24. Januar 2011

Übungstests sind besser als Büffeln

"To really learn, quit studying and take a test", schreibt die New York Times über eine neue wissenschaftliche Studie. Im Vergleich zum klassischen Büffeln und Auswendiglernen, aber auch im Vergleich zu aktiven Lernmethoden wie dem "Concept Mapping", zeigte sich: Bei Übungstests bleibt mehr hängen.

Psychologen der Purdue University haben mehrere Lernmethoden verglichen. Am besten schnitten dabei Übungstests ab. Solche Tests sind also nicht nur passive Abfragemethoden, um den Wissensstand festzustellen, sondern unterstützen das Lernen.

Eine mögliche Erklärung für den Erfolg der Übungstest-Methode: Wer sich testen lässt, erkennt leichter seine Wissenslücken, setzt sich anders mit den Fragen auseinander, speichert und organisiert sein Wissen anders – es wird leichter "abrufbar".

In einem zweigeteilten Experiment lasen 200 Hochschüler einen naturwissenschaftlichen Text und mussten eine Woche später dazu Fragen beantworten. Diejenigen, die sich bereits vorher einem Übungstest unterzogen hatten, sammelten im Vergleich zu den anderen Studenten eine bis um die Hälfte bessere Punktzahl (siehe Abbildung links, Quelle). Die anderen Lernmethoden waren klassisches "Büffeln", also Lesen und Einprägen, und das von modernen Pädagogen gern genutzte Concept Mapping, bei dem Studenten sich die zu lernenden Inhalte mit selbsterstellten Diagrammen (z.B. Mind Maps) aneignen und Zusammenhänge grafisch darstellen sollen. Das Mapping wird vor allem von Lerntheoretikern empfohlen, die sagen, Studenten sollen nicht auswendiglernen, sondern ihr Wissen selbst aktiv konstruieren, indem sie es begründen und auf kreative Weise darstellen (sog. "Konstruktivismus"-Theorie).

Interessant auch, dass die Studenten in der ersten Lernrunde eine Voraussage abgeben sollten, wie gut sie bei der Prüfung abschneiden würden. Das Ergebnis der Prognose war das genaue Gegenteil der tatsächlichen Prüfungsergebnisse: Diejenigen, die einen Übungstest ablegten, schätzten ihren späteren Erfolg viel schlechter ein als diejenigen, die statt des Übungstests auf andere Weise gelernt hatten.

Eine Erklärung dafür: Wer sich einem Übungstest unterzieht, macht dabei nicht unbedingt positive Erfahrungen – es ist mühsam, man kämpft sich durch, und es fühlt sich nicht so an, als lerne man dabei etwas. Tatsächlich sorgen auch die Fragen, zu denen man nicht sofort eine Antwort weiß, real für einen Lerneffekt.

Was heißt das nun praktisch für Studierende?
  • Lehrbücher enthalten meist Übungsfragen. Nicht ignorieren, sondern bearbeiten.
  • begleitende Internetseiten (companion websites), die von den Lehrbuchverlagen angeboten werden, enthalten oft ein Übungs-Quiz zu den Kapiteln des Lehrbuchs. Mehrmals durchackern.
  • Übungsaufgaben, die der Dozent anbietet, lösen und wiederholen.
  • Mit einer Arbeitsgruppe einen eigenen Test entwerfen und sich gegenseitig abfragen.
  • Wenn alte Klausuren verfügbar sind: nicht nur ansehen, sondern die Aufgaben selbst lösen.
  • Im Internet nach Übungstests suchen.

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