entscheidungen konzentrieren, geht es um die Anwendung der Gesetze auf die jeweiligen Einzelfälle und ihre Begründung bzw. die juristischen Argumente von Anwälten und Gerichten. Das ist juristische Kasuistik und ist keine empirische Untersuchung mehr.
Insofern wäre es möglich, die Thesis in einen empirischen Teil und einen nicht-empirischen Teil zu gliedern. Der erste schlüsselt das soziale Phänomen der Bagatellkündigung in den Beziehungen zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern auf, der zweite untersucht die rechtwissenschaftliche Argumentation. Oder Sie konzentrieren sich in der Thesis auf eine der beiden Perspektiven und benutzen dafür die jeweils geeigneten wissenschaftlichen Werkzeuge.
11. Januar 2011
Ein Thema finden
Manche Studenten wissen schon mehrere Semester im voraus ganz genau, über welches Thema sie ihre Abschlussarbeit schreiben wollen. Für die meisten ist das eher ein schwieriges Unterfangen. Patentlösungen gibt es dafür natürlich nicht.
Mancher blättert erst einmal in alten Kursunterlagen. Ratgeberbücher zum wissenschaftlichen Arbeiten empfehlen gern Brainstorming, Mind-Mapping und diverse Kreativitätstechniken. Man kann aber auch Lektüre empfehlen, ein paar Stunden in der Bibliothek (auch in der Abteilung für Abschlussarbeiten) oder das Durchforsten von Internetportalen, auch von Anbietern von Abschlussarbeitensammlungen.
Wenn Sie schon eine Liste möglicher allgemeiner Themen haben, hier einige handfeste Tipps zur Entscheidung bzw. Erstellung einer "shortlist".
Interesse und Motivation: Das Thema sollte Sie so interessieren, dass Sie damit mehrere Monate ohne persönliche Quälerei verbringen können. Die Abschlussarbeit bringt oft schwierige Umstände mit sich, man arbeitet überwiegend allein, muss sich selbst motivieren und knifflige Probleme lösen. Dann hilft es sehr, wenn man das Thema wirklich mag und einen persönlichen Bezug dazu hat.
Zeitfaktor: Das Thema soll in der zur Verfügung stehenden Zeit sinnvoll, gründlich und solide zu bearbeiten sein. Dabei gibt es natürlich Unterschiede zwischen Bachelor- und Masterarbeiten. Das können Sie oft nicht selbst beurteilen, hier hilft nur Beratung durch den Betreuer.
Das Thema soll mit einer auch zeitlich passenden und den methodischen Fähigkeiten des Studenten entsprechenden Methode zu bearbeiten sein. So ist es ziemlich aussichtslos, eine quantitativ angelegte Befragung von 500 Personen sauber durchzuführen und auszuwerten, wenn man nur zwei Monate Zeit für eine BA-Thesis hat und noch nie eine längere Lehrveranstaltung zur empirischen Sozialforschung belegt hat. Mit Unterstützung des Betreuers kann man natürlich auch eine neue Methode anwenden, aber auch zum Kennenlernen der methodischen Finessen braucht man Zeit.
Sie sollten inhaltliche Vorkenntnisse mitbringen. Je weniger Sie über das Thema wissen, desto steiler ist die Lernkurve. Man kann sich vieles anlesen, aber die Einarbeitung kostet Zeit, und man kann sich dabei überfordern. Was ist, wenn Sie auf halbem Weg feststellen, dass Sie viel zu wenig Vorkenntnisse haben? Das frustriert möglicherweise.
Das Thema Ihrer Abschlussarbeit gibt Ihnen berufliches Profil auf dem Lebenslauf, bei einer Bewerbung macht es Sie für künftige Arbeitgeber interessant. Wenn Sie also ein klares Berufsziel vor Augen haben, sollte das Thema passen. Es sei denn, Sie entscheiden sich bewusst dafür, etwas völlig anderes zu bearbeiten – überlegen Sie sich das gut.
Studenten suchen meist nur "ein Thema". Professoren aber beharren darauf, dass Sie nicht nur ein "Thema" brauchen, sondern eine Fragestellung. Das Thema ist der weit gefasste inhaltliche Gegenstand, mit dem sich eine Studie befasst (mehr oder weniger konkret). Eine Fragestellung ist dagegen ein Problem, das besser verstanden oder gelöst werden muss: Die Frage, die Sie mit Ihrer Arbeit beantworten. Daraus ist ein Untersuchungsziel zu entwickeln: die wichtigste Absicht oder der Zweck: Was wollen Sie erreichen? Dann entstehen die Forschungsfragen (immer mehrere): Fragen, die man in der Studie beantworten will. Wobei Haupt- und Nebenfragen zu unterscheiden sind. Bei der "Operationalisierung" schließlich geht es um das Zerlegen in viele Detailfragen, die Sie Schritt für Schritt bearbeiten können.
Die größeren Schwierigkeiten macht nicht das Thema an sich, sondern dass, was darauf folgt: nämlich die Schritte vom Allgemeinen zum Spezifischen der Abschlussarbeit. Dabei werden Sie schnell merken, dass sich alles um die Eingrenzung des Themas (was bearbeite ich nicht?) dreht und das Konzept für die Untersuchung ("Forschungsdesign").
Ein Beispiel: Ein Student im Wildauer Studiengang "Verwaltung und Recht" möchte sich mit Personalveränderungen in unteren Verwaltungsbehörden Brandenburgs beschäftigen. Schönes Thema, er hat einen persönlichen Zugang dazu, es ist aber noch sehr allgemein. Was könnte die Fragestellung sein? Konkret entwickelt er: Das Problem des Führungskräftemangels als Ergebnis der Personalveränderungen in unteren Verwaltungsbehörden Brandenburgs. Sein Untersuchungsziel? Zu untersuchen, wie es zum Führungskräftemangel kommt und welche Möglichkeiten es im Personalmanagement gibt, das Problem zu begrenzen oder zu lösen. Jetzt beginnt er, einen Katalog möglicher Einzelfragen zu schreiben: u.a. wie zeigt sich der Führungskräftemangel? Wo? Wann? Unter welchen Bedingungen? Was ging ihm voraus, war er voraussehbar? Welche Folgen hat er? Wie kritisch sind die Folgen für das Funktionieren der Verwaltung? Wie wurde darauf reagiert? Welche Alternativen werden diskutiert?...
Er grenzt also erst einmal das inhaltliche Gebiet ein, dass er bearbeiten möchte. Er sucht nach einem konkreten Problem, einem Konflikt oder Dilemma – etwas, was eine Lösung benötigt. Dann versucht er das an Belegen aus der Literatur oder aus der Praxis festzumachen. Er stellt sich die Frage: Was wissen wir noch nicht darüber? Was fehlt in der Literatur? In der Praxis? Was sollten wir noch wissen? Und er überlegt sich, was das Ergebnis seiner Untersuchung bringen soll – und wem. Er hat nämlich eine recht konkrete Zielgruppe vor Augen, für die die Abschlussarbeit ein paar Erkenntnisse produzieren könnte. In diesem Fall den Personalverantwortlichen und Leitern der Behörden, die er untersuchen möchte.
Eine Abschlussarbeit wird auch Thesis genannt. Das ist eigentlich ein ganz guter Begriff. Eine "These" beschreibt nicht einfach das Thema oder eine Beobachtung, sondern präsentiert eine Vermutung, Behauptung, Prognose, Sichtweise, Meinung, Idee, Problemlösung, um die man streiten kann, die Argumente braucht und die verteidigt werden muss. Haben Sie eine "These"? Dann können Sie diese auch untersuchen.
So mancher hat diffuse Vorstellungen, welcher Themenbereich interessant wäre. Man muss aber die anderen Schritte auch gehen, in Gedanken durchspielen. Diskutieren Sie das im Gespräch mit dem Betreuer Ihrer Wahl!
Manche Studenten machen es sich einfach und wählen den Weg des (vermeintlich) geringsten Widerstands. Sie wählen ein "Standardthema" aus einem Lehrbuch oder aus einer Vorlesung. Die Wahl eines Themas für eine Abschlussarbeit ist aber sehr persönlich und bietet die Chance, ein Projekt für sich selbst zu wählen und sich beruflich Profil zu geben. Manchmal braucht man Mut, um ein unbekanntes Terrain zu erforschen. Wenn die Motivation stimmt, lassen sich die meisten Themen auch bearbeiten.
Mancher blättert erst einmal in alten Kursunterlagen. Ratgeberbücher zum wissenschaftlichen Arbeiten empfehlen gern Brainstorming, Mind-Mapping und diverse Kreativitätstechniken. Man kann aber auch Lektüre empfehlen, ein paar Stunden in der Bibliothek (auch in der Abteilung für Abschlussarbeiten) oder das Durchforsten von Internetportalen, auch von Anbietern von Abschlussarbeitensammlungen.
Wenn Sie schon eine Liste möglicher allgemeiner Themen haben, hier einige handfeste Tipps zur Entscheidung bzw. Erstellung einer "shortlist".
Interesse und Motivation: Das Thema sollte Sie so interessieren, dass Sie damit mehrere Monate ohne persönliche Quälerei verbringen können. Die Abschlussarbeit bringt oft schwierige Umstände mit sich, man arbeitet überwiegend allein, muss sich selbst motivieren und knifflige Probleme lösen. Dann hilft es sehr, wenn man das Thema wirklich mag und einen persönlichen Bezug dazu hat.
Zeitfaktor: Das Thema soll in der zur Verfügung stehenden Zeit sinnvoll, gründlich und solide zu bearbeiten sein. Dabei gibt es natürlich Unterschiede zwischen Bachelor- und Masterarbeiten. Das können Sie oft nicht selbst beurteilen, hier hilft nur Beratung durch den Betreuer.
Das Thema soll mit einer auch zeitlich passenden und den methodischen Fähigkeiten des Studenten entsprechenden Methode zu bearbeiten sein. So ist es ziemlich aussichtslos, eine quantitativ angelegte Befragung von 500 Personen sauber durchzuführen und auszuwerten, wenn man nur zwei Monate Zeit für eine BA-Thesis hat und noch nie eine längere Lehrveranstaltung zur empirischen Sozialforschung belegt hat. Mit Unterstützung des Betreuers kann man natürlich auch eine neue Methode anwenden, aber auch zum Kennenlernen der methodischen Finessen braucht man Zeit.
Sie sollten inhaltliche Vorkenntnisse mitbringen. Je weniger Sie über das Thema wissen, desto steiler ist die Lernkurve. Man kann sich vieles anlesen, aber die Einarbeitung kostet Zeit, und man kann sich dabei überfordern. Was ist, wenn Sie auf halbem Weg feststellen, dass Sie viel zu wenig Vorkenntnisse haben? Das frustriert möglicherweise.
Das Thema Ihrer Abschlussarbeit gibt Ihnen berufliches Profil auf dem Lebenslauf, bei einer Bewerbung macht es Sie für künftige Arbeitgeber interessant. Wenn Sie also ein klares Berufsziel vor Augen haben, sollte das Thema passen. Es sei denn, Sie entscheiden sich bewusst dafür, etwas völlig anderes zu bearbeiten – überlegen Sie sich das gut.
Studenten suchen meist nur "ein Thema". Professoren aber beharren darauf, dass Sie nicht nur ein "Thema" brauchen, sondern eine Fragestellung. Das Thema ist der weit gefasste inhaltliche Gegenstand, mit dem sich eine Studie befasst (mehr oder weniger konkret). Eine Fragestellung ist dagegen ein Problem, das besser verstanden oder gelöst werden muss: Die Frage, die Sie mit Ihrer Arbeit beantworten. Daraus ist ein Untersuchungsziel zu entwickeln: die wichtigste Absicht oder der Zweck: Was wollen Sie erreichen? Dann entstehen die Forschungsfragen (immer mehrere): Fragen, die man in der Studie beantworten will. Wobei Haupt- und Nebenfragen zu unterscheiden sind. Bei der "Operationalisierung" schließlich geht es um das Zerlegen in viele Detailfragen, die Sie Schritt für Schritt bearbeiten können.Die größeren Schwierigkeiten macht nicht das Thema an sich, sondern dass, was darauf folgt: nämlich die Schritte vom Allgemeinen zum Spezifischen der Abschlussarbeit. Dabei werden Sie schnell merken, dass sich alles um die Eingrenzung des Themas (was bearbeite ich nicht?) dreht und das Konzept für die Untersuchung ("Forschungsdesign").
Ein Beispiel: Ein Student im Wildauer Studiengang "Verwaltung und Recht" möchte sich mit Personalveränderungen in unteren Verwaltungsbehörden Brandenburgs beschäftigen. Schönes Thema, er hat einen persönlichen Zugang dazu, es ist aber noch sehr allgemein. Was könnte die Fragestellung sein? Konkret entwickelt er: Das Problem des Führungskräftemangels als Ergebnis der Personalveränderungen in unteren Verwaltungsbehörden Brandenburgs. Sein Untersuchungsziel? Zu untersuchen, wie es zum Führungskräftemangel kommt und welche Möglichkeiten es im Personalmanagement gibt, das Problem zu begrenzen oder zu lösen. Jetzt beginnt er, einen Katalog möglicher Einzelfragen zu schreiben: u.a. wie zeigt sich der Führungskräftemangel? Wo? Wann? Unter welchen Bedingungen? Was ging ihm voraus, war er voraussehbar? Welche Folgen hat er? Wie kritisch sind die Folgen für das Funktionieren der Verwaltung? Wie wurde darauf reagiert? Welche Alternativen werden diskutiert?...
Er grenzt also erst einmal das inhaltliche Gebiet ein, dass er bearbeiten möchte. Er sucht nach einem konkreten Problem, einem Konflikt oder Dilemma – etwas, was eine Lösung benötigt. Dann versucht er das an Belegen aus der Literatur oder aus der Praxis festzumachen. Er stellt sich die Frage: Was wissen wir noch nicht darüber? Was fehlt in der Literatur? In der Praxis? Was sollten wir noch wissen? Und er überlegt sich, was das Ergebnis seiner Untersuchung bringen soll – und wem. Er hat nämlich eine recht konkrete Zielgruppe vor Augen, für die die Abschlussarbeit ein paar Erkenntnisse produzieren könnte. In diesem Fall den Personalverantwortlichen und Leitern der Behörden, die er untersuchen möchte.
Eine Abschlussarbeit wird auch Thesis genannt. Das ist eigentlich ein ganz guter Begriff. Eine "These" beschreibt nicht einfach das Thema oder eine Beobachtung, sondern präsentiert eine Vermutung, Behauptung, Prognose, Sichtweise, Meinung, Idee, Problemlösung, um die man streiten kann, die Argumente braucht und die verteidigt werden muss. Haben Sie eine "These"? Dann können Sie diese auch untersuchen.
So mancher hat diffuse Vorstellungen, welcher Themenbereich interessant wäre. Man muss aber die anderen Schritte auch gehen, in Gedanken durchspielen. Diskutieren Sie das im Gespräch mit dem Betreuer Ihrer Wahl!
Manche Studenten machen es sich einfach und wählen den Weg des (vermeintlich) geringsten Widerstands. Sie wählen ein "Standardthema" aus einem Lehrbuch oder aus einer Vorlesung. Die Wahl eines Themas für eine Abschlussarbeit ist aber sehr persönlich und bietet die Chance, ein Projekt für sich selbst zu wählen und sich beruflich Profil zu geben. Manchmal braucht man Mut, um ein unbekanntes Terrain zu erforschen. Wenn die Motivation stimmt, lassen sich die meisten Themen auch bearbeiten.
Der "rote Faden" in der Arbeit
"Wie behält man beim Schreiben einer Abschlussarbeit den sprichwörtlichen roten Faden?", fragt mich eine Studentin.
Was ist überhaupt ein "roter Faden"? Er dient der Orientierung. Autor und Leser wissen an jeder Stelle der Arbeit immer, worum es gerade und insgesamt geht. An diesem roten Faden sollten Sie die einzelnen Teile Ihrer Arbeit auffädeln.
Wikipedia weiß zum Thema: "Unter einem roten Faden versteht man ein Grundmotiv, einen Weg oder auch eine Richtlinie." Man kann daran eine durchgehende Struktur oder ein Ziel erkennen. Das Online-Lexikon verweist auf Goethes Wahlverwandtschaften – der Dichterfürst beschreibt den Kennfaden der britischen Marine: „Sämtliche Tauwerke der königlichen Flotte sind dergestalt gesponnen, dass ein roter Faden durch das Ganze durchgeht, den man nicht herauswinden kann, ohne alles aufzulösen, und woran auch die kleinsten Stücke kenntlich sind, dass sie der Krone gehören. Ebenso zieht sich durch Ottiliens Tagebuch ein Faden …“.
Wenn der rote Faden verloren geht, hat das in studentischen Arbeiten meist zwei Gründe:
Wie macht man in der Gliederung den roten Faden deutlich? Eine gute Möglichkeit bietet das abgebildete Schema.
Nehmen wir an, die Einleitung formuliert eine übergeordnete Fragestellung und darunter drei zentrale Fragen, die im Einzelnen untersucht werden sollen. Der Hauptteil der Arbeit soll drei Kapitel haben. Jedes Kapitel untersucht eine der drei Fragen.
Jedes Kapitel beginnt mit einer Kapiteleinleitung, die erläutert, welche Frage aus der Einleitung hier untersucht werden soll. Kapitel 1 kümmert sich also um Frage 1, Kapitel 2 um Frage 2 usw. Am Ende jedes Kapitels wird ein Zwischenfazit gezogen. Hier werden die "Ergebnisse gesichert". Das heißt, hier wird eine Teilantwort auf die in der Einleitung formulierte Fragestellung gegeben.
Haben Sie die drei Kapitel fertig, haben Sie also drei Zwischenfazits geschrieben. Damit haben Sie schon den halben Schlussteil (auch Konklusion genannt, also Schlussfolgerung) so gut wie fertig. Dieser soll nämlich die Ergebnisse der Kapitel noch einmal zusammenfassen. "Das ist dann ja doppelt gemoppelt", werden Sie jetzt vielleicht sagen.
Aber keine Scheu vor Wiederholungen: Am Schluss soll ja das Gesamtergebnis präsentiert werden. Dazu müssen Sie logischerweise die Teilergebnisse zusammenziehen. Scheuen Sie sich nicht davor, die Einzelfazits der Kapitel einfach in den Schlussteil einzukopieren! Wichtig ist nicht das Neuformulieren des bereits Geschriebenen, sondern nur eine gute Verbindung zwischen den Teilergebnissen.
Natürlich muss nun auch noch eine Gesamtantwort auf die übergeordnete Fragestellung her. Das sollte Ihnen nun aber leicht fallen. Es ist eine Art Fazit aller Fazits. Bekanntlich ist das Ganze mehr als die Summe seiner Teile, insofern dürfen Sie nun noch etwas mehr Kontext, ganzheitliche Interpretation und Ausblick aufbieten.
Das mag etwas sehr schematisch wirken, aber meiner Erfahrung nach fahren die meisten Studenten beim Schreiben recht gut damit. Bei jedem Kapitel müssen sie sich überlegen, was genau das einzelne Kapitel zur Fragestellung beigetragen hat. Das ist eine Art Sicherheitscheck: Bin ich da, wo ich sein wollte?
Sie setzen mit jedem Zwischenfazit einen Meilenstein, der anzeigt, wie weit sie gekommen sind. Und weil in jedem Kapitel stets die Untersuchungsziele benannt werden und klar gesagt wird, ob und inwieweit sie erreicht wurden, bleibt immer erkennbar, wo sich die Untersuchung gerade befindet.
Zugespitzt formuliert: Der rote Faden lebt von Wiederholungen. Sie markieren die Etappenziele, sie garantieren die Sichtbarkeit der Untersuchungsziele. Deshalb sind Wiederholungen nicht nur nicht vermeidbar, sondern ausdrücklich erwünscht.
Klar: Einen Roman oder Thriller würde man so nicht schreiben. Aber eine wissenschaftliche Arbeit wird vor allem danach bewertet, ob die innere Logik von Untersuchung und Argument nachvollziehbar ist und der Autor das selbstgesetzte Ziel erreicht.
Siehe auch den Blogbeitrag: "Labern vermeiden: Der MEAL-Plan"
Was ist überhaupt ein "roter Faden"? Er dient der Orientierung. Autor und Leser wissen an jeder Stelle der Arbeit immer, worum es gerade und insgesamt geht. An diesem roten Faden sollten Sie die einzelnen Teile Ihrer Arbeit auffädeln.
Wikipedia weiß zum Thema: "Unter einem roten Faden versteht man ein Grundmotiv, einen Weg oder auch eine Richtlinie." Man kann daran eine durchgehende Struktur oder ein Ziel erkennen. Das Online-Lexikon verweist auf Goethes Wahlverwandtschaften – der Dichterfürst beschreibt den Kennfaden der britischen Marine: „Sämtliche Tauwerke der königlichen Flotte sind dergestalt gesponnen, dass ein roter Faden durch das Ganze durchgeht, den man nicht herauswinden kann, ohne alles aufzulösen, und woran auch die kleinsten Stücke kenntlich sind, dass sie der Krone gehören. Ebenso zieht sich durch Ottiliens Tagebuch ein Faden …“.
Wenn der rote Faden verloren geht, hat das in studentischen Arbeiten meist zwei Gründe:
- Der Autor weiß nicht so genau, was er untersuchen will. Die Fragestellung wurde nicht präzise entwickelt. Es gibt keine Leitfragen der Untersuchung, die darunter liegenden Einzelfragen wurden nicht benannt ("Operationalisierung"). Es gibt keine Hypothese, die überprüft werden soll.
- Der Autor hat ganz viel Material gesammelt, aber es nicht ausreichend sortiert. Er verliert sich in Diesem und Jenem, kommt vom Hölzchen aufs Stöckchen. Wichtiges wird nicht vom Unwichtigen getrennt. Zitate werden massenhaft angeführt, alle möglichen Detailinformationen aus allen möglichen Quellen verwendet, ohne Rücksicht darauf, ob diese dazu beitragen, eine Antwort auf die zentralen Fragen der Arbeit zu geben.
- Merke: Eine Gliederung ist nicht dasselbe wie eine Fragestellung und Untersuchungskonzept. Es ist sinnvoll, sich zuerst genau zu überlegen, was man da überhaupt untersuchen will (und wie), bevor man eine Gliederung anlegt. Sonst bietet die Gliederung nur eine Schein-Orientierung, die den Autor (und später den Leser) eher in die Irre führt. Das ist wie eine falsche Landkarte.
Wie macht man in der Gliederung den roten Faden deutlich? Eine gute Möglichkeit bietet das abgebildete Schema.
Nehmen wir an, die Einleitung formuliert eine übergeordnete Fragestellung und darunter drei zentrale Fragen, die im Einzelnen untersucht werden sollen. Der Hauptteil der Arbeit soll drei Kapitel haben. Jedes Kapitel untersucht eine der drei Fragen.
Jedes Kapitel beginnt mit einer Kapiteleinleitung, die erläutert, welche Frage aus der Einleitung hier untersucht werden soll. Kapitel 1 kümmert sich also um Frage 1, Kapitel 2 um Frage 2 usw. Am Ende jedes Kapitels wird ein Zwischenfazit gezogen. Hier werden die "Ergebnisse gesichert". Das heißt, hier wird eine Teilantwort auf die in der Einleitung formulierte Fragestellung gegeben.
Haben Sie die drei Kapitel fertig, haben Sie also drei Zwischenfazits geschrieben. Damit haben Sie schon den halben Schlussteil (auch Konklusion genannt, also Schlussfolgerung) so gut wie fertig. Dieser soll nämlich die Ergebnisse der Kapitel noch einmal zusammenfassen. "Das ist dann ja doppelt gemoppelt", werden Sie jetzt vielleicht sagen.
Aber keine Scheu vor Wiederholungen: Am Schluss soll ja das Gesamtergebnis präsentiert werden. Dazu müssen Sie logischerweise die Teilergebnisse zusammenziehen. Scheuen Sie sich nicht davor, die Einzelfazits der Kapitel einfach in den Schlussteil einzukopieren! Wichtig ist nicht das Neuformulieren des bereits Geschriebenen, sondern nur eine gute Verbindung zwischen den Teilergebnissen.
Natürlich muss nun auch noch eine Gesamtantwort auf die übergeordnete Fragestellung her. Das sollte Ihnen nun aber leicht fallen. Es ist eine Art Fazit aller Fazits. Bekanntlich ist das Ganze mehr als die Summe seiner Teile, insofern dürfen Sie nun noch etwas mehr Kontext, ganzheitliche Interpretation und Ausblick aufbieten.
Das mag etwas sehr schematisch wirken, aber meiner Erfahrung nach fahren die meisten Studenten beim Schreiben recht gut damit. Bei jedem Kapitel müssen sie sich überlegen, was genau das einzelne Kapitel zur Fragestellung beigetragen hat. Das ist eine Art Sicherheitscheck: Bin ich da, wo ich sein wollte?
Sie setzen mit jedem Zwischenfazit einen Meilenstein, der anzeigt, wie weit sie gekommen sind. Und weil in jedem Kapitel stets die Untersuchungsziele benannt werden und klar gesagt wird, ob und inwieweit sie erreicht wurden, bleibt immer erkennbar, wo sich die Untersuchung gerade befindet.
Zugespitzt formuliert: Der rote Faden lebt von Wiederholungen. Sie markieren die Etappenziele, sie garantieren die Sichtbarkeit der Untersuchungsziele. Deshalb sind Wiederholungen nicht nur nicht vermeidbar, sondern ausdrücklich erwünscht.
Klar: Einen Roman oder Thriller würde man so nicht schreiben. Aber eine wissenschaftliche Arbeit wird vor allem danach bewertet, ob die innere Logik von Untersuchung und Argument nachvollziehbar ist und der Autor das selbstgesetzte Ziel erreicht.
Siehe auch den Blogbeitrag: "Labern vermeiden: Der MEAL-Plan"
21. Dezember 2010
Wie schreibt man eine Einleitung?
Wie schreibt man eine gute Einleitung? Hinterher. Die Einleitung schreiben Sie, wenn der Hauptteil steht. Wenn Sie genau wissen, was Sie wie einleiten wollen, fällt das Schreiben viel leichter.
Zu Beginn einer Arbeit sollten Sie sich daher nicht allzu sehr den Kopf über die Einleitung zerbrechen. Verwenden Sie die Energie lieber auf die Gesamtstruktur Ihrer Beleg- oder Abschlussarbeit und auf den Hauptteil. Für die Einleitung reicht ein Konzept, ein Rohentwurf zunächst aus.
Was eine Einleitung nicht ist
Hin und wieder verwechseln Studenten die Einleitung mit anderen Bestandteilen einer wissenschaftlichen Arbeit. Eine Einleitung ist...
Die Funktion einer Einleitung ist es,
Es gibt zahlreiche Möglichkeiten, einen "interessanten" Anfang zu machen – vom persönlichen Aufhänger/Motivation über eine Anekdote oder Story und aktuelle Berichte in den Medien bis zum Herausstellen einer praktischen Problemlösung. Ein pointierter erster Absatz ist wunderbar – aber der allein erledigt die Aufgabe nicht. Die Einleitung ist nicht vorrangig eine literarische Herausforderung, die den Leser motivieren soll. In erster Linie ist die Einleitung der Beweis,
Ein häufiger Fehler ist es, dass Studenten mitten ins Thema springen. Die eigentliche Einleitung besteht dann nur aus ein oder zwei Absätzen, die bestenfalls die Aufmerksamkeit des Lesers binden und wolkig ins Thema gleiten – ohne dass die Funktionen der Einleitung erfüllt werden. Meist ist es dann so, dass die Fragestellung und die Methoden- und Quellendiskussion unzureichend sind. Es gibt viele fleißige Studenten, die Unmengen an Material zusammentragen, aber nicht aufzeigen, wie sie das tun. Wenn die Note hinterher nicht so grandios ist, sind sie enttäuscht oder verärgert.
Viele Studenten meinen, es geht "nur ums Thema". Um Zahlen, Daten, Fakten, die inhaltliche Substanz des Problems, garniert mit ein paar Bezügen zur Literatur. Nein, eine Abschlussarbeit soll vielmehr zeigen, dass Sie ein Thema wissenschaftlich bearbeiten können. Die eigentliche Leistung besteht nicht aus der Zusammenstellung von Informationen, sondern darin, Informationen auf einem wissenschaftlichen Weg zu gewinnen und zu bearbeiten. Dazu gehört vor allem eine konkrete, präzise Fragestellung, eine präzise Abgrenzung und nicht nur ein allgemeiner inhaltlicher Rahmen ("Thema"), und Bewusstsein dafür, dass Sie jeden Schritt der Untersuchung erläutern müssen. Das "Wie" ist also genauso wichtig wie das "Was". Und das zeigt sich auch und gerade in der Einleitung.
Wissenschaftlichkeit besteht gerade darin, das Vorgehen der Untersuchung explizit und nachvollziehbar zu machen. Der Autor soll zudem zeigen, dass er einen klaren Fokus hat, seine Untersuchung abgrenzen kann, sich der Stärken und Schwächen bestimmter Methoden und der Grenzen seiner Untersuchung bewusst ist, dass er über das reflektieren kann, was er da tut.
Zu kurz, zu lang? Der Umfang einer Einleitung
Wie umfangreich die Einleitung sein muss, ist daher keineswegs mit einer Standardformel (à la "höchsten fünf Prozent des Gesamtumfangs") zu beantworten.
Einleitungen sind oft zu kurz, nach meinem Anspruch jedenfalls: Wenn Sie die oben genannten Funktionen erfüllen wollen, liegt es auf der Hand, dass Sie mehrere Seiten schreiben werden.
Eine umfangreiche Arbeit, z.B. eine Master's Thesis, bedarf möglicherweise eines separaten Kapitels zu Methoden und Forschungsdesign oder eines separaten Kapitels zu Theorie oder Literatur/Forschungslage oder zum Hintergrund des Problems, das man bearbeiten möchte.
Ist das bei Ihnen sinnvoll oder notwendig – und das sollten Sie explizit mit Ihrem Betreuer besprechen –, dann kann die Einleitung recht knapp ausfallen. Sie bietet dann nur einen knappen Überblick.
Andernfalls haben Sie eine ganze Menge in der Einleitung unterzubringen.
Es gibt auch Einleitungen, die sind zu lang. Meist passiert das, wenn ein Autor
Zu Beginn einer Arbeit sollten Sie sich daher nicht allzu sehr den Kopf über die Einleitung zerbrechen. Verwenden Sie die Energie lieber auf die Gesamtstruktur Ihrer Beleg- oder Abschlussarbeit und auf den Hauptteil. Für die Einleitung reicht ein Konzept, ein Rohentwurf zunächst aus.
Was eine Einleitung nicht ist
Hin und wieder verwechseln Studenten die Einleitung mit anderen Bestandteilen einer wissenschaftlichen Arbeit. Eine Einleitung ist...
- kein Abstract (übrigens: "das" Abstract, nicht "der"). Abstracts sind knappe Inhaltsangaben, die einer Arbeit, also auch der Einleitung, vorangestellt werden.
- kein Vorwort. Ein Vorwort ist eine persönliche Stellungnahme, in der z.B. Danksagungen ihren Platz haben. In Büchern und bei Abschlussarbeiten findet man häufiger ein Vorwort, in Belegarbeiten ist das unüblich.
Die Funktion einer Einleitung ist es,
- dem Leser Orientierung über den Inhalt der Arbeit zu geben,
- die Wahl des Themas zu begründen (warum ist es relevant, wichtig, nützlich),
- das Thema inhaltlich von ähnlichen Themen abzugrenzen,
- ein Ziel für die Arbeit zu nennen (ggf. ein Oberziel und mehrere Teilziele),
- die Fragestellung differenziert zu entwickeln (und zwar so konkret, dass Sie auch "beantwortbar" ist),
- ggf. eine These oder Hypothese vorzustellen und zu begründen,
- dabei Annahmen und Vermutungen offenzulegen,
- zentrale Begriffe zu klären,
- die verwendete(n) Methode(n) offenzulegen,
- offenzulegen, welche Informationen, Daten, Quellen verwendet werden,
- Aufbau/Gliederung der Arbeit und den "Gang der Untersuchung" zu erläutern.
Es gibt zahlreiche Möglichkeiten, einen "interessanten" Anfang zu machen – vom persönlichen Aufhänger/Motivation über eine Anekdote oder Story und aktuelle Berichte in den Medien bis zum Herausstellen einer praktischen Problemlösung. Ein pointierter erster Absatz ist wunderbar – aber der allein erledigt die Aufgabe nicht. Die Einleitung ist nicht vorrangig eine literarische Herausforderung, die den Leser motivieren soll. In erster Linie ist die Einleitung der Beweis,
- dass Sie Ihr eigenes wissenschaftliches Projekt solide organisiert und konzipiert haben
- und dass Sie Methoden und Techniken Ihrer Fachdisziplin auf einen komplexen Sachverhalt anwenden können.
Ein häufiger Fehler ist es, dass Studenten mitten ins Thema springen. Die eigentliche Einleitung besteht dann nur aus ein oder zwei Absätzen, die bestenfalls die Aufmerksamkeit des Lesers binden und wolkig ins Thema gleiten – ohne dass die Funktionen der Einleitung erfüllt werden. Meist ist es dann so, dass die Fragestellung und die Methoden- und Quellendiskussion unzureichend sind. Es gibt viele fleißige Studenten, die Unmengen an Material zusammentragen, aber nicht aufzeigen, wie sie das tun. Wenn die Note hinterher nicht so grandios ist, sind sie enttäuscht oder verärgert.
Viele Studenten meinen, es geht "nur ums Thema". Um Zahlen, Daten, Fakten, die inhaltliche Substanz des Problems, garniert mit ein paar Bezügen zur Literatur. Nein, eine Abschlussarbeit soll vielmehr zeigen, dass Sie ein Thema wissenschaftlich bearbeiten können. Die eigentliche Leistung besteht nicht aus der Zusammenstellung von Informationen, sondern darin, Informationen auf einem wissenschaftlichen Weg zu gewinnen und zu bearbeiten. Dazu gehört vor allem eine konkrete, präzise Fragestellung, eine präzise Abgrenzung und nicht nur ein allgemeiner inhaltlicher Rahmen ("Thema"), und Bewusstsein dafür, dass Sie jeden Schritt der Untersuchung erläutern müssen. Das "Wie" ist also genauso wichtig wie das "Was". Und das zeigt sich auch und gerade in der Einleitung.
Wissenschaftlichkeit besteht gerade darin, das Vorgehen der Untersuchung explizit und nachvollziehbar zu machen. Der Autor soll zudem zeigen, dass er einen klaren Fokus hat, seine Untersuchung abgrenzen kann, sich der Stärken und Schwächen bestimmter Methoden und der Grenzen seiner Untersuchung bewusst ist, dass er über das reflektieren kann, was er da tut.
Zu kurz, zu lang? Der Umfang einer Einleitung
Wie umfangreich die Einleitung sein muss, ist daher keineswegs mit einer Standardformel (à la "höchsten fünf Prozent des Gesamtumfangs") zu beantworten.
Einleitungen sind oft zu kurz, nach meinem Anspruch jedenfalls: Wenn Sie die oben genannten Funktionen erfüllen wollen, liegt es auf der Hand, dass Sie mehrere Seiten schreiben werden.
Eine umfangreiche Arbeit, z.B. eine Master's Thesis, bedarf möglicherweise eines separaten Kapitels zu Methoden und Forschungsdesign oder eines separaten Kapitels zu Theorie oder Literatur/Forschungslage oder zum Hintergrund des Problems, das man bearbeiten möchte.
- Wenn Sie z.B. umfangreiche Experteninterviews führen, eine quantitative Befragung umsetzen, eine Analyse zahlreicher Dokumente durchführen oder vorrangig Zahlenmaterial von statistischen Ämtern oder Datensammlungen durchackern, dann wird im Regelfall ein von der Einleitung getrenntes Kapitel zu den Methoden und Datenquellen erforderlich sein.
Ist das bei Ihnen sinnvoll oder notwendig – und das sollten Sie explizit mit Ihrem Betreuer besprechen –, dann kann die Einleitung recht knapp ausfallen. Sie bietet dann nur einen knappen Überblick.
Andernfalls haben Sie eine ganze Menge in der Einleitung unterzubringen.
Es gibt auch Einleitungen, die sind zu lang. Meist passiert das, wenn ein Autor
- Ergebnisse seiner Untersuchung vorwegnimmt, die in den Hauptteil gehören,
- oder ganz viel Kontext für die Untersuchung liefert, der seiner Meinung nach zum Verständnis der Arbeit notwendig sind.
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