19. Dezember 2010

Lehrbücher lesen

Studenten lesen vor allem Lehrbücher (engl. auch: Textbook, Coursebook). Was ist eigentlich ein Lehrbuch, und wie unterscheidet es sich von einem Fachbuch? Und vor allem: Wie liest und nutzt man es am besten?


Lehrbücher sind für die Lehre da, ist ja logisch. Sie werden von (Hochschul-) Lehrern geschrieben, oft auf der Basis von Überblicksvorlesungen, die die Autoren gehalten haben. Im Idealfall sind Lehrbücher auf die Anforderungen eines bestimmten Fachstudiums abgestimmt. Und: Sie werden von Professoren ausgesucht, oft als Pflichtlektüre, die einen Kurs begleiten soll und Grundlage für Klausuren und andere Prüfungen dient. Bibliotheken kaufen daher auf Vorschlag der Professoren größere Mengen stark nachgefragter Grundlagenliteratur für ihre Lehrbuchsammlungen.
 
Ob sie sich tatsächlich fürs Lernen gut sind, darüber haben Studenten sehr unterschiedliche Ansichten. Nicht jedes Buch, auf dem "Lehrbuch" draufsteht, ist auch wirklich für Lernende – vor allem Anfänger – geeignet.
  • Gerade im deutschsprachigen Bereich wird mit dem Etikett "Lehrbuch" eher lax umgegangen – jegliche Art von einführendem Text kann das Prädikat bekommen (meist in der Hoffnung einer hohen Auflage). Im englischsprachigen Textbook-Markt investieren Autoren und Verlage häufig deutlich mehr Mühe in Gestaltung, didaktische Aufbereitung und Service für die Lernenden – dafür sind solche Bücher auch meist viel teurer.

Zurück zur Ausgangsfrage: Lehrbücher sollen Fachbücher sein, die der Aus- und Weiterbildung dienen. Typisch ist, dass sie
  • für Anfänger verständlich sind, also in einer Sprache verfasst werden, die nicht allzu viel Vorwissen und Fachjargon verlangt (leider scheitern Lehrbuchautoren oft genau daran).
  • Fachvokabeln einführen, definieren und auf Sachverhalte und Theorien anwenden. Fachbegriffe werden weniger vorausgesetzt als bei Fachbüchern, die sich ausschließlich an Experten wenden. Oft gibt es zum Wiederholen oder Nachschlagen ein Glossar (am Ende von Kapiteln oder des Buches).
  • Informationen sehr konzentriert und kompakt aufbieten. Da wird nicht allzu viel hin- und hergewendet (im Sinne von Pro und Contra), sondern dargestellt. 
  • überdurchschnittliche viele Übersichtsgrafiken, Tabellen, Definitionsboxen, Merksätze, Schlagwörter und Randbemerkungen einbinden. Auch diese dienen der besseren Vermittlung.
  • die Kapitel als eine Art Lektion konzipieren. Da gibt es meist eine Einführung oder einen Kapitelüberblick (oft mit Lernzielen am Anfang) und am Ende Zusammenfassungen. 
  • "Navigationshilfen" zur Orientierung einsetzen: Im Vergleich zu anderen Fachbüchern finden sich mehr Überschriften und Zwischenüberschriften. Ein gutes Lehrbuch ist auf den ersten Blick gut organisiert.
  • Fragen zum Verständnis oder zum Zusammenfassen einzelner Konzepte und/oder Fragen zur Diskussion auflisten, oft am Ende eines Kapitels. Solche Fragen sind dafür gedacht, dass Studenten sie zum erneuten Durcharbeiten und als "Testfragen" zur Vorbereitung für Prüfungen benutzen (was Studenten leider selten tun, es sei denn, der Professor gibt das als Hausaufgabe auf).
  • auf weiterführende Literatur sowie auf externe Quellen verweisen, z.B. auch Weblinks.
Companion Websites: Begleitende Internetseiten zum Lehrbuch
Zu den neueren Trends deutscher Lehrbucherlage (in den USA ein ziemlich alter Trend) gehören Internetseiten oder ganze Lernportale ("companion websites"). Was findet man dort? 
  • ergänzende Literaturhinweise,
  • Linklisten,
  • Zusammenfassungen und PowerPoint-Folien, die nach Kapiteln gegliedert sind,
  • Multimedia (z.B. Videos und interaktive Grafiken)
  • Glossare,
  • Online-Tests zum Abprüfen des Lernerfolgs,
  • Aktualisierungen, Ergänzungen und Korrekturen zum Buch.
Also eine ganze Menge Mehrwert – wenn man es denn nutzt. Ein Beispiel sind die Angebote der UTB-Verlagsgruppe "UTB-Mehr-wissen", vor allem für die Reihe der Bachelor-Lehrbücher. (Dafür muss man sich anmelden, manchmal gibt es den Zugangsschlüssel nur mit Bucherwerb.)

Professoren weisen manchmal darauf hin, sie nutzen und integrieren das jedoch noch eher selten. Trotzdem nachschauen, ob der Verlag zusätzliche Materialien zur Verfügung stellt. Das gilt ganz besonders für englischsprachige Textbooks, da die Wahrscheinlichkeit hoch ist, dass es eine "Companion Website" gibt.

Tipps zum Lesen von Lehrbüchern
Auch wenn ein Lehrbuch gut verständlich und eingängig ist: Einmaliges Lesen führt selten dazu, dass man das Wissen vollständig aufnimmt. Man muss Lehrbücher "durchackern", positiv formuliert: sich das Wissen aktiv erarbeiten. Zum Beispiel durch:
  • Zusammenfassen wesentlicher Inhalte in eigenen Worten.
  • Herausschreiben wichtiger Fachbegriffe – lernen Sie diese wie Vokabeln einer Fremdsprache, z.B. mit einem Partner, der Sie abfragt. Gibt es eine Begleit-Seite im Internet, findet sich dort manchmal auch ein "Vokabeltrainer".
  • Durcharbeiten der Verständnis- und Diskussionsfragen am Kapitelende.
  • eingehender Beschäftigung mit Beispielen. Können Sie eigene Beispiele hinzufügen?
Besonders sinnvoll ist es, wenn Sie Fragen zu einem Kapitel herausschreiben und die Frage in der Lehrveranstaltung stellen. (Professoren mögen das.)

Ganz wichtig ist, dass Sie verstehen, wie Ihr Lehrbuch das Wissen organisiert. Studenten nehmen Inhaltsverzeichnis und die Erläuterungen für den Gebrauch (z.B. in Vorwort/Einführungen) oft nicht wirklich wahr. Es lohnt sich aber, hier genau hinzusehen:
  • Inhaltsverzeichnis: Wie ist es aufgebaut? Können Sie die Logik des Aufbaus erkennen?
  • Wenn Sie ein einzelnes Kapitel lesen, machen Sie sich ein Bild davon, wo es im Buchaufbau steht.
  • Achten Sie auf Erläuterungen zur Gliederung oder Symbole für Lernhilfen.

Interviews führen: Vom Umgang mit Experten

In Abschlussarbeiten befragen Studenten gelegentlich Experten zu ihrem Thema. Experteninterviews sind ein gängiges qualitatives Erhebungsinstrument in den Wirtschafts- und Sozialwissenschaften. Interviews kann man zum Beispiel verwenden, um Themen breit zu erkunden („exploratives“ Vorgehen) oder um bestimmte Thesen aus der wissenschaftlichen Literatur zu überprüfen.

Wichtig sind sie vor allem, wenn Sie während der Recherche wenig Schriftliches finden. Oder wenn Sie sich auf einen wenig bekannten Fall konzentrieren, z.B. eine Entscheidung in einem Betrieb oder etwas sehr Aktuelles. Zusammen mit anderen Quellen können Interviews flexibel zur Informationsbeschaffung dienen, wenn sie planmäßig und mit wissenschaftlicher Systematik geführt werden. Eine Alltagsplauderei sind sie ja nicht.

Bei Experteninterviews kommt es darauf an, das besondere Wissen der Experten anzuzapfen. Dabei geht es oft um Hintergründe einer Entscheidung oder eines Prozesses.

Wer sind die Experten? Experten sind manchmal unabhängige Beobachter, manchmal auch Entscheidungsträger und Beteiligte eines Sachverhalts, den man untersuchen will. Wer Experte ist, entscheiden Sie selbst – möglichst begründet.

Allerdings ist das erfolgreiche Führen von Experteninterviews Erfahrungssache. Erfahrung haben die meisten Studenten aber nicht. Viele Interviews gelingen auf Anhieb, weil die Gesprächspartner Studenten gegenüber offen sind und gern Auskunft geben. Aber manche Interviews sind nicht so ertragreich, wie sie sein könnten. Das ist dann enttäuschend. Manchmal kommt es sogar zu kritischen Situationen. Ein gewisses Risiko ist also immer dabei. Schließlich kosten Interviews viel Zeit für Vor- und Nachbereitung. Grund genug, sich solide über die Methode zu informieren.

Ein guter Einstieg sind Online-Einführungen zur Methode wie:
Auch die Bibliothek bietet einiges an Ratgebern zur empirischen Sozialforschung und speziell zu qualitativen Befragungen. Einfach mal im WebOPAC und im Regal stöbern, beispielsweise Atteslander (2008), Methoden der empirischen Sozialforschung – das Standardwerk erhält einen guten Überblick zur Interviewführung. Weitere Empfehlungen:
  • Bogner et al. (2005) Das Experteninterview: Theorie, Methode, Anwendung
  • Froschauer (2003) Das qualitative Interview
  • Nohl (2009) Interview und dokumentarische Methode: Anleitungen für die Forschungspraxis
  • Lehmann (2001) Das Interview. Erheben von Fakten und Meinungen im Unternehmen
  • Britten (2008) Interviews planen, durchführen, verschriftlichen
  • Gläser/Laudel (2009) Experteninterviews und qualitative Inhaltsanalyse
  • Küsters (2009) Narrative Interviews: Grundlagen und Anwendungen
  • Martens/Ritter (2008) Eliten am Telefon: neue Formen von Experteninterviews in der Praxis.
Es gibt also eine ganze Menge Praxistipps, die die Konzeption und Durchführung von Experteninterviews sehr erleichtern. Sinnvoll ist es außerdem, sich einige Bücher, Aufsätze und Abschlussarbeiten anzusehen, die mit Experteninterviews gearbeitet haben. Im Methodenkapitel finden sich Erläuterungen, wie die Interviews zu Stande gekommen sind; im Haupttext lässt sich erkennen, wie der Autor Interviewzitate eingebettet und ggf. kommentiert hat.

Kein Experte ist wie der andere: 10 Typen, die man in Interviews trifft

Speziell mit dem Verhalten von Befragten im Interview beschäftigt sich ein lesenswertes Paper von Kerstin Martens und Michael Brüggemann (Uni Bremen) „Kein Experte ist wie der andere: vom Umgang mit Missionaren und Geschichtenerzählern“ (TranState working papers 39, 2006).
„Die Rolle, die der Experte im Interview einnimmt, so unsere These, ist dabei letztlich mitentscheidend für den Erfolg und die weitere Verwertbarkeit der durch ein Interview gesammelten Antworten. (...)

Der Beitrag entwickelt eine Typologie unterschiedlicher Interviewpartner und stellt deren jeweilige Besonderheiten dar. Experten lassen sich nach ihrem Kommunikationsstil (detailverliebt, anekdotenhaft, abstrahierend, ausweichend, contra-faktisch) und nach ihrer Intention, an einem Interview teilzunehmen (Informationsweitergabe, Persuasion), unterscheiden. 
Entlang dieser beiden Dimensionen lassen sich zehn Typen von Experten unterscheiden. Eine solche Typologie hilft, Herausforderungen an eine Interviewsituation (Zeitmanagement, Faktensammlung, Ermittlung von Meinungen) frühzeitig zu erkennen und Interviewstrategien (aktives Zeitmanagement, Konkretisierung, Konfrontation, Bekenntnisstrategie, Versachlichungsstrategie) zu entwickeln, um möglichen problematischen Verhaltensmustern, die solche Experten zeigen, entgegenzuwirken.“
Die beiden Forscher stellen ihre Ergebnisse in dieser Tabelle dar (um sie zu verstehen, sollte man allerdings den Text lesen):



Die beiden haben 10 Typen beschrieben, die man allerdings in Reinform in der Realität nicht antreffen wird. Die charakteristischen Verhaltensweisen haben die Autoren zugespitzt und abgegrenzt. Ihnen geht es um eine grobe Skizze. Außerdem lassen sie die „unproblematischen“ Interviewpartner außen vor, also das Glück eines Forschers, auf stets bereitwillig, umfassend und systematisch antwortende Experten zu treffen. Ihnen geht es mehr um diejenigen, die dem Interviewer Probleme bereiten können.

    Der Bürokrat

    Zunächst gibt es da fünf eher Informations-orientierte Typen. So trifft man häufiger den „Bürokraten“, insbesondere im staatlichen Verwaltungsbetrieb. Der ist rational und stets auf Korrektheit bei Details bedacht, hält aber seine eigene Meinung hinterm Berg. Der Interviewer erhält sachliche, technisch detailgenaue Infos.

    Das Problem: Bürokraten überfrachten das Interviews mit zu vielen Einzelheiten, und plötzlich kommt der Interviewer nicht mehr zu wichtigen Fragen, weil die Zeit abgelaufen ist. Die Herausforderung liegt insbesondere beim Zeitmanagement der Gesprächsführung. Außerdem muss man ganz schön drücken, um die Befragten zu eindeutigen Bewertungen und Preisgabe persönlicher Einstellungen zu bewegen.

    Der Geschichtenerzähler

    Dann sind da die Geschichtenerzähler. Sie sind sehr kommunikativ und plaudern munter drauflos. „Geschichtenerzähler antworten auch auf einfache Faktenfragen mit einer Anekdote, die aufschlussreich sein soll, aber nicht unbedingt den Sachverhalt trifft.“ Wie die Bürokraten verlieren sie sich oft im Detail. Unterbrechen lassen sie sich nur schwer. Wo bleibt dann der rote Faden im Interview? Auch hier ist Zeitmanagement kritisch. Andererseits sind die konkreten Beispiele und „Geschichten“ oft wertvoll, manchmal faszinierend.

    Der Analytiker

    Der Typ Analytiker findet sich oft bei Wissenschaftlern. „Sie nehmen den wissenschaftlichen Fragern viel Arbeit ab, denn sie abstrahieren und synthetisieren Information.“ Aber gerade weil sie das tun, wandert das Interview weg von konkreten Fakten, Details und genauen Beschreibungen hin zu allgemeinen Interpretationen. Der Analytiker will sich nicht einfach befragen lassen, sondern greift mitten hinein in die Forschungsarbeit des Interviewers („Mit dieser Frage wollen Sie sicherlich herausfinden, warum … Nun, das ist so...“).

    Der Skeptiker

    Skeptiker sind misstrauisch. Das sind Leute, die eher ungern kommunizieren und repräsentieren. Vielleicht haben sie ins Interview nur eingewilligt, weil ein Vorgesetzter das so wollte oder sie sich aus anderem Grund nicht entziehen mochten. Der Skeptiker will genau wissen, welche seiner Aussagen wie verwendet werden; diskutiert über die Spielregeln des Interviews oder sperrt sich auch mal bei Fragen. Er weicht aus, verweist auf andere, bleibt im Allgemeinen oder erzählt Selbstverständliches, gibt nichts Konkretes heraus. Konkrete Informationen muss man ihm aus der Nase ziehen – und scheitert bisweilen an dem Sturkopf.

    Der Pädagoge

    Hilfreicher sind die Pädagogen. Sie geben gern Infos und verpacken sie schön. Der Interviewer wird zum Schüler, den man belehren muss und für den man – zum Beispiel mit fiktiven Beispielen – Erklärungen der Wirklichkeit parat hat. Gut gemeint, aber für den Interviewer ist das eine Falle. Statt sich auf den Sachverhalt in der Realität zu beziehen, präsentiert der Pädagoge unpassende und ablenkende Beispiele. Immerhin ist der Mitteilungsdrang der Pädagogen so groß, dass man gut beim Konkreten nachfassen kann.

    Der Besserwisser

    Nun kommen die Autoren zu den fünf Typen, die eher überzeugen als Infos liefern wollen. Wer vor allem Fakten sammeln will, hat es mit diesen eher schwer. Dafür kann man bei Ihnen einiges zur Ideologie, zu Weltbildern, Perspektiven und Meinungen einsammeln. Weil sie aber überzeugen wollen, manipulieren sie den Interviewer aber auch immer ein bisschen. Und manchmal auf ziemlich dreiste Weise.

    Besserwisser geben gern ein Interview und wollen dabei zeigen, wie gut sie im Thema stehen. Sie sehen sich ja selbst als Experten und wollen auch so behandelt werden. „Die Anfrage nach einem Interview überrascht den Besserwisser nicht, sondern es erscheint ihm ganz natürlich befragt zu werden“. Nur sind sie leider Egozentriker. Statt auf Fragen zu antworten, wollen sie das Interview dominieren („Also wissen Sie, eigentlich ist das gar kein Thema für ein Forschungsprojekt, ich habe ja auch promoviert und …“). Der Besserwisser kritisiert dann schon mal ausführlich die Formulierung der Fragen. Auf einfache Sachfragen kommen nicht konkrete Aussagen, sondern viel Meinung.

    Außerdem neigen sie zur Anspielung: „Sie deuten ihr Insiderwissen an, geben es aber nur in kleinen Häppchen preis. Wenn sich die Fragende auf diese Strategie einlässt, wird sie gegebenenfalls zu interessanten Einsichten in die Weltsicht der Besserwisser kommen, aber möglicherweise von den eigentlichen Fragen abkommen.“ Immerhin plaudert der Besserwisser gern über Interna, wenn er sich damit selbst in ein gutes Licht setzt.

    Der Missionar

    Für den Typ Missionar ist das Interview ein Medium, um seine „Botschaft“ einem größeren Publikum zu vermitteln. Sehr gesprächig, mogelt er sich aber gerne um die eigentlichen Fragen herum und kommt immer wieder zu seiner „Botschaft“ zurück. Dadurch sinkt dann schnell der Informationswert  des Interviews. „Die Parabel ist ein wichtiges Element ihres Kommunikationsstil, allerdings ist Missionaren die Moral der Geschichte wichtiger als die sachliche Präzision.“

    Der Verkäufer

    Verwandt sind die Missionare mit dem Verkäufer. „Verkäufer sind die säkularisierte Form des Missionars. Oft findet sich dieser Typus in den mit der Außendarstellung befassten Stellen einer Organisation. Verkäufer wollen überzeugen, aber ihre Dogmatik bezieht sich weniger auf quasi-metaphysische Überzeugungen als auf ihr professionelles Interesse, ihre Institution ins beste Licht zu stellen.“ Ein Interview ist die Chance für ein „Verkaufsgespräch“. Verkäufer sind offen, hilfsbereit, vermitteln weitere Ansprechpartner.

    Unangenehm wird es dann aber bei kritischen Fragen. Das haben die Verkäufer nicht so gern, sie weichen aus und flüchten ins Abstrakte. „Insgesamt ist von ihnen eher unvollständige Information zu erwarten beziehungsweise von ihnen selektiv instrumentalisierte Information.“ Und wenn sie plaudern, stellt man hinterher fest, dass man die Infos genauso gut anderswo hätte bekommen können.

    Der Zyniker

    Weiter gibt es noch die Zyniker. Das sind die „Anti-Verkäufer“. Sie sind sehr nützliche Informationsquellen, weil sie gern und viel darüber reden, was schief läuft, was frustriert, was anders gemacht werden sollte. Sie sind so einseitig und ausweichend wie der Verkäufer, nur seitenverkehrt. 

    „Häufig lassen Zyniker ihrer Frustration freien Lauf, insbesondere wenn sie den Eindruck haben, nichts mehr verlieren zu können – daher fürchten sie auch nicht, dass ihnen ein Interview noch schaden kann. Sie glauben, die von der Organisation aufgrund ihrer Funktion und Position vorgegebene Rolle nicht mehr spielen zu müssen, weil sie sich schon am Ende ihrer persönlichen Karriereleiter sehen oder kurz vor der Pensionierung stehen.“

    Der Haken: Zyniker übertreiben, ohne dass man es merkt. Sie sind nicht immer so differenziert und sachlich, wie man es als Interviewer gern hätte.

    Der Demagoge

    Schließlich sind da die Demagogen. Eher eine seltene Spezies, weil sie an tiefschürfenden Einzelgesprächen mit Wissenschaftlern eher wenig Interesse haben und weniger oft Interviews geben. Sie hätten lieber ein großes Publikum. Das sind öfter große Tiere, an der Spitze einer Organisation, politische Leute. Im Interview sehen auch sie die Chance, das Bild in der Öffentlichkeit zu steuern oder den Forscher auf ihre Seite zu ziehen. „Sie wollen überzeugen, sind dafür aber auch bereit, bewusst Unwahrheiten zu verbreiten und zu manipulieren. Sie werden viel Negatives und Insiderwissen über ihre Gegenspieler verbreiten und vor keiner Übertreibung zurückschrecken. Über das eigene Verhalten und die eigene Gruppe werden sie entweder schönfärberisch oder zurückhaltend Auskunft geben.“ 

    Beim Gespräch muss man also auf der Hut sein. Die Demagogie und Irreführungen muss man erkennen. Sehr aufschlussreich kann das schon sein, wie da jemand argumentiert. Nur ist es schwierig, alles zu entschlüsseln, was der Interviewpartner einem erzählt. Was die Wahrheit ist und was nicht, das bleibt oft im Nebel.

    Strategien für den Umgang mit den Expertentypen

    Wie geht man nun mit diesen Typen um? Wie führt man das Interview so, dass der Ertrag groß ist und die Fallen vermieden werden? Wie lockt man die zögerlichen Experten aus der Reserve? Kann man spielerisch provozieren? Wie kommt man zurück auf den eigenen Interview-Leitfaden, den eigenen Fragenkatalog? Wie fragt man nach, um Konkretes zu bekommen? Wie unterbricht man einen Redeschwall und managt die zur Verfügung stehende Zeit? Wie wechselt man geschickt das Thema?

    Darüber haben die Autoren auch einiges zu sagen.
    „Informationsvermittlern kann mit einer Bekenntnisstrategie entgegnet werden; Experten, deren Intention es ist, die Forscherin von einem ihnen wichtigen Inhalt zu überzeugen, sollte man mit einer Versachlichungsstrategie entgegentreten. Drei weitere Strategien betreffen jeweils eine Teilmenge der dargestellten Experten: Detailverliebten und anekdotenreichen Erzählern muss mit aktivem Zeitmanagement begegnet werden. Abstrahierende und ausweichende Experten können mit der Konkretisierungsstrategie festgelegt werden. Wenn der Wahrheitsgehalt von Aussagen in Frage steht, hilft möglicherweise eine Konfrontationsstrategie.“ (Mehr dazu im Paper)

    "13 Fehler, die jeder machen darf"

    Das Magazin Zeit Campus widmet sich dem Thema "13 Fehler, die jeder machen darf: Studenten tappen immer wieder in die gleichen Fallen. Warum das nicht so schlimm ist und was man daraus lernt".

    1. Fehler: Alles lesen, was der Prof vorgibt
    These: "Mit welcher Absicht erstellen Dozenten Literaturlisten? Erstens, um eine Übersicht über alle relevanten Texte zum Thema zu geben (und bisweilen einen Einstieg in die Seitenaspekte), klar. Zweitens, um den Studenten, vor allem aber den Kollegen deutlich zu machen, wie anspruchsvoll sie sind. Das ist hier kein Schmalspurseminar, und meine Literaturliste ist länger als deine! Was die Professoren nicht jedem verraten: Sie selbst lesen oft nur die Einleitung und die Zusammenfassung." (Mehr)

    2. Fehler: Lernen, lernen, lernen – auch nachts und am Wochenende
    "Das Deutsche Studentenwerk hat in seiner aktuellen Sozialerhebung herausgefunden: 31 Prozent der Studenten wenden mehr als 50 Stunden pro Woche für Studium und Job auf. Das entspricht etwa der Arbeitsbelastung eines durchschnittlichen Managers – und ist einfach viel zu viel. Ein Experte meint: "Die Gehirnkapazität ist begrenzt, mehr als 35 Stunden pro Woche sinnvoll zu lernen, schafft man nicht." (Mehr)

    3. Fehler: Zu viel Respekt vor dem Professor haben
    Studenten suchen selten und zu spät das Gespräch, scheuen sich vor Fragen: "Man lernt doch, selbstbestimmt zu arbeiten, wenn man dem Prof aus dem Weg geht... Spätestens vor der Abschlussarbeit hilft das alles nichts mehr: Man braucht einen Betreuer, und da ist es gut, wenn man schon einen Kontakt hatte"... Und: auch Professoren freuen sich, wenn sie als Ratgeber bei wichtigen Entscheidungen hinzugezogen werden. (Mehr)

    4. Fehler: Sich allein durchschlagen
    "Kommilitonen können anstrengend sein." Stets nur allein zu lernen und den Austausch nicht zu suchen, ist bequem – aber es entgeht einem auch was... (Mehr)

    5. Fehler: Sich zu spät zum nächsten Modul anmelden
    Studenten lesen zu selten die Prüfungsordnung, informieren sich nicht ausreichend und rechtzeitig, hören zu viel auf Gerüchte. Für Versäumnisse muss der Student aber selbst gerade stehen. (Mehr)

    6. Fehler: Prüfungen verschleppen, weil man sich selbst unterschätzt
    "Jeder kennt das: Bevor man etwas Schlechtes abgibt, startet man lieber noch einmal neu." Gute Idee? Vielleicht ja, denn im heutigen System zählt jede Fachnote für die Abschlussnote. Meistens nein, weil der Berg der aufgeschobenen Prüfungen immer größer wird. Und man wird Opfer der eigenen hohen Ansprüche. (Mehr)

    7. Fehler: Den Kopf hochrüsten und den Körper vergessenKörperlicher Ausgleich und Sport sind wichtig, auch und gerade in Prüfungsphasen. "Eine Stunde Laufen kann mehr bringen als eine Stunde zusätzliches Lernen." (Mehr)

    8. Fehler: Glauben, man käme in der Bibliothek allein zurecht
    Bibliothekarin Christiane Holtz: "Viele Studenten fragen zu wenig, und sie unterschätzen oft die Komplexität einer großen Uni-Bibliothek. Sie informieren sich nicht genug. Dadurch entgehen ihnen viele unserer Angebote." Studenten sollten die Online-Hilfstexte der Bibliothek lesen, Schulungen nutzen, die Bibliothekare um Mithilfe bei Recherchen fragen. (Mehr)

    9. Fehler: Aus der Bachelorarbeit ein Forschungsprojekt machen
    Studenten seien oft nicht in der Lage, ihre Abschlussarbeit abzugeben, "weil sie eine große emotionale Bindung zu ihr entwickelt haben".  Aber man muss aufpassen, dass man nicht zu perfekt sein will. (Mehr)

    10. Fehler: Den Betreuer nach seiner Reputation auswählen
    "Ein großer Name auf dem Abschlusszeugnis sieht gut aus – also bittet man die Koryphäe des Instituts persönlich, einen zu betreuen. Das kann nach hinten losgehen: Ein Prof kann bei der Abschlussarbeit richtig Schwierigkeiten machen, vor allem, wenn man ihn nicht einschätzen kann. Am Anfang sagt er womöglich gar nicht, was er will. Und am Ende ist die Note plötzlich schlecht, weil er viel mehr verlangt als andere." (Mehr)

    11. Fehler: Die Abschlussarbeit auf den letzten Drücker fertig machen
    Was ein Copy-Shop-Besitzer über die Formatierungs- und Vervielfältigungs-Probleme in letzter Minute erzählt...  (Mehr)

    12. Fehler: Nicht ins Ausland gehen
    Nur jeder vierte Student geht ins Ausland. Einer der häufigsten Hinderungsgründe ist das Geld. Dafür gibt es Auslandsbafög und Stipendien des DAAD. (Mehr)

    13. Fehler: Sich mit dem Studium zu sehr beeilen
    "Die Studiendauer wird von Studenten gemeinhin überschätzt. Was wirklich zählt, ist die Persönlichkeit eines Bewerbers." Das sagen Personalchefs häufig. Schnelles Studium ist gut, aber ohne Engagement, Praxiserfahrung und einen erweiterten Horizont sieht das so gut gar nicht aus. Und dafür braucht man mehr Zeit. (Mehr)

    Diese 13 Fehler sollte man vermeiden, aber wenn es nicht klappt, ist es auch nicht allzu schlimm, meint die Zeit. Dagegen gebe es drei Fehler, die solle man auf keinen Fall machen:

    1. Die Freunde für die Uni vernachlässigen
    Wenn der Leistungsdruck dazu führt, dass Erfolg als wichtiger angesehen werde als soziale Kontakte, ist das destruktiv. Freunde sind wichtiger denn je. Und an der Hochschule gibt es die Möglichkeit, Privates und Berufliches zu verbinden. Im Berufsleben schließe man Freundschaften nicht mehr so leicht. (Mehr)

    2. Aus Schusseligkeit durchfallenEin Fachwalt erklärt, mit was man beim Prüfungsamt durchkommt – und mit was nicht. Mit einem normalen Arzt-Attest beispielsweise kann man scheitern, wenn man aus Krankheitsgründen fehlt. Auch Täuschungsversuche sind sein Metier... (Mehr)

    3. Glauben, man dürfte keinen Fehler machen
    "Es ist sehr wichtig, dass Sie im Studium auch mal scheitern ... Nur so lernen Sie, damit umzugehen", sagen Experten von Beratungsstellen. Wenn es ernst wird, sollte man sich von diesen auch beraten lassen. Für die Sprechstunde ist kein Problem zu klein (Mehr)

    18. Dezember 2010

    Die Vorlesung: mitschreiben, überleben und erleben

    Häufigste Frage von Studenten in den ersten Vorlesungen: Was ist die beste Methode des Mitschreibens? Das Wort "Mitschreiben" klingt nach Dauerprotokoll. Aber: Alles aufschreiben, was der Prof sagt – das führt nur zum Krampf in der Schreibhand. Man kann definitiv zu viel mitschreiben.

    Sie sitzen nicht in der Vorlesung, um Stenografie zu lernen. Es ist sogar so: Während Sie schreiben, denken Sie nicht, und wenn Sie ganz viel mitschreiben, lernen Sie weniger, als wenn Sie gar nichts mitschreiben. Es kann Ihnen passieren, dass Sie Ihren Notizblock vollmachen, aber wenn Sie sich Ihre Notizen hinterher anschauen, sagt Ihnen das Geschriebene nichts mehr. Man könnte sagen: Je mehr Notizen Sie haben, desto unwahrscheinlicher ist es, dass es Ihnen bei der Nacharbeit und bei der Prüfungsvorbereitung hilft. Weniger ist mehr.

    Patentrezepte gibt es nicht. Was die "beste" oder "richtige" Methode ist, muss jeder für sich entwickeln. Tipps und Anregungen gibt es auf einigen Internetseiten, zum Beispiel:

    Was die Mitschrift leisten soll, hängt von der Absicht des Studenten ab. Hans-Jürgen Apel, Ex-Pädagogikprofessor an der Uni Bayreuth, hat in seinem Buch für Dozenten "Die Vorlesung - Einführung in eine akademische Lehrform" (1999) zwei Basisstrategien bei Studenten ausgemacht:
    • die Strategie des Auswendiglernens: pragmatisch richten sich Studenten danach aus, wie sie ihr "Prüfungswissen" auf möglichst schnelle Weise aneignen können. Eine weitergehende Durchdringung der Inhalte ist für sie keine Thema. Es geht ihnen also darum, Vorlesungsteile, Begriffe, Einzelaussagen, Regeln wie vorgegeben auswendig zu lernen, um sie für die Klausur parat zu haben. Die Aufmerksamkeit bleibt dann natürlich an der Oberfläche.
    • die Strategie des Verstehen-Wollens: Hier geht es Studenten darum, die Aussagen einer Vorlesung über Texte, Tabellen, Formeln usw. in einen Zusammenhang einzuordnen. Sie wollen sich die Grundstruktur merken, nicht einzelne Worte. Sie reichern das Gehörte mit anderem an. Sie formulieren den Stoff mit eigenen Worten um, stellen Zusammenhänge mit dem bereits Erlernten her.
    Es ist plausibel, dass dann auch die Mitschrift jeweils anders aussieht.

    Die Vorlesung und die Hochschule selbst beeinflussen natürlich, welche Strategien Studenten verfolgen. Wer in der Vorlesung zum Fragen und Weiterdenken motiviert wird, verlässt vielleicht eher den Pfad des Auswendiglernens. Ist der Prüfungsdruck hoch, fixieren sich mehr Studenten auf die Mitschrift als Prüfungsvorbereitung. Das sind Fragen des Lernklimas.

    Außerdem liegt ein Schlüssel in der Fachkultur – juristische Vorlesungen zu den Grundlagen des BGB sehen z.B. anders aus als betriebswirtschaftliche zum Personalmanagement oder politikwissenschaftliche zur Europapolitik.

    Die Vorlesung ist als akademische Lehrform ebenso gewöhnungsbedürftig wie schwierig zu meistern. Und obwohl sie an Hochschulen typisch und selbstverständlich ist, so ist sie doch auch umstritten. Sie stellt hohe Ansprüche: erstens an die Lerntechniken der Studenten, zweitens an das Können der Profs als Lehrer.

    Stunde der Wahrheit:
    Persönlicher Vermittlungsstil und Vorlesungstypen


    Das Besondere an Vorlesungen – im Vergleich zum Lehrbuch – ist die Abhängigkeit vom persönlichen Stil der Darstellung und Vermittlung.
    • Der eine Professor ist eine Faktenschleuder, die andere Professorin will immerzu Fragen aufwerfen und im Dialog Vorlesung machen. 
    • Die eine legt rasantes Tempo vor, der andere geht gemächlich nur durch Grundlegendes. 
    • Der eine will Fans für sein Fach gewinnen, die andere hält das nicht für nötig. 
    • Während ein Professor perfekte Systematik liefert, bietet der andere reichlich Anregungen zum Selbststudium und Selber-Denken. 
    • Der eine will Prüfungsmaterial liefern, die andere kritisches Denken einüben. 
    • Die eine hält sich strikt an ein Buch oder an ein umfassendes Skript, der andere geht stets über die schriftlichen Materialien hinaus – und wenn es Tafelbilder oder Folien gibt, muss man sich ganz viel dazu notieren, weil man diese nicht ohne das Gehörte verstehen kann.

    Was heißt das fürs Mitschreiben? Die tatsächliche Vorlesung bietet nur Rohmaterial, das bearbeitet werden will. Mitschriften – und die Nachbearbeitung des Gehörten – müssen sich anpassen. Diese Anpassungsfähigkeit will gelernt sein. Darum hat Mitschrift eben auch etwas mit Lerntechnik zu tun – mit Lerntechnik, die von der Lehrtechnik des Profs abhängig ist.

    Das ist nicht nur geistige Gängelei. Das zu lernen, ist im Berufsleben wichtig. Sich einstellen zu können auf unterschiedliche Weisen der Informationsvermittlung, ist eine zentrale Qualifikation und Kompetenz.

    Was Professoren manchmal aus Vorlesungen machen, ist, zugegeben, manchmal furchtbar. Wenn die Vorlesung einfach schlecht ist, ist es absurd, wenn Profs über die "Konsumhaltung" oder "geistige Trägheit" von Studenten schimpfen – oder darüber, dass die heutige Generation kaum noch mehr als ein paar Minuten konzentriert zuhören kann. Die Kritik von Studenten ist dann genauso harsch, und es geht ihnen nur noch darum, die Vorlesung zu überleben. Was oft auch heißt, Verwirrung und Langeweile zu bekämpfen. Die Mitschrift hat dabei den Zweck, Ordnung ins Chaos zu bringen und mit Lehrbüchern abzugleichen. Viel besser ist natürlich, wenn die Vorlesung und dann die Mitschrift zum "aktiven Lernen" und Selbststudium beitragen.

    Vom persönlichen Vermittlungsstil der Professoren hängt also ganz schön viel ab. Mehr noch, das "Erlebnis Vorlesung" gibt dem Studium erst die persönliche Note.  Was macht eine Vorlesung bei einem Prof unverwechselbar und einmalig? Ganz sicher nicht nur das Thema. Was ist der Mehrwert der Anwesenheit in einer Vorlesung? Bestimmt auch die "Verlebendigung" der Wissenschaft. Da steht ein realer Mensch aus Fleisch und Blut, mit mehr oder weniger Glaubwürdigkeit. Als Student kann man persönliche Perspektiven erfahren, den Gedankengang eines mehr oder minder kompetenten Experten miterleben.

    Auch weil Vorlesungen etwas sehr Individuelles sein können, sind Mitschriften anders als Fachbücher. Die Mitschrift kann natürlich nur so gut, interessant und hilfreich sein wie die Vorlesung, auf der sie beruht. Im besten Fall liefert eine Vorlesung gute Orientierung über ein Fach und Thema, sie vermittelt nicht nur Prüfungsstoff, sondern Einsichten und Anregungen, sie ist aktuell, präsentiert Beispiele und Anwendungen. Schließlich weckt sie Interesse, Motivation, vielleicht sogar Begeisterung, jedenfalls: Appetit auf mehr. Das alles nicht nur klar, strukturiert und korrekt, sondern möglichst lebendig, einfallsreich und einprägsam.

    Dem Anspruch werden wir Professoren häufig nicht gerecht – mal aus Mangel an Erfahrung und didaktischer Ausbildung, mal aus Naivität, mal aus aus schlechter Laune, mal aus anders gesetzten Prioritäten, mal aus Unwillen. Nicht jeder Hochschullehrer begreift sich vorrangig als Lehrer, sondern eher als Experte, der sein Wissen teilt – das ist für Studenten wichtig zu verstehen.
    "Ursprünglich nicht mehr als eine zeitsparende Methode zur Verbreitung von standardisiertem Lehrbuchwissen, ist die Vorlesung im Zeitalter des Kopierers zur letzten Bastion von Individualität im Universitätsbetrieb geworden.
    Im Hörsaal schlägt jedem Gelehrten die Stunde der Wahrheit",

    schrieb der Kulturjournalist Richard Kämmerlings vor einigen Jahren in der FAZ. Er entwickelte dabei "eine kleine Typologie des Vorlesungsstils". Kämmerling grenzte fünf Idealtypen (das sind nicht Ideale, sondern Modelle in Reinkultur) voneinander ab: den Beamten, den Stegreifspieler, den Clown, den Diktator und das Medium.
    • Der Beamte habe stets einen ausformulierten Vortrag parat, manchmal auswendig gelernt. "Verschiedene Register vermag er nicht zu ziehen, dafür öffnet er beim Reden schön der Reihe nach alle Schubladen im Hirnkasten. Er verheddert sich nie, bietet aber auch keinerlei Überraschungsmomente. Auf Kapitel römisch zwei, arabisch eins, klein b alpha folgt mit Sicherheit beta, und selbst Zitate aus dem Kopf lassen sich mittels präziser Literaturangaben wiederfinden." Er erzähle er nie von sich und trage stets unauffällig korrekte Anzüge. Wer etwas Persönliches erfahren wolle, müsse zwischen den Sätzen hören.
    • Das Gegenteil sei der Stegreifspieler. Der hat gar keinen Text als Grundlage. "Deswegen sucht er öfter Zuflucht beim Nächstliegenden, und das ist er selbst. So nimmt der ganze Hörsaal Anteil an hochschulbürokratischen Intrigen, Tagungsbekanntschaften und Kinoerlebnissen. Der Vorlesende weiß ebensowenig wie seine Hörer, wohin ihn die Verfertigung der Gedanken beim Reden treiben wird. Vom Hölzchen kommt er aufs Stöckchen und verläßt so mitunter die ausgetretenen Pfade biederer Gelehrsamkeit und entdeckt ungeahnte Passagen." Allerdings entpuppe sich "die terra incognita als Niemandsland, aus dem kein Weg und keine Wendung zurückführt. Verschachtelte Satzkonstruktionen brechen unvermittelt ab, geöffnete Klammern werden nie geschlossen". Der genarrte Student, folgert Kämmerlings, werde keinen klaren Gedanken mit nach Hause tragen können.

    • Dann gibt es noch den Clown. Der improvisiert nur scheinbar, meint Kämmerlings. Der Auftritt dieses Unterhaltungskünstlers sei in Wahrheit bis ins Detail einstudiert. "Je größer das Auditorium, desto besser die Vorstellung. In dieser perfekten One-Man-Show sitzt jeder Witz, kommt jede Pointe passend zur unbemerkten Argumentationslücke. Eine beliebte Nummer ist die Hilflosigkeit beim Umgang mit Tageslichtprojektoren, Mikrophonen oder Saalbeleuchtung. Ein guter Clown bezieht sein Publikum ein, hat aber jede Reaktion bereits vorausberechnet." Sein geheimer Wahlspruch stamme von Nietzsche: "Je abstrakter die Wahrheit ist, die man lehren will, um so mehr muß man erst die Sinne zu ihr verführen."

    • Der Clown sei eng verwandt mit dem Diktator, doch beim Diktator lachten die Studenten nur aus Angst. Hier gilt: Ordnung muss ein, und die wird durchgesetzt. "Er beherrscht sein Thema und den Hörsaal. Seinem Vortrag folgt man wie einem Befehl. Der Diktator diktiert, Wort für Wort, er will noch kontrollieren, was die Hörer in ihre Kladden schreiben, und herrscht schon einmal Novizen in der ersten Reihe an: 'Warum schreiben sie das jetzt nicht mit? Das ist wichtig.'"

    • Der interessanteste Fall sei das Medium. Mit Medium meint Kämmerlings eine Person, die im Sinne des Okkultismus Verbindung mit Geistern und sonstigem Jenseits herstellen kann – zum Beispiel mit verstorbenen Theoretikern. "Durch das Medium spricht der Forschungsgegenstand selbst, Subjekt und Objekt verschmelzen miteinander." Das führe so weit, dass der Vortragende seinen Gegenstand imitiert, die Studenten würden Zeuge einer Seelenwanderung. Wo das Zitat aufhört und der Kommentar beginnt, das wüssten die Hörer kaum noch. "Über Wilhelm von Humboldt etwa handelt das echte Medium in harmonischem Zusammenspiel von Vernunft und Sinnlichkeit, steht Schiller auf dem Plan, dann wettert es prompt mit Moorschem Feuer gegen das eigene tintenklecksende Säkulum. Seine Vorlesung über die Dandy-Figur in der Weltliteratur kann dagegen auch im schummerigen Hörsaal nicht ohne Sonnenbrille über die Bühne gehen."
    Die Zuordnung zu einem dieser fünf Typen dürfe man allerdings nicht schon für ein Qualitätsurteil halten, meint Kämmerlings. "So gibt es schlampige Beamte, lächerliche Diktatoren oder auch - das schlimmste - langweilige Clowns. Doch ist der Vorlesungsstil in jedem Fall ein Indikator dafür, ob ein Professor vom Charisma seines Themas hingerissen oder von der Blässe des Gedankens selber angekränkelt ist." (Frankfurter Allgemeine Zeitung, 14.04.1999, Nr. 86, S. 56)

    17. Dezember 2010

    Labern vermeiden: Der MEAL-Plan

    Die Menüplanung der Mensaköche ist nicht gemeint, wenn vom "MEAL Plan" die Rede ist. Vielmehr steckt hinter dem Begriff eine Kurzanleitung für pointiertes wissenschaftliches Schreiben. Sie ahnen es schon: Es waren clevere Amerikaner, die den Begriff geprägt haben. Der "MEAL Plan" wird an US-Hochschulen gerne in den Writing Centers verwendet, um das Schreibhandwerk zu vermitteln.
    • Es ist ein Konzept für Textabsätze, die es in sich haben:
      MEAL steht für Main idea, Evidence/Examples, Analysis, Link. 
    Besonders für ungeübte Schreiber ist dies ein recht hilfreiches Konzept, um Selbstdisziplin bei der Textgestaltung zu wahren und "Labern" zu vermeiden.

    In der Schule haben Sie vermutlich gelernt: Ein gut strukturierter Aufsatz oder Essay hat eine Einleitung (am besten mit einer These), einen Hauptteil und einen Schluss. Was im Großen gilt, gilt auch im Kleinen – was für den Aufsatz gilt, gilt auch für den Absatz.

    "Main Idea"
    Ein Absatz sollte eine Grundidee haben, eine Kernaussage, ein zentrales Thema. Nicht mehr. (Bevor Sie in ein neues Thema rutschen, machen Sie lieber einen neuen Absatz.)

    Ein Absatz stellt also eine Idee vor und erläutert diese. Beim wissenschaftlichen Schreiben geht es meist um ein zentrales Argument.

    In der Regel wird es im ersten Satz vorgestellt – das muss aber nicht so sein. Man will ja auch nicht wie ein Roboter schreiben, sondern einigermaßen elegant und flüssig.
    Eigentlich ist es egal, ob die zentrale Idee im ersten, zweiten oder letzten Satz auftaucht. Es ist auch in Ordnung, wenn zwei oder drei zusammenhängende Ideen präsentiert werden, solange sie unters selbe Dach passen. Wichtig ist allein, dass der Leser am Ende eines Absatzes klar im Bilde ist, was den Absatz ausmacht.

    Denken Sie an Ihre schlechten Lehrbücher: Wenn Sie das Gefühl haben, dass Sie ständig die Absätze zweimal lesen müssen, um sie zu verstehen, kann's nicht gut sein.

    "Evidence / Examples"
    Wissenschaftlichkeit beruht darauf, dass jede Behauptung durch stützendes Material unterfüttert wird. Im besten Fall ein Beweis, ein Beleg, zumindest ein Beispiel. 

    Stellen Sie sich vor, Sie seien Rechtsanwalt oder Staatsanwalt in einem Gerichtsprozess. Sie können nicht einfach nur etwas behaupten – das wird den Richter nicht beeindrucken, und die gegnerische Partei wird Sie auseinandernehmen. Was tun Sie also? Sie rufen Zeugen auf, bringen Beweismaterial (Dokumente, Fotos, Videos, Spuren, Fingerabdrücke) bei, lassen Sachverständige aussagen, holen Gutachten ein, beziehen sich auf Vorschriften, vergleichbare Fälle und höchstrichterliche Entscheidungen. Wenn das alles nicht eindeutig ist, versuchen Sie's wenigstens mit Indizien ("Hilfstatsachen"). Außerdem versuchen Sie die Beweismittel der Gegenseite zu widerlegen oder wenigstens in Zweifel zu ziehen.

    Ihr Leser (z.B. Ihr Professor) ist Ihr Richter – möglicherweise parteiisch und der Gegenseite zugeneigt. Ist er von der Richtigkeit Ihrer Behauptung nicht überzeugt, weil sie nicht begründet und belegt wird, haben Sie schlechte Karten. Also: Für jede Idee, die Sie einführen, bringen Sie Beweise, Belege und Beispiele bei. Das sind typischerweise Zitate aus der Literatur, Definitionen, Zahlen, Daten, Fakten, Beispiele aus verschiedenen Quellen.

    "Analysis"
    Beschreibung allein ist ein bißchen dünn; Fakten und Verweise sprechen nicht für sich. Sie müssen erklärt und erläutert werden. Der Leser muss wissen, wie er das gezeigte Material zu deuten hat. Und was Ihre Perspektive als Autor ist. Mithin: Worauf es beim wissenschaftlichen Schreiben ankommt (und was aus befriedigenden Texten gute macht), das ist Analyse.

    Bei der Analyse geht es darum, den Untersuchungsgegenstand in seine Bestandteile zu zerlegen und diese genauer zu sortieren, zu untersuchen und zu interpretieren. Bekanntlich ist das Ganze mehr als die Summe seiner Teile, darum muss der Gesamtzusammenhang betrachtet werden – Kontext ist wichtig. Trotzdem gilt erst einmal: nachvollziehbar in Einzelteile zerlegen, vergleichen, Stärken und Schwächen abwägen. Zeigen Sie, dass Sie mit dem unter "E" wie "Evidence/Example" beigebrachten Material wirklich arbeiten, statt es nur zu sammeln.

    Viele Studenten meinen, die fleißige Zusammenstellung von Zitaten sei schon die ganze Arbeit. Irrtum. Ein Schuh wird erst draus, wenn Sie die Zitate ordnen, gewichten, bewerten, wenn Sie erläutern, worin der Wert des Zitats liegt. Jedes Zitat sollte also eingebettet werden in Ihre eigenen Worte.

    Professoren reagieren negativ, wenn ein Text nur aus einer Batterie von Zitaten besteht ("hat der auch 'ne eigene Meinung? Weiß der überhaupt, wovon die zitierten Autoren sprechen?"). Es soll ja Ihr Text sein und kein Cocktail fremder Texte. Ihre eigene Leistung zeigen Sie dadurch, dass Sie die Zitate interpretieren. Lassen Sie also Zitate, und seien sie noch so toll formuliert, nicht alleine stehen. 

    Oder anders gesagt: Lassen Sie den Leser nicht mit den Zitaten und Fakten allein! Sie mögen denken, der Leser kommt doch selbstständig zum richtigen Schluss. Nein, kommt er nicht. Nehmen Sie ihn bei der Hand.


    "Link"
    Mit Link ist Verbindung gemeint, oder auch Übergang. Man könnte auch Nahtstelle sagen, zum nächsten Absatz nämlich, zum vorherigen Absatz möglicherweise auch und zum Gesamtzusammenhang Ihres Textes.

    Sie kennen doch die Redensart vom "roten Faden"? Mit dem roten Faden nähen Sie die Absätze zusammen. Sie zeigen, wie der Absatz zu Ihrer übergeordneten Untersuchung beigetragen hat. Wie das eine zum anderen gehört.

    Es geht um die Relevanz des Absatzes, den Sie gerade geschrieben haben. Zeigen Sie dem Leser, warum der Absatz für den Text wichtig war. Muss aber nicht unbedingt mit dem Holzhammer sein, Sie dürfen auch andeuten und implizit formulieren.

    Jedenfalls: Am Ende eines Absatzes sollte klar werden, auf welches Konto der Absatz einzahlt. Das ist der Moment, in dem Sie beim Leser ein "Aha!" erzeugen können, weil sich ihm die Logik und der Aufbau Ihres Textes erschließt. Je mehr "Ahas!", desto besser.

    Every Baby Knows the Scientific Method

    Dieses schöne Poster zeigt die Wirklichkeit des Lebens mit kleinen Kindern... und die Grundprinzipien der wissenschaftlichen Methode.

    Websites beobachten – automatisch, systematisch

    Was gibt's online Neues zu meinem Thema? Man kann viel Zeit damit verplempern, immer wieder munter drauflos zu stöbern. Die ungerichtete Suche hat zwar ihre Vorteile. Im Sinne einer guten Zeit- und Projektplanung ist es aber besser, nach der Anfangsphase auf automatische Benachrichtigungsdienste zu setzen.

    Google Alert
    Die beliebteste Suchmaschine arbeitet auch im ständigen Abo-Auftrag: Google Alert lässt sich leicht mit Schlagworten einrichten, und zwar für "alles" oder getrennt nach News, Blogs, Neueinträgen (Realtime), Video oder Diskussionsforen/Newsgroups. Wie häufig GoogleAlert melden soll (einmal täglich, einmal wöchentlich, ständig), lässt sich einstellen; und auch, ob nur die "besten" Ergebnisse oder alle an die vorgegebene Email-Adresse geliefert werden sollen. Genauso funktioniert auch der Email-Benachrichtigungsdienst bei GoogleScholar (für wissenschaftliche Texte) und der von Yahoo, YahooAlerts 

    Benachrichtigungsfunktion in Datenbanken
    Wenn Sie in passwortgeschützten fachwissenschaftlichen Datenbanken recherchieren, also z.B. in "Science Direct" oder "Web of Science" in Lizenz der "Digitalen Bibliothek" der TH Wildau, finden Sie meist auch einen Alert-Dienst vor.

    Wenn die Datenbank also einen neuen Aufsatz oder ein Buch zu Ihrem Thema aufnimmt, lassen Sie sich per Email benachrichtigen.

    Einzelne Internetseiten verfolgen
    Die oben genannten Funktionen gehen mit dem großen Schleppnetz durch die Bestände. Anders liegt der Fall, wenn Sie bereits einige Internetseiten als Favoriten haben, die Sie beobachten wollen. Die Aufgabe heißt "Tracking", Sie verfolgen also gezielt die Datenspur einer Internet-Publikation.

    Viele Websites bieten einen Email-Newsletter zum Abo an. Dieser wird häufig ergänzt oder ersetzt durch eine andere Möglichkeit: per "Feed", eine Art Nachrichtenticker. RSS und ATOM sind Funktionen im XML-Format, also in einer Computersprache, die die simple Weiterleitung von Inhalten ermöglicht.

    Die Technik muss Sie aber nicht weiter interessieren – es ist ganz leicht.

    Der Vorteil gegenüber dem Email-Newsletter-Abo: Sie müssen sich nicht anmelden und keine persönlichen Email-Adressen an Fremde weitergeben, die dann auch umständlich von diesem verwaltet werden müssen.

    Möglichkeit 1: RSS/ATOM
    Viele Seiten bieten heute RSS- und ATOM-Feeds an, eine Art Abo für neue Inhalte, die auf den Seiten eingestellt werden. Für RSS und ATOM brauchen Sie einen Feed-Reader, der die Feeds liest und verwaltet – manuell eintragen oder per Mausklick auf Symbol (RSS, ATOM, XML). Kompliziert? Gar nicht.
    • In den meisten neuen Browsern ist ein Reader eingebaut (Firefox, Internet Explorer 7, GoogleChrome, Opera, Safari). Zusätzliche „add-ons“ sind über „Optionen“ (o.a. Menüpunkte) einbaubar, z.B. Update Scanner für Firefox sowie spezielle Add-ons zum Tracker Ihrer Wahl (anstelle von Email-Benachrichtigung, oder zur Ergänzung). 
    • Im Email-Programm MS Outlook 2007 ist diese Abo-Funktion ebenfalls eingebaut (per Klick auf Website mit RSS oder „Extras“ und „Kontoeinstellungen“). Ähnlich bei anderen Email-Programmen.
    Das heißt: Im Regelfall klicken Sie während Ihres Webseiten-Besuchs einfach auf das RSS/ATOM-Zeichen, und Outlook  (o.a.) richtet automatisch ein Postfach für die zu empfangenen Feeds ein. So können Sie bequem in Ihrer Post nachschauen, ob's etwas Neues gibt.

    Wenn Sie doch einen externen Reader haben wollen oder brauchen, so sind diese kostenlos verfügbar oder zu kaufen – Übersicht z.B. auf www.RSS-Verzeichnis.de. Dort gibt es überdies die Möglichkeit, nach Internetseiten mit RSS-Feeds zu suchen. Ähnlich auch www.rss-scout.de und www.feedster.com. Wenn Sie speziell nach wissenschaftlichen Seiten suchen, ist SciencePORT etwas für Sie (deutsch: de.scienceport.org, international: scienceport.org). 

    Möglichkeit 2: Gezieltes Web-Tracking ohne RSS/ATOM
    Nun gibt es zahlreiche Websites ohne RSS/ATOM-Feed; und selbst wenn, so liegt es in der Hand des Betreibers einer Website zu entscheiden, was über den Nachrichtenticker geht.

    Stattdessen können Sie zur Beobachtung von Websites Tracker-Programme einsetzen.

    Hier gibt es kostenpflichtige Profi-Programme, aber auch kostenfreie Dienste, bei denen Sie sich nur anmelden müssen. Sie können dann wählen, ob Sie zu einer bestimmten Website alle neuen Inhalte oder nur Inhalte zu bestimmten Stichworten Nachrichten erhalten wollen. Beispiele:

    •    C4C CheckForChange, mit Firefox-Extension 
    •    ChangeDetection
    •    Diffbot 
    •    FollowThatPage, mit Firefox-Extension 
    •    TrackEngine 
    •    WatchThatPage 

    Wie immer im wissenschaftlichen Leben muss man aufpassen, dass man nicht mit Datenschrott zugemüllt wird. Websites, die sich nicht als produktiv für die eigene Arbeit erweisen, sollte man von Zeit zu Zeit aussortieren.

    Eine gute Möglichkeit für den schnellen Überblick über Neues auf Ihren Lieblingsseiten ist die Erstellung einer personalisierten Startseite bei Google, Yahoo, Windows Live, Pageflakes oder Netvibes. Hier stellen Sie Seiten mit RSS-Feeds zusammen, die dann gemeinsam angezeigt werden. 

    Zitat- und Literaturverwaltung mit Word

    Für die Quellenverwaltung und einheitliche, fehlerfreie Zitierformate gibt es nichts Besseres als ein ordentliches Literaturverwaltungs-programm, und davon gibt es – auch kostenlos – viele (z.B. Basisversion Citavi, WibTex, Lit-Link, JabRef, Bibliographix, LiteRat, Biblioexpress, u.a.). Zu den altbekannten gesellen sich neuerdings Browser-gestützte, auch Web 2.0-fähige Programme wie Zotero. 

    Aber: Für kleinere Belegarbeiten und Projekte reicht dagegen meistens die kleine Lösung, nämlich über die eingebauten Funktion in der Textverarbeitung. Hier geht es speziell um das meist verwendete MS Word 2007 / 2010 (OpenOffice bietet aber ebenfalls eine Literaturverwaltung).

    Im Menüreiter "Verweise" (Abbildung links) findet sich die Funktionsrubrik "Zitate und Literaturverzeichnis". Das wichtigste Feature ist zunächst einmal der "Quellen-Manager", eine Art Masterquellenliste. Hier müssen die bibliographischen Daten erfasst werden (Autor, Titel usw.). Die Verzeichnisfelder unterscheiden sich nach Quellenart (Buch, Buchabschnitt, Zeitschriftenaufsatz, Zeitungsartikel, Webdokument u.a.). Wichtig: Öffnen Sie ggf. "Alle Literaturverzeichnisfelder anzeigen", um zusätzliche Infos einzugeben.

    Neu angelegte Quellen werden im linken Feld angezeigt (Abbildung links, Feld 1 - Masterliste). Die Masterliste kann man auch für andere Texte verwenden, z.B. für eine weitere Belegarbeit.

    Zitieren Sie eine Quelle, wird sie ins Feld 2 (Aktuelle Liste) kopiert. Das ist sozusagen das Protokoll aller tatsächlich verwendeten Quellen. (Während der normalen Textarbeit muss der Quellen-Manager nicht geöffnet sein.)

    Im Quellen-Manager wird im Fenster unten zudem eine Vorschau auf das Im-Text-Zitat (Feld 3) und auf den Eintrag im Literaturverzeichnis (Feld 4) gegeben.

    Sie können also auch die "Optik" leicht kontrollieren. Gerade die richtige Formatierung treibt vielen Studenten den Schweiß auf die Stirn – aber Word übernimmt die nervige Aufgabe und sichert die Einheitlichkeit sowohl beim Zitatbeleg als auch bei der Erstellung des Quellenverzeichnisses am Schluss der Arbeit. So sollte eigentlich nichts schiefgehen, vorausgesetzt, die Daten wurden vollständig erfasst (sonst gilt das alte Computer-Motto: "Garbage in, garbage out").

    Die Minimalanforderung in studentischen Arbeiten ist, dass ein einheitliches, konsistentes System für die Zitation benutzt wird. Das Problem ist gelöst, jedoch noch nicht die Frage, nach welchen Richtlinien (Zitationsstil) formatiert wird.

    Word bietet von Haus aus 8 verschiedene Formatvorlagen, also Zitationsstile, an (siehe Abbildung), teilweise in 2 Varianten.

    Wenn Sie den Zitationsstil für alle Quellen wechseln müssen/wollen, ist das mit ein paar Klicks getan. Sie müssen also nicht mehr auf Web-Helferlein wie CitationMachine, EasyBib o.ä. zurückgreifen. So weit, so gut.

    Doch zeigt sich, dass Word eben kein vollwertiges Literaturverwaltungsprogramm ist. Erstens ist die Vorauswahl der Quellenarten eingeschränkt, zweitens: Wo Citavi & Co Hunderte Zitationsstile zur Auswahl anbieten, sind es hier nur wenige. Sie zu ergänzen, ist mit "Stylesheets" (XLS) möglich, aber eine Fummelei für computeraffine Bastler. Da bietet Microsoft kaum Service.

    Für deutsche Studenten (und Professoren) ist die Auswahl nicht so erfreulich, denn die internationalen Zitationsstile sind noch längst nicht überall Standard. Hier heißt es, von alten deutschen Gewohnheiten Abschied zu nehmen – oder verzichten. 

    Aus den USA importiert, werden die auch in Europa inzwischen weitverbreiteten Zitationsstile APA, Chicago/Turabian und MLA bei Word mitgeliefert. Außerdem ISO 690 (International Standardization Organization, das internationale Gegenstück zu DIN). Daneben bietet Word Standards aus Russland (GOST), China (GB7714) und Japan (SIST02), was allerdings in Deutschland nicht in Frage kommt.

    DIN1505, Duden oder gar deutsche juristische Zitationsstile sucht man vergeblich. Solange dem betreuenden Professor der Zitationsstil egal ist, kein Problem. Wird aber ein spezieller verlangt, der bei Word nicht eingebaut ist, bleibt nichts anderes übrig, als entweder (a) umständlich XLS-Stylesheets zu erstellen oder, wohl häufiger, (b) das automatisch erstellte Literaturverzeichnis hinterher per Hand umzubauen, und die Zitatformatierung möglicherweise ebenfalls. Das ist natürlich nicht der Sinn der Sache!

    Wenn es also absehbar mit dem Zitationsstil Probleme mit dem Betreuer geben könnte: Erstens mit dem Professor sprechen, ob dieser einen der Word-Zitationsstile akzeptiert; und wenn nicht, zweitens doch darüber nachdenken, ein externe Literaturverwaltung zu verwenden. Schnittstellen zu Word sind überall eingebaut, so dass sich die Daten leicht exportieren lassen. Die Bequemlichkeit der integrierten Word-Literaturverwaltung ist dann aber dahin.
    Angesichts der Beschränkungen in Word sollte man bei größeren Projekten auf jeden Fall über reguläre Literaturverwaltungsprogramme nachdenken. Sie sind recht leistungsfähig, vielseitig und auch für Computeramateure recht schnell und einfach bedienbar. Für Abschlussarbeiten mit viel Literatur und sonstigen Quellen ist das ein wichtiges und eigentlich kaum noch verzichtbares Hilfsmittel – insbesondere deshalb, weil sich nicht nur die bibliographischen Daten, sondern auch Zitate, Anmerkungen und vieles mehr managen lassen (d.h., man kann effektiv im eigenen Rechercheschatz suchen, das spart viel Zeit). Aus Tausenden Bibliotheksdatenbanken lassen sich online vollständige Datensätze einlesen. Anderswo heruntergeladene Volltext-PDF lassen sich einbauen. Auch bei den Ausgabeformaten hat man eine große Auswahl. Undundund.

      Internet-Archiv: In der WayBackMachine recherchieren

      "Das Internet vergisst nichts", heißt es – das Löschen einmal veröffentlichter Dateien sei vergeblich. Da ist was Wahres dran. Aber das heißt noch lange nicht, dass jeder ganz einfach auf alles, was irgendwann einmal online war, zugreifen könnte. Das ist oftmals Expertensache.

      Einen ziemlich einfachen Weg, "verschwundene" Inhalte von Websites wiederzufinden, bietet immerhin die "WayBackMachine" auf Archive.org.

      Dieses amerikanische Projekt der Langzeitarchivierung digitaler Daten ist in den 1990ern gegründet worden. Von Zeit zu Zeit wird eine Momentaufnahme von WWW-Seiten erstellt (aber auch von anderen Dateien). Für die meisten Websites ist es also möglich, eine Webadresse einzugeben und per Klick auf „Take Me Back“ eine Zeitreise zu früheren Versionen zu unternehmen.

      Das kann bei Recherchen sehr hilfreich sein. Für Fallstudien über politische Kampagnen und Projekte konnte ich die WayBackMachine schon mehrfach sehr umfassend und ertragreich nutzen.

      Spaß macht es auch. Die WayBackMachine führt uns beispielsweise zur allerersten archivierten Homepage der TFH Wildau vom 14. Oktober 1997. Gruselige Optik – nicht vergleichbar mit dem stromlinienförmigen Webdesign heute! Aber damals waren die Ansprüche noch nicht so hoch.




      Allerdings gibt es - siehe die FAQ dazu – bei der Recherche auch Einschränkungen und Nachteile. Vielfach fehlen z.B. Bilder, wenn nur die Texte gespeichert werden und die aktuelle Version die Bilder nicht mehr verfügbar hält. Oder: Links führen ins Nirgendwo. Manchmal muss man sich durch eine ganze Reihe von Alt-Versionen klicken, um einen vollständigen Überblick zu erhalten (je nachdem, wie häufig es Änderungen gab). Weiter gibt es das Problem der Zeitverzögerung – wie eine Website vor zwei Monaten ausgesehen hat, ist möglicherweise erst in ein paar Monaten sichtbar.

      Davon abgesehen, ist der historische Zustand auch als solcher zu betrachten: Ob der Inhalt heute noch vom Herausgeber einer solchen Website vertreten wird, kann man nicht wissen.

      Schließlich: Website-Herausgeber, die sich vom Internet-Archiv nicht archivieren lassen wollen, können ihre Seiten auf Anfrage entfernen lassen oder bauen einen automatischen Archiv-Schutzmechanismus ein. Das tun kundige Webdesigner heute sehr häufig.

      Interessant sind übrigens die Sammlungen (Web Collections) zu historisch wichtigen Ereignissen (vom Tsunami in Asien über US-Präsidentenwahlen bis zum Terroranschlag aufs World Trade Center). Mein Favorit: "Web Pioneers - The Early Years". Ein schöner Blick ins Familienalbum des frühen Internet – so sah das damals wirklich aus!

      Akademische Suchmaschinen & Portale

      Was die meisten Studenten nicht wissen: Google (und andere Suchmaschinen) haben keinen Zugriff auf die Online-Datenbanken der großen wissenschaftlichen Fachverlage, in denen der größte Teil der renommierten akademischen Fachzeitschriften erscheint. Also genau das, was Professoren sehen wollen, findet Google nicht!

      Der Königsweg zu wissenschaftlichen Aufsätzen führt daher schnurstracks zu den Datenbanken der "Digitalen Bibliothek": Hochschulen abonnieren die (sehr teuren) Datenbanken der wissenschaftlichen Fachverlage, und Hochschulangehörige können durch diese Lizenz auf dem Campus, aber auch passwortgeschützt via VPN-Client von zu Hause oder unterwegs aus, darin recherchieren.

      Trotzdem gibt es natürlich auch im freien Internet wissenschaftliche Aufsätze. Zum einen, weil Wissenschaftler nicht nur ein Interesse daran haben, in prestigeträchtigen Zeitschriften (mit beschränktem Zugang für Bezahl-Abos) zu erscheinen, sondern auch möglichst hohe Verbreitung und Zugänglichkeit ihrer Forschungsergebnisse zu sichern. Zum anderen, weil die Open-Access-Bewegung unter Wissenschaftlern aus politischen und praktischen Gründen viele Anhänger findet.
      Suchmaschinen
      In vielen solcher frei verfügbaren Sammlungen können nun wissenschaftlich ausgerichtete Suchmaschinen kramen. Dazu gehören:
      So bieten diese Suchmaschinen auch einige praktische Funktionen für Studenten. Dazu gehört die automatische E-Mail-Benachrichtigung (ähnlich GoogleAlert): Wenn ein neuer wissenschaftlicher Beitrag erscheint, der einem Suchbegriff entspricht, kann man sich per E-Mail darauf hinweisen lassen. Gerade bei Abschlussarbeiten ein nützlicher Service. 

      Die Suchmaschinen garantieren nicht, dass man Volltexte findet. Manchmal sind es nur Zusammenfassungen/Abstracts oder Zitate. Aber auch das ist hilfreich.

      Wissenschaftliche Suchmaschinen suchen nicht nur in anderen Quellen als die Standard-Finderoboter, sondern sie ordnen die Suchergebnisse auch anders. Beispielsweise führt GoogleScholar ein Ranking aus, bei dem wichtig ist, wie oft ein Text in der wissenschaftlichen Literatur zitiert wurde.

      Hilfreich sind bei Google Scholar z.B. unter der Fundstelle die Angabe "Zitiert durch: ..." (hier kann man dann gleich nachschauen, in welchen Quellen der jeweilige Text wieder auftaucht) und die Suchfunktion "Ähnliche Artikel" (generiert eine Liste von Quellen mit ähnlichem Thema und ähnlichen Zitaten). Das erleichtert zu bewerten, wie wichtig eine Quelle ist und in welchem Kontext sie von wem genutzt worden ist.

      Außerdem gibt es die Funktion "Bibliothekssuche" (verbunden mit den Bestandsnachweisen in WorldCat). So führt der Weg dann möglicherweise doch zurück zu Bibliothek und Fachdatenbanken. Trotzdem lässt sich die Recherche nach wissenschaftlicher Literatur über diese Suchmaschinen deutlich besser und effizienter durchführen als über die Standard-Suchmaschinen.

      Online-Handbuch zur Internet-Recherche

      Können Sie mehr als Google? Im Internet suchen kann jeder, aber effektiv und effizient suchen erfordert komplexes Know-how.

      Das online frei verfügbare Handbuch Internet-Recherche von Rainer Werle ist ein solides Kompendium mit leicht verständlichen Beschreibungen zu Suchtechniken, Suchmaschinen, Webkatalogen u.a. (Inhaltsverzeichnis).

      Hilfreich ist das Handbuch auch mit praktischen Tipps zur Beurteilung von Informationen – wie seriös sind die Quellen, die man findet? Da das Web voll ist mit "Datenschrott", sind die Hinweise zu formalen Bewertungskriterien und inhaltlicher Beurteilung wichtig.

      Ganz taufrisch ist das Online-Handbuch nicht mehr (erschienen 2002), so ist insbesondere der Teil zur Suche "jenseits des WWW" (Newsgroups, Web 2.0) nicht auf dem neuesten Stand. Als Einführung und schnelle Referenz aber immer noch solide.

      Mehr zur Online-Recherche

      Unter den vielen Internetseiten mit Recherchetipps sind auch diese recht empfehlenswert für den Einstieg:

      Zitierfibel für Juristen

      Wenn es ums Zitieren geht, haben's Juristen besonders schwer: Sie machen es nicht nur anders als die meisten anderen Wissenschaften, es gibt keinen nationalen, geschweige denn einen internationalen Standard. Geschriebene Anleitungen: Fehlanzeige. In den meisten Literaturverwaltungsprogrammen (z.B. Citavi) ist die "juristische Zitierweise" auch ein Stiefkind, bei Microsoft Word sucht man einen voreingestellten Zitierstil für Juristen vergebens.

      Immerhin ist seit 2007 bei C.H. Beck ein kleines Büchlein auf dem Markt, das die größte Not lindert: Die Zitierfibel für Juristen

      Verfasst haben es die Professoren Sharon Byrd (Uni Jena, Law & Language Center) und Matthias Lehmann (Uni Halle-Wittenberg) in Zusammenarbeit mit den Redaktionen der Jura-Ausbildungszeitschriften NJW und JuS.

      Es ist tatsächlich eine alltagstaugliche Fibel und kein Profi-Publikationshandbuch für alle Zweifelsfälle; auch bietet es keineswegs eine großangelegte Zitations-Systematik, sondern führt recht schlicht auf, wie die Praxis bei NJW, JuS & Co aussieht. Der Fokus liegt auf typischen Rechtsquellenarten, ausgelassen werden dagegen viele Quellen, die in anderen Wissenschaften eine weitaus größere Rolle spielen.