12. Juni 2011

Online-Recherche für Rechtsstudenten

"Die Generation der Digital Natives über richtigen Suchmaschineneinsatz zu belehren klingt aussichtslos. Aber es ist nötig", stellt der Frankfurter Juraprofessor Roland Schimmel fest. "Dass Rechtsstudenten in Fragen der Informationsrecherche schlecht oder gar nicht ausgebildet sind, zeigt sich selbst in Abschlussarbeiten noch überraschend oft. Die Schwächen juristischer Prüfungshausarbeiten liegen kaum in schlechter Rechtsrecherche, aber oft in unprofessioneller Faktenrecherche. Am Ende eines juristischen Studiums hat man gelernt, Gesetze und Urteile zu suchen. Fakten zu suchen betrachtet man eher als Aufgabe für Journalisten."
Klassische Übungs- und Prüfungsarbeiten, sagt Schimmel, ersparten den Teilnehmern die Mühe der Informationsbeschaffung. Anders sei es bei Seminar- und Abschlussarbeiten. Wenn die Studenten dabei einem "Quick-and-dirty-Konzept" folgten, halte diese Standardsuche wissenschaftlichen Anforderungen häufig nicht Stand.

Er und sein Kollege Denis Basak kritisieren "unreflektierten Umgang mit Netzressourcen". Sie mahnen an, Recherchen wirklich zu planen. Besonders legen sie Studenten ans Herz, juristische Fachdatenbanken, die Online-Kataloge der Bibliotheken und die vielfältigen Möglichkeiten der Suchmaschinen (und zwar nicht nur Google) zu nutzen -- besser und effizienter.  Wesentlich ist dabei die Überlegung, wofür die Informationen benötigt werden. Daraus ergeben sich oft unterschiedliche Recherche-Strategien.

Neben dem richtigen Suchen ist auch das Überprüfen der Suchergebnisse wichtig. "Vielen Studierenden ist zwar klar, welche gedruckte Literatur zitiert werden kann, und vor allem auch, welche nicht. Bei der Auswertung von Internetquellen fehlt hingegen dieses Gefühl immer noch erstaunlich vielen Studenten", bemängeln die Autoren.

Hier geht es um Fragen der Zitierfähigkeit (z.B. dauerhafte Verfügbarkeit der Quelle) und Zitierwürdigkeit (fachliche Qualität der Inhalte und Seriosität der Quelle). Ein quellenkritischer Blick sei nötig -- zum Beispiel, wenn man Texte von Websites von Anwaltskanzleien oder Lobbygruppen nutzt, die von bestimmten Interessen geleitet sind.
Die Autoren geben den Tipp: "Bleiben Sie möglichst bei Quellen, die Sie kennen und von deren Seriosität Sie absolut überzeugt sind. Finden Sie aber doch entscheidende Informationen auf Websites, die Sie nicht wirklich einschätzen können, dann bewahren Sie sich ein hohes Maß an kritischem Umgang mit Ihren Quellen. Vertrauen Sie diesen Inhalten nicht ungeprüft und machen Sie auch in Ihrer Arbeit deutlich, dass weder die Information noch ihre Quelle unbedingt verlässlich sind."
Die Fachdatenbanken wie Juris, Beck online, LexisNexis-Recht und Legios haben große Vorteile, so die Autoren: Sie bieten leichte Recherchemöglichkeiten, sind recht umfassend und aktuelle, eröffnen den Zugang zu vielen Primärquellen (Gesetzestexten, Urteilen) sowie den Volltextarchiven vieler klassischer Fachzeitschriften und sind uneingeschränkt zitierfähig und zitierwürdig. Dennoch gibt es einige Nachteile (z.B. keine Angaben von Seitenzahlen bei Juris).

Lehrbücher und Monographien, Festschriften und Sammelbände wird man in den Datenbanken allerdings nicht fehlen. In den Fundstellen und Fußnoten wird man Verweise darauf finden, sich die Bücher aber andernorts, in der Regel Bibliotheksregalen, besorgen müssen. Dafür bieten sich dann Online-Kataloge an -- nicht nur einzelner Bibliotheken, sondern auch von Bibliotheksverbünden (Verbundkataloge).

Abfragen in einer allgemeinen Suchmaschine sind für den Rechercheeinstieg in Ordnung. Aber auch hier haben die Autoren einiges zu kritisieren. "Wie man mit einer Suchmaschine umzugehen habe, muss sich heute niemand unter 30 mehr erklären lassen. Sollte man meinen. Stimmt aber nicht ganz. Der faktische Befund ist recht schlicht: Die weit überwiegende Mehrzahl der Nutzer verwendet ausschließlich das Produkt des Marktführers [Google] und benutzt dabei fast nur die einfache Suche." Für wissenschaftliche Suchen reicht das aber nicht aus, da haben die Autoren Recht. Im o.g. Artikel zeigen sie, wie man sinnvoll vorgeht.

In nichtjuristischen Fächern gibt es einige wissenschaftliche Suchmaschinen, die vorrangig wissenschaftliche Texte finden. Aber für rechtswissenschaftliche Themen gibt es bislang keine solchen, mithin weichen Studenten auf Portale und "mehr oder minder gut gepflegte Linksammlungen" aus (z.B. www.abogado.de, www.jurasuche.de, www.jura-lotse.de).

1 Kommentar:

  1. Was ich spannend finde: Einige der jungen Menschen kennen, obwohl sie mit dem Internet und seinen Möglichkeiten groß geworden sind, die üblichen und hilfreichen Suchstrategien nicht, die Google und andere Suchmaschinen bieten: Bei deren Einsatz (Operatoren wie inurl:, inanchor: etc.) reduziert sich auch bei wissenschaftlich orientierter Sachrecherche die Zahl der Treffer und die Relevanz steigt.

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